[Adventskalender] 11. Dezember 2010

Der weiße Schneemann FRIDOLIN
(Quelle)

Den weißen Schneemann Fridolin
verlockte ein Plakat
zum Faschingsfest davonzuziehn
in ein Hotel der Stadt.

Den weißen Schneemann Fridolin
betrachtete man gern
und alle Welt begrüßte ihn,
wie einen richtigen Herrn.

„Die Maske ist ganz meisterlich!“
so hieß es rings im Kreis.
Man gab dem Schneemann öffentlich
den ersten Maskenpreis.

Den weißen Schneemann Fridolin
erstaunte der Applaus.
Er sagte: „Wie ich heute bin,
so seh`ich immer aus.“

Schneemann Schneemann von Katherine Kirkland, CC-BY-NC-ND

Da sagte man dem Fridolin
ganz offen ins Gesicht:
„Dass du ein echter Schneemann bist,
das glauben wir dir nicht.“

Doch plötzlich, wie erstaunte man-
macht`s leise: tropf, tropf, tropf.
Es fing sein Bauch zu schmelzen an,
sein Rücken und sein Kopf.

Man fasste ihn, man stützte ihn.
Der Schneemann wurde schlapp.
Der arme Schneemann Fridolin
nahm unaufhörlich ab.

Er stammelte mit müdem Blick:
„Bringt mich ins Hospital.“
Jedoch es stand zu seinem Glück
ein Eisschrank links im Saal.

„Hinein mit ihm, Hinein mit ihm!“
so brüllte man im Chor,
er ging hineien – er kam heraus.
Da war er wie zuvor.

Man rief: „Hurra!“ Er dankte fein.
Dann sagte er: „Ade.“
und lies den Fasching, Fasching sein
und stapfte in den Schnee.

Von:
James Krüss (1926 -1997)


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