Amazon wird zum e-Lehrbuch-Verleih

Mit “Amazon als digitale Universitätsbibliothek” stellt der Buchreport.de Amazons neues Verleih-Angebot für US-Kunden vor. Angekündigt hatte Amazon dieses neue Angebot bereits am 20.April diesen Jahres. Jetzt ist es möglich, Lehrbücher für den Kindle-Reader oder mit der entsprechenden Kindle-App Lehrbücher zu entleihen.

Kindle Textbook Rental offers the ability to customize rental periods to any length between 30 and 360 days, so students only pay for the specific amount of time they need a book. Students can also easily extend any rental period in increments as small as one day or choose to purchase the book they are renting at any time.

Nach Dauer dieser “Leihe” richten sich die unterschiedlichen Preismodelle. Angefertigte Notizen und markierte Inhalte bleiben aber auch nach Ablauf der Leihfrist verfügbar, so dass die Zitate und Randbemerkungen auch später genutzt werden können. Bei einer erneuten Ausleihe des elektronischen Lehrbuch werden diese dann dank Whispersync wieder nutzbar.

“We’re excited that millions of Kindle customers will be able to borrow Kindle books from their local libraries,” said Jay Marine, Director, Amazon Kindle. “Customers tell us they love Kindle for its Pearl e-ink display that is easy to read even in bright sunlight, up to a month of battery life, and Whispersync technology that synchronizes notes, highlights and last page read between their Kindle and free Kindle apps.”

Dieses Mietangebot gilt nur für Lehrbücher von Verlagen, die diesem Modell zugestimmt haben. Beteiligt sind derzeit u.a. „John Wiley & Sons“, „Elsevier“ und „Taylor & Francis“. Leihbar werden sollen diese Bücher über die Angebote der am “Kindle Library Lending”-Programm beteiligten Bibliotheken werden. Bis Ende des Jahres sollen dies 11.000 Bibliotheken sein.

Erste Erfahrungen seit dem Jahreswechsel sammelte der Konzern in den USA mit einer Leihfunktion, bei der US-Kindle-Bücher-Besitzer ihre E-Books für 14 Tage an Freunde und Bekannte verleihen können. Die verleihbaren Bücher sind entsprechend gekennzeichnet und der Empfänger des E-Books wird von Amazon per E-Mail informiert. Der Eigentümer des E-Books kann in dieser Zeit nicht auf das Buch zugreifen.

Realisiert werden soll diese Mietfunktion mit OverDrive, einem der führenden Anbieter für digitale Bibliothekslösungen.

Okay, zwei kleine Probleme habe ich mit der Überschrift von Buchreport -“Universitätsbibliothek” und die damit fast implizierte Gleichsetzung von Verleih und Leihe. So mag sich also jede Hochschulbibliothek nicht angesprochen fühlen und jede städtische allgemeinwissenschaftliche Bibliothek, die theoretisch auch Lehrbücher verleiht… Zum Glück bieten aber alle Bibliotheken einen Service, der über das Angebot von Amazon hinausgeht, z.B. durch eine entsprechende Auswahl, ggf. inhaltliche Erschließung und die Möglichkeit zur Beratung.

Das zweite “Problem” ist das Wort Verleih, dass in so enger Verknüpfung mit Bibliothek und Buch eine Verwechselung mit Leihe geradezu heraufbeschwört. Bibliotheken verