Bücher brennen bei 233 Grad Celsius

Bücher sind mehr als nur Bücher. Sie gibt es inzwischen hochklassig digitalisiert, multimedial gefasst im Internet. Es ist schon faszinierend, z.B. die Manessische Handschrift im Netz durchblättern zu können, wo doch das Original für zu kostbar ist, um es jedermann zugänglich zu machen. Das digitale Buch dabei kann sogar aus kleinen schwarz-weiß bedruckten Flächen vor einer Webcam bestehen, die auf dem Computerbildschirm dann Poesie erzeugen.

Sprache und Literatur wandeln sich mit den Möglichkeiten der neuen Medien. Diesen Wandel erkundet der Kunsttemple mit seiner Ausstellung “233° – eine andere Bibliothek”. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf Ray Bradburys Verfilmung von François Truffauts Science-Fiction-Roman “Fahrenheit 451”, in dem jeder Bücherbesitz verboten ist und durch andere Medien ersetzt wird. Bei 233 Grad ist die Temperatur erreicht, bei der Bücher verbrennen.

Die Fragestellung ist dahinter, was Bibliotheken bieten könnten, wenn alle Bücher verbrannt sind. Da wären Hörbücher, Verfilmungen von Gedichten und Lyrik im Netz, per Zufallsgenerator entstandene Poesie. Gezeigt wird auch, wie die Grenze zwischen Buchseite und Bildschirm verschwindet, wie in dem Projekt von Amarant Borsuk und ihrem Mann Brad Bouse, beide Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA. Sie stellen im Kunsttempel ihre Internet-Animation “www.betwenpageandscreen.com” vor.

Entspricht bei ihrem Projekt noch die Form dem Inhalt?

Ihre Computer-Animation (unter betweenpageandscreen.com), die sich per Buch steuern lässt, hat etwas so Spielerisches, wie sich die beiden Liebenden mit Worten umkreisen.

Auch andere Kuriositäten lassen sich in der Vernisage bewundern. So gibt es die mit 400 Bänden größte Schüttelreim-Sammlung zu bewundern, die Manfred Hanke der Stiftung Brückner-Kühner überlassen hat. Die steht ausnahmsweise ganz konventionell im Bücherregal. Dann gibt es Filmrequisiten zu bewundern, die vom Berliner Buchbinder Markus Rottmann hergestellt wurden und unter denen sich u.a. Hitlers Dokumentenmappe aus der Eichinger-Produktion „Der Untergang“ und Dachauer KZ-Akten aus Scorseses Drama „Shutter Island“ befinden.

Die Vernissage läuft bis zum 21.11. im Kunsttempel, Friedrich-Ebert-Str. 177, Kassel statt und kann von Donnerstag bis Sonntag von 15.00 – 18.00 Uhr besucht werden. Führungen werden nach Vereinbahrung angeboten (Tel. 0561/24304).

Quelle:

Busse, Mark-Christian von : Jenseits der Gutenberg-Galaxie, HNA.de

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Kann das Paket zu Weihnachten ausgepackt werden?

Seit Winter letzten Jahres ist die Stadt- und Regionalbibliothek im Bürgerhaus von Staßfurt-Nord geschlossen, weil sich Nutzer über schlechte Gerüche und Kopfschmerzen beklagten. Grund waren die Ausdünstungen der neu verlegten Fußböden in den renovierten Räumen.

Die drei Messungen der Dekra Halle, eine Luftprobenentnahme in den Innenräumen zur Untersuchung auf flüchtige organische Verbindungen, eine Prüfung der Bohrkerne der Fußböden sowie die Feuchtebestimmung des Zementestrichs ergab, dass ein erhöhter Lüftungsbedarf besteht.

Die Schließung der Bibliothek war nicht ganz umumstritten, aber Oberbürgermeister René Zok verwies da auf das in Auftrag gegebene Gutachten. Hier wurde davor gewarnt, dass es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen könnte, wenn BibliothekarInnen und NutzerInnen den Gerüchen permanent ausgesetzt seien. Beschwerden stellten sich als Kopfschmerzen, Unwohlsein und Schleimhautreizungen dar. Bei den Mitarbeiterinnen der Bibliothek wurde nach dem Vorliegen der ersten Ergebnisse der Prüfer eine Untersuchung durch den Betriebsarzt der Stadtverwaltung vorgenommen. Zum Glück wurde dort nichts dergleichen festgestellt, aber vor der Wiedereröffnung der Bibliothek müssen die gesundheitsgefährdenden Ursachen entfernt werden.

Laut Stadtverwaltung gibt es noch eine Firma, die vom beauftragten Rechtsanwaltsbüro aufgefordert worden ist, den Schaden zu beseitigen. Doch das Unternehmen habe sich bisher nicht geregt, so dass die Kommune nun selbst die notwendigen Arbeiten vornimmt, welche dann diesem in Rechnung gestellt wird.

Der Estrich ist Grund für die Ausdünstungen, weswegen er und der PVC-Belag herausgenommen werden müssen. Dies soll in den nächsten 14 Tagen passieren, da die Fristen laufen und sonst keine Forderungen mehr geltend gemacht werden können. Mit dem Neuaufbau des Fußbodens hofft man so fertig zu werden, dass die Bibliothek dann doch kurz vor Weihnachten wiedereröffnet werden kann.

Dies ist ein hochgestecktes Ziel, denn damit die Medien durch die Dämpfe und Bauarbeiten keinen Schaden nehmen, wurden sie ausgelagert. Auch sie müssen erst in die Bibliothek zurückgeräumt werden, bevor sich dann Bibliotheksnutzer wieder mit spannender Literatur, DVDs und CDs eindecken können.

Hinweis über:
Plieninger, Jürgen: Baumangel wird selbst behoben, netbib weblog

Quelle:
Kiel, René: Wird die Stadtbibliothek vor Weihnachten wieder geöffnet?, Volksstimme.de

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