Lachen BibliothekarInnen? – Persönliche Eindrücke & unbeantwortete Fragen & ein Best Practice Beispiel aus Österreich

Das Image hat besonders bei Dienstleistungen eine Orientierungsfunktion. Das Image entsteht aus der Ganzheit aller –richtigen und / oder falschen Vorstellungen über ein Produkt / eine Dienstleistung und / oder ein Unternehmen / eine Institution.“

Prof. Dr. U. Georgy nach Manfred Bruhn

„Do librarians laugh?“ So lautete der Titel eine Vortrags von Justyna Jasiewicz-Hall anläßlich des 15. BOBCATSSS-Symposiums 2007 in Prag.  Was dann folgte waren Best Practice Beispiele aus den Medien, redundante und allseits bekannte Aufzählungen von Gründen, wieso und weshalb  es mit dem Image schlechtsteht und die  Bibliotheksarbeit nicht ausreichend anerkannt wird. Ihre Beispiele stammten meist aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum und ebenso verhielt es sich mit ihren angegebenen Webseiten.  Ihr ging es damals darum zu zeigen, wie BibliothekarInnen im Alltag wahrgenommen werden und was woanders (z.B. in den USA) besser laufe.  Auf Anfrage an Frau Engelkenmeier ob es denn deutschsprachige Filme gibt, in denen BibliothekarInnen (klischeehaft oder nicht) vorkommen, fiel die Antwort nicht gerade positiv aus, denn es gibt kaum welche.  Als ich in letzter Zeit selbst auf YouTube und anderswo danach suchte, fand ich kaum etwas: keinen Bibliothekssketch mit Dieter Krebs & Iris Berben bzw Beatrice Richter (Beispiel Sketchup: „Beatrice Richter und Diether Krebs spielen Menschen allen Alters, aller Berufssparten und abstruseste Charaktere“; Für fast alle Berufssparten muss hinzugefügt werden, denn der Beruf BibliothekarIn schien ihnen damals nicht sketchwürdig genug zu sein und scheint es vielen bis heute nicht.) oder BibliothekarInnen, die bei „Verstehen Sie Spaß?“ hereingelegt wurden oder nie ein Scherz oder eine Anspielung auf Bibliotheken/BibliothekarInnen durch die zahlreichen deutschsprachigen Comedians und Kabarettisten, kaum Bibliotheksfilmchen oder Ausschnitte aus Serien oder Filmen. Es ist als ob in der Pop- und Fernsehkultur Deutschlands (und auch anderswo) BibliothekarInnen nichtexistent sind und keinen Platz haben. Wie kann hier mehr Intersse erwachsen? Es gibt Vince Ebert für Naturwissenschaftsinteressierte und „Piano“ Paul für Mathematikbegeisterte und solche, die es werden wollen. Bei genauerem Nachdenken gäbe es noch für andere unbeliebte Fächer und Berufe den ein oder anderen Multiplikator wie die eben genannten von mir. Doch wer vermittelt Menschen, die sonst nicht in eine Bibliothek gehen würden, das trockene Bibliothekseinmaleins und begeistert sie in herzerfrischender Weise für einen lohnenswerten Besuch in einer Bibliothek in ihrer Nähe? Manchmal hat es den Anschein, dass ja die Ausleihzahlen immer stetig steigen und mehr „Menschen mit Migrationshintergrund“ die Bibliothek besuchen als solche ohne M.h.  und das dem Image zumindest in den einschlägigen Fachzeitschriften nur gut tut. Ich glaube an diese Selbstbeweihräucherungen nicht und  bei genauerem Hinsehen ist es vermutlich ähnlich wie in den Niederlanden. Über Rotterdam berichtete ich im letzten Jahr, dass dort die Stadtbibliothek die rückläufige Zahl an Medienausleihen in den Besuchsflyern explizit erwähnt und hinzufügt, dass die Kundenorientierung nun oberste Priorität einnimmt (weniger die Anschaffung von Medien und deren exakte Einarbeitung), anstatt diese Zahlen und Statistiken aufzuhübschen oder gar zu verleugnen. Eigentlich hätte ich mir eine breitere Debatte darüber gewunschen, was wir – Deutschland (nationale Verbände,  aber auch EUCLID und andere) und Polen und viele andere europäische Länder tun könnten, um diese von Justyna Jasiewicz-Hall genannten Best Practice Beispiele von heute auf morgen umzusetzen und nicht (wie immer) nur neidisch oder in beidenswerter Manier „über den großen Teich“ zu blicken, sondern selbst in der Lage wären europäische Best Practice Beispiele zu entwickeln. Hierbei geht es doch nicht nur um ein verbessertes Image, sondern auch um mehr Aufmerksamkeit im Popkulturbereich und somit in plurimedialen Diskursen überhaupt vorzukommen, was sicherlich dem Berufsstand stärken könnte und langfristig eine bessere Lobby in der Gesellschaft und bei den Unterhaltsträgern zur Folge hätte. Denn wem nützt es denn, wenn nur Arte, 3Sat und Deutschlandradio Kultur über Bibliotheken berichten und nicht mehr private Fernsehsender und Sender, die von einer Mehrheit der arbeitenden und weniger bibliotheksaffinen Bevölkerung gesehen werden? Würde eine Analyse vorgenommen werden, ob in anderen Ländern diese Trennschärfe zwischen der „höheren“ Bibliothekskultur im Bildungsfernsehen (Arte, 3Sat usw.) ebenso vorgenommen wird, könnte ich mir gut vorstellen, dass im anglo-amerikanischen Raum diese starke Trennung zwischen bildungsbürgerlichen Bibliotheksinteressierten und den weniger bibliotheksaffinen Bürgern nicht existiert, wie sie in der Fernseh- und Medienlandschaft hierzulande vorkommt. Es gibt eben eine große Mehrheit, die sich eher der „seichteren“ und einfacheren Unterhaltung widmet. Durchaus interessant wäre es bibliothekarische Themen im Radio (nicht im klass. Kulturradio, sondern Unterhaltungsradio) und im Privatfernsehen populär zu vermitteln, um auch solche potentiellen Nutzergruppen besser zu erreichen. Wenn die Bibliothek bei vielen Nicht-NutzerInnen kaum  mehr auf deren cognitive map vorkommt, wie kann dann das mit alten Klischees angereicherte Image verbessert werden?

Das Angebot der UB ist vermutlich besser als das von Google, trotzdem bin ich meistens mit Google schneller.“

Antwort eine Studenten anläßlich einer Imageanalyse einer Universitätsbibliothek als Basis zur Kundenbindung von Prof. Dr. UrsulaGeorgy & U. Engelkenmeier aus dem Jahr 2005

1. Ähnlich wie der Beruf des Grundschullehrers, des Politikers, des Bäckers, des Fleischers, des Pflegers, des Landwirts oder des Journalisten, zählt der des Bibliothekars nicht gerade zu den beliebtesten Berufen in Deutschland.  Die Feuerwehr und insbesondere das Handwerk im Allgemeinen („Die Wirtschaftsmacht von nebenan„) starteten in den letzten Jahren zahlreiche Imagekampagnen, um mehr junge Menschen zu gewinnen. In bestimmten Bundesländern ist da durchaus schon ein Mangel an jungen und motivierten Männern, aber an noch mehr Frauen zu verzeichnen. Eine derartige Imagekampagne, die für den Beruf des Bibliothekars bzw. der Bibliothekarin wirbt, ist mir  aus dem deutschsprachigen Raum bis dato nicht bekannt, obwohl es wahrscheinlich zu viele BibliothekarInnen gibt, die derzeit ein regelmäßiges Auskommen suchen im Verhältnis zum Angebot an Stellen. Dringend von nöten wäre ein Aufbrechen von Bibliotheken als klassischer Frauenbereich. Hierfür wäre eine Imagekampagne durchaus hilfreich. Diesen Tatsachen trug  Susanne Korb in ähnlicher Form 2009 in ihrer Dissertation Rechnung: „Nach unseren Ergebnissen werden Bibliotheken noch so lange ein Frauenbereich bleiben, solange sich an Bezahlung und Aufstiegschancen nichts ändert. Eine wichtige Voraussetzung für die positive Entwicklung der Rolle der Frau in Bibliotheken und Informationseinrichtungen ist, dass Frauen zukünftig mit den Neuen Medien und den technischen Entwicklungen offensiver umgehen und dass alte Strukturen aufgebrochen werden.“

2. Vor kurzem hörte ich von einem bayerischen Bibliothekar, dass die Ausbildung der BibliothekarInnen in Bayern angeblich viel besser sei als im Norden und Osten Deutschlands. Auf Nach-Frage und einer höflichen Bitte um eine dezidierte Begründung bekam ich keine ehrliche und nachvollziehbare Antwort. Doch diese Kleinstaaterei und die Verbreitung über eines schlechten Images von BibliothekarInnen, die in anderen Regionen Deutschlands ausgebildet wurden,  scheint bis heute weiter tradiert zu werden und sich in den einzelnen Regionen hartnäckig zu halten. Die BibliothekarInnen im Süden glauben wohl eine bessere Ausbildung zu haben, nur weil ihnen das vermutlich vor 40 Jahren jemand zuflüsterte oder gar einredete, dass es bei den „Preußen“ eben nicht so gut sei. Aus diesem Grunde sehe ich keinen Ausweg aus dem immer noch existierenden regionalem und provinziellem Denken, mehr europäisches Denken einfordern, das uns als (angehende) MitarbeiterInnen in Zeiten eines „Bologna-Prozesses“, von ERASMUS bis hin zu „Libraries for all“ (ESME = European Strategy for multicultural Education) gleichermaßen angeht, um ein größeres  europäischens Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln als bisher. BOBCATSSS war sicherlich damals ein Meilenstein dieses Ziel zu erreichen, aber können diese Kontakte und diese Netzwerke weiterhin aufrechterhalten und gepflegt werden bzw. eine europäisch ausgerichte Konferenz für BibliothekarInnen, die auch Nicht EU-Staaten in Europa stärker einbezieht?

3. Mir ist vor 3-5 Jahren bei verschiedenen WG-„Vorstellungsgesprächen“ in der Stadt mit den vermutlich meisten Bibliotheken Deutschlands (Berlin) aufgefallen, wie unwissend und uninformiert vermutlich die meisten Studenten den Beruf Bibliothekar beschreiben. In Frankreich ist das nicht anders und vermutlich gäbe es noch viele andere Länder, in denen bis heute einer Mehrheit nicht bekannt ist, womit  BibliothekarInnen ihnen nützlich sein können oder dass es hierzu gar einer Ausbildung bzw. eines Studiums bedarf. Eigentlich sind „wir“ unsichtbar und es wundern sich immer wieder junge und alte Menschen: „Was? Ihr habt das studiert? Seit wann braucht man für das Büchersortieren ein Studium?“ Auch in München und anderswo ist dieser Beruf gänzlich unbekannter als der einer Raumpflegerin oder eines Kaufhausdetektivs.  Es ist eigentlich kein Wunder, weshalb „wir“ oftmals ignoriert und nicht ausreichend anerkannt werden. Ich laste das niemandem an, aber je mehr ich bei den WG-Besuchen Antworten aus der Klischeekiste erhielt, desto mehr Bauchschmerzen bekam ich. Ich machte mir nach dem fünften WG-Besuch einen „Sport“ daraus den Beruf näher zu erklären oder mein Studium nur auf Nachfrage zu erläutern. Dennoch nervt(e) es mich sehr. Ein interessanteres Experiment wäre gewesen, wenn ich mich als Student eines weniger klischeebehafteten Studiengangs ausgegeben hätte. Mit Sicherheit wäre die Anzahl an Zusagen merklich höher gewesen und es hätten weniger Blicke und Vorbehalte gegeben, wie ich sie empfand und sicherlich richtig wahrnahm. Wieviele Studentengenerationen müssen den Beruf des Bibliothekars – den es nicht erst seit gestern gibt – noch anderen  näher beschreiben, in einem Land, in dem Wissen offiziell ein Rohstoff sein soll (Beispiel: Fachkräftemangel in Deutschland) und zur zukünftigen Entwicklung mehr beiträgt als ein Sportler oder Fernsehstar? Wenn gemeinhin angenommen wird BibliothekarInnen seien Informations- und Wissensmanager, wieso klafft hier eine Wissenslücke unter den zukünftigen AkademikerInnen (Studenten) über einen Beruf, der mindestens genauso wichtig ist in seiner Funktion wie der des Straßenreinigers und insbesondere den angehenden AkademikerInnen im Studium sehr weiterhilft? Warum beißt der Student, der sich nach einer netten WG umsieht auf Granit und stößt auf Unwissen oder gar Abwehrhaltungen? („Ein Bibliothekar kommt uns nicht in die WG“ oder „Ein Bibliothekar wäre gut für die WG, dann gibt es wenigstens Ruhe und Ordnung“). 🙂

