Wird Google die Bibliotheken killen?

„Google Kills The Library“ hieß die zentrale These des Vortrags von Jens Renner auf dem Bayerischen Bibliothekstag am 17.06.2010 in Augsburg. Er berichtete von den jungen Leuten, die glauben, im Internet alles zu finden. Dazu lieferte er erschreckenden Zahlen. Von 3,8 Milliarden Suchen die bei irgendeinem Anbieter in Deutschland, die gestartet werden, deckt Google 3 Milliarden pro Monat ab. (Aktuelle Zahlen vom Monat Mai 2010 für Suchanfragen USA). Im Grunde genommen gibt es neben Google somit niemanden mehr.

Suchmaschine ist nur ein Angebot eines Mega-Konzerns, welcher Geld verdienen will mit dem, was er anbietet. Da sind Stichworte zu nennen wie PageRank, AdWord, AdSense. Der Unterschied zwischen Organic Listing und Paid Listing ist den Studierenden dabei auch nicht bewußt. Google ist eine der größten Firmen der Welt und ihre Portokasse wächst rasant. Sie beträgt wohl derzeit laut Renner ca. 24,5 Milliarden Dollar, welche wieder in gewinnbringende Produkte investiert werden möchten.

Google selbst zunehmend für eine Rundumversorgung. Die privaten Daten werden mit der Google Desktop Search gefunden, meine Bilder mit Picasa verwaltet und bearbeitet, Nachrichten und Interessen über Google Alerts versorgt, mein Kalender mit Google Calendar verwaltet, kooperative Dokumente (Texte, Excel-Tabellen, etc.) mit Google Docs erstellte, mein Haus mit Google Street View sichtbar gemacht, mein Mail-Inhalte bei GMail ausgewertet, um sie mit pesonalisierter Werbung gleichzuschalten. Mit Google Goggles arbeitet Google gerade daran, die Gesichtserkennung im Handy zu implementieren. Damit wird es einfacher, auch unbeteiligte Dritte von Google verfolgbar gemacht. Mit Google Health werden noch privatere Daten durch Google erfaßt. Google ist auch nicht für sich alleinstehen. Der Konzern hat Kontakte zu den großen Commmunity-Plattformen. Die Frage, wann es den „Gläsernen Menschen“ gibt, ist eher nur noch eine der Zeit, nicht mehr der Technik. Für Google sind personalisierte Dienste die Zukunft und dafür muss man viel über die einzelne Person wissen.

Google hat mit dazu beigetragen, dass sich auch die Klientel der Bibliotheken verändert haben. Nicht nur die Medien sind mobiler geworden, sondern auch die Nutzer, welche nun mobiler, individueller reagieren und ihre Ergebnisse (Medien, Volltextzugang) sofort haben möchten. Renner lieferte dafür als Statistik, dass 98% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 heute vernetzt sind. Google bietet ihnen eine scheinbare Vereinfach. Heute ist es typisch zu sagen, „Ich google mir schnell mal…“ Die tatsächliche Komplexität geht dahinter verloren. Die Meidenvielfalt aber auch die Medienmenge wächst und es ist Aufgabe der Bibliotheken, hier den Überblick zu behalten.

Im Forbes Magazine veröffentlichte Mark Moran einen Artikel mit dem Titel „Young Learners Need Librarians, Not Just Google“. Dort machte der Autor darauf aufmerksam, dass vor allem die Studierenden besser in ihr Studium starten, die an ihrer Schule Zugang zu einer Schulbibliothekarin hatten. Moran spricht von einem „New Divide“.

Students at many elite schools are learning critical 21st century skills while librarians are eliminated from budget-stressed school districts. The result? What a University College of London study called a „new divide,“ with students who have access to librarians „taking the prize of better grades“ while those who don’t have access to school librarians showing up at college beyond hope, having „already developed an ingrained coping behaviour: they have learned to ‚get by‘ with Google (…).

