Fällt die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg dem Sparzwang zum Opfer?

Augsburg leistet sich einen Luxus, neben einer Stadtbücherei auch noch eine Staats- und Stadtbibliothek zu finanzieren. So hat die Stadtbücherei zwar gerade im Juni letzten Jahres ein premiertes neues Gebäude bezogen, aber Geld für neue Medien blieb da nicht über.

Die Staats- und Stadtbibliothek, die 1537 im Zuge der Reformation als Stadtbibliothek der Freien und Reichsstadt Augsburg entstand, kostet heute die Stadt eine Million Euro pro Jahr. Der Freistaat Bayern beteiligt sich mit 18.900 Euro. Die Stadt fordert eine fünfzigprozentige Beteiligung des Landes, aber bislang scheiterten die Verhandlungen mit der Bayerischen Staatsregierung.

Der bauliche Zustand des Gebäudes ist besorgniserregend. Die Bibliothek, die 2012 475 Jahre alt wird, ist ihrem Gebäude von 1892 eigentlich entwachsen. Große Probleme macht die Statik. So mussten bereits 50.000 Bände ausgelagert werden, aber das ist keien dauerhafte Lösung. Der Bestand der Bibliothek wächst weiter. Der Ausbau des Dachgeschosses ist dringend notwendig. Auch eine benötigte Sanierung des Gebäudes würde 4,3 Millionen Euro kosten. Der Freistaat würde sich zur Zeit mit zwölf Prozent Zuschuss beteiligen, aber die Stadt kann den Rest nicht stemmen und somit wurde dieses Projekt komplett aus dem Etat gestrichen.

Eine Aufteilung der Bestände und ein Verkauf des Gebäudes würden der Stadtregierung, die sowieso sparen muss, etliche Probleme ersparen, so z.B. 4,3 Millionen Euro Sanierungskosten. Der städtische Besitz und das Stadtarchiv könnten 2013 neben das Textilmuseum ziehen, der staatliche Teil der Bücher und Schriften ließe sich in München und an der Uni Augsburg unterbringen, so die Idee der Verwaltung.

Der Leiter der Bibliothek Helmut Gier, der 2012 in den Ruhestand geht, hält die Aufteilung der Bücher und Schriften für unlösbar. So müssten die Besitzer von rund 500.000 Bänden ausfindig gemacht werden – z.T. nicht mehr möglich. Schwerer wiegt auch, dass man mit der Aufteilung auf den wertvollsten Teild der Sammlung verzichten müsste, da der Großteil der mittelalterlichen Handschriften, die beispielsweise aus dem Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra stammen, dem Staat gehören.

Dies ist ein Grund, warum sich Unmut gegten die Pläne der Stadtregierung regt. Ein zweiter Grund wäre der Schaden für den „Ruf der Kulturgeschichts- und Buchstadt Augsburg“. Die SPD-Fraktion setzt sich daher in einem Antrag für den Erhalt der Einrichtung und eine Gebäudesanierung ein. Eine Abstimmung erlgt dazu in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses am 18.10.2010. Die Grünen sehen hingegen Probleme für das Stadtarchiv. Würde dieses Bestände der Staats- und Stadtbibliothek übernehmen, so würde der Platz in dem neuen Gebäude nicht mehr ausreichen, es müsste neu geplant werden und damit bestände die Gefahr, dass sich der Umzug des Archivs verzögern würde.

Die Stadt leistet sich zwar einen Luxus mit zwei Stadtbibliotheken, aber beide Bibliotheken sind historisch gewachsen und stehen auch für die Geschichte der Stadt. Kann man knapp 475 Jahre Geschichte einfach so wegwischen?

Quelle:
Prestle, Nicole: Wird Augsburger Staats- und Stadtbibliothek zerschlagen?, Augsburger Allgemeine


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