LOTSE fragt: Plagiate – (k)ein Problem?

“Plagiate – (k)ein Problem?” heißt es in einem neuen Tutorial von Lotse, welches in der Beta-Version noch ohne Ton heute vorgelegt worden ist. In etwa acht Minuten reißt das Tutorial nur die wichtigsten Problempunkte an.

Bei der Konzeption des Tutorials ging es um die sozio-politische Dimension des Themas. Gerade in einer Zeit, in der heftig um Urheberrechte, OpenAccess und geistiges Eigentum gestritten, in der Wissen als wichtige Ressource gehandelt wird, sind wir der Meinung, dass es den Studierenden nicht reicht, „nur“ um gutes Zitieren und dessen Regeln zu wissen. Ihnen sollte auch deutlich werden, dass es darum eine Debatte und verschiedene Positionen gibt. Denn das gehört zu einer kritischen Informationskompetenz, wie sie Lotse vermitteln will.

Folgende Punkte werden angesprochen:

  • Intro und Begriff Plagiat (2:33)
  • Denkkonzept Plagiat (1:38)
  • Argumente für korrektes Zitieren (1:39)
  • Folgen von unkorrektem Zitieren und Plagiarismus (2:35)
  • Zusammenfassung (1:34)
  • Links & Literatur (00:49)

Nach Fertigstellung des Tutorials wird es neben einer Audiountermalung auch ein Quiz geben.

Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken. (Galileo Galilei)

In bewährter Form werden sich dann Sofia und Stefan über das Thema unterhalten. Folgen wird demnächst ein Tutorial zu “Zitierregeln”. Dieses ist noch mitten in der Konzeptionsphase.

Die Skripte zu den insoweit fertiggestellten Tutorials – außer dem Plagiat-Tutorial gibt es noch eines zum Deep Web – werden in der Lotse-Toolbox zur Verfügung gestellt. Doch gibt es eine Möglichkeit, die Filme (mit Vorlagen, Powerpoint-Grundlage, Tondateien) nachzunutzen? Wünschenswert wäre es außerdem, wenn den Filmen eine Funktion beigefügt wird, mit der sich die Filmchen in andere Angebote einbinden ließen oder zumindest jedes Tutorial einen eigenen Link bekäme.

Bei einer Twitterunterhaltung mit Lambert Heller kam auch die Frage auf, ob Flash-Filme heute noch das Mittel der Wahl ist. Natürlich sind die Inhaltsverzeichnisse innerhalb des Filmchens eine gute Strukturierungsmöglichkeit, aber ist es nicht günstiger, die Filme zu teilen und in kürzeren Teilen über Youtube, MyVideo oder andere typische Plattformen zu veröffentlichen, zumal so eine besser Verbreitung der Filme ermöglicht werden kann?

Quelle:
Steiner, Katrin: Lotse-Tutorial “Plagiate – (k)ein Problem?” online, Inetbib Mailingliste
Steiner, Katrin: Wem gehören Ideen?, Lotse – das Blog

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19 Kommentare

  • Es gibt mit Sicherheit eine Zielgruppe, der man Informationskompetenz so vermitteln kann, wie LOTSE II es tut. (Ich habe mit dem Begriff Informationskompetenz-Vermittlung meine Schwierigkeiten, aber darum soll’s hier zunächst mal nicht gehen.) Das sind Personen, die sich, auch durchaus aus eigener Überzeugung, auf ein ganz bestimmtes didaktisches Szenario einlassen.

    Diese Haltung könnte etwa so lauten: „Hier sprechen Experten zu mir; ich kann davon ausgehen, daß diese ein umfassendes Thema für mich bereits ziemlich „fertig“ abgearbeitet haben; ich nehme mir viele Minuten Zeit, das abgeschlossene Produkt dieser Personen an einem Stück zu konsumieren; ein „Überfliegen“ des Bildungsinhalts, detaillierte Interaktion über einzelne Punkte daraus, Verweis auf bestimmte Stellen etc. ist nicht möglich, aber auch gar nicht nötig, da es ja eben das fertige Produkt „der“ Experten zum Thema ist.“

    Es mag polemisch klingen, aber das scheint mir die subjektive Haltung zu sein, die bei diesem didaktischen Szenario vorausgetzt wird. Und die gibt es meinetwegen auch. Es gibt und wird weiterhin Zuschauer geben, die sich mit einer solchen Haltung über z.B. Zitieren und Plagiieren etwas erklären lassen wollen. Ich frage mich bloß: Ist das wirklich die ganze Zielgruppe, um die es einem Projekt wie LOTSE II geht?

    Ich nehme mal an, daß „Informationskompetenz Vermittelnde“ mit dem Status Quo unzufrieden sind, und daß zumindest ein so professionelles Projekt wie LOTSE II eine Art „Wachstum gegen den Trend“ erreichen will. Gerade die technisch aufwändige Machart scheint mir zu zeigen, daß man sich irgendwie weiter ins Web, seine Möglichkeiten und seine „Bevölkerung“ hineinbegeben will. Der Aufwand und die Professionalität, mit der diese Filme produziert worden sind, sind mir nicht entgangen!

    Aber ist das alles? Müßte man, wenn man vielleicht auch auf neue Zielgruppen in und durch das Web spekuliert, sich nicht weitergehend einlassen auf neue Typen von Interaktion und Wissensaustausch, wie sie im Web entstanden sind, in „originären Webmedien“ wie Wikis und Weblogs beispielsweise? Es ist gut, daß LOTSE ein Projektblog besitzt. Allerdings soll die eigentlich Informationsvermittlung hier ja getrennt von jenem Weblog stattfinden, das Projektblog dient eher zur Meta-Kommunikation über die fertigen Lerneinheiten.

    Um keine Mißverständnisse zu provozieren: Ich besitze kein Patentrezept, wie die Fortsetzung von „Informationskompetenz-Vermittlung“ o.ä. in und mit webtypischen Interaktionsformen aussähe. Aber ich nehme wahr – und auf meine knappen Äusserungen hierzu bei Twitter und Facebook bezieht sich Dörte Böhner in ihrem obigen Beitrag – daß z.B. in Weblogs eine ganz Menge Wissenstransfer stattfindet. (Übrigens existieren inzwischen einige Regalmeter Forschung, die das eindrucksvoll belegen; insbesondere empfehle ich hierzu die Arbeiten von Jan Schmidt und Lilia Efimova.)

    Blogs sind aus didaktischer Sicht ein sperriges Medium. Über einige Besonderheiten muß man sich da zunächst einmal klarwerden. So drücken Blogs als kleinteilige, fortlaufend aktualisierte Medien nicht die Erwartung aus, daß ich mich als Blogleser einer bereits abgeschlossenen Lehrmeinung in einer Beschulung „am Stück“ passiv aussetze. Autoren von Blogs nehmen oft sogar in Kauf, daß man ihnen beim Protokollieren von Beobachtungen oder beim „Ausprobieren“ noch unfertiger Gedanken zuschaut, und machen aus jedem Schritt in der Verfertigung ihrer Gedanken eine Gelegenheit zu Interaktion. Wer jedoch ernsthaft etwas mit einem Thema (z.B. Plagiarismus) am Hut hat, wird heutzutage vielleicht die Gelegenheit nutzen, seine Überlegungen und Beobachtungen hierzu in einem eigenen Blog kontinuierlich mitzuteilen.

    Hat das etwas mit dem Schreiben von Tutorials zu tun, oder könnte es gar eine Alternative dazu sein? Meine hypothetische Antwort lautet: Ja. Bei jeder Gelegenheit kann ein Besucher eines solchen Blogs etwas lernen – entweder auf Expertenniveau, oder auch durch eine „anfängerhafte“ Frage im Blog, die vielleicht sogar gleich an Ort und Stelle beantwortet wird. Lernerfahrungen sind in Blogs zwar nicht erklärter Hauptzweck der Veranstaltung, aber fast immer ein kontinuierlicher „Nebeneffekt“. Meine eigenen Erfahrungen als regelmäßiger Blogautor zwischen 2004 und 2008 bei netbib haben mir das ein ums andere mal bestätigt.

