Nutzung von Literaturverwaltungsprogrammen

Bei genauer Betrachtung besonders der Ergebnisse der Umfrage von Sascha Fricke stellt sich mir eine Frage, welche Erkenntnisse aus der Umfrage gezogen werden kann. Wer hat geantwortet? Zu welchem Zweck werden die Literaturverwaltungsprogramme verwendet? Auch bei der Umfrage der Stabi der Hansestadt Hamburg geht es mehr oder weniger nur um die Nutzung einer Literaturverwaltung, wobei noch erhoben wird, woher der/die Hamburgerin kommt und in welcher Form er/sie tätig ist. Und weil es so schön ist, auch die UB Bochum fragt derzeit ihre Nutzer, welches Literaturverwaltungsprogramm sie verwenden. Geht man hier immer davon aus, dass nur Studierende die Frage beantworten und dass die Literaturverwaltung immer für das Studium erfolgt?

Eine Idee, die ich zur Zeit verfolge, ist die Nutzung von Citavi, um Anschaffungsempfehlungen zu erstellen. Welche Literatur wurde besonders nachgefragt und ist an der Bibliothek (nicht) vorhanden. Welche Literatur ist mir über den Weg gelaufen, die eine Weiterempfehlung wert ist? Durch den Citavi-Picker, die Verknüpfung mit vielen Katalogen, den ISBN-Download und der einfachen Kategorienzuweisung punktet Citavi genauso wie mit der Möglichkeit annotierte Literaturverzeichnisse mit allen für die Anschaffung notwendigen Angaben ausgeben zu können. Das wäre eine Nutzung des Systems als Bibliothekarin für bibliothekarische Zwecke.
Auch als Autorin habe ich Citavi verwendet und zwar für meine Abschlussarbeit. Das lag vor allem daran, dass ich meine Literaturangaben mit einem eigenen Zitierstil gestalten konnte und die Übersicht bewahrte. Das Literaturverzeichnis einheitlich zu erstellen dauerte nur zwei Tage, da noch ein paar Kleinigkeiten nachzubessern waren und ich an die 300 Literaturangaben zu verwalten hatte. Ich mag nicht daran denken, wann ich hätte damit anfangen müssen, wenn ich nicht Citavi genutzt hätte.

Auch Zotero ist für mich eine Option. Zotero nutze ich, wenn es darum geht, Online-Quellen für den kurzfristigen Gebrauch zu verwalten, d.h. wenn ich meine Beiträge fürs Blog schreibe. Durch die Möglichkeit, Screenshots zu machen und diese zu annotieren, wenn ich nicht gleich zum Schreiben komme, ist diese Literaturverwaltung meine erste Option, zumal sich seit der aktuellen Version die Zotero-Einträge bequem synchronisieren lassen und ich von verschiedenen Rechnern darauf zugreifen kann. In dieser Form nutze ich Zotero als Autorin, d.h. als Blogautorin. Zur Verwendung für längerfristige Schreibprojekte habe ich mich für Zotero nie erwärmen können. Dafür fand ich die Nutzung nicht intuitiv genug, wenn es darum ging, die eingespeisten Informationen auch wieder aus Zotero rauszukriegen. Da bin ich dann vielleicht durch Citavi verwöhnt.

Delicious als Bookmarkingdienst dient mir als Trendanzeiger zum Sortieren der Internetquellen und durch die Möglichkeit, die Bookmarks ins Blog einbinden zu können, als Empfehlungsanzeiger.

Bibliographix, Endnote und Refworks fielen und fallen für mich weg, da ich keinen ungehinderten Zugang (Kosten, problematisches Installieren, zu eingeschränkte Testversionen, Anmeldung, Sprachhürden etc.) zu ihnen bekam/bekomme. Andere Literaturverwaltungsprogramme BibSonomy, Connotea und CiteULike reichen in vielen Fällen für meine Bedürfnisse nicht aus. Mit LitLink, Mendeley und Scholarz.net möchte ich mich demnächst mal genauer beschäftigen. Dafür bedarf es jedoch eines Projektes, das von mir in Angriff genommen wird, um über ein sinnfreies Herumstochern hinaus zu kommen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Zu welchem Zweck verwenden Sie ein Literaturprogramm und warum ausgerechnet dieses? Sind es Empfehlungen, z.B. der Vergleich der UB Augsburg? Nutzen Freunde und Bekannte es? Sind Sie zufällig drüber gestolpert? Werden alle Funktionen, die Sie benötigen von dem Programm abgedeckt oder gibt es Desiderata? Schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen und Vorstellungen.

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8 Kommentare

  • Die Frage “Wer hat geantwortet” bewegt mich auch bei unserer Umfrage in Hamburg. Ich nehme an, ich hätte die ganzen Web 2.0-affinen BibliothekarInnen in die Benutzergruppe aufnehmen sollen, denn deren sicher nett gemeinte Beteiligung versaut im Grunde die Ergebnisse, nehme ich an.

    Die Idee, Citavi für Anschaffungsempfehlungen zu nutzen finde ich ja sehr spannend!

  • Dörte Böhner

    Wäre vermutlich eine gute Idee gewesen, da sicherlich ein Großteil der Twittergemeinde BibliothekarInnen sind. 😀 Das nächste Mal ist man klüger. Werden die Ergebnisse später veröffentlicht?

  • Andre Hagenbruch

    Wir (UB Bochum) sammeln zur Zeit Literaturangaben für unsere Hochschulbibliographie auf dem Campus ein. Dabei sind wir froh, wenn wir diese überhaupt in einem bibliographisch strukturierten Format bekommen — man glaubt ja nicht, wieviele Wissenschaftler ihre Literatur mit Word “verwalten”! Deshalb propagieren wir ganz generell den Einsatz von Literaturverwaltungsprogrammen und versuchen gerade herauszufinden, für welche anderen Anwendungen neben Citavi (für das die Ruhr-Uni eine Campuslizenz erworben hat und für das wir seit ca. einem Jahr regelmäßig Schulungen anbieten) Schulungsbedarf besteht. Für die Hochschulbibliographie spiel Citavi im Moment eine zentrale Rolle, da wir es sowohl für den Import verschiedener Formate, für die Normalisierung und Anreicherung der Daten über die Datenbankrecherche als auch zur Generierung des Zielformats (MODS) für unsere Suchmaschinenanwendung verwenden. Obwohl wir sowohl mit der Anwendung als auch mit dem Support für Citavi sehr gute Erfahrungen gemacht haben, wollen wir diesbezüglich keine Monokultur auf dem Campus etablieren, sondern uns den Bedürfnissen unserer Benutzer anpassen, weshalb wir natürlich auch an einer Auswertung der anderen zur Zeit laufenden Umfragen interessiert sind. Auch wenn die Ergebnisse möglicherweise durch Experten “verfälscht” sind, lassen sich doch Trends ablesen…

  • Naja, das muss ich wohl was korrigieren: Es ist durchaus nicht so, dass an unserer Umfrage nur Leute aus dem Bibliothek 2.0-Umfeld zum Zuge kommen, wie die ersten Ergebnisse zeigen. Wir bewerben die Umfrage auch in unserem Weblog – und über Twitter hatte ich das ohnehin nur über den @stabihh-Account publik gemacht und eben extra nicht über meinen persönlichen. Aber auch da lesen halt viele BibliothekarInnen mit und fühlen sich angesprochen. Macht ja auch im Grunde nichts, da ich ja wie gesagt filtern kann. Und ja, ich werd mir was für die Veröffentlichung der Ergbenisse ausdenken.

  • Dörte Böhner

    Vielen Dank @Andre Hagenbruch, das ist ein sehr interessanter Einsatz eines Programms, für das es vorher wohl nicht gedacht war.

    @Anne Christensen – es klang wohl etwas zu verallgemeinernd, wie ich mich ausgedrückt habe. Interessant, dass aber auch andere als die “üblichen Verdächtigen” über diese Kanäle erreicht werden. Das Weblog zeigt anscheinend hier die Wirkung als “News-Verteiler” und nicht als typisches Web2.0-Werkzeug. (Gedanke, der mir gerade kam, weil ich zur Zeit “Prillinger, Horst: Weblogs als Kommunikationsformat für Bibliotheken und Bibliothekare” lese und dieser als Hauptpotential schon die Kommunikation sieht, aber andere Aspekte leider etwas wegfallen.) Auf die Ergebnisse der Umfrage bin ich schon gespannt.

  • Bei der Bewertung von Literaturverwaltungssystemen muß man auch die verschiedenen Schreibkulturen berücksichtigen: Manche Nutzer erstellen ihre Texte in LaTeX, und für diese Nutzer sind dann BibTeX-affine Systeme wie BibSonomy und/oder JabRef womöglich die interessantesten.

    Dann gibt es noch Nutzer, die Literaturverwaltungssysteme überhaupt nicht zum Schreiben verwenden, sondern nur zum Sammeln und Organisieren von Literatur, da sie wissen, daß ein Literaturverwaltungsprogramm die Formatierung der Referenzen nie genauso hinbekommt, wie man es gerne hätte. Für diese Nutzer sind solche Features dann auch kein Kriterium.

  • Dörte Böhner

    Hallo @Martin
    Es stimmt, bestimmte Angebote sind eher für naturwissenschaftliche Fächer und LaTeX/BibTeX-Verwendung geeignet. Andere Angebote, z.B. LitLink richten sich an eher historisch augerichtete Fächer. Die Entscheidung für das ein oder andere System hängt natürlich davon ab.

    Einige Literaturverwaltungsprogramme haben den Vorteil, dass sie die Erstellung eigener bzw. die Anpassung bestehender Zitierstile erlauben, z.B. Citavi. Dieses Feature kann damit dann doch zu einem Nutzungsargument werden.
    [Update]
    Citavi bietet derzeit 250 Zitierstile an und bestätigt auch immer wieder gerne ihr Angebot:

    Falls Sie einen offiziellen Stil (z.B. eines wiss. Journals) benötigen, können Sie uns dies gerne mitteilen, damit wir den Stil erstellen

    Der Vorteil bei Citavi – und das habe ich bei keinem anderen Angebot so bemerkt – ist die sehr schnelle Beantwortung von Fragen auf allen Kanälen (E-Mail, über die Website, per Twitter
    [/Update]

    Unbelassen sind bei der Benutzung natürlich auch Aspekte Open Source oder Community-Fähigkeit. Diese spielen aber eher für “Fortgeschrittene” eine Rolle. Zur Erstellung der ersten großen wissenschaftlichen Arbeit haben ein einfaches Handling, gute Verwaltungsmöglichkeiten und eine Arbeitserleichterung (Erstellung Literaturverzeichnis) wohl die größte Bedeutung.

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