Ein Nachtrag: Das Afrika Medienzentrum wurde vor kurzem in Berlin-Wedding eröffnet

Das intellektuelle Afrika bleibt vielen Deutschen, aber auch vielen Afrikanern unbekannt. Dabei gibt es in Afrika nicht nur hervorragende Autoren und Autorinnen, Musiker und Musikerinnen, sondern es gibt auch eine florierende Filmindustrie. Auch europäische Filmemacher entdecken den Kontinent für sich. Den an Afrika Interessierten fehlt es allerdings an leicht zugängigen Medien, anhand derer sie sich über Musik, Filme, Geschichte, Politik und Kultur informieren können.” Hervé Tcheumeleu

Über die französische Webseite Livres Hebdo wurde ich gestern auf die Eröffnung eines Afrika Medienzentrums in Berlin-Wedding aufmerksam, die bereits am 18.08. 2010 stattfand.  Die Suche nach einer Berichterstattung über dieses Ereignis in den einschlägigen Berliner Tageszeitungen (Tagesspiegel, TAZ, Berliner Zeitung),  verlief leider erfolglos. Wenn in den überregionalen und regionalen Mainstreammedien Meldungen wie die Eröffnung eines Afrika Medienzentrums in Berlin überhaupt nicht Erwähnung findet, ist das sicher kein Einzelfall im Hinblick auf eine gewisse Ignoranz von multikulturellen Themen, die weniger Klischees und Stereotype transportieren, als die bekannten reißerischen Meldungen. Bereits im Blogeintrag vom 9. Mai diesen Jahres zum 5. Geburtstag der Hannah-Arendt-Bibliothek in Hannover kam ich am Ende meiner Ausführungen auf das afrikanische Viertel in Berlin-Wedding und möglichen Synergieeffekten mit Stadtteilbibliotheken zu sprechen. Die Aussagen von Herrn Diallo, dem Leiter des Afrikahauses Berlin, haben durch die Eröffnung des Afrika Medienzentrums wieder an Aktualität gewonnen. Er merkte am 07.10.2009 an, dass sich deutsche Bibliotheken und BibliothekarInnen  stärker für die Informationsbedürfnisse der Einwohner Deutschlands, welche aus Afrika stammen, interessieren sollten. Für sie sei die Bibliothek nicht attraktiv genug, da sie die Menschen, welche dort arbeiten nicht sehen bzw. keine „echte“ Kommunikation stattfinde und keine Mitarbeiter ihrer Herkunft vertreten sind. Nun hat der Initiator Hervé Tcheumeleu aus Mitteln der EU und dem Programm „Zukunftsinitiative Stadtteil“ ein eigenes Medienzentrum gegründet, obwohl meiner Meinung nach eine Integration in die “Mainstreambibliotheken” des Stadtteils dem interkulturellen Gedanken förderlicher gewesen wären. Mainstream-NutzerInnen könnten so leichter neugierig auf das Angebot gemacht werden, das nun etwas weiter von “ihrer Stadtteilbibliothek” entfernt liegt. Herr Hanke, der Berliner Bürgermeister des Bezirks Mitte,  sprach zwar von einer großen Ausstrahlungskraft, aber meines Erachtens wäre eine interkulturelle afrikanisch-deutsche Stadtteilbibliothek, die Teil des Verbunds der Öffentlichen Bibliotheken Berlins  ist, eine erster Schritt der Normalisierung dessen was sich der Bürgermeister und viele anderen wünschen:

„ Es wird Zeit, dass Europa sich auch für die Literatur Afrikas öffnet. Hier herrscht immer noch ein großes Desinteresse. Um so schöner ist es, dass es nun im Wedding für Berlin einen afrikanischen Leseraum geben wird. Ich wünsche ihm eine große Ausstrahlungskraft.“

Trotz aller Kritik wünsche ich dem afrikanischen Leseraum, dass dieser ein Best Practice Beispiel dafür wird, wie die sogenannte “Mehrheitsgesellschaft” in Fom von afrikanischer Literatur, Kunst und Musik für den Dialog und für ein differenzierteres Bild von Afrika sensibel gemacht wird.

Das Afrika Medien Zentrum befindet sich in der Torfstraße 12 in Berlin-Wedding und verfügt über etwa 2010 Bücher, CDs, DVDs mit Afrikabezug. Der Leseraum wird montags und mittwochs von 14 bis 18 Uhr sowie freitags von 15 bis 20 Uhr geöffnet haben und die Medien können gegen eine kleine Gebühr entliehen werden. Warum wurde ausgerechnet das Jahr 2010 für die Eröffnung gewählt? In diesem Jahr wurde nicht nur zum ersten Mal eine Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen, sondern in vielen Ländern Afrikas jährt sich die Unabhängigkeit zum 50. Mal. Zur Eröffnung kamen zahlreiche Botschafter afrikanischer Länder, der Bürgermeister Christian Hanke, der Ex-Fußballprofi Pablo Thiam und Topmodel Joelle Bertelmann, die vor kurzem eine Modelagentur (Sheeva-Models) in Berlin-Wedding gründete und überdurchschnittlich viele Models mit multikulturellem Hintergrund in ihrer Kartei führt. Außerdem nahmen noch der Vorsitzende des Afrika Rats Berlin-Brandenburg Moctar Camara und der afrikanische Chor Akwaba an der Eröffnung teil. Ziel des Afrika-Medien-Zentrums ist es eine bessere Zugänglichmachung von Medien mit Afrikabezug herzustellen. Der Leseraum steht allen offen und bietet Belletristik, Sachbücher, Dokumentarfilme und Zeitungen aus und über Afrika an.


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