    Blogbeiträge werden zwar oft „nur zufällig“ durch Linkempfehlungen aus dem eigenen sozialen Netzwerk oder durch Websuchmaschinen gefunden, aber wenn sie gefunden worden sind, kann daraus eine intensive oder gelegentliche Dauerbeziehung zwischen Autor und Leser werden – was der Natur des Lernens, zumal im dynamischen digitalen Zeitalter, vielleicht auch besser entspricht als das einmalige pflichtschuldige Absolvieren eines Tutorials.

    Freilig: Um dieses Potential von Blogs zu heben ist eine relativ starke, kontinuierliche, auch persönliche Involvierung des „Informationsvermittlers“ ins Medium gefragt. Und sicherlich ist der „Streuverlust“ auch höher als bei einem Tutorial, das ganz gezielt, vielleicht im Rahmen eines offiziellen Schulungsangebots, z.B. an einer bestimmten Hochschulbibliothek „eingesetzt“ werden kann.

    Ich will hier niemanden ein großes, arbeitsintensives eigenes Blogprojekt o.ä. Einreden. Sondern ich will allen professionellen Informationskompetenz-Vermittlern dringend empfehlen: Tauchen Sie bitte als KonsumentInnen in die Sphäre der originären Webmedien ein!

    Finden Sie z.B. drei oder vier deutsch- und englischsprachige Blogs von ExpertInnen, die auf einem Gebiet schreiben, mit dem sie sich auskennen, das sie reizt, in dem sie weiterkommen wollen. Verfolgen Sie diese Handvoll Weblogs über einen gewissen Zeitraum kontinuierlich – es kostet Sie nur ein paar Minuten pro Tag, so viel Zeit werden Sie für ihr Lieblingsthema aufbringen. Dann und wann, wenn sie eine starke Meinung oder Frage zu einem Beitrag haben, hinterlassen Sie bitte auch mal einen Kommentar im Blog. Das war’s auch schon. Warum das Ganze?

    Ich bin der Überzeugung, daß die Expertise von BibliothekarInnen und InformationsspezialistInnen im Web eine Zukunft haben kann. Aber diese Zukunft, so meine These, wird nicht eintreten, solange wir nicht in den lebendigen, engagierten Wissensautausch eintauchen, der insbesondere in den originären Webmedien stattfindet. Ob die Gespräche, die wir dort möglicherweise einmal führen werden, treffend beschrieben wären mit „Vermittlung von Informationskompetenz“, sei dahingestellt.

  • Pingback: Informationskompetente Informationskompetenzvermittler? » Infobib

  • Dörte Böhner

    Hallo Lambert,
    ich werde mir morgen die Zeit nehmen und auf diesen langen Kommentar mit meinen Gedanken zu dem Thema antworten.

  • Katrin Steiner

    Ein paar erklärende Ergänzungen:
    Wie wir bereits im didaktischen Konzept von Lotse dargestellt haben, und wie ich das auch in meinem Vortrag auf dem Bibliothekartag in Erfurt dargestellt habe, werden alle Tutorials auch bei YouTube eingestellt – natürlich sind sie dann leider nicht interaktiv, aber immerhin.

    Zudem gibt es ja schon die Einzelabschnitte auf den Lotse-Seiten selbst, so dass sich die Interessierten nicht ein komplettes Tutorial anschauen müssen, wenn ihnen dazu die Zeit oder das Interesse fehlt.

    Was die Anwählbarkeit der einzelnen Tutorials mit Direktlink angeht, ist auch dies möglich. Wenn Sie mit der Maus über die Tutorials fahren, erscheint der Direktlink in der Statuszeile unten links. Wir werden diesen Direktlink aber am besten auch noch in den Abspann der Tutorials integrieren, so dass man darauf verweisen kann.

    Dass alle Lotse-Tutorials nur als Lernangebot gedacht sind und in ein Blended-Learning-Konzept gehören, haben wir ebenfalls in unserem didaktischen Konzept ausführlich beschrieben. Niemandem kann man Wissen schließlich “eintrichtern” – und das würde mir auch erheblich gegen den Strich gehen. Von daher gehen die Überlegungen von Lambert Heller auf jeden Fall in die richtige Richtung.

