Aus aktuellem Anlass: Strandbibliotheken in Frankreich mit besonderer Berücksichtung des Départements Seine-Maritime

«Qui que vous soyez qui voulez cultiver, vivifier, édifier, attendrir, apaiser, mettez des livres partout» Victor Hugo

Seit 2006 gibt es „Lire à la Plage“ im Département 76 (Seine-Maritime). In diesem Jahr stehen in den folgenden 13 Kommunen Strandbibliotheken zur Verfügung stehen: Criel-sur-Mer, Dieppe, Etretat, Fécamp, Le Havre, Le Tréport, Rouen, Sainte-Adresse, Saint-Jouin-Bruneval, Saint-Valéry-en-Caux, Veules-les-Roses, Yport und seit diesem Jahr Saint Aubin sur Mer. Im letzten Jahr gab es über 60.000 Leser in den genannten Kommunen (außer in Saint Aubin sur Mer). Die Bürgermeister, in denen sich die  Strandbibliotheken befinden, beschlossen mehr Geld für die im Sommer genutzten Strandbibliotheken zur Verfügung zu stellen. Bereits seit dem 3. Juli findet „Lire à la Plage“ statt und wird noch bis 30. August andauern. Unter der Überschrift „Bronzez intelligent!“ (Bräunen sie sich auf intelligente Art!) wirbt das Département nicht nur auf seiner Webseite und für die zahlreichen mit “Lira à la plage” verbundenen Veranstaltungen um Aufmerksamkeit. Mittlerweile gibt es auch eine Gruppen– und eine Fanseite auf Facebook, die über aktuelle Termine und Neubauten informieren.

Dieser sich seit einigen Jahren abzeichnende Trend  wird auf der Seite „Livres Hebdo“ beschrieben und äußert sich hierzulande mehr in Form von Offenen Bücherschränken und Bücherzellen. Dies wurde zusammengefasst wie folgt beschrieben:

„Die Bibliothek definiert sich nicht mehr einzig und allein über die Qualität ihrer Bestände und ihres Raums. Sie findet auch eine Daseinsberechtigung über die Förderung des Lesens im Direktkontakt mit der Bevölkerung. Dieses Verlangen nach draußen zu gehen und die potentiellen NutzerInnen kennen zu lernen, ergibt sich aus einer Veränderung im  Angebot: die Bestände wurden reduziert und sind zunehmend von der Nachfrage der NutzerInnen abhängig. All dies findet im einem weniger institutionalisierten und beeindruckenderen Rahmen statt. […] Zweifelsohne tragen diese Strandbibliotheken zu einer Änderung des Image von Bibliotheken bei.“

Nicht nur im Département Seine-Maritime gibt es mittlerweile Strandbibliotheken, sondern auch an folgenden Orten:

Die Verbreitung von Gebäuden, die weniger institutionalisiert ausehen und an ungewöhnlichen Orten ihren Platz finden, machen aus meiner Sicht deutlich, dass Bibliotheken durchaus noch Potential haben mehr Menschen mit ihren Angeboten zu erreichen.  Das Beispiel von Universiätsbibliotheken (durch Roadshows und Besuchen in den Studentenwohnheimen an der Perdue University in den USA) zeigt, wie  man auf erfolgreiche Weise durch “Outreach”-Aktivitäten auf sich und seinen Service aufmerksam machen kann. Für öffentliche Bibliotheken wären Strand- und Freibadbibliotheken – auch an künstlichen Stränden wie das Beispiel “Paris Plage” zeigt – andere und unkonventionellere Wege, die den Kontakt mit den NutzerInnen erleichtern. Denn das folgende englische Sprichwort gilt heutzutage eigentlich für alle Bibliotheken, die sich zukünftig ihre Kundschaft sicher sein wollen und diese stärker mit einbinden als bisher:

“If Mohammad can’t go to the mountain, let the mountain come to Mohammad.”

P.S: Daneben gibt es noch weitere Strandbibliotheken in der französischen Schweiz (in Bienne und Yverdon-sur-Bain),  in Australien, in Spanien (Barcelona), Italien (Grado) und in den Niederlanden.

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