Natürlich wird der Leser oder die Leserin nun sagen: „Ja, das wußten wir ja schon längst, dass das so ist und so schnell wird sich daran nichts ändern.“ Ist das eine Perspektive für den Beruf auf eine lange Sicht hinaus? Sich damit zufriedengeben, nichts dagegen zu unternehmen und eine passive und fatalistische Einstellung zu pflegen?

4. Die Darstellung der BibliothekarInnen in den Medien hierzulande hat sich bis auf wenige Ausnahmen kaum verändert. Es gibt wohl nur sehr wenige Länder, in denen der Bibliothekar bzw. die Bibliothekarin als ein erstrebenswerter Beruf mit guten Zukunftsperspektiven und Karriereaufstiegsmöglichkeiten gilt. Nun will ich aber auf gar keinen Fall Medienbashing betreiben und immer nur auf Verbände, die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz des Berufs oder auf Angehörige meiner Berufsgruppe schimpfen. Was kann der Einzelne im Kleinen tun, um den Beruf bekannter zu machen und um Multiplikatoren zu finden, die ihn in unserer Aufmerksamkeitsökonomie stärker in die Medienlandschaft puschen? Wird so etwas („Profession-Lobbying“ oder „Self-Lobbying“) in einem Studium vermittelt? Gibt es BibliothekarInnen, die in Lokalzeitungen und diversen Nicht-Fachzeitschriften über ihre Arbeit berichten und ihren Beruf näher vorstellen oder wissen wie man seine Anliegen gegenüber der Lokalpolitik und gegenüber Unterhaltsträgern durchsetzt? Angesichts zunehmender Studierendenzahlen  – sowohl aufgrund der doppelten Jahrgänge durch die G8 – Reform in Bayern und in anderen Bundesländern, als auch an Hochschulen, welche angehende BibliothekarInnen ausbilden und abnehmenden Interessenten für den Beruf des FAMI, aber auch der Sparwelle an sehr vielen Bibliotheken, wäre es doch dringend geboten mit vereinten Kräften ein Bar Camp oder Bibcamp zu veranstalten, dass nachhaltige Wirkungen an den eigenen Einrichtungen erzielen könnte, um eine tatsächliche Verbesserung des Image und des unterschätzten Berufes zu erreichen, als alle paar Jahre nur zu jammern oder neidisch nach Skandinavien, Großbritannien oder in die USA zu blicken?  

5.

Es gibt bereits Bibliotheken, die in diesem Jahr ganz ohne Medienetat auskommen müssen. Auch Entlassungen sind die Folge: Sechsundzwanzig Prozent der Bibliotheken können ihre Stellen nicht wieder besetzen, und einundzwanzig Prozent müssen mit dauerhaften Stellenstreichungen umgehen. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern mussten bereits sechzig Prozent der Bibliotheken Stellen streichen.“