    Was den Einsatz von Tutorials angeht, so bleibt es ja jedem selbst überlassen, sie so einzusetzen, wie er / sie es für richtig hält – und sie zum Beispiel als Ausgangspunkt für Diskussionen zu nutzen, sei es nun virtuell oder realiter. So jedenfalls sind sie gedacht. Das könnte zum Beispiel in einer Plattform wie Moodle geschehen – oder auch ganz informell woanders.

    Weitere Ideen zum Einsatz von Lotse und den Tutorials oder anderem haben wir viele – und auch sie werden wir nach und nach in die Toolbox integrieren. Erst dann kann Lotse so leben, wie wir uns das zu Beginn des Projekts vorgenommen haben. Dass wir bei allen Angeboten natürlich auch darauf achten müssen, was wir tatsächlich leisten können, versteht sich von selbst. Da Lotse kooperativ betrieben wird und unsere RedakteurInnen zeitlich oft sehr eingespannt sind, sind uns auch einige Grenzen gesetzt, was die Möglichkeit zum Beispiel eines Forums o.ä. angeht.

    Im Übrigen – das ist aber erst einmal meine Meinung – denke ich, dass ein Austausch rein über das Internet spannend ist – der reale Austausch aber auch wichtig ist. Hier Lotse(-Tutorials) als Ausgangspunkt einzusetzen, um mit Interessierten kritisch und gemeinsam über Themen zu sprechen und sich gegenseitig zu “befruchten” halte ich für absolut lohnend.

  • Noch ein Wort zu einer inhaltlichen Kritik am Plagiate-Tutorial. Es geht darin um eine wissenschaftliche Konvention, nämlich daß man unter bestimmten Umständen Ideen fremder Urheber als solche ausweist, wenn man sie verwendet. Das Konzept der Allmende beschäftigt sich aber mit etwas anderem, nämlich den Gedanken, das Eigentum am eigenen Produkt aufzugeben, d.h. Dritte nicht von der Benutzung des eigenen Produkts (im Kontext des Tutorials: des eigenen ideellen Produkts) auszuschließen. Die Konvention des Zitierens und Attributierens und das Konzept der Allmende schließen einander aber gar nicht aus. (Ich würde sogar die These vertreten, daß eine Konvention wie das Zitieren die Sitte der freizügigen wechselseitigen Benutzung “fremder Ideen” zu stabilisieren hilft.)

  • Matthias Kayß

    So wie ich es verstanden habe, erhebt das LOTSE-Tutorial nicht den Anspruch, alle Aspekte des Themas “Geistiges Eigentum” zu beleuchten. Es will gerade aufzeigen, dass dies alles komplizierter ist, als es üblicherweise dargestellt wird. Allein dafür gebührt diesem Tutorial m. E. Dank und Anerkennung!
    Selten wird doch überhaupt einmal in Frage gestellt, ob es so etwas wie geistiges Eigentum überhaupt gibt. Die bipolare Darstellung anhand des Allmendebegriffs bietet die Möglichkeit, gewissermaßen einen Fächer der Positionen zu entfalten und damit einen ersten orientierenden Anhaltspunkt zu haben für die Kernproblematik.

    Im Sinne dieser bipolaren Darstellung ist es allerdings klar, dass man nicht widerspruchsfrei sagen kann, es gäbe keinerlei Eigentumsrechte, um dann seitens des Urhebers Nutzungsbedingungen zu formulieren. Sicherlich ist die populärste Position diejenige, wonach es bestimmte Rechte gibt, die man als Urheber an dem eigenen Produkt behält und die dann die Nutzungsbedingungen begründen. So läuft es ja auch bei den Creative-Commons-Lizenzen. Gerade deswegen aber ist diese Form des Urheberrechtsschutzes ja auch von einigen Vertretern des Copyleft-Gedankens, die darin eine Fortschreibung des Konzeptes vom individuellen Eigentum sehen, kritisiert worden.

