Bibliotheksbenutzung will gelernt sein

Man kann es auch kompliziert machen und Hürden aufbauschen, die vermutlich waschechte BibliothekarInnen gar nicht so sehen. Da ist es natürlich gut, wenn eine Zeitschrift wie die Süddeutsche sich das mal genauer anschaut.

In der Uni-Bibliothek das richtige Buch zu finden, ist eine Wissenschaft für sich. Denn es ist gar nicht so einfach, sich in den Datenbanken zurechtzufinden. Wer eine falsche Signatur bestellt, erhält statt Goethes Faust einen medizinischen Wälzer.

Ja, das passiert, wobei ich nicht unterschreiben möchte, dass das Finden eines bestimmten Buches in der Öffentlichen Bibliothek einfacher ist. Sicherlich kann man in kleinen Büchereien die Regale entlanggehen, bis man den richtigen Buchstaben oder das richtige Thema gefinden hat. In der ZLB in Berlin möchte ich das allerdings weniger tun als in der kleinen Hochschulbibliothek, in der ich abeite. Ja, ja, und dann bringt die Süddeutsche die vermaledeiten Zettelkataloge zurück ins Spiel, die ich in der öffentlichen Bibliothek öfter gewälzt habe als in jeder wissenschaftlichen Bibliothek, wo sie mittlerweile zu einem Fossil werden und durch elektronische Kataloge abgelöst werden. Wann hat der Autor selbst eigentlich das letzte Mal eine große Bibliothek genutzt?

Der Lesesaal der Staats- und Universitätsbibliothek ist systematisch aufgestellt. Hier kann der Leser sich dem “Gefühl” hingeben, sich wie in der ÖB schmökernd und querbeet lesend durch die Regale zu wandern. Doch wer ein ganz bestimmtes Buch sucht, wird es hier kaum finden. Er nutzt besser den Katalog, um nach Autor oder Titelstichwort zu suchen. Allerdings muss das gesuchte Stichwort im Titel des Buches vorkommen.

Die Schlagwortsuche hilft thematisch zu suchen. Dafür kann man auch den Schlagwort-Index nutzen, sofern es einen gibt. Die OPACs des GBV lassen diesen schmerzlich vermissen. Da lautet mein Tipp, suchen Sie ein Buch, das thematisch passt und klicken Sie dort auf die Links bei dem passendsten Schlagwort. So stoßen Sie eine Schlagwortsuche an. So findet man Buchtitel wie “Keine Angst vor Zahlen” oder “Grundkurs Rechnen”, die im Titel eben nicht Mathematik enthalten.

Über den Online-Katalog können die Studierenden auch sehen, ob ein Buch verfügbar oder ob es ausgeliehen ist. Sollte es nicht am Standort sein, kann man es sich online gleich vormerken lassen. Bei Rückgabe wird der Studierende benachrichtigt. Nicht immer funktioniert dies automatisch, sondern manchmal sitzt auch eine nette Bibliothekarin da und verfasst eine Info-Mail.

Neben dem direkt an den Bestand der Bibliothek gebundenen Angeboten gibt es für Studierende die Möglichkeit, die virutellen Fachbibliotheken zu nutzen, so z.B. die ViFa Recht, Cibera oder Romanistik de. Dort kann man auf den jeweiligen Internetseiten über Suchbegriffe elektronische Angebote in den jeweiligen Fächern durchsuchen, z.B. Zeitschriften, E-Books und Bibliografien. Bestensfalls werden gleich Links zu den Volltexten mitgeliefert. Notfalls können die Nutzer in ihrer eigenen Bibliothek nach den dort angezeigten Werken weitersuchen.

Viele Zeitschriften und oft auch ganze Enzyklopädien können inzwischen oft online im Volltext genutzt werden. Gerade letztere sicn häufig aktueller als die gedruckten Lexika. Durch Lizenzbestimmungen lassen sich die Texte manchmal nur an den Rechnern des Hochschulcampus lesen.

Sollte man mal nicht fündig werden, ist es sinnvoll, die Rechtschreibung seiner Suchbegriffe zu kontrollieren. Das ist echt ein häufiger Fehler, der auch mir ständig passiert. Die OPACs sind nicht so fehlertollerant wie die Googlesuche, wenn auch neue Bibliothekskataloge Rechtschreibempfehlungen zu implementieren beginnen. Google hingegen ist nicht besonders gut geeigent, um nach Büchern zu suchen, denn die Suchmaschine enthält keine Buchmetadaten aus bibliothekarischen Katalogen. Daran sollten Studierende denken, wenn sie bei Google nach einem Zeitschriftenartikel oder einer Monografie rechercherchieren. In den GBV-OPACs ist es gut möglich nach Artikeln zu recherchieren, wobei man den Titel eingeben sollte, nicht den Autor. Auch ist darauf zu achten, welchen Suchschlüssel man verwendet. Goethe als Person zu suchen gibt andere Treffermengen als wenn man Goethe als Teil des Titels (Titelstichwort) sucht.

Schwierig ist die Balance zwischen zu genau und zu allgemein zu finden. Wer zu spezielle Suchbegriffe nutzt engt seine Suche zu sehr ein und findet unter Umständen nichts, während er von Treffern erschlagen wird, wenn der Begriff zu allgemein ist. Manchmal hilft hier aber auch die wahl des richtigen Suchschlüssels. So kann die Suche nach “deutsche Geschichte” viele hunderte Treffer bringen, eine Einschränkung mit dem Feld “Titelanfänge” jedoch nur Titel findet, bei dem der Titel genau so beginnt. Andererseits muss der Nutzer wissen, dass an dieser Stelle ein “die ” mit eingegeben werden muss, wenn der Titel mit “Die deutsche Geschichte” beginnen soll.

Das sind Feinheiten, die natürlich nur schwer zu vermitteln sind. Schulungen hin oder her, so ist die Frage, ob das Interesse und ein Verständnis für die Möglichkeiten und Feinheiten der (bibliothekarischen) Literaturrecherche bei den Studierenden geweckt werden kann. Erfahrungsgemäß reichen anfangs die Literaturlisten und -empfehlungen der Professoren aus. BibliothekarInnen stehen dann vor dem Problem, wenn die grundlegenden Recherchekenntnisse nicht mehr ausreichen, die Studierenden zu erreichen und auch als AnsprechpartnerInnen für diese Probleme wahrgenommen zu werden. Ich glaube nicht, nach allen gehörten Diskussionen zum Thema Schulungen und Vermittlung von Informationskompetenz, dass hier momentan gute, freiwillig basierte Lösungen exisitieren, die einen Großteil der Studierenden auch erreicht. Da gibt es wohl etwas für die ToDo-Liste bei den Bibliotheken.

Recht gut zu vermitteln ist, dass Studierende auch an Bücher gelangen, wenn diese nicht in der eigenen Bibliothek vorhanden sind. Andere Bibliotheken können die gewünschten Bücher besitzen. Der Studierende kann das Buch oder den Artikel online oder per Fernleihschein über die eigene Bibliothek bestellen und dort abholen. Ihnen stehen auch Direktlieferdienste wie Subito oder TIBorder zur Verfügung, wenn es schnell gehen muss. Allerdings kosten diese Lieferdienste erheblich mehr als die Fernleihe.

Quelle:
Uni-Bibliothek: Bücher suchen will gelernt sein, Sueddeutsche.de

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2 Kommentare

  • Lesekater

    Vielen Dank für den Hinweis auf diesen Beitrag den ich unmittelbar an unser Auskunftsteam weitergeleitet habe. Denn es ließe sich daraus wunderbar ein in wenige Stichworte verdichteter Handzettel erstellen, der zur Unterstützung von kopflos Verzweifelten Menschen auf der Suche nach der richtigen Literatur hilfreich sein könnte.

    Maunzt Lesekater

    • Dörte Böhner

      Der zugrundeliegende Artikel der Süddeutschen Zeitung ist etwas verwirrend, weil hier Gegebenheiten aus dem GBV-Bibliothekssystem und dem Bayerischen Verbund durcheinander gewürftelt werden. Ich hoffe, mir ist gelungen, das ein wenig aufzudröseln, denn bestimmte Möglichkeiten gibt es beim GBV-Standard-OPAC nicht, dafür aber bei den Katalogssuchmaschinen des BVB, z.B. die Indizes. Manchmal hatte ich das Gefühl, hier werden Birnen und Äpfel verglichen.

      Vielleicht ließe sich dieser kurze Handzettel hier verlinken. Ich würde mich darüber freuen, denn gute Beispiele helfen anderen Bibliotheken wiederum weiter.