Bisher las ich nur Stellungnahmen zu dieser Thematik, aber was wird eigentlich dagegen unternommen? In Frankreich und anderswo (den USA und Skandinavien) wird hierzu gestreikt und Kürzungen/Schließungen werden bzw. wurden teilweise wieder rückgängig gemacht. So wie das Waldsterben trotz Robin Wood und Greenpeace weiter anwächst, steigt auch die Anzahl an geschlossenen Bibliotheken, wie an den häufigen Neueinträgen auf der Webseite „von Bibliothekssterben“ zu sehen ist, obwohl es doch kürzlich einen Wirtschaftsaufschwung gab und eine finanzielle Entlastung vieler Kommunen im nächsten Jahr in Aussicht gestellt wird. Es gibt Naturschutzorganisationen, Tierschutzorgansiationen und Kinderschutzorganisationen, aber warum gibt es keine Bibliothekenschutzorganisation(en), die das Schließen und die Deprofessionalierung durch Ehrenamtliche anprangert und nach gemeinsamen Lösungen sucht, anstatt in Fatalismus auszubrechen und zu resignieren? Einem US-Amerikaner und sicher auch Menschen aus anderen Ländern, wäre es nie eingefallen eine Internetseite mit Sterbeanzeigen von Bibliotheken zu entwickeln und diese zwar regelmäßig akribisch zu aktualisieren, aber nichts Substantielles zu tun, um die Schließungen zukünftig zu verhindern und nach den Ursachen zu fragen. In einer möglichen Bibliothekenschutzorganisation sollte ein breiter Querschnitt der Bevölkerung vertreten sein und auf keinen Fall nur BibliothekarInnen.  Gab es bei diversen Bibcamps und Bibliothekartagen bereits Besuch von Medien- und PressevertreterInnen, PolitikerInnen, die sich ausführlich informieren wollten oder/und gewöhnlichen Interessenten, die sich mal ein Bild machen wollten, um BibliothekarInnen vor Ort zu treffen ähnlich wie es die New York Times mit einem Artikel „A Hipper Crowd of Shushers“ 2007 schaffte?  Gab es bereits Bibliotheken, die sich mit ihren EinwohnerInnen (SchülerInnen, Erwachsenen und Senioren) über die Vorstellung ihrer Bibliothek von morgen unterhielten und Ideen entwickelten, was Bibliotheken außer Leseplätze noch zur Verfügung stellen sollten? Die Berührungsängste sind weiterhin da, sowohl von 18-jährigen Studenten als auch von Menschen, die mit einer Bibliothek ein Bücherhaus assoziieren und sich fürchten von all dem „Wissen“ erschlagen zu werden und kapitulieren.  Des Öfteren wurde ich während des Studiums in Berlin in Stadtteilbibliotheken von ängstlichen BerlinerInnen angesprochen, die sich nicht trauten mit ihren Anliegen die eigentlichen MitarbeiterInnen der Bibliothek  zu fragen  und durch Zufall auf mich stießen.  Wenn die Systematiken zu kompliziert sind, wie können diese für den Ottonormalbürger so gestaltet werden, um mehr Transparenz und  eine einfacheres Finden zu ermöglichen anstatt alten Klassifikationen nachzuhängen, die andere nur frustriert verzweifeln lassen?  Im Einzelhandel (hier am Beispiel Österreich) werden schon seit längerem „Cognitive Maps“ verwendet um die Orientierungfreundlichkeit und den Suchprozess zu erleichtern. Warum gibt es immer noch viele Bibliotheken, die sich wundern, weshalb sich der normale Besucher nicht zurechtfindet und warum wird daran so wenig geändert?

Die gemeinsame Anwendung beider Instrumente in österreichischen Vebrauchermärkten ergab, dass Kunden unterschiedliche Suchstrategien anwenden. In jedem Fall war aber das rasche Erkennen von Abteilungen von größter Bedeutung für einen erfolgreichen Suchprozess. Es stellte sich heraus, dass Kunden sich in erster Linie an Abteilungen und Warenbildern orientieren und schriftliche Hinweise im Laden kaum beachten.“

Dies wären nur einige Fragen, deren Antworten ich gerne wüßte. Ich warte aber nicht darauf, dass sie mir jemand beantwortet.

