Potsdamer Informationswissenschaftlern droht ein Platzproblem

Welchen Stellenwert die Informationswissenschaft in Deutschland hat, zeigt sich immer wieder in Deutschland. So wurde 2003 laut darüber nachgedacht, das Berliner Institut für Bibliothekswissenschaft (heute Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft) an der Humboldt-Universität Frühjahr 2004 zu schließen, das einzige Institut Deutschlands an dem auf universitären Niveau Bibliothekswissenschaft vermittelt wird.

Nun berichtet Dekan Professor Hobohm demotiviert über die Zukunft des Neubaus für seinen Fachbereich Informationswissenschaften und den Fachbereich Sozialwesen. Beide befinden sich noch nicht auf dem neuen Campus der Fachhochschule Potsdam (FHP). Jetzt wurde der Fachhochschule durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) des Landes Brandenburg mitgeteilt, dass der Neubau auf dem Campus aufgrund fehlender Finanzen trotz bestehender Genehmigung nicht begonnen wird.

Für die Informationswissenschaften bedeutet dies neben Lärm und Staub auch eine Raumnot, da wenn das Schloss und die historische Mitte ab 2012 realisiert werden, der einzigen Archivwissenschaft in Deutschland nach und nach Räume fehlen werden, da diese von außen her abgerissen werden müssen. Weitere Raumeinschränkungen entstehen durch die Nutzung von Teilflächen durch die Stadt- und Landesbibliothek, da eine entsprechende Zusage, die vor dem Hintergrund des bevorstehenden Neubaus getroffen wurde, nicht zurückgezogen werden kann.

Wie in diesem Chaos dann eine erfolgreiche Lehre möglich sein soll, ist fraglich. Hobohm hat in seinem Blogbeitrag zu diesem Thema mit einer ziemlichen Bitterkeit zu kämpfen:

Wäre ich nicht Beamter altdeutscher Mentalität, würde ich mich jetzt zu Bemerkungen hinreißen lassen, die meine Pension gefährden würden.

Deutlich macht er, wie kurzsichtig hier die Politik agiert.

Wieso bekommen Fachbereiche der alten Welt riesige Neubauten und die Wissenschaften, die die Probleme der neuen Welt bearbeiten könnten, werden vor den Kopf gestoßen? Für mich reiht sich das in eine Reihe mir nicht wirklich verständlicher politischer Entscheidungen der letzten Zeit: allen voran die ebenfalls sehr unvermittelte Beendigung der Förderung von FIZ Technik. Warum mache ich eigentlich noch Informationswissenschaft, wenn es keiner hören will. Richtig Herr Bredemeier!

Für die FHP ist die Entscheidung auch aus anderer Hinsicht nicht nachvollziehbar. Das Konzept für eine interdisziplinäre und fachübergreifende Zusammenarbeit wird erheblich gestört dadurch. Ziel des Interflex-Konzeptes war das Zusamenwachsen gestalterischer, ingenieurtechnischer, informationswissenschaftlicher und sozialer Studiengänge. Doch jetzt hängt die Hochschule in der Luft, weil man keinerlei Informationen über das weitere Vorgehen besitzt.

Alle Auszugspläne aus dem Gebäude am Alten Markt sind gestoppt. Statt dessen müssen dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen, die vor dem Hintergrund des Umzugs durchaus zum Unmut der Studierenden und Lehrenden zurückgestellt wurden, nun doch noch in Angriff genommen werden.

Der Hochschule bleibt nur zu hoffen, dass diese Entscheidung nicht endgültig ist, denn noch gibt es Hoffnung. Die Fördermittel des Hochschulbauförderprogramms des Bundes sind bis 2013 zweckgebunden für den Hochschulbau zu verwenden. Sollte Brandenburg die 50%ige Kofinanzierung bis dahin sicherstellen können, ließe sich das Bauvorhaben finanziell realisieren. Ein Interesse an einer Realisierung hätte das Land ebenfalls. Der Altbau, in dem sich momentan die Informationswissenschaften der FHP befindet, steht der Entwicklung des Umfelds des Lantagsneubaus im Wege.

Es ist zu hoffen, dass der notwendige Neubau errichtet wird, um die vielversprechende engere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachbereich der Hochschule nicht zu behindern. Damit wird die Zukunftsträchtigkeit dieses Studienganges verbessert und ermöglicht, dass Konzepte für den Umgang mit Informationsmaterialien, mit Informationen und die praktische, vorausschauende Arbeit erfolgreich vorangetrieben werden können.

Quellen:
Hobohm, Hans-Christoph: Informationswissenschaften bleiben im Abrißbau, LIS in Potsdam

MWFK streicht Hochschulneubau – Fachhochschule Potsdam kann Standort Alten Markt bis auf Weiteres nicht aufgeben, Presseerklärung der Fachhochschule Potsdam

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