Zukunftsvision – DRM anhand von Papiermustern?

Wann merken Sie, dass die Zukunft schon angebrochen ist? Spätestens, wenn der Kopierer ihnen sagt, dass er das Original nicht kopieren will bzw. darf. Kennen Sie diese Codes schon?
2d-codes wikipedia
Hier können wichtige Informationen hinterlegt werden, z.B. URLs oder auch Berechtigungen. Sollten Scanner diese “standardisierten” Rechte aus den Codes auslesen können, kann es auch passieren, dass hier die Funktion nicht ausgeführt wird oder die Qualität extrem eingeschränkt wird. Aber zukünftig bedarf es hier vielleicht nicht mal mehr solcher auf den ersten Blick sichtbaren Zeichen.

Auf den ersten Blick unterscheiden sich unbedruckte Papierblätter nicht voneinander, außer vielleicht mal ein dunklerer Fleck, der eingelagert worden ist. Aber wer handgeschöpftes Papier kennt, weiß, dass sich da jedes Blatt durch seine Faserstruktur voneinander unterscheidet. Dies ist bei heute maschinell hergestelltem Papier nicht anders. Man benötigt jetzt nur ein Mikroskope, um es zu erkennen. Diese Einmaligkeit macht sich eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität in Princeton, der Universität von Michigan in Ann Arbor und vom University College in London zunutze. Sie haben die Papiere mit einer guten Auflösung von 1200 dpi gescannt. Das können ganz normale handelsübliche Scanner bereits.

Zur Vorgehensweise:
Das Blatt wird 4x um jeweils 90° gedreht eingescannt. Diese Scans werden von einer Software analysiert und aus den so gewonnenen Daten wird ein digitaler Fingerprint erstellt, der jedes Blatt einzeln identifizierbar macht.

With a well-preserved sheet of paper, the researchers said that their fingerprints are pretty close to 100% accurate. If the paper is soaked or marked up, things become trickier, but with error-correction software, it’s still easy to make a definitive ID, Clarkson said. “You have to significantly modify the document to make it become unidentifiable.”

Der Einsatz dieser Technik kann interessant sein für Geldscheine, Kunstwerke oder auch Arzneimittelverpackungen. Man könnte somit wertvolle Originale vor Fälschungen schützen. Ähnlich wie bei digitalen Wasserzeichen und Fingerprints von Dateien, lassen sich so Original und Fälschung unterscheiden und Fälschungswege nachvollziehen, aber ein Verstoß kann dadurch nicht grundlegend verhindert werden. Hier kann man von forensischen Mitteln sprechen.
Mit leistungsstärkerer Technik und einem dauerhaften, zwangsweisen Online-Anschluss, kann jedoch in Zukunft eine solche Technik auch eingesetzt werden, um das Einscannen oder Ausdrucken dieser Papiere zu verhindern. Original und Kopie könnten so auch voneinander unterscheidbar gemacht werden.

Oder:

More troubling, however, the technique could be used to track anonymous surveys or to monitor voting done on paper ballots. Ballot tracking wouldn’t be easy. Someone would have to scan the ballots before Election Day and then have a way of tracking the order in which these ballots were given out.

Unkritisch darf man also diese neue Entwicklung nicht sehen. Noch ist der Aufwand zu hoch, aber entsprechende Verfahren werden sicherlich entwickelt, sollte es dafür Bedarf geben.

Diese Technik soll von ihren Entdeckern im Mai auf der Sicherheitskonferenz des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) :engl: vorgestellt werden.

Quellen:
Researchers: Cheap scanners can ‘fingerprint’ paper :engl: via Computerworld.com
Pluta, Werner: Scanner erkennt Papier an seiner Struktur via golem.de

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3 Kommentare

  • Ich glaub bald hab ich den Ruf eines Nano-Fetischisten, aber der Artikel und das Video Winzige digitale Wasserzeichen gegen Markenfälscher – Genfer Wissenschaftler verändern die Mikrostruktur der zu schützenden Produkte bei Nano sind wirklich interessant in dem Zusammenhang (von 02.03.09).

    Es geht sowohl um eingefügte Wasserzeichen als auch um den Fingerabdruck durch die (vorhandene) Oberflächenstruktur. Interessant ist der Einsatz von Handys zur Prüfung, der etwas von der Assoziation von “Online” mit “Computer” wegführt. Bedenklich allerdings die recht bedenklos erwähnte Idee einer zentrale Datenbank.

    • Dörte Böhner

      Hallo Tobi,
      danke für den sehr wertvollen Hinweis. Ich hatte den Beitrag :video: auch gesehen, aber ich wußte nicht mehr wo.
      Die Begeisterung ist verständlich, eine unkritische Betrachtungsweise wohl fehlender Weitsicht zuzuschreiben. Die große Problematik dieser Techniken ist wohl, dass hier Rechte, die bisher nur analog verfolgbar waren, digitalisiert werden. Wenn ich nachweisen kann, ob Original oder nicht, kann ich auch weitergehende Rechte daran knüpfen. Solche Rechte können Verbote und Erlaubnisse sein. Und wenn man sich erst die Erlaubnis kaufen muss, eine schlechte Kopie eine Dokument machen zu dürfen, weil der Scanner erstmal die Berechtigung zum Scannen prüft, dürfte das nicht im Sinn der Allgemeinheit liegen.

  • Dörte Böhner

    Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Artikel und die dazugehörige Diskussion in der Zukunftswerkstatt zu QR-Code in Bibliothek