6. Zum Schluß will ich die Frage des im Blogeintrag erwähnten Titels mit „Ja“ beantworten. Ja „wir“ können lachen und sogar andere zum Lachen bringen – auch in Deutschland, aber diesmal ganz besonders in Österreich. 🙂 Durch Zufall stieß ich ich vor einiger Zeit auf das Leselachtheater im österreichischen Katzelsdorf. Das besondere daran ist, dass die Mitarbeiterinnen nicht andere einladen, um die Bibliotheksbesucher zum Lachen zu bringen, sondern selbst eine Laientheatergruppe führen und ihre Stücke selbst schreiben (durch Frau Anna Grandits). Bereits seit 1998 gibt es das Leselachtheater und sie spielen auch auswärts.  Hiermit sind befreundete Büchereien, Seminare, Seniorennachmittage und private Veranstaltungen gemeint. Katzelsdorf, eine 3.000 Einwohner kleine Gemeinde (in der Nähe von Wiener Neustadt), verfügt seit 1996 über eine Öffentliche Bücherei, die leider nur von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen geführt wird. Aus dem Mangel an finanziellen Ressourcen machten die Mitarbeiterinnen aus der Not eine Tugend und stellten selbst Texte zusammen, meist Sketche, die dann vorgelesen wurden. Traditionell findet das Lesetheater immer zum Welttag des Buches  (23.04.) statt und zählt zu den bestbesuchten Veranstaltungen mit etwa 100 ZuschauerInnen. Wer von weiter einreist, erhält als Zeichen des Dankes eine Plakette als der am weitesten angereiste Besucher. Als Dank erhält die Bibliothek nach den Theateraufführungen regelmäßig Spenden, die zum Bücherkauf verwendet wurden. Im letzten Jahr brachten sie erstmals einen fürs Lesetheater geeigneten Zweiakter auf die Bühne und in diesem Jahr gab es schon mehr als 14 Kurzstücke zum Lachen. Es wurden zum Beispiel“ein Münchner im Himmel“ von Ludwig Thoma auf „wienerisch“ umgeschrieben und erweitert. Bei einer der nächsten Gelegenheiten, wenn ich nach Österreich komme, möchte ich gerne das Leselachtheater besuchen, denn es widerlegt so ziemlich jedes Klischee von unkreativen und humorlosen BibliothekarInnen. Wo gibt es denn noch überhaupt eine Bibliothek, in der die BesucherInnen kommen, um gleichzeitig zum Lachen gebracht werden, als auch zum Wiederkommen animimiert werden?

Weiterhin alles Gute an Anna Grandits und ihrem Team und dass es noch viele Nachahmer gibt, die selbst ein eigenes Leselachheater auf die Beine stellen und ihre Zielgruppen zum Lachen bringen anstatt sie zu belehren.



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5 thoughts on “Lachen BibliothekarInnen? – Persönliche Eindrücke & unbeantwortete Fragen & ein Best Practice Beispiel aus Österreich

  1. Lieber Herr Kaiser,
    hm, ist Humor nicht, wenn man trotzdem lacht? Jedenfalls leuchten mir Imagekampagnen für unseren Beruf weniger ein, als Imagekampagnen für die Institutionen, in denen wir arbeiten. Es gibt nichts peinlicheres als Imagekampagnen, die von der Realität nicht gedeckt werden. Letztlich dürfte es darum für das Image unserer Profession am besten sein, wenn wir unsere Arbeit gut machen und uns den Herausforderungen stellen, die auf dem Weg liegen,vgl. dieses Video.

    1. Lieber Herr Plieninger,

      Doch natürlich, aber manchmal ist einem nicht mehr zum Lachen zumute, wenn man nur noch mit Klischees und Unwissenheit konfrontiert wird.

      Ich bin mit den Gegebenheiten nicht zu 100% vertraut, aber eine Bibliothekswoche im Jahr mit einigen Plakaten an Bahnhöfen usw., laden meist ja nur diejenigen ein, welche ohnehin schon kämen. Gute Idee – Imagekampagnen für die Institution Bibliothek, aber dann bitte auch mehr Vielfalt und Offenheit, die glaubhaft ist, dem Beruf würden aber dennoch mehr Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Geschlechts und unterscheidlicher beruflicher Herkunft (Quereinsteiger) usw. doch ganz gut tun. Das wäre die Aufgabe von den jeweiligen Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen (FAMI). Meiner Meinung nach, wäre eine größere Vielfalt an Studenten wünschenswert und eben dem „Aufbrechen von Bibliotheken als klassischer Frauenbereich“, wie ihn Frau Korb forderte, um so wiederum die Bezahlung, die Aufstiegschancen und die Attraktivität zu erhöhen (für andere Interessenten), um auf deren „cognitive map“ als einen möglichen Berufswunsch mit vorzukommen. Dennoch lehne ich mich damit nicht noch weiter aus dem Fenster, denn es wird sich nur schleppend etwas ändern (wenn überhaupt). Dies waren eben Gedanken, Ideen und fromme Wünsche von mir.

      Sicherlich haben Sie recht, aber eine Etablierung einer größeren Marktdurchdringung innerhalb der Gesellschaft wäre doch durchaus wünschenswert, um ähnlich Prozentangaben wie in Großbritannien (bis zu 50 % der Bevölkerung) oder in Kanada (bis zu 70 % Bevölkerung) eines Tages erreichen zu können. Denn wenn bei Kulturinstitutionen wie dem Theater und Bibliotheken die „Alten“ „wegsterben“, ist dann noch eine breite Bevölkerung bereit diese weiter zu unterstützen? Ich kenne in meinem Freundes-, Verwandten- und Bekanntenkreis (außerhalb der Bibliothekswelt) fast niemanden mehr, der noch in Bibliotheken geht. Während eines Praktikums in Frankreich, war die Anzahl der Literatur- und Bibliotheksinteressierten meines Alters erschreckend gering (obwohl die Teilnahme und Einschreibung kostenlos war und es zahlreiche Veranstaltungen von bekannten Autoren gab) und nicht alle wußten oder interessierten sich genau wer Heinrich Heine war, obwohl die Bibliothek und das Haus nach ihm benannt waren. Auch in anderen beruflichen Stationen stellte ich dies fest. Wenn diese Generation noch älter wird, glaube ich kaum, dass diese sich dann mehr für die derzeit aktuellen Bibliotheksdienstleistungen interessiert. Vermutlich liegt es nur an meinen Erfahrungen, weshalb ich es so niederschrieb. Ich will das nicht verallgemeinern und dennoch kenne ich auch bei den jüngeren mit Anfang 20 und älter recht viele Menschen, die kein Interesse mehr an der Öffentlichen Bibliothek haben, wie sie jetzt ist.

      In meinem Umfeld (universitär, in privater Freizeitgestaltung und schulisch) außerhalb der Bibliothekswelt, hörte ich bisher nur von negativen Erfahrungen mit BibliothekarInnen und auf Nachfrage erfuhr ich jede Menge Gründe hierzu, die nicht dem Nutzer / der Nutzerin alleine angekreidet werden können. Würde man diese Gründe sammeln, gäbe es durchaus einiges, was verbesserungswürdig wäre. Auch ich habe als „Mystery-Nutzer“ meist nur die negativen Erfahrungen parat und kann mich an wenig positive Erfahrungen erinnern.

      Ich denke das Image könnte schon besser sein, auch wenn BibliothekarInnen weiterhin so gut arbeiten wie jetzt, viele wissen das leider immer noch nicht. Eigentlich sollte auch der Rest der Bevölkerung, die Nichtnutzer diese Einrichtung mehr zu schätzen zu lernen bzw. zu wissen, als der relativ kleine Anteil, der sie bereits kennt und regelmäßig nutzt.

      Hoffen wir das beste, aber mit Humor. Einverstanden Herr Plieninger. Freundliche Grüße und alles Gute für 2011

      W.Kaiser

    1. Ist ja alles wirklich witzig und so alt ist die Seite nun auch wieder nicht, 🙂 vor allem „Bei sehr zuvorkommender Behandlung der Bibliothekarin und zarten Bestechungsversuchen (z.B. Schokolade), können die Ausleihfristen ausgehandelt werden“ finde ich unbedingt wichtig für jede Nutzerordnung, das ist weniger schlimm als Mahngebühren und kommt mir sogar sehr bekannt vor. 🙂 Das Gruppenfoto der Famis sieht wirklich sehr sympathisch und ansprechend aus. Danke Flora.

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