  • Dörte Böhner

    @Lambert: Hast du eine Literaturübersicht zu den von dir empfohlenen Autoren (an Schmidt und Lilia Efimova) oder ein paar konkrete Literaturempfehlungen aus diesen “Regalmetern”?

    Die Voraussetzungen von denen LOTSE ausgeht – auch mit diesen “umfassenden” Tutorials halte ich für wenig real. Aus Erfahrung lassen sich Studierende durch konkrete “Problemlösungsangebote” eher erreichen als durch das didaktische Szenario (Steiner, Katrin: LOTSE – Didaktisches Konzept, S. 6), welches LOTSE zugrunde liegt. Gerade Bachelor-Studierende, die in sehr kurzer Zeit sehr viel Stoff bewältigen müssen, werden zugunsten von ersparter Zeit solche text- und zeitlastigen Angebote wie LOTSE meiden.

    Die Zielgruppe Studierende ist kaum in der Lage, sich langwierigen, beratenden Angeboten zu widmen. Sie zu erreichen funktioniert am ehesten auf der Unterhaltungsebene – lernen ganz nebenbei, als Entspannung vom harten Lernalltag. Wir können es gut meinen, konkurrieren aber mit Unterhaltungs- und Freizeitangeboten.

    Zu beobachten ist, dass mit immer mehr technischem Aufwand versucht wird, Schritt zu halten. Dazu zählen auch die professionell produzierten E-Tutorials mit entsprechenden Standards für Kooperationen. Offizielle Klick-Zahlen, eine Evaluation dieser Angebote oder andere Erfolgsbestätigungen sind mir nicht bekannt. Wird man dadurch auch besser durch die Zielgruppe wahrgenommen?

    Professionalität ist ein Punkt, den ich schon für wichtig erachte, aber im Bereich des E-Learning ist dies nur ein kleiner Baustein. Um den Lernenden und ihren verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, kann man sich heute meiner Meinung nach nicht mehr auf eine Form des Angebots verlassen. Gegen das Geschriebene spricht nix. Hier können viele Informationen ausführlich und wenig missverständlich vermittelt werden. Flash-Filme könnten dafür eine Art “Apetizer” sein, um Neugier und Interesse zu wecken. Sie können aber auch als kurze Antwort auf konkrete Problemstellungen plaziert werden, wenn Beschreibungen zu umständlich und zu lang würden. In Zusammenhang mit Wikis und Blogs könnten so sinnvolle E-Learning-Umgebungen geschaffen werden.

    Blogs sind eventuell kleinteiliger und auch „unfertiger“ als die abgeschlossenen Einheiten von LOTSE, ermöglichen auch mehr Interaktion durch eine Kommentarfunktion, aber auch sie sind sehr textlastig.

    Autoren von Blogs nehmen oft sogar in Kauf, daß man ihnen beim Protokollieren von Beobachtungen oder beim “Ausprobieren” noch unfertiger Gedanken zuschaut, und machen aus jedem Schritt in der Verfertigung ihrer Gedanken eine Gelegenheit zu Interaktion.

    Das mag zwar stimmen, doch wird die Mehrheit derjenigen, die wir im Bereich der “Vermittlung von Informationskompetenz” erreichen wollen, damit nur bedingt umgehen können. Hier bedarf es meines Erachtens einer moderierenden Ebene im Vorfeld. Blogs oder ein Wiki als Ergänzung einer Unterrichtseinheit sind sicherlich sinnvoll, wenn dort Lehrender und Lernender auf gleicher Augenhöhe stehen.

    Blogbeiträge können das Element „Entdecken“ sicherlich bedienen, doch kann ein Blog bestimmte Anforderungen nicht einfach so erfüllen. Dazu zählt die bedarfsgerechte Unterstützung des Lernenden, d.h. um effektiv wahrgenommen zu wirken, wäre es notwendig, dass Inhalte zur Informationskompetenz für Ingenieure fachtypische Beispiele enthalten. Ich habe oft beobachten können, dass allgemeine Beispiele selten auf die eigene Lernwirklichkeit übertragen wurden. Wir fordern hier zwar eine Übertragungsleistung, die jedoch mangels eigener Erfahrung und fehlender Bezüge zum eigenen Fach gerade von Studienanfängern nicht erbracht wird/ werden kann.