Renner ist von dieser Argumentation nicht überzeugt. Er spricht als nächstes das Buch „Generation Doof“ von Anne Weiss und Stefan Bonner, welches inzwischen in der 21. Auflage erschienen ist und Synonym für die derzeitige Studentengeneration steht. Darin sind jedoch hauptsächlich Vorurteile unerhaltsam verbalisiert worden, denn niemand steht gerne freiwillig als dumm da. Menschen lernen, was sie lernen wollen, d.h. es kommt auf das Interesse an.

Bibliotheken müssen lernen, dass sie als Lernort nur eine Option an der Hochschule sind. Auch die Mensa kann einen tollen Lernort abgeben. Daher muss sich die Bibliothek selbst als Lern- und RessourcenBERATER positionieren, d.h. sie muss aktiv werden, um Nutzer ranzuholen. Das heißt auch, dass Bibliothekare aus der Bibliothek rausgehen müssen und die Menschen dort aufsuchen muss, wo sie sich aufhalten (räumlich, virtuell oder wie auch immer). Dafür müssen eben neben der inhaltlichen Qualität auch die technisch-organisatorische Ausstattung stimmen.

Welche Aufgaben bedeutet dies für für die Bibliothek als Teaching/learning Library?
Unsere Chance aber auch die Gefahr für Bibliotheken ist, dass Google nicht gleich Wissen ist. Dieses ist unseren Studierenden leider nicht klar. Renner zitierte dafür Bonner und Weiss: „Was Hänschen nicht lernt, schlägt Hans bei Wikipedia nach.“ Der Spruch, ich muss nicht alles wissen, aber wissen wo ich es nachschlagen kann, mag für manche Dinge stimmen, aber grundlegende Dinge muss man eben wissen. Und hier geht momentan viel Wissen verloren. Natürlich kann man viele Dinge bei Wikipedia nachschlagen, aber deshalb hat man das dort stehende Wissen noch nicht begriffen und verinnerlicht. Es ist nicht abufbar.

Natürlich kann man Dinge nachschlagen und nur stimmt da auch wiederum das geflügelte Wort: „Der Dumme weiß nichts von seiner Dummheit.“ Ganz nach dem Werbespruch von IKEA – „wohnst du noch, oder lebst du schon“ kann man auch sagen: „Googlest du noch, oder denkst du selbst?“ Das Nachdenken geht verloren.

Robert K. Meron hat den Begriff der „Serendipity“ maßgeblich geprägt. Er beinhaltet die Frage: Wie entsteht Innovation? Häufig entsteht sie z.B. auch durch ein zufälligens Finden von Informationen, während man andere Informationen gesucht hat. Zu den unerwarteten Entdeckungen eines geschulten Suchers zählen z.B. die Entdeckung von Amerika 1492, wo Kolumbus doch eigentlich nach Indien wollte, oder die Entdeckung der potenzsteigernden Wirkung von Viagra, dessen Grundstoff ursprünglich zur Blutdruckregulierung eingesetzt werden sollte.

Durch das google-fixierte und auch ansonsten veränderte Medienhalten geht auch das Wissen verloren, dass die die Informationswelt weit mehr bietet als die frei zugänglichen Quellen, die man über Google findet. Wenn alle nur mit den frei zugänglichen Medien arbeiten, diese remixen, kann nicht unbedingt etwas Neues herauskommen, so Renner, da ja jeder auf diese Informationen zugreifen kann. Eigenes Denken, Forschen und Recherchieren sowie Kreativität und Sachkompetenz (Wissen) sind für die Schaffung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse notwendig.

Eine Antwort der Bibliotheken in dieser Situation können Angebote zur Informationskompetenzvermittlung sein, z.B. als „Teaching Library“. In Renners Bibliothek der Hochschule Ansbach gibt es eine verbindliche Erstsemesterschulung und zum Abschluss eine Einzelberatung.

