Nützliche Software für Autoren – yWriter 5

Jeder kennt die Situation: Man hat eine Idee und schreibt sie auf. Vielleicht dachte man an eine Kurzgeschichte oder einen kurzen Zeitschriften- oder Blogartikel. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Gedanken, Thesen oder Argumente ausgearbeitet und plötzlich hat man die erste Version eines dicken Manuskripts auf dem Schreibtisch liegen, das dringend einer Überarbeitung bedarf.

Das kreative Chaos muss geordnet und die zerpflückten Kapitel aus verschiedenen Dokumenten zusammengefügt oder verschoben werden. Man führt Dutzende Listen über Personen, Gegenstände und Orte oder malt ein Storyboard nach dem Anderen, weil sich andauernd etwas im Aufbau des Manuskripts verändert. Man verliert den Überblick über das Geschehen in den einzelnen Kapiteln und muss sie ständig wieder durchlesen, damit keine Ungereimtheiten im Ablauf entstehen. Die Liste der Probleme ließe sich endlos fortsetzen und jede Suche nach einem Lösungskonzept bedeutet einen Zeitverlust.

Seit einiger Zeit versuchen verschiedene Softwareentwickler eine Gesamtlösung für den Weg vom kreativen Chaos zur strukturierten Arbeit zu finden und es gibt inzwischen einige kostenpflichtige und kostenlose Programme, die sich dieser Problematik annehmen.

Eines dieser Programme ist der yWriter 5.

Der yWriter ist eine Entwicklung von Simon Haynes (Programmierer und Autor). Das Programm kann kostenlos heruntergeladen werden und hat eine Vielzahl von Funktionen, die die Arbeit eines Autors erleichtern.

Der yWriter 5 ist ursprünglich in Englisch entwickelt worden. Es gibt aber die Möglichkeit nach der Installation das Programm in viele verschiedene Sprachen umzustellen (z.B. Deutsch, Französisch, Spanisch, aber auch Estnisch oder Ungarisch). Die Übersetzung ist ganz gut gelungen, lediglich einige Funktionen und die Hilfe (Benutzerhandbuch etc.) sind weiterhin nur in Englisch verfügbar. Die ersten Schritte mit diesem Programm  können aber leicht selbst erschlossen werden.

Wie funktioniert der yWriter?

Nachdem man manuell oder mit einem Assistenten ein neues Projekt generiert hat, legt man einzelne Kapitel an, die wiederum in Szenen unterteilt werden. Das eigentliche Schreiben erfolgt dann in den Szenen. Dabei folgt das Programm den üblichen Standards eines Schreibprogramms. Innerhalb der Szenen kann man dann den erzählenden Charakter festlegen, Gegenstände und Orte und wichtige Notizen einfügen, bestimmte Teile farblich hervorheben lassen und vieles mehr. Außerdem ist es möglich, Details für die Szene festzulegen, wie z.B. den Szenentyp, die Relevanz der Szene innerhalb des Manuskripts, die Zeitspanne etc. Besonders gelungen finde ich die Optionen eine kurze Zusammenfassung der Szene zu notieren, Ziele festzulegen und anzugeben, in welchem Stadium der Bearbeitung sich die einzelne Szene befindet. All diese Informationen können später von der Hauptseite des Projektes abgerufen werden.

Von der Hauptseite ausgehend, können festgelegte Tagesarbeitsziele und der Arbeitsplan angesehen werden. Ein Storyboard erleichtert eine rasche Verschiebung von Szenen innerhalb eines oder in ein anderes Kapitel. Auch die Kapitel selbst können auf der Projekthauptseite beliebig ausgetauscht werden. Außerdem kann die Suchfunktion nach bestimmten Schlagwörtern ausgesprochen hilfreich sein.

Mir hat besonders gut die Erstellung von “Charakterbögen” gefallen. Hier kann man festlegen, ob der Charakter eine Haupt- oder Nebenfigur ist, eine Biografie anlegen sowie Notizen und die jweiligen Ziele eines Charakters festhalten. Diese „Charakterbögen“ sind leicht zu editieren  und können mit den Szenen verbunden werden, in denen die Personen handeln. (Diese Funktionen gibt es auch für Orte und Gegenstände). So entsteht eine komplexe Übersicht und es gibt keinen Zettelwust und tausend Listen mit endlosen Notizen in denen man sich letztlich nicht mehr zurechtfindet.

Negativ finde ich das Fehlen einer bereits installierten Rechtschreibprüfung oder eines Wörterbuchs. Eine Installation muss man leider selbst in die Hand nehmen.

Eine schöne Idee ist sich den Text durch das Programm vorlesen zu lassen. Wenn man allerdings auf Deutsch schreibt, ist diese Funktion zwar sehr amüsant, aber nicht besonders hilfreich. Ich habe es kurz mit einigen englischen Sätzen probiert. Damit klappt es etwas besser.

Es gibt noch viele weitere Funktionen des yWriters, die von Interesse wären, doch diese Beschreibung sollte genügen, um einen ersten Überblick zu bieten. Schriftsteller-Werden.de bietet zum yWriter 5 ein kleines deutschsprachiges Tutorial an. Ich kann leider noch keine abschließende Bewertung abgegeben, da ich bis jetzt noch kein komplettes Projekt mit dem Programm bearbeitet habe. Vielleicht ist Jemand bereits einen Schritt weiter? Ich würde mich freuen, wenn er seine Erfahrungen an dieser Stelle mit uns teilen würde.

[Update]
Zur Autorin:
Julia Burkhardt ist studierte Bibliothekswissenschaftlerin der Humboldt-Universität zu Berlin.

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