    Blogs, wie Lambert sie anspricht, können sicherlich ergänzend initiiert werden, jedoch ist dies sicherlich dem freiwilligen Engagement der Blogautoren überlassen und ich fürchte, wir überschätzen auch, in welchem Umfeld sich Studierende und Schüler herumtreiben.

    Sinnvoll ist sicherlich der Vorschlag von Lambert, dass sich all jene, die in einem hauptberuflichen Anteil Informationskompetenz vermitteln, Web (2.0)-Angebote nicht zu konsumieren, sondern auch aktiv sich dort zu beteiligen. Neben den Fachblogs, die man vielleicht kontinuierlich verfolgt, sollte man selbst vielleicht auch Blogs oder Foren verfolgen, die nicht auf “Experten-Niveau” betrieben werden. Hier kann es zu offenen Fragen oder formulierten Problemstellungen kommen, auf die man als “Informationsexperte” reagieren kann. Geben Sie sich dort als BibliothekarIn zu erkennen und sichern Sie soweit auch zukünftig Ihre Expertise als Informationsfachmann.

  • Dörte Böhner

    Hallo Frau Steiner,
    vielen Dank für den Hinweis auf das didaktische Konzept von Lotse. Dies erklärt sicherlich einige der angesprochenen Punkte. Nicht alle Leser waren zudem auf dem Bibliothekartag in Erfurt, so dass es sicherlich sinnvoll ist, bestimmte Punkte nochmal zu verdeutlichen. Das Heraufladen aller Tutorials auf YouTube ist ein guter Schritt? Ist es eventuell möglich, dazu die Tutorials als einzige Kapitel hochzuladen, um so die Idee des Inhaltsverzeichnisses aufrecht zu erhalten?

    Wenn die Tutorials über einen Direktlink anwählbar sind oder sogar einzelne Abschnitte, könnte es hilfreich sein, die Links auf Wunsch auf der Homepage einzublenden/generell anzuzeigen, um so eine leichtere Verbreitung der Tutorials zu ermöglichen (Copy&Paste).
    Wenn die Tutorials frei nutzbar sind, wäre es günstig, dies durch eine entsprechende Lizenz zu kennzeichnen, um so von Vornherein Unklarheiten bei der Nachnutzung zu vermeiden. Umständliches Rückfragen oder Verhandeln könnte so vermieden und die Bereitschaft, die Tutorials andersweitig zu integrieren, erhöht werden.

    Es ist nachvollziehbar, dass Sie bei allem Aufwand, den Sie leisten, darauf achten müssen, dass es in den Grenzen des Möglichen bleibt. Der Aufwand gerade für solche Tutorials ist sehr hoch, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Umso wichtiger empfinde ich es, dass nicht nur das Skript, sondern vielleicht auch die Vorlage und die Tondateien für eine Nachnutzung zur Verfügung gestellt werden. Dies erleichtert eine Anpassung an eigene Bedürfnisse, sofern dies als notwendig erachtet wird und von Ihnen nicht als unerwünscht betrachtet wird.

    Im Übrigen – das ist aber erst einmal meine Meinung – denke ich, dass ein Austausch rein über das Internet spannend ist – der reale Austausch aber auch wichtig ist. Hier Lotse(-Tutorials) als Ausgangspunkt einzusetzen, um mit Interessierten kritisch und gemeinsam über Themen zu sprechen und sich gegenseitig zu “befruchten” halte ich für absolut lohnend.

    Eine kritische Auseinandersetzung mit Angeboten zur Vermittlung von Informationskompetenz ist notwendig und lässt sich sicherlich einfacher auf einer verbalen Basis führen, aber sie sollte dennoch schriftlich fixiert werden. Ein “realer” Austausch sollte auf jeden Fall stattfinden.

  • Dörte, da du nach Literaturtipps fragtest, hier eine Liste: http://www.bibsonomy.org/user/sciencebloglibrarian
    Diese Auswahlbibliographie habe ich allerdings schon eine Weile nicht mehr gepflegt, es gibt z.B. inzwischen einen Haufen spannender Forschung über microbloggende Wissenschaftler und Pädagogen.

    • Dörte Böhner

      Vielen Dank für die Liste. Damit hätte ich dann für die nächsten Monate genug Lesestoff 😉

  • Hallo,
    ich bin auch der Meinung, dass Blogbeiträge als Lerneinheiten eher ungeeignet sind. Wie Dörte Böhner bin ich der Meinung, dass wir damit Studenten nicht erreichen (es sei denn, wir geben kurze Ratschläge bei ihren Blogs 😉 ).
    Die jüngere Generation lässt sich nunmal eher vom Audiovisuellen ansprechen. – wieviel LESEN Studenten denn noch?!? (Selbst mir fällt es schwer, längere Textpassagen wirklich zu lesen, da ich bei ca. der Hälfte gerne ins Browsen verfalle ^^) Außerdem ist es sinnvoll, komplexe Sachverhalte anhand von Metaphern zu erklären (wie Metaphern die Kommunikation prägen, beschreibt das Buch “Leben in Metaphern”. Diese bildlich oder als Filmschnipsel zu präsentieren halte ich für sinnvoll.

    Ich freue mich, dass dieses Thema so rege und kritisch diskutiert wird 🙂

    • Dörte Böhner

      Hallo Steffi,

      diese Text-Müdigkeit erklärt sich vielleicht daher, dass gerade das Lesepensum in vielen Fächern für Bachelor-Studenten extrem erhöht worden ist. Bibliothek wird zwar als notwendig erachtet, aber die Aneignung der dazugehörigen Kompetenzen ist etwas zusätzliches. “Ich finde schon immer, was ich benötige.” “Dafür habe ich (jetzt) keine Zeit.” “Klingt interessant, aber…” Wir haben ein Aufmerksamkeitsdefizit für unsere Angebote. Wie bekommt man Aufmerksamkeit? Durch Unterhaltung.

      Infotainment-Angebote boomen und wir als Bibliothek müssen uns wohl solchen Entwicklungen anschließen, dürfen uns ihnen zumindest nicht verschließen. Gut erarbeitete Infotainment-Angebote sollten als solche aber auch beworben werden, d.h. man muss einen passenden Rahmen dafür schaffen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Stehen wir dazu: “Nein, wir belehren euch nicht, sondern wollen euch sinnvoll unterhalten.” “Kleine Pause vom Lernen gefällig, hier gibt es eine interessante kurze Geschichte zum Abschreiben.”

      Neben diesen Infotainment-Angeboten, wie die beiden oben genannten Tutorials von Lotse, besteht auch ein Bedarf an konkreten Problemlösern. Hierfür zu erstellende Tutorials sollen ein kleines, schlichtes Problem illustrieren und eine konkrete Lösung anbieten. Es geht dabei in keinster Weise um Vollständigkeit.

      Nun ist das meine private Meinung, die auf sehr vielen Beobachtungen beruht, die sich aber auch durch Gespräche mit anderen Kollegen, die im Bereich Schulungen, Informationskompetenz tätig sind, bestätigt hat. Bei all dem Aufwand, den wir betreiben, bleiben meines Erachtens immer einige Fragen meines Fragenkataloges unbeantwortet (meistens die zweite):

      Was wollen wir vermitteln? [Schwerpunkt]
      Mit welcher Vollständigkeit gehen wir diesen Schwerpunkt an? [Umfang]
      Wie hoch ist der Personal- und Zeitaufwand, den wir einbringen können? [Ressourcen]
      Welchen Lerneffekt möchten wir? [Zielsetzung]
      Mit welchen Methoden wollen wir unsere Zielsetzung erreichen? [Lehrmethodik, Lernmethodik]

      Na, dann bin ich mal auf eine weitere Diskussion gespannt, denn wie Thomas Hapke in seinem Blog die hier geführte Diskussion zusammenfasste:

      Leider werden solche Diskussionen viel zu wenig geführt!