Toll wäre es sicherlich, wenn Forschungsdaten, wissenschaftliche Texte usw. frei zugänglich (Open Access) wären, aber häufig landet man auf geschützten, kostenpflichtigen Seiten mit hoch qualitativen Inhalten. Der Vortragende äußerte sich in diesem Rahmen entsetzt darüber, wie gering die Reaktion der tatsächlich Betroffenen war, als die Insolvenzanmeldung von FIZ Technik öffentlich wurde. Auch die Diskussion auf Inetbib hätte ihn geschockt, wo Fachleute geäußert hätten, dass man auf dieses Angebot auch verzichten könnte.

Was können Bibliothekare tun? Renners Empfehlung lautet, als Rechercheeinstieg ruhig Google wählen, diese Suchmaschine aber auch kritisch betachten. Die Recherche mit Google Scholar fortsetzen und dort darauf hinweisen, dass Dokumente zu alt sein können oder man nur den Zugang zu Ausschnitten hat, d.h. dahinter können auch Paid-Content-Angebote stecken, deren Inhalte über von der Bibliothek abonnierte Datenbanken kostenfrei zugänglich sein können. Danach könnte man dann eine gute Datenbank demonstrieren und auch auf die „Zeitersparnis“ neben den qualitativ besseren Ergebnissen hinweisen. Natürlich sollte dies möglichst durch aktivierende Methoden vermittelt werden.

Wird Google die Bibliotheken umbringen?
Die Bibliotheken befinden sich im Spannungsfeld des „Google-Copy-and-Paste-Syndroms“ (Buch von Stefan Weber). Bibliotheken müssen daher Informationen, Unterstützung und Lehrveranstaltungen für Studierende einerseits anbieten, für Lehrende andererseist aber auch Services wie die Überprüfung von Abschlussarbeiten bei Plagiatsverdacht. So positioniert sich die Bibliothek als Partner beider Seiten.

Natürlich stellt sich eine weitere Frage: HAT DAS, WAS WIR MACHEN, WIRKLICH AUSWIRKUNGEN?

Renners Fazit: Bibliotheken stehen vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits werden sie durch Google und seine Services mit dem Ziel alles Wissen der Welt zugänglich zu machen herausgefordert und andererseits lässt sich der Umgang mit Google nicht durch Ignorieren bewältigen. Google kills the library, wenn wir passiv bleiben.

Renners Empfehlung: Nehmen wir die Herausforderung an und setzten ihr die Entwicklung von Kompetenzfeldern entgegen und schaffen so auch einen Mehrwert für unsere Arbeit.

Was ist Google für Bibliotheken: Friend or Enemy – ein Frienemy? Pauschale Vorwürfe helfen uns nicht weiter, kritisches Denken aber schon. Das Problem ist, dass gewaltige personalisierte Datenmengen Tag für Tag in Googles Hände gelangen und werden miteinander verbindarb, kombiniert auswertbar. Google wird irgendwann nachvollziehen können: Wer macht was wo?

David A. Vise hat es nach Renners Meinung ganz gut verbalisiert: „In google we trust!“ (The Google Story, 2005, S. 292) Früher hieß es mal: „In God we trust.“ Dürrenmatt schreibt in „Die Physiker“: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“ Dies sollten wir als Aufforderung auffassen, nicht länger zu lamentieren, sondern aktiv zu werden.


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9 comments

  • Christian Gutknecht

    Guter Beitrag

    Genau, die Bibliothekswelt sollte Google als Herausforderung verstehen. Schafft man es nicht dagegen einen Mehrwert zu schaffen (verschiedene Vorschläge dazu sind ja im Blogbeitrag erwähnt), sehe ich keinen Grund warum man Bibliotheken künstlich erhalten sollte.

    Hier bewundere ich die Ehrlichkeit der Österreichischen Nationalbibliothek, welche eingestand unter eigener Regie würde eine Digitalisierung gut 80 Jahre dauern, durch die Kooperation mit Google sind nur 6 Jahre eingeplant. Mit diesem Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit bezüglich Kerngeschäft Digitalisierung, kann die ÖNB Ihre Versäumnisse nachholen und für künftige Aufgaben sich nunmehr schneller als Google positionieren und somit wirklich einen Mehrwert anbieten.

    Je früher Biblitoheken diese „Niederlage“ bei Google Books (Google macht für den Kunden innerhalb kürzerster Zeit, dass was Bibliotheken mit Ihren Aufträgen und Budgets schon längst hätten tun sollen) anerkennen, die Lehren daraus ziehen und abhaken, um so besser können sie sich wieder erholen um bei der nächsten Niederlage nicht ganz tot am Boden liegen bleiben zu müssen. Denn: „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“

  • Die oben genannte Gründe sind mir Anlaß, diesen Moloch so gut es geht zu meiden; Möglichkeiten gibt es genug. Ich lasse mich nur ungern beherrschen. Aber daß das von jüngeren, sogenannt aufgeklärten Menschen so selten reflektiert wird, macht mir am meisten Angst. Man begibt sich freiwillig in die Sklaverei des Geldes. Was ist so schlimm daran, es etwas langsamer angehen zu lassen? Die suggerierte Geschwindigkeit dient doch alleine dem Gewinn einiger weniger. Und wenn die Produktivität mit dem Alter schwindet, werden sie aussortiert, die dann nicht mehr Jungen. Die quasseln ständig etwas von «Nachhaltigkeit» und werfen diese mit ihrem Netzverhalten zugleich über den Haufen.

  • Es ist schon seltsam, daß die in Ihrem Impressum angegebene eMail-Adresse nicht funktioniert. Also dann auf diesem Weg:

    Sehr geehrte Frau Böhner,
    mir will nicht so recht einleuchten, weshalb man, um bei Ihnen zu kommentieren, Javaskript und Cookies und was sonst noch alles
    aktiviert haben muß. Was bezwecken Sie damit?

    Beste Grüße

    -jst

  • Dörte Böhner

    @Christian Gutknecht
    Ich weiß aus Erfahrung, dass die beschworene Feindschaft von Bibliothekaren gegen Google nicht so eins zu eins besteht, wie man meinen möchte. Manchmal finde ich, wird sie geradezu mythisiert.

    Ich sehe eher paralysierte Bibliothekare, die so langsam aus ihrer Schockstarre erwachen. Man versucht an vielen Stellen von Google zu lernen, Schwächen der Suchmaschine zu verbessern. Dass hier nicht die Gelder in der Hinterhand stehen, die Google zur Verfügung stehen hat, brauche ich glaube nicht weiter zu verdeutlichen. Hier finde ich derzeitige Bemühungen hervorhebenswert, die derzeit bei Projekten wie Beluga, der Suchkiste und der Library Search Enging stattfinden.

    Fehlende Geld- und Personalmittel, zu geringes Interesse der Politik an der Zugänglichkeit des Nationalen Erbes sind hinlänglich bekannt. „Ehrlichkeit“ lässt wohl einen „gesunden Pragmatismus“ zu, aber andererseits zeigt es auch, wie wenig andere Firmen bereit sind, in diesen digitalen Markt zu investieren. Gleiche Ehrlichkeit zeigte auch die Bayerische Staatsbibliothek. Doch wage ich an mancher Stelle zu bezweifeln, dass Quantität immer die bessere Lösung ist.

    Natürlich werden nur urheberrechtsfreie Bücher digital zugänglich gemacht. Deren Daten können von der Bibliothek auch weiter benutzt werden (zumindest, wenn der Vertrag den bisherigen Google-Verträgen mit anderen Bibliotheken entspricht), aber es gibt auch zu bemängeln, dass man so dem Google-Monopol wieder ein ganzes Stück zuarbeitet.

    Bissig könnte man natürlich fragen, ob Digitalisierung ein Kerngeschäft der Bibliotheken sei – aber natürlich ist es das wohl, wie tausend andere Aufgaben auch. Fragt man jedoch nach der technischen und finanziellen Ausstattung, kann man natürlich nicht mit einem Monopolisten mithalten. Hinzu kommen Unfähigkeiten, urheberrechtliche Probleme und Konkurrenzen in Bezug auf europäische oder andere (inter)nationale Projekte, bestes Beispiel wohl die übertriebenen Erwartungen, die man mit der Europeana weckte.

