Buchhandelsargumente gegen DRM

Das war ein Artikel, den man so an dieser Stelle nicht erwartet hat. Noch vor drei Wochen hieß es bei Börsenblatt.net: libreka! unterstützt ab sofort auch “harten” Kopierschutz [17.06.2009] Die Buchplattform libreka! versprach den teilnehmenden Verlagen ab sofort für ihre E-Books mit Hilfe des Adobe-DRM für einen Kopierschutz zusorgen. Klingen die eigenen Worte jetzt nicht wie Hohn?

„libreka! etabliert sich weiter als offene und universellste Plattform. Die Verlage haben jetzt die Wahl, ob sie ihre E-Books in libreka! mit einem psychologischen Kopierschutz oder mit einem ‚harten’ DRM versehen –oder ihre E-Books ungeschützt anbieten möchten“, sagt Ronald Schild, Geschäftsführer der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH.

Offen und universell war die Plattform ab diesem Zeitpunkt garantiert nicht mehr. Inzwischen sieht Schild wohl ein: “Piraten lieben DRM”, glaubt man dem Titel dieses Blogbeitrags. Das was DRM-Experten seit langer Zeit sagen, scheint nun für Libreka! zur Erkenntnis geworden zu sein. Es ist kein Widerspruch, in Kopierschutz ein förderndes Element von Piraterie zu sehen.

Zum erstem Mal sieht jemand der Entscheidungsträger, was sie dem Kunden damit antuen. Bücher mit dem Adobe-Kopierschutz können bis zu sechs Mal vom eigenen Konto bei libreka! heruntergeladen werden. Aber dann beschränkt man auch die Möglichkeiten, Teile davon zu markieren, kopieren und auszudrucken. Diese drm-geschützten E-Books können auf allen E-Book-Readern und Computern gelesen werden, welche die Software die Software Adobe Digital Edition unterstützen, die kostenlos im Internet heruntergeladen werden kann. Es gibt genug Computer, die nicht aktuell genug sind, genug Nutzer, die Linux nutzen, und damit auch nicht anzeigen können. Hat man hier von Ciando nix gelernt?

Was heißt das, wenn man DRM in die Welt der gedruckten Bücher überträgt. Sie kaufen ein Buch im Hardcover in der kleinen Buchhandlung um die Ecke und die nette Buchhändlerin muss Sie dann darüber aufklären, dass sie dieses Buch höchstens an drei Familienmitglieder weitergeben dürfen. Ausgeschlossen sind andere Verwandte, ihre Freunde oder Bekannte. Außerdem wird bestimmt, dass Sie das Buch auch noch nicht während ihrer Heimfahrt gleich anlesen dürfen, weil sie sich erst über eine kostenfreie Hotline registrieren müssen. Und damit Sie das Buch mit seinen 700 Seiten nicht kopieren können, wurden die Seiten in einem Spezialdruckverfahren gefüllt. Das ist auch der Grund, warum Sie das Buch nicht im Sonnenlicht odder direkt unter einer Lampe lesen können, weshalb Sie das Buch nicht direkt am Strand lesen können oder Ihre Leselampe dimmen müssten.

Mit den Kopiereinschränkungen könnten ja die Kunden noch leben und sie beim E-Book vielleicht auch noch verstehen, aber der dafür notwendige technische Aufwand ist ihnen nun wirklich nicht zuzumuten. Wenn sogar computeraffine Leser Probleme haben, die kopiergeschützten E-Books zu nutzen, was passiert dann mit denen, die da eigentlich überhaupt keine Ahnung haben (mal abgesehen, dass diese wohl sich kein E-Book kaufen würden)?

Schild stellt außerdem fest:

Und wir sollten uns darüber klar sein, dass nach wie vor nur eine verschwindend geringe Zahl an Lesegeräten Kopierschutz überhaupt unterstützt.

Es gibt Geschäftsmodelle, so die von Apple (???) und Amazon (Kindle), die scheinbar gut mit Kopierschutz funktionieren. Die Anbieter sind momentan erfolgreich, was aber an auch den geschlossenen Systemen liegt. Bei ihnen kommen Shop-System, Inhalte und E-Reader aus einer Hand.

Nur in einem solchen Ökosystem funktioniert DRM problemlos – und hat für die Anbieter den nicht uninteressanten Nebeneffekt, dass nicht nur die Inhalte, sondern auch die Kunden geschützt sind.

Damit werden aber die Kunden an den Anbieter (und seine Frenchaise-Nehmer) gefesselt, da sich die E-Books nicht auf Endgeräte anderer Hersteller übertragen lassen.

Das war jetzt eine sehr deutliche Darstellung dessen, was DRM für den zu umwerbenden Kunden bedeutet. Doch, was zieht nun die Raubkopierer an und wie profitieren sie von DRM?

Das Hauptargument seines Beitrages, erwähnt Schild nur kurz und eher nebenbei.
DRM hat Lücken. Raubkopierte E-Books gibt es bereits flächendeckend, wobei diese Kopien nie von den originalen E-Books sondern von eingescannten gedruckten Ausgaben stammen. Diese Kopien unterliegen natürlich keinerlei Kopierschutz. Da gibt es keine Beschränkungen, keine Installations- bzw. Kompatibilitätsprobleme, jedes Lesegerät kann verwendet werden und außerdem sind die Bücher dazu noch kostenlos.

Nicht erwähnt wird der Sportsgeist, der bei so manchem Hacker besteht. Je mehr Nutzer drangsaliert werden, desto eher findet sich auch ein Robin Hood, der sie davor bewahren will und das DRM-System knackt. Den Sport konnte man sowohl bei DVD-Schutz oder bei der Premiereverschlüsselung bemerken.

Nun erwartet man von seinen treuen, rechtmäßig handelnden Kunden, dass sie für ein Produkt mit signifikanten Einschränkungen auch noch fast den gleichen Preis wie für die gedruckte Ausgabe zahlen.

Die Verleger und der Buchhandel sehen wohl jetzt ihre Kundschaft davonlaufen. Wie sollten sie auch dieses Mißverhältnis zwischen Vertrauen und Kosten und der fehlenden Benutzbarkeit und den qualitativen Mängel ihres Handelsgutes erklären? Ziel müsste es sein, die Kunden zu überzeugen, ihnen Vorteile von E-Books näher zu bringen, ihnen einen Vertrauensvorschuss zu geben.

Verlage konnten ab Mitte Juni ihre E-Books an MVB liefern, damit libreka! diese ab 15. Juli mit dem Adobe-DRM-Schutz vertreiben kann. DRM-geschützte Bücher werden dabei um 20 Cent teurer. MVB übernimmt die Server- und Einrichtungskosten für die Rechteverwaltung.

Fast verschämt wies man damals auf die schon bestehende Möglichkeit hin, die E-Books im PDF- und EPUB-Format mit einem digitalen Wasserzeichen zu versehen, welches als psychologischer Kopierschutz dienen soll, denn in dem Watermark sind persönliche Angaben des Käufers hinterlegt.

Schild behauptet im heutigen Beitrag, dass Verlage gezwungen werden, DRM zu verwenden. Er schiebt den schwarzen Peter der Natur der Titel zu, den Autoren oder Agenten.
Nach seinen ganzen Ausführungen bestätigt er, dass wie Anfang des Jahres angekündigt, libreka! den Verlagen auch ab Mitte Juli anbietet, deren Titel DRM-geschützt zu verkaufen. Schilds eindeutige Empfehlung an die Verlage lautet jedoch:

Verzichten Sie auf DRM und versehen Sie Ihre E-Books mit einem psychologischen Kopierschutz, dem Wasserzeichen.

Eine Erkenntnis eines Anbieters, die sich hoffentlich in der Verlegerwelt genauso als Flächenbrandt verbreitet wie sie dies bereits in der Musikindustrie getan hat.

Quellen:
DRM-System von Adobe : libreka! unterstützt ab sofort auch “harten” Kopierschutz
Schild, Ronald: Piraten lieben DRM via libreaka! Blog

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Kühlt sich der Hype ums E-Book ab?

Ralf Alkenbrecher, einer der wenigen Experten zum Thema E-Book, zieht bei Buchmarkt.de im Sonntagsgespräche eine erste Bilanz zum E-Book nach dem Start den Sony-Readers vor drei Monaten. Alkenbrecher ist froh, dass es um das E-Book ein wenig ruhiger geworden ist, da durch die sehr intensive Berichterstattung in der Fachpresse und den Feuilletons Erwartungen geweckt worden seien, die an den Hype ums Apple iPhone erinnerten und die nicht erfüllt werden konnten. Als problematisch erwies sich auch, dass viele Dienstleiter und Publikumsverlage im März ihr Angebot noch nicht wirklich fertig gestaltet hatten. Alkenbrecher vermied allerdings davon zu sprechen, dass man schlecht vorbereitet war, allerdings hätte man den Buchhandel besser in die Vorbereitungen des E-Books-Starts einbinden können. Im Moment sollte man abwarten, dass die harte Arbeit seiner Dienstleistungs- und Verlagskollegen in den letzten sechs Monaten Früchte trägt.

Die Wissenschaftsverlage hatten es deutlich leichter, sie konnten, ohne in der Öffentlichkeit zu stehen, langsam ihre Produktion auf E-Books umstellen.

Kritisch merkt Buchmarkt an:

Random House meldet in einer Pressemitteilung, dass man „mehrere tausend“ E-Books verkauft habe, bekannt ist aber auch, dass Random House knapp 1.500 Titel erstellt hat, das heißt, im Schnitt wurden wohl eher 5 denn 10 Exemplare verkauft.

Der Hype ums E-Book ist auch bei den Käufern nicht wirklich angekommen. So geht Alkenbrecher davon aus, dass, obwohl es keine offiziellen Reader-Verkaufszahlen gibt, bis heute gerade eine fünfstellige Verkaufszahl erreicht wurden. Damit kann man höhere Download-Zahlen wohl kaum erreichen. Die verfügbare Titelanzahl ist heute allerdings höher als bei den früheren E-Book-Einführungsversuchen.

Eine wirkliche Beurteilung ist wohl erst in 12 Monaten möglich. Das Taschenbuch brauchte bei Markteinführung auch eine ganze Weile bis es sich durchsetzte. Schwierig wirkt sich auch die rechtliche “Kompliziertheit” aus. Dies haben die Verlage stark unterschätzt. Hinzu kommen auch die Probleme bei der Konvertierung.

Ein weiteres Problem ist auch, dass das Thema “E-Book” in vielen Verlagen ein Angstthema ist und eben möglichst auf kleiner Flamme nebenbei läuft. Es ist nicht Chefsache sondern einfach nur ein Test.

Für den Markt war es nicht gut, dass praktisch nur eine der drei großen Publikumsgruppierungen mit großem Engagement sofort E-Books präsentieren konnte. Wer sich beim Kauf neuer E-Books an der Spiegel-Bestseller-Liste orientiert, wird nur in wenigen Fällen fündig, und dies frustriert die Reader-Käufer, wie man in einschlägigen Internet-Foren lesen kann.

Der Buchhandel sah vor und während der Einführungsphase nur die Probleme und weniger die Chancen bei diesem Geschäft. Hier bedarf es eines Umdenkens.

Muss man allerdings auf den Kindle setzen, um das E-Bookgeschäft in Deutschland anzukurbeln? Fast liest man das etwas genervte Schmunzeln in Alkenbrechers Antwort:

Dies werde ich so ungefähr einmal pro Woche gefragt.

Amazon konzentriert sich vorerst auf das USA-E-Book-Geschäft und kämpft darum seinen Vorsprung gegenüber Apple zu sichern. Auch der neue Kindle DX wird keine Konkurrenz für den E-Book-Markt in Deutschland werden wird, da sich Amazon und deutsche Mobilfunkbetreiber nicht einigen konnten. Diese Meldung kannte Alkbrecher noch nicht während des Interviews, wo er noch erwartete, dass Amazon in Deutschland mit dem technisch für den europäischen Markt vorbereiteteten Kindle2 starten würde. Er äußerte zu Buchmarkts Erstaunen, dass diese proprietäre, monopolistische System für den ganzen E-Book-Markt positive Auswirkungen hätte.
Zumindest kann man nachvollziehen, dass die große Werbe- und Pressekampagne die Aufmerksamkeit potentieller Reader-Käufer neu gewinnen würde und dass dadurch eine Vervielfachung der verkauften Geräte und damit ein deutlicher Nachfrageanstieg nach E-Books verursacht würde.

Auch die Verlage, die bereits über Erfahrungen mit E-Books und entsprechend aufbereitete Daten verfügten, könnten schnell auf das Drängen nach Inhalten auch für kindle-kompatible E-Book-Inhalte sorgen. Erste Erfahrungen könne man mit dem iPhone sammeln.

Verlage, die ihre Daten schon jetzt neutral vorrätig halten, können viel schneller auf neue Geräte, neue Anbieter reagieren und erarbeiten sich einen Wettbewerbsvorteil. Daher ist es für die Verlage letztlich auch nebensächlich, ob sich der Sony-Reader, der Kindle oder das iPhone durchsetzen, die eigentliche Frage ist: Wie und wann der Verlag in die neutrale Verfügbarkeit seiner Daten investiert, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Quelle:
Ralf Alkenbrecher: E-Book – ist der Hype vorbei? via BuchMarkt.de

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Neues bibliothekarisches Fachvokabular :)

Was ist ein “Bibliophag” und was hat die “Bonbonschublade” mit Bibliotheken zu tun? Häufig zu hören sind auch “Wosinddenndietoiletten?” und “Mitdiejackegehtshierabernichtrein (junger Mann)”… Die wichtigsten Erklärungen des “neuen” bibliothekarischen Fachvokabulars haben die FaMi-Auszubildenden der Bibliothek der Freien Universität zu Berlin zusammengetragen.

Lexikon (Fachbegriffe) bei “Was war zuerst da: Dutt oder Bibliothek”

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[Meinung] Nachbesserung ist Pflicht

Die UTB und ihre E-Books… Erste Kritik las ich ja bereits in den Diskussionen zur “Landesbibliothek als Copyshop” von Herrn Ulmer (02.04.-26.04.2009). Hier folgen einige Dinge, die mir während meines zweistündigen Tests nicht gefallen haben. Ich habe während des Tests mir einfach die Dinge notiert, über die ich gestolpert bin oder deren Lösung ich erst nach einigem Herumprobieren gefunden habe. Das Angebot ist unter einigen Aspekten sicherlich als gut zu bewerten, aber immer wieder gibt es Punkte, die das Positive in den Hintergrund treten lassen.

1. Persönliche Daten
Wenn Sie das Testangebot der UTB Online-Bibliothek aufrufen, werden Sie als erstes gebeten, sich anzumelden. Wenn Sie dieser Bitte folgen, erhalten Sie folgendes Anmeldeformular.

Anmeldeformular UTB E-Books
Screenshot des Anmeldeformulars der UTB Online-Bibliothek

Wozu die hier erhobenen Daten benötigt werden oder wie mit diesen Daten umgegangen wird, wird in der Anmeldung nicht weiter geklärt (erst nach Abmeldung kann man diese Informationen einsehen). Die zum Teil ziemlich persönlichen Daten werden mit einigen Zusatzfunktionen wie “Lesezeichen, Notizen oder Kopieren” bezahlt und dem Dankeschön, eines 10.000 Zeichen zählenden Kopierkontingents. Wer ein wenig rechnen kann, wird rasch merken, dass diese Großzügigkeit ungefähr 5-6 Seiten ausmacht und zwar nicht pro Buch sondern gesamt. Für alles andere wird der Student, der seine privaten Daten preisgegeben hat, zur Kasse gebeten oder er muss alles abschreiben.

Das “Geschenk” ist irreführend und kann unerfahrene Nutzer dazu verleiten, sich anzumelden, um etwas “kostenlos” zu erhalten. Sofern die mit der Anmeldung verbundenen datenschutzrechtlichen Bedenken nicht ausgeräumt werden können, sollte man dies ganz offen auch als ein Problem benennen. Datenschutzbestimmungen, die auf der Seite von UTB stehen, müssen nicht zwangsweise für das Angebot von UTB auf der Juni-Plattform gelten.

Wozu benötigt der Verlag die Matrikel-Nummer? Welche Rolle spielt das Geschlecht, wenn es darum geht, ein E-Book zu lesen und daraus im Rahmen des Urheberrechts zu zitieren? Ich sehe auch nicht ein, dass ich meine Umlaute, die in Namen und Adresse vorkommen, auflösen muss, nur weil der Verlag diese nicht ordnungsgemäß darstellen kann. No way. Also raus aus der Anmeldung. Vielleicht kann man das Angebot ja so auch ganz gut nutzen. Leider fehlen mir dann die Möglichkeiten, Lesezeichen zu setzen und Notizen zu machen. Steht die Frage Zettelwirtschaft? Nun, ich kann da ja beispielsweise auch auf Citavi ausweichen und dort Gedanken mit den entsprechenden Zitaten verknüpfen. Umständlich, aber machbar.

2. Navigation
UTB Online-Bibliothek

Möchten Sie die Bücher fein säuberlich nach Fachbereichen sortieren, klicken Sie bitten nicht auf den Link “Fachbereich”, denn es öffnet sich nur eine leere Tabelle. Gehen Sie dazu auf den kleinen Pfeil davor, denn nur so bekommen Sie die einzelnen Fachbereiche mit den entsprechenden Buchzahlen aufgelistet. Zum Öffnen des entsprechenden Buches klicken Sie bitte doppelt auf den Titel. Überhaupt, Sie müssen sehr viel Doppelklicken, um dahin zu gelangen, wo Sie hinmöchten. Sie haben etwas gesucht: Doppelklick um an die entsprechende Stelle zu springen. Dies ist im Internet unüblich. Hier geht man eigentlich davon aus, dass ein Klick genügt.

Die Anlehnung an eine reale Bibliothek mittels der Begriffe Fachbereich und Regalname wirkt meiner Meinung nach recht hilflos. Klare und einheitliche Benennungen als Fach oder Thema wären angebrachter. Wichtiger als das Einstelldatum wäre die Angabe der Auflage. Auch sind die angegebenen Seitenzahlen, z.B. eine 3 kb große Datei mit 0 Seiten, eher verwirrend.

Zur Suche im Volltext gelangt man erst, wenn man ein Buch geöffnet hat. Dann ist plötzlich eine “Suche über alle Bücher in der Bibliothek” möglich. Das muss man wissen. Die acht Seiten Hilfe, die einem in der Online-Bibliothek zur Verfügung stehen, weisen nicht darauf hin. Die Suche, die man auf der Startseite der Online-Bibliothek findet, durchsucht nur einige wenige Felder und nicht den Volltext.

3. Lesbarkeit
Die Qualität der Schrift ist je nach Größe des Dokuments sehr unterschiedlich. Es ist mir jedoch bei mehreren Büchern, verschiedenen Skalierungen der Größe und Vollbildmodus nicht gelungen, eine gut lesbare Seite komplett auf meinen 17”-Bildschirm zu bekommen, ohne dass die Schrift flimmerte oder unleserlich wurde. Erst in sehr großer Skalierung wirkte die Schrift sauber, gut kontrastiert und lesbar, aber meistens waren dann nur sehr wenige Zeilen komplett zu lesen und das ständige Scrollen macht das Lesen eines zusammenhängenden Textes nicht einfacher.

Bernd-Christoph Kämper schrieb im Kommentar 21 dazu:

Das Erscheinungsbild der Typographie, durch das sich gute Verlagsprodukte ja eigentlich auszeichnen sollten, wird durch diese Präsentationsform völlig ruiniert und ist im Ergebnis von miesester Qualität: durch Scan- bzw. Kompressions-Artefakte beschnittene oder gestauchte Zeilen und unscharfe Buchstaben auf krisseligem, schmutzigem Uintergrund [sic!] sind typisch und machen das Lesen zur Qual.

Wenn das E-Book-Qualität sein soll, sehe ich das Experiment für mich als gescheitert an.

4. Vervielfältigung
Einzelne Seiten und Kapitel der Bücher lassen sich nicht digital speichern. Schwierig ist auch die fehlende Möglichkeit zu nennen, entsprechende Seiten auszudrucken. Wie bereits eingangs erwähnt, können 10.000 Zeichen kopiert und ausgedruckt werden, allerdings ist dies Augenwischerei, da dieses Kontingent mehr als schnell ausgeschöpft sein wird.
Herr Ulmer schreibt dazu in Kommentar 23:

Den Ausdruck habe ich befürwortet. Ich konnte mich aber im Kreis der Gesellschafter der UTB nicht durchsetzen. Warum? Weil die Angst sehr groß ist, dass man durch die Digitalisierung und Bereitstellung von E-Books die Existenzgrundlage von Verlagen gefährdet.

Halbherzig Angebote bringen die Verlage nicht weiter. Ein E-Book kostet mindestens genauso viel Zeit es zu lesen wie ein gedrucktes Buch – nun gut, in der hier vorhandenen Auflösung und Qualität wahrscheinlich etwas länger. Zeit hat man nur einmal, auch als Student, der ja als Zielgruppe angesprochen wird. Und Zeit ist etwas, das gerade im Rahmen des sehr verschulten Bachelor-Studiums mit dem sehr vielen Stoff nicht vorhanden ist.
Der Gedanke, dass man den Studenten so zumindest die Zeit erspart, Texte einzuscannen, ist mir allerdings bei der ersten Betrachtung nicht gekommen, sondern erst in der fachlichen Auseinandersetzung mit Kollegen. So kann man dies sicher als einen kleinen Pluspunkt für das Angebot verbuchen. Die eingescannten Beiträge seitens der Studenten dürften eine ähnliche Qualität aufweisen wie die von UTB. Sicherlich entstehen Studenten Kosten für Papierkopien bzw. Ausdrucke der Eigenscans eines Buches. Allerdings kann es je nach Finanzierung des Angebots zu einer Dreifachbelastung der Studierenden kommen (Anteil der Studiengebühren, Kosten für das Kopierrecht an UTB und eigene Druckkosten).

5. Fazit
Klaus Graf schrieb im Kommentar 55:

Man kann sich nur angewidert abwenden, wenn man die Benutzungsbedingen der UTB-Ebooks anschaut: Die Bibliotheken sollen zahlen und zwar nicht wenig, und anschließend noch die Studenten, um Seiten ausdrücken zu dürfen.

Angewidert bin ich nun nicht, aber die erste Sichtung des UTB-Angebotes zusammen mit anderen Interessierten machte uns eines klar: Der Leser als Nutzer dieser E-Books ist nicht willkommen. Mit dieser Art „Friss oder stirb“-Einstellung bekommt man hoffentlich nicht einen Kunden.


Dessen ist man sich bei dem eigenen E-Book-Angebot nicht mehr bewusst. Sprechend ist auch, dass man über das Angebot auf den Seiten des Verlages keinen Hinweis findet. Verantwortlich für die Konzeption und Umsetzung des Internetauftritts der der UTB Online-Bibliothek ist die Agentur JUNI.COM GmbH & Co. KG. Man hätte meinen mögen, diese Firma hätte einige Ahnung von Usability und der Gestaltung eines nachvollziehbaren und selbsterklärenden Portals.

Die stolze Zahl von 364 Werken + 1 Hilfe verteilt sich dabei auf 28 Regale. Das macht im Durchschnitt 13,5 Bücher (z.T. nur einzelne Kapitel) pro Fach. Das Angebot wirkt daher zu wild und zu unspezifisch, dazu außerdem von einer unzureichenden Qualität und Nutzerfreundlichkeit. Fächer mit 0 Büchern sollten wenistens ausgeblendet werden, um ein Mehr an Übersichtlichkeit zu erreichen. Weniger in die “Sicherheit” investiert und mehr in die Qualität der elektronischen Texte, lässt immer noch die Frage offen, ob man die UTB Online-Bibliothek mit ihren Werken elektronisch benötigt. Meine Antwort: Es ist nicht unverzichtbar, da hauptsächlich einführende Literatur in den virtuellen Regalen zu finden ist, die man wohl immer noch am besten in gedruckter Form bearbeiten kann. Stichprobenartige Recherchen ergaben, dass viele der Titel häufig auch in der aktuelleren Ausgabe bereits gedruckt in Bibliotheken vorhanden sind. Sicherlich vorteilhaft ist, dass mehrere Leute gleichzeitig auf das Angebot innerhalb des Universitätsnetztes zugreifen können.

Ausschlaggebend dafür, ob sich dieses Angbot des UTB-Verlages durchsetzt, wird die Preisgestaltung sein. Sofern dies bezahlbar erscheint, sollte doch um eine Nachbesserung des Angebotes nachgefragt werden. Hier ist eine Zusammenarbeit der Bibliotheken sicher mehr als sinnvoll. Es muss nachgebessert werden in allererster Linie beim Kostenmodell. Pay-per-copy-Modelle sind abzulehnen, da je nach Finanzierung des Grundangebotes (z.B. aus Studiengebühren), die Studenten mehrfach bezahlen müssen. Das Angebot öffnet Bezahlinhalten Tür und Tor. Wollen Bibliotheken denn als Vertriebspartner für Verlage auftreten? Ich sehe hier eine sehr kritische Entwicklung, zumal ja UTB gleich doppelt abkassiert (Pauschalpreis und “Verbrauchspreis”).

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Citavi zeigt, dass Tippen von gestern ist…

Super so 🙂

Mit ISBN-Scannern lassen sich schnell viele Bücher auf einmal erfassen. Citavi recherchiert dann anhand der ISBN die Titeldaten. Mit einem Zeilenscanner können einfach Texte aus Büchern als Zitate …

Viel dazu gelernt.


[Korrektur zur Verbesserung des Datenschutzes. Umstellung Youtube-Video auf “privacy-enhanced mode”: 03.06.2018]

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Einfach lesen…

Manchmal muss man nicht mehr fragen, wer geniale Projekte fördert. Immer wieder taucht da der Name Tim O’Reilly auf, der sich auch für freie Software starkmacht. Im Februar rief er in einem Forbes-Kommentar Amazon dazu auf, bei der Entwicklung des Kindles auf bestehende, offene Standards zu setzen. Um hier selbst etwas zu tun, unterstützt er mit seinem Verlag das offene epub-Format. Dazu hostet sein Unternehmen das “Bookworm Projekt”

Bookworm erlaubt es Lesern ePub Bücher zu Ihrer Online Bibliothek hinzuzufügen und diese in ihrem Webbrowser oder auf ihrem mobilen Gerät zu lesen. Falls Sie ein mobiles Gerät besitzen, das ePub unterstützt (wie z.B. den Sony Reader oder iRex iLiad), können Sie Ihre Bücher in ihren E-Reader herunterladen. Bookworm ist speziell für die Benutzung mit dem iPhone optimiert und kann direkt in Stanza exportieren.

Bookworm wurde von einer O’Reilly-Autorin entwickelt und ist auch unter bookworm.simplicissimus.it gespiegelt zugänglich. Die Software Bookworm ist eine freie Software unter der BSD Lizenz und kann von der Tools Seite von Threepress kostenfrei heruntergeladen werden.

Johannes Haupt von Lesen.net kommt in seinem Test zu dem Ergebnis:

Das vielen eReader-Nutzern zu aufgeblähte und schwerfällige Desktop-Tool Adobe Digital Editions kann Bookworm aber wohl nur in den wenigsten Fällen komplett ersetzen.

Die Software Bookworm zielt auf eine Förderung der Verbreitung des ePub Formates und hat deshalb auch keine dahingehenden Pläne, proprietäre Formate wie *.mobi oder *.azw zu unterstützen, und genauso Formate mit eingeschränkter Flexibiltät, wie z.B. *.pdf.
Zu DRM vertritt man außerdem eine eindeutige Meinung:

DRM (Digital Rights Management) hat sich als schädlich für die technologische Weiterentwicklung erwiesen, unterbindet nicht wirklich illegales Kopieren und stellt eine nicht tolerierbare Benutzereinschränkung dar.

Daher wird Bookworm DRM-geschützte E-Books, zu deren Nutzung man eine spezielle Software benötigt, nicht unterstützen. Ziel ist es, Herausgeber weg von einem Digital Rights Enforcment hin zu einem wirklichen weichem DRM zu bewegen. Zu weichen DRM-Maßnahmen gehören die sogenannten forensischen Rechtssicherungen, wie beispielsweise Wasserzeichen mit dem Namen des Käufers innerhalb einer Datei. Davon profitieren dann sicherlich nicht nur die Nutzer (höhere Interoperarbilität bei den Geräten, bessere Nutzungsmöglichkeiten usw.), sondern auch die Verleger, die ihre Kunden nicht vergraulen.

Quellen:
Haupt, Johannes: Bookworm: (Freie) epub-eBooks online lesen auf lesen.net
Über Bookworm via O’Reilly Labs
Daly, Liza: Bookworm and O’Reilly Labs O’Reilly Labs, 10.02.2009

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Freiluftbibliothek in Magdeburg

Eine Mischung, die es in sich hat: ein Bürgerverein, eine ausgemusterte Kaufhausfassade und 20.000 Bücher. Das alles wird mit einem Modellvorhaben des Bundes gut gemischt und als Platz dient eine freie Fläche im Magdeburger Stadteil Salbke. Auf der Brache der früheren Ortsbibliotek wird eine Freiluftbibliothek mit Bühne von den Karo Architekten (Magdeburg) am 20.06.09 eröffnett. Sie soll als Begegnungszentrum für Jung und Alt dienen.

Der Stadteil Salbke leidet unter einem extremen Verkleinerungsprozess. Bereits 2005 wurde in diesem Stadtteil für zwei Tage eine temporäre Freiluftbibliothek errichtet, deren Bestand durch Spenden in der ganzen Stadt zustande kam. Die Improvisation existierte nur ein Wochenende, aber es hinterließ eine dauerhafte Wirkung. Heute ist die Bücherzahl auf 20.000 angewachsen, für die nun ein Bibliotheksgebäude aus einer recycleten Kaufhausfassade erbaut wurde. Damit soll der kleinen Bibliothek ein dauerhaftes Bauwerk gesetzt werden.

Quelle:
Lesezeichen Salbke : Freiluftbibliothek in Magdeburg eröffnet via BauNetz

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BRaIn 3 ist online

Volume 3 von BRaIn (Potsdamer Beiträge und Reportagen aus den Informationswissenschaften)1

Themen sind:

„Informationswissenschaftler als Ökokrieger“ – Prof. Hohbohm berichtet von der „Berufsfeldtagung“ des Fachbereichs Informationswissenschaften am 24. April 2009

Von den „Leiden des jungen Werther“ bis zu Metadaten für Multimedia: Aspekte der Verknüpfung heterogener Ressourcen – diesem Thema widmet sich der neue potsdamer Prof. F. Sasaki

Anastasia Schadt, Ingo Caesar und Dierk Eichel schreiben ihre Impressionen vom Bibliothekartag 2009 nieder.

Weitere Impressionen gibt es zum 3. IFLA-Presidential Meeting 2009 von Katharina Droese, Dierk Eichel, Anastasia Schadt und Evelyn Weiser.

Über das „Wissen(s)peicher(n)“ schreibt Katharina Klausner.

Johannes Braun listet ettliche Publikationshinweise des Simon Verlags für Bibliothekswissen auf. Leider hätte die ein oder andere Rezension diesen Beitrag erheblich aufgewertet.

Anja Nachtweide und Katharina Klausner beitreiben Blogwatch mit BRaIn.

In dieser Ausgabe hat das BRaIn-Team, neben der Betreibung des hauseigenen Blogs, auch mal einen Blick hinaus in die weite Welt des bibliothekarischen Weblogs riskiert. Dabei haben wir uns die Diskussion um Open Access und die Verwendungsmöglichkeiten von Twitter näher angesehen und uns einer Bibliothek zugewendet, die das Medium Blog auf vielfältige Weise benutzt.

Mich freut es, dass ich mit meinem Beitrag zu Twitter in diese Betrachtungen hineingerutscht bin. 🙂

Alexander Mehwald berichtet abschließend über den 3. Konsortialtag des Friedrich-Althoff-Konsortiums.

Eine interessante und thematisch gut durchmischte Ausgabe von BRaIn.

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  1. Frage mich gerade, wieviele Informationswissenschaften es gibt? Kann mir hier jemand weiterhelfen? Laut meines Verständnisses und der “allwissenden” 😉 Wikepedia, die im Artikel von Informationswissenschaft spricht, gibt es nur eine Informationswissenschaft. []

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