[Zitat] Kommentiert – 2008

Eines der schwierigsten Probleme bei der Suche nach Fachinformation liegt in der Bewältigung der Informationsflut, die vor allem durch das Internet entstanden ist.

Quelle: Gorski, Martin, Informationskompetenz im Spannungsfeld zwischen Schule und Universität – Beobachtungen zum Informations- und Suchverhalten in der gymnasialen Oberstufe und im Studium, In: Bibliotheksdienst, 42 (2008) 7, S. 740

Gorski bezieht sich dabei auf Boekhorst, P. te, Kays, M., Poll, R.: Nutzeranalyse des Systems der überregionalen Literatur- und Informationsversorgung – Teil I: Informationsverhalten und Informationsbedarf der Wissenschaft, Münster 2003. (in der Schnelle nicht beschaffbar, da nicht online 😉 )

Schade ist, dass er dabei nicht bedenkt, dass an dieser Stelle das Internet weder die Ursache für die Informationsüberflutung ist noch der Auslöser. Im Gegenteil, ohne das Internet wäre die Flut der Information noch weniger zu beherrschen. Ein Problem, dass durch das Internet verstärkt wird und eine höhere Anforderung an Informationskompetenz stellt, ist die Tatsache, dass mehr und mehr Redundanzen durch verteilte Speicherung der Daten entsteht, die sich im Gegenteil zu gedruckten Materialien häufig nicht mehr der Ursprungsquelle zuordnen lassen. Ein verstärkendes Element sind hier die Open Access-Bewegung (natürlich mit starken Einschränkungen) und entsprechende „freie“ Lizenzen. Dies ist ketzerisch gemeint, aber mit eine Ursache dafür, dass durch die Versionierung von Dateien, Artikeln, etc. nicht mehr nachvollziehbar ist, welches die letzte, gültige Version ist. Wer nur die Version Beta 3.0 findet, weil die Final Version als Post-Print dann doch einen etwas anderen Titel erhalten hat (vielleicht die einzige Änderung im Vergleich zu Beta 3.0), wird sich daher auf Beta 3.0 beziehen und freut sich, die Datei gefunden zu haben.
Was das Internet auch zur Informationsflut beiträgt nur einmal in Stichworten:

  • kostengünstige Publikationsplattform
  • kaum Peer-Review
  • mit Web 2.0 einfache Bedienbarkeit für die Publikation
  • „Plagiatismus“ und wenig Kontrolle

Allerdings kann man das Internet nicht als den Grund für die Informationsflut bezeichnen. Steigende Spezialisierung in den einzelnen Fachgebieten erforderten zunehmen weitere Zeitschriftenjournale und Konkurrenzjournale. Hinzu kamen immer bessere, billigere und einfachere Druckkonditionen, die zu mehr gedrucktem Material führte. Bereits vor dem Internet war es für den einzelnen Wissenschaftler doch kaum noch möglich, alle relevanten Texte zu seinem kompletten Themengebiet zu kennen, übergreifende Informationen schon gar nicht. Der Kollaps, der dadurch drohte, wurde durch das Internet und seine sich immer mehr verbessernden Suchtools nur hinausgezögert.


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