    Von einer „Niederlage“ der Bibliotheken würde ich an dieser Stelle nicht sprechen. Dafür hätte es einen Kampf geben müssen. Ein zu viel an Bürokratie, verspielten Chancen und einem Verkünsteln (auch in rechtlichen Belangen) bei Digitalisierungsvorhaben (immer auf Nummer sicher gehen müssen) hat David wohl schon vor dem ersten Steinwurf an den Boden der Realität gefesselt. Wie oft wurde das Rad inzwischen neu erfunden?

    Das Problem abhaken? Hieße es nicht, sich mit dem minimalsten Konsens zufrieden zu geben? Natürlich muss hingesehen werden, überlegt werden, wie man qualitätsvolle Scans anbieten und wie man daran sinnvolle Mehrwerte knüpfen kann. Da die Digitalisate auch den jeweiligen Bibliotheken für eigene Zwecke zur Verfügung gestellt werden, sollte man nun nutzernah eine gemeinsame Angebotsplattform erstellen.

    „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, wer liegen bleibt, den schleift es gnadenlos mit. Aber es gibt viele junge KollegInnen, die viele neue und interessante Ideen mitbringen. Ich sehe die Bibliotheken an der Stelle noch lange nicht am Boden angekommen. Sie stolpern zur Zeit, aber ich bin zuversichtlich, sie fangen sich wieder. Der Weg geht vielleicht nicht mehr ganz so gerade aus, wie früher, als Bibliotheken noch ein Monopol besaßen (auf was auch immer), aber die Hindernisse sind da, um sie zu überwinden.

  • Dörte Böhner

    @Jean Stubenzweig

    Schauen wir doch mal, wie viele andere Suchmaschinen Otto-Normal-Internetserver bekannt sind. – Äh, ja Ask, Yahoo und dann verließen sie uns wohl schon. Ob Bing eine Alternative ist? Und häufig ist gar nicht so offensichtlich, dass im Background Google den Suchmotor antreibt.

    Medienkompetenz, kritisches Betrachten von Suchmitteln und Ergebnissen ist ein Lernprozess, der kaum von unkritischen Lehrern vermittelt werden kann. Und Bibliothekare können diesen Prozess vielleicht in 90 Minuten, sofern man ihnen diese zugesteht, etwas in Bewegung setzen, aber eine Lawine werden sie wohl kaum damit verursachen. (Weil es lernt nur der, der erkennt, dass das, was er lernen soll, lernenswert für ihn ist.)

    Die suggerierte Geschwindigkeit, die ungeheure Masse an Informationen vermitteln natürlich schnell das Gefühl innerhalb von Millisekunden über das gesamte Wissen der Welt zu verfügen oder zumindest so viel Wissen vor sich liegen zu haben, dass man es nie im Leben bewältigen kann. Also wird auch vermittelt, dass man somit alles wichtige gefunden hat. Ein Trugschluss, wie kritische Recherchefachleute nur zu gut wissen, aber natürlich toll für eine Generation, die sich zwischen tausend Freizeitangeboten aufteilen muss. Wer vermittelt ihnen aber die nötige Recherchekompetenz?

    So lange reines Faktenwissen wichtiger ist, als der Vermitteln von Schlüsselkompetenzen für den eigenen Wissenserwerb, wird Google auch weiterhin das Recherchemittel der Wahl bleiben.

    Zu Ihrem zweiten Kommentar:
    Weshalb die Mail nicht angekommen ist, weiß ich nicht. Dies ist meine Hauptmailadresse. Sollten Sie sie aus dem Text kopiert haben, müssen die Leerzeichen entfernt werden, sollten Sie die Adresse per Klick auf den Link in Ihr E-Mail-Programm übernommen haben, sollten sie den Spam-Schutz-Text hinter dem .de bitte löschen. Hier habe ich ganz bewußt keine komplizierte Verschlüsselung eingebaut.

    Zu Ihrer Anmerkung zu Cookies, Javaskript und was auch immmer – ich bin keine Programmiererin. Ich bin froh, dass das Blog funktioniert, dass ich den Spam-Kommentaren bisher hoffentlich noch erfolgreich begegnen konnte und den Nutzern den Kompfort bieten kann, ihren veröffentlichten Kommentar noch für einen Moment selbst löschen oder entdeckte Rechtschreibfehler selbst noch beheben können. Sicherlich war meine Antwort nicht zu Ihrer Zufriedenheit, aber ich wollte auch auf Ihren gewiss nachvollziehbaren zweiten Kommentar ebenfalls geantwortet haben.

    (Das m in meinem Namen habe ich übrigens durch ein n ersetzt, da Sie den Fehler ja selbst bemerkt hatten.)

    Mit freundlichen Grüßen

  • Pingback: Gelesen in Biblioblogs (25. KW) « Lesewolke's Blog

  • Christian Gutknecht

    @Dörte

    „Ein zu viel an Bürokratie, verspielten Chancen und einem Verkünsteln (auch in rechtlichen Belangen) bei Digitalisierungsvorhaben (immer auf Nummer sicher gehen müssen) hat David wohl schon vor dem ersten Steinwurf an den Boden der Realität gefesselt.“

    Ich teile diese Analyse wie es dazu gekommen ist. Allerdings stellt sich für mich die Frage, war und ist dieses Schicksal wirklich unumgänglich? Wäre hier eben nicht gerade die grosse Lektion zu lernen?

    Die Vorteile des Internets liegen doch klar auf der Hand: einmal im Netz, sind die Inhalte weltweit zugänglich. Warum führt diese banale Tatsache nicht automatisch dazu, dass Bibliotheken zusammenspannen und ihre Bestände gemeinsam digitalisieren? Am Ende dieser Anstrengungen winkt doch der Superpreis: Die Weltbibliothek (von der schon Paul Otlet träumte).

    Mit diesem Ziel vor Augen, ist es mir unverständlich, warum sich Bibliotheken auf dem Weg dorthin so wahnsinnig verzettelt haben und warum Google wahrscheinlich schneller dort ist. Die Ausgangslage der Bibliotheken wäre ja gar nicht so schlecht gewesen: Zählt man die Bibliotheksbudgets zusammen kommt man wohl auf leichtes auf eine grössere Zahl als die von Google. Das Know-How der Bibliotheken sollte eigentlich riesig sein, betrachtet man die lange Tradition gerade auch im internationalem Bereich (z.B. sei 1960 Pariser Prinzipien).

    Selbstverständlich können öffentliche Institutionen nicht ganz so aggressiv sein wie Google. Urheberrecht und Datenschutz müssen Vorrang haben. Dennoch hätte man den gegebenen Rahmen schon seit längerem besser ausschöpfen können. Anstatt die Katalogisierung und Sacherschliessung so zu perfektionieren, dass dies nur noch für eingefleischte Bibliothekare von Nutzen sind, hätte man schon seit längerem die Volltexte intern speichern und zur Indexierung benutzten können. Open Source, Open Access und Open Data, ist für viele Bibliotheken immer noch nur eine Alternative anstatt Standard, obwohl gerade hier die Stärken von öffentlichen Institutionen liegen.

    „Von einer “Niederlage” der Bibliotheken würde ich an dieser Stelle nicht sprechen. Dafür hätte es einen Kampf geben müssen.“

    Die Niederlage gilt zumindest für jene, die behaupten die Bibliotheken seien der Inbegriff für freie Information und deswegen gar nicht kritisierbar und schon gar nicht verzichtbar. Gerne sehe ich die Bibliotheken tatsächlich in dieser Position (eine grosse Skepsis gegenüber den kommerziellen Interessen von Google ist immer angebracht). Wenn man aber sieht, dass Google besser mit dieser Aufgabe umgehen kann, dann betrachte ich dies schon als Niederlage. Und als solche nimmt es auch die Politik zunehmend wahr: z.B. das Europaparlament: http://www.golem.de/1002/73374.html.

    Zieht man aus dieser Situation die richtigen Konsequenzen, dann denke ich selbstverständlich auch das Bibliotheken doch noch eine Zukunft haben.

    • Dörte Böhner

      Unumgänglich ist das Schicksal der Bibliotheken nicht. Es bedarf aufgeschlossener und wagemutiger BibliothekarInnen, die etwas wagen und darin unterstützt werden. In den USA herrscht eine andere Mentalität, was das angeht. Erst machen, dann fragen – während man hier fragt, abgeblockt wird, mit großen Problemen und Wenns und Abers konfrontiert wird. Das passiert schon bei kleinen Änderungen.
      Haben Bibliotheken denn ihre Rahmen in rechtlicher Form nicht ausgeschöpft? Vermutlich nicht, weil es viele Bedenken gab und zu wenig Rechtsexperten. Bibliothekare sind kein mutiges Völkchen und wollten auf Nummer sicher gehen.
      Denken wir um!

      Die Vorteile des Internets lassen sich nicht von der Hand weisen, aber da spielen noch viele andere Interessen mit, die von Urhebern, Verlegern und Verlagsmitarbeitern, die gerne von etwas leben möchten… Auf der anderen Seite stehen die Zugänge zur Information. Das kann man aber sicher über eine Moving Wall lösen (leider nicht zeitnah oder akutelle Informationen werden unbezahlbar, da man nach einem halben oder einem ganzen Jahr damit ja kein Geld mehr verdienen kann). Bibliotheken wissen um diese banale Tatsache, dass Informationen so weltweit zugänglich gemacht werden können, aber Bibliotheken sind ans Urheberrecht gebunden. Paul Otlet’s Weltbibliothek scheitert daran.

      Warum sich Bibliotheken dorthin (rechtliche Gründe mal außen vor) so wahnsinnig verzetteln? Sie wollen es richtig machen. Sie bedenken die Probleme dahinter mit. Das investierte Geld muss sich über lange Zeit rentieren. Stichworte hier: Langzeitarchivierung, Formatwahl, Zugangsplattformen, Erschließung…

      Was ist schief gelaufen? Vieles. Zwei Dinge, dich ich mit als maßgeblich sehe: Die Herangehensweise war anfänglich nicht webgerecht – es fehlten Erfahrungen. Programmierer programmierten ohne bibliothekarische Kenntnisse und Bibliothekare hatten keine Programmierkenntnisse. Da kamen zwei Welten aufeinander zu, die sich doch fremd geblieben sind. Der einen Seite fehlte das KnowHow der anderen oder auch das Einfühlungsvermögen. Das hat wohl kreative Ideen aber auch die Umsetzung behindert. Das nächste Problem ist eine Realisierung in Projektform. Befristete Arbeitsverträge, keine dauerhafte Sicherung des Angebots, ständiges „Sich-neu-organisieren“ und eine fehlende Integration als Kernaufgabe von Bibliotheken. Das ist meine Sicht und bin gespannt, wie andere das sehen würden.

      Google wird Bibliotheken überholen, weil es macht die Dinge einfach. „Scheiß auf die Konsequenzen!“ – Es gibt Konsequenzen, die teuer werden können für das Unternehmen. Die dem Google-Book-Settlement zugrundeliegende Klage ist noch nicht abgeschlossen. Das Unternehmen kann Rücklagen dazu machen. Bibliotheken nicht.

      Die Bibliotheksbudgets sind knapp kalkuliert. Sie können nicht einfach mal all ihre Gelder zusammenlegen und mit dem Digitalisieren anfangen. Was passiert mit der ganzen aktuellen Literatur die erworben werden muss, um Forschung garantieren zu können… Und ich glaube, selbst wenn alle Bibliotheksbudgets zusammengelegt würden, käme man nicht auf die Gelder, die Google aufbringen könnte, wenn es wollte.

      Ob man wirklich alles derzeit eingesetzte Personal für eine ordentliche Katalogisierung und Sacherschließung benötigt, wage ich zu bezweifeln, aber eine gute Katalogisierung und Sacherschließung ist auch weiterhin notwendig und sie wäre nicht nur eingefleischten Bibliothekaren von Nutzen, wenn die technischen Systeme diese Nutzbarkeit besser transportieren könnten. Auch in deren Entwicklung wird momentan viel Arbeitskraft gesteckt. Eine reine Googlesierung der Recherche ist der falsche Weg. Aber das ist eine Diskussion, die eine Mitwirkung der Recherchierenden benötigt, einen gewissen Lernwillen auf beiden Seiten der Medaille (Bibliothek – Nutzer). Eine reine Indexierung von Volltexten – nö, dafür hätten wir ja Google. Da können Bibliotheken mehr. An diesen Dingen muss weitergeschraubt werden.

      Open Source, Open Access und Open Data, ist für viele Bibliotheken immer noch nur eine Alternative anstatt Standard, obwohl gerade hier die Stärken von öffentlichen Institutionen liegen.

      Ich denke, es ist eine Ergänzung. Hier ist viel in Bewegung und es gibt gute Entwicklungen. Doch sollte man auch das Spannungsfeld, in dem sich Bibliotheken bewegen nicht unterschätzen. Sie müssen trotzdem vertrauensvolle Partner für Verlage und deren Angebote bleiben. Open Access muss finanziert werden und dafür wird neben Geldmitteln auch Personal benötigt.

      Ich weiß nicht, ob Bibliotheken wirklich der Inbegriff für freie Information sind. Sie machen Informationen nur frei zugänglich – mehr oder weniger, wenn man an die Bibliotheksgebühren denkt. Kostenlos nutzbar sind diese Informationen dann innerhalb der Bibliothek. Wo man drüber nachdenken muss ist die Frage, ob man den gleichen Service zukünftig kostenlos bis auf den Schriebtisch Zuhause liefern möchte. Das ist jetzt provokativ gemeint. Natürlich wäre es toll, Dinge bis auf den Schreibtisch liefern zu können. Aber auch bei Google bezahlen wir – wie oben im Beitrag dargestellt.

      Kann Google besser mit Informationen umgehen? Jain. Google hat etwas gemacht, das Bibliotheken bisher nicht geschafft haben. Bibliotheken haben gewachsene Regeln, die Sinn machen und eine bessere Recherche ermöglichen, wenn man diese Regeln kennt. Leider haben die Bibliotheken bisher den Faktor „Bequemlichkeit“ nicht beachtet. Wenn ich das Haus nicht verlassen muss, wenn ich einfach mal so etwas in einen Suchschlitz eingebe und ein Ergebnis erhalte, ohne Papier wälzen zu müssen, dann nutze ich Google. Aber Bequemlichkeit ist nicht alles und das müssen Bibliotheken jetzt mühsam deutlich machen.

      Der Beitrag von Golem.de macht deutlich, dass die Politik zum Stück auch ein eigenes Versagen erkannt hat, die Weichen für die Digitalisierung gerade im urheberrechtlichen Bereich nicht richtig gestellt zu haben.

      Die Bibliotheken haben eine Zukunft, ohne Frage. Wir werden aber mehr Konkurenz denn je haben und es wird interessante andere Angebote geben, ohne dass man darin immer gleich ein Versagen der Bibliotheken sehen muss. Ich arbeite gern in der Bibliothek, neige aber nicht dazu, sie als das Maß der Dinge zu sehen, wenn es um Vermittlung und Zugänglichmachung von Information geht. Dazu sind politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen nicht angetan.

  • Dörte Böhner

    Die Folien zum Vortrag von Herrn Renner sind online.