Associated Press geht gegen Blogger und Newsaggregatoren vor

We’d better hope it’s not “hot news” that the Associated Press announced “an aggressive effort to track down copyright violators on the Internet” at its annual board meeting Monday. If it is, we could conceivably find ourselves on the wrong end of an “aggressive effort” geared to fend off copycat competition and “misappropriation” in the dwindling market for timely reporting.

Die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) ist gemeinschaftlich organisiert und hat im Namen ihrer Mitglieder auf der letzten Jahresversammlung ein verschärftes Vorgehen gegen die Betreiber von Webangeboten angekündigt, sollten sie AP-Nachrichtenmaterial verwenden, wofür sie keine Nutzungslizenz erworben haben. Man zeigt sich wütend und zu allem entschlossen.

Vor dem Hintergrund des Zeitungssterbens in den USA sind in den Focus der AP die Blogger gerückt. Diese “zitieren” unter Berufung auf Fair-Use-Regelungen AP-Texte. Noch schlimmer in den Augen der AP sind Newsaggregatoren. Häufig sind dies automatisierte Dienste, die ohne journalistische Arbeit Nachrichten und Schlagzeilen sammeln und in Auszügen auf ihrer Seite veröffentlichen – und durch Klick-Kaskaden PIs erzeugen, die sich wiederum für Werbeeinnahmen nutzen lassen.

Heise nennt als deutsches Beispiel für letzteres Geschäftsmodell xoorg.com. Allerdings jetzt sind dort keine Angebote mehr zu finden:

Anmerkung
Aufgrund der Kritik von Heise.de geschlossen! Da dies ein privates Projekt war und ich keine Lust auf Ärger habe. Der Artikel von Heise.de ist im übrigen auf diese Seite bezogen nicht Verhältnismäßig. Wer möchte kann sich hier ein Bild der “wilden” Artikel-Sammlerei machen: [Klick!]

Bei diesem Angebot waren häufig erste Absätze aus Meldungen von heise online zu lesen. Klickte ein Leser auf “Weiterlesen”, wurde er nicht etwa zur Originalseite weitergeleitet, sondern auf eine weitere Seite des Aggregators. Dort stand ein wenig erweitert der gleiche Text nochmal und erst von dieser Seite wurde auf die Originalquelle verlinkt. Damit bewegte sich xoorg in einer Grauzone. Die großen Newsaggregatoren, z.B. Google, haben entsprechende Lizenzverträge abgeschlossen und zeigen neben den Schlagzeilen nur die Lead-Sätze.

AP will ein System entwickeln, mit dem überprüft werden kann, ob die eigenen Nachrichteninhalte auf legale Weise von einem externen Anbieter im Web verbreitet wurden. Die deutsche dpa kündigte bereits letztes Jahr ähnliche Maßnahmen an. Wie gut das Programm, welches AP verwendet will, tatsächlich funktioniert, muss sich zeigen. Dass es der Nachrichtenagentur ernst ist, sollte nicht bezweifelt werden. So hat AP Juni 2008 versucht von Bloggern, die AP-Quellen zitierten, Geld zu verlangen. Bei den verlangten Preisen müsste man abraten, auch nur ein Wort von AP zu zitieren.

  • 5-25 words: $ 12.50
  • 26-50 words: $ 17.50
  • 51-100 words: $ 25.00
  • 101-250 words: $ 50.00
  • 251 words and up: $ 100.00

AP will spezielle AP-News-Seiten ins Netz stellen, welche dann in Zeitungen, TV- und Radiostationen beworben werden sollen. Zur Erleichterung der wirtschaftlichen Situation der angeschlossenen Zeitungsverlage senkt Associated Press die Abogebühren 2010 um 30 Millionen Dollar. Dieses Zugeständnis wurde notwendig, da die Vertreter von rund 180 Zeitungen (14 Prozent) aus finanziellen Gründen die AP verlassen wollten. Auch die Autoren werden im nächsten Jahr den Gürtel enger schnallen müssen bei AP, da man herbe Verluste erwartet (Einnahmerückgang von 2008 210 Millionen Dollar auf 135 Millionen Dollar 2010).

Auch wenn man 2009 die Dienste noch nicht in der “Tiefe und Breite” verringern will, so kann der Konzern in 2010 nur noch 10% weniger pro geschriebenem Text für seine Autoren bezahlen.

Quellen:
AP wehrt sich gegen Newsaggregatoren und Blogger via heise online
Sanchez, Julian: AP launches campaign against Internet “misappropriation” bei ars technica
News unter Copyright-Schutz? bei gulli.com

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Open Access in Europa angekommen?

Im Rahmen des i2010-Initiative hatte die EU-Kommission bereits 2005 beschlossen, das kulturelle Erbe Gesamteuropas zu digitalisieren un allen Bürgern online zugänglich zu machen. Die erreichten Ergebnisse sind allerdings sehr dürftig.

Der Fehlstart der Europäischen Digitalen Bibliothek Europeana Ende 2008 dürfte den meisten noch lebhaft in Erinnerung sein. Sowohl die technische Ausstattung, d.h. Server,die dem ersten Ansturm nicht standhielten, als auch dürftige Inhalte. Seit ihrem Neustart im Dezember verharrt man in einem daueerhaften Beta-Status, auch wenn man das eigentlich immer von Web 2.0-Angeboten sagt 😉 Fraglich ist, ob sie das, was sie verspricht:

Das ist Europeana – ein Ort für Inspiration und Ideen. Durchsuchen Sie die kulturellen Sammlungen Europas, verbinden Sie sich mit den Suchwegen anderer und teilen Sie Ihre Entdeckungen.

Ob sie das je halten können wird?

Die EU-Kommission will endlich Forschritte sehen. Deshalb hat man das Ende 2008 abgelaufene Mandat hochrangier Experte zu Digitalen Bibliothken um ein weiteres Jahr verlängert. Die hochrangige Expertengruppe die Kommission berät, wie man von europäischer Seite den organisatorischen, rechtlichen und technischen Herausforderungen besser begegnen kann.

Die rechtliche Betrachtung ist sehr wichtig für die erfolgreiche Digitale Bibliothek.

Insbesondere geht es der EU-Kommission um Schrankenbestimmungen im Urheberrecht, um einen verbesserten Onlinezugriff auf urheberrechtlich geschützte Inhalte auf freiwilliger Basis, um nutzergenerierte Inhalte und um Verbesserungen beim “freie[n] Zugang zu wissenschaftlichen Informationen sowie […] zu Forschungsdaten”.

Zu dieser Fragestellung zählt auch der Umgang mit verwaisten und vergriffenen Werken.

Die rechtliche Seite wird eine schwere Nuss für die Expertengruppe. Sie soll in einer Zeit beraten, wo in den USA und in Europa heftig über den Umgang mit wissenschaftlichen Publikationen (z.B.) und urheberrechtlich geschützten Büchern (z.B. Google Books) gestritten wird. Gerade die Angst vor einem Monopolisten Google für digitale Publikationen macht die Runde im Publikationswesen.

In Deutschland ist die Diskussion zur Zeit sehr aktiv. Hier ziehen Verlage und prominente Geisteswissenschaftler in den Kampf gegen Open-Access-Pläne. Man spricht gerne von Enteignung und einem Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit. Man gibt sich nichteinmal die Mühe zwischen Open Access und Googles Vorgehen zu unterscheiden. Die Forderung, mit Steuermitteln finanzierte Forschungsergebnisse frei zugänglich zu machen, wird als Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit bezeichnet.

Innerhalb kurzer Zeit haben mehr als tausend Unterzeichner sich dem vom Germanisten Roland Reuß initiierten Heidelberger Appell “Für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte” angeschlossen. Erste Unterzeichner haben ihre Unterschrift aber auch bereits zurückgezogen.

Gerade heute hat der Konstanzer Bibliothekar Uwe Jochum und Unterzeichner des Heidelberg Appells noch einmal nachgelegt und die großen deutschen Forschungsorganisationen, die sich für Open Access stark machen, in der Frankfurter Rundschau scharf kritisiert:

Wenn die Allianz nun also meint, sie könne den Wissenschaftlern vorschreiben, unter welchen Bedingungen sie zu veröffentlichen haben, dann zwingt sie die Wissenschaftler zur Preisgabe eines Verfassungsrechts. Im Detail geht das so: Im ersten Schritt fordert die Allianz im Namen der Leser einen entgeltfreien Zugang zu den wissenschaftlichen Publikationen. Im zweiten Schritt erwartet die Allianz von den Wissenschaftlern, “dass die Autoren der Gesellschaft, die ihre Forschung durch Steuermittel möglich macht, einen einfachen Zugang zu ihren Publikationen eröffnen”, indem die wissenschaftlichen Autoren ihre Veröffentlichungen auf Open-Access-Servern bereitstellen.

Ist das nun wirklich der direkte Angriff auf die verfassungsrechtlich geschützte Wissenschaftsfreiheit? Eric Steinhauer hat sich dazu heute in seinem Blog “Wissenschaftsurheberrecht geäußert und auf die zwei Seiten der Medaille hingewiesen.

Die Publikationsfreiheit, deren genauer Inhalt – rechtswissenschaftlich jedenfalls – noch nicht in allen Facetten ausgeleuchtet ist, ist aber nur die eine Seite der Wissenschaftfreiheit. Freie Forschung heißt auch, ungehinderte Recherche. Das ist die andere Seite.

Die derzeit dürftigen Ergebnisse im Rahmen der EU-i2010-Strategie sind sicherlich auch einem sehr restriktiven und für digitale Werke unzureichend angepassten Urheberrecht geschuldet. Die politische Diskussion in Deutschland ist leider in den letzten Monaten sehr ruhig geworden. Doch das Vorgehen der EU-Kommission dürfte nun auch die deutsche Politik zu einer Stellungnahme zwingen. Die Lobbyisten bringen sich derzeit in Position und versuchen auch durch eine heftige Debatte ihren Einfluss geltend machen. Auf welche Seite sich die Politik schlägt, auf die der Verlage und Geisteswissenschaftler oder auf die der Open Access-Bewegung und den Natur- und Technikswissenschaftlern, ist derzeit nicht abzuschätzen. Verhärtete Fronten in diesem Bereich sind auf jeden Fall zu erwarten.

Ist Open Access in Europa angekommen? Das ist momentan nicht zu sagen. In Deutschland spaltet es derzeit zumindest die Lager in Bibliotheken, Verlagen und Wissenschaft.

Quelle
Gehring, Robert A.: EU-Kommission will Open Access fördern via golem.de

P.S. Lesenwert ist auch der Schwerpunkt Open Access und Geisteswissenschaften der aktuellen Ausgabe von LIBREAS

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Typisierung der Internetnutzer

Ich liebe Typisierungen. Man kann so ein unheimliches Identifikationsgefühl mit einer oder keiner der dort beschriebenen Typen aufbauen oder andere bequem in Schubladen stecken. Die Netzeitung gibt hier einmal mehr eine Steilvorlage.

Das US-amerikanische Pew-Institut hat zwei Umfragen mit jeweils 1500 bis 2000 erwachsenen Teilnehmern genutzt, um eine Typologie von Computer-, Internet- und Handy-Nutzern zu entwickeln. Die Umfragen wurden Dezember 2007 abgeschlossen und die Ergebnisse nun im März 2009 präsentiert. Nach dieser Studie lassen sich zehn verschiedene Einstellungen zum Umgang mit digitaler Technik und Interternet unterscheiden.

Überraschend für Meinereins, die das Gefühl hat, ohne Internet und Information nicht auszukommen, sind die beiden größten Gruppen in der Bevölkerung der USA. Mit jeweils 14 Prozent schlagen hier “Drifting surfers” (Gelegenheitssurfer) und “Off the Network” (Internetabstinenzler) zu Buche. Allerdings liegen auch die anderen Kategorien dicht beieinander. Ziehen wir also einma die einzelnen Schubladen auf und schauen, was sich darin so verbirgt.

1. “Digital Collaborators” (Digitale Mitarbeiter) – 8 %

Der Digitale Mitarbeiter ist stolzer Besitzer der meisten elektronischen Geräte und hat die umfangreichsten Kontakte im Netz. Er nutzt das Internet für die Zusammenarbeit mit anderen, zum Ausleben seiner Kreativität aber auch als reines Unterhaltungsmedium. Er ist aber nicht nur reiner Konsument, sondern veröffentlicht darin auch eigene Beiträge. Innerhalb dieser Gruppe befinden sich 56 Prozent Männer, alledings liegt das Durchschnittsalter bei 39 Jahren.

2. “Ambivalent Networkers” (Ambivalente Netzwerker) – 7 %

Dieser Ambivalente Netzwerker nutz das Internet ebenfalls intensiv, ohne dabei jedoch so enthusiastisch wie der Digitale Mitarbeiter zu sein. Der Netzwerker engagiert sich aktiv in Online-Netzwerken, aber ist eher wie Großstandjunkies getrieben von der Angst, er könnte sonst etwas verpassen. Er nutzt am intensivsten mobile Geräte für die Datenverbindung und sieht in der Technik eher eine Verpflichtung. Hier ist die Rate der Männer bei 60 Prozent und mit durchschnittlich 29 Jahren ist der Ambivalente Networker der Jüngste.

3. “Media Movers” (Medienschieber) – 7 %

Dieser “Medienschieber” dealt mit neuen Informationen, die er überall im Netz sammelt und an andere weitergibt. Seine Hauptroute im Netz bewegt sich entlang von Nachrichten-Portalen und Seiten für spezielle Interessen. Er outet sich duch die ständige Weitergabe von Links zu Artikeln und Videos. Seine mobilen Geräte nutzt er für Text- und Bildmitteilungen und steht jederzeit für Anrufe bereit, um so interessante Informationen zu erhalten. Auch hier überwiegt mit 56 Prozent der männliche Mediendealer. Mit 34 Jahren ist diese Gruppe durchschnittlich gesehen die zweitjüngste.

4. Roving Nodes (Herumtreiber) – 9 %

Die Herumtreiberin nutzt das Internet sehr selektiv und zweckgebunden. Dabei ist sie eher eine Informationskonsumentin und weniger als die vorhergehenden Typen in Online-Netzwerken zu finden. Mobile Geräte nutzt sie für SMS oder E-Mail, wobei für sie die Mail an sich die wichtigste Pforte zum Internet ist. Ausgestattet mit einem E-Mail-Programm, einem Browser und einem SMS-fähigen Handy ist sie zufrieden. Mit einer Sicherheit von 56 Prozent ist dieser Typus weiblich. Das Durchschnittsalter liegt mit 39 Jahren unter der Angstgrenze von 40. 😉

5. Mobile Newbies (Mobile Anfänger) – 8 %

Sie gibt es auch noch. Ihr reicht das Handy, um den Kontakt zu anderen zu halten. Das Gespräch mit anderen ist ihr dabei am wichigsten, wenn sie auch gelegentlich mal eine SMS versendet. Internet ist für sie nur eine Randerscheinung, denn neue Technik ist etwas verstörendes. Warum braucht man da eine Breitbandverbindung, fragt sich mehr als die Hälfte der Gruppe. 55 Prozent sind Frauen und das Durchschnittsalter ist mit 55 Jahren auch relativ hoch.

6. Desktop Veterans (Desktop-Veteranen) – 13 %

Der alte Hase nutzt das Internet um Informationen zu besorgn und Kontakte zu pflegen. Das Handy hat für sie kaum Bedeutung, höchstens als Telefon für Gespräche. Mit 55 Prozent sind die alten Hasen männlich, natürlich verheiratet (72 %) und er ist durchschnittlich 46 Jahre alt.

7. “Drifting Surfers” (Gelegenheitssurfer) – 14 %

Die Gelegenheitssurferin besitzt die nötige Technik, um im Internet zu surfen, nutzt diese aber nur durchschnittlich. Sie braucht es gar nicht, jeden Tag ins Netz zu gehen. Für sie interessant sind nur die Schlagzeilen und ihr E-Mail-Verkehr. Die schöne Web 2.0-Welt interessiert sie nicht. Der Gelegenheitssurfer ist zu 56 Prozent weiblich und durchschnittlich 42 Jahre alt.

8. Information Encumbered (Informationsrückständige) – 10 %

Es gibt ihn, den Informationsrückständigen, der zwar Internetzugang und Handy besitzt, sich aber kaum für Informationen interessiert. Er schreibt E-Mails, liest auch ab und zu mal eine Nachricht, aber am ehesten geht er eine eher weiblichen Beschäftigung nach – dem Online-Shopping. Der Anteil von 67 Prozent Männern ist sehr hoch und das mittlere Alter liegt bei 53 Jahren.

9. Tech Indifferent (Gleichgültige) – 10 %

Die Gleichgültige interessiert sich nicht fr digitale Geräte und geht kaum und nur unregelmäßig ins Netz. Statt Handy nutzt sie für ihre Telefongespräche ds Festnetz. Eine SMS hat sie vielleicht schon mal verschickt, aber sicher ist das nicht. Etwa 55 Prozent ist weiblich und das mittlere Alter beträgt 59 Jahre.

10. Off the Network (Internet-Abstinenzler) – 14 %

Die Abstinenzlerin besitzt weder einen Internetzugang noch ein Handy. Wenn sie als Minderheit unter den Abstinenzlern einen Computer besitzt, ersetzt er eher die Schreibmaschine. Es heißt nicht, dass sie das Netz nicht kennt, aber es besaß keine Priorität, um entweder einen defekten PC zuersetzen oder sich genauer damit zu beschäftigen. Mit 57 Prozent sind die Abstinenzler zumeist Frauen und das Durchschnittsalter ist mit 67 Jahren das höchste.

Wiedergefunden? Zumdindest zählen Sie dann nicht zur Gruppe 10, die so ein Beitrag wohl kaum interessieren würde.

Quelle:
Jesdanun, Annick: Von Desktop-Veteranen und Netz-Abstinenzlern in der Netzeitung

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