Weimars Trauma von 2004

Spurenlos hat man den Rokokosaal des 16. Jahrhunderts der Anna Amalia Bibliothek Weinmars nicht gelassen. So erstrahlt der prächtige Saal mit seinen Gemälden und Büsten des herzöglichen Besitzes fünf Jahre nach dem Brand wieder in altem Glanze, aber einige Spuren wie den kleinen schwarzen Fleck auf dem Holzfussboden hat man als Erinnerung stehen gelassen.

Es war die Nacht zum 2. September 2004, als die Bibliothek in Flammen stand und für Bibliotheksdirektor Knoche ein Alptraum wahr wurde. Ein defektes Kabel wurde für den Schwelbrand verantwortlich gemacht, den Dachstuhl und die obere Galerie in Brand gesteckt zu haben. Nur eine Stunde blieb Herrn Knoche und seine Helfern zu retten, was zu retten ging. Das waren 62.000 Bücher, die schon durch die Hitze oder 300.000 Liter Löschwasser beschädigt waren, aber ca. 50.000 historische Bücher und Notenblätter, einige Gemälde sowie wertvolle Handschriften verbrannten unwiederbringlich.

Bewundernswert ist, wie rasch die Verantwortlichen der Bibliothek Mut fassten und sich an die Aufbauarbeit machten. Bereits Oktober 2007 wurde die Bibliothek mit 19.000 restaurierten Bücher wiedereröffnet und 23.000 Bände neu erworben.

Bis 2015 sollen, mit Hilfe von Experten aus ganz Deutschland, die restlichen hitze- und wassergeschädigten Bücher wiederhergestellt sein.

Kosten soll die Wiederbeschaffung und Restaurierung der Bücher rund 67 Millionen Euro. Die Hälfte konnte die Anna Amalia Bibliothek bereits zusammentragen dank der breiten Öffentlichkeit.

Über 22 000 Einzelspenden seien eingegangen, insgesamt rund 12 Millionen Euro. Das Einwerben von Großspenden werde aber immer schwieriger, je länger der Brand zurückliege.

Erschreckend kling die Prognose des Restaurators Hageböck der Bibliothek, der hofft von 28.000 teilweise verbrannten Bücher 8000 Stück restaurieren zu können. Dafür wurde im eigenen Haus ein neuartiges Verfahren entwickelt, bei dem der verkohlte Rand durch neue Papierfasern ersetzt werden. Die Brandspuren sollen dabei nicht vollständig verschwinden, denn es geht nicht um eine Kosmetik, sondern um den Erhalt der Originalsubstanz. Die Spuren bleiben als stumme Zeugen der Katastrophe.

Quelle
Anna Amalia Bibliothek kämpft noch immer mit Brandfolgen via News Adhoc


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2 Kommentare

  • Andrea Arndt

    Ist das „Weinmar“ Absicht? Da es in Titel und Text vorkommt, könnte man es fast vermuten. Doch warum?

    fragt sich
    Andrea Arndt

    • Dörte Böhner

      Ist keine Absicht, mal wieder zu schnell beim Tippen gewesen. Ein wenig passt es aber dann auch doch beim Verlust all dieser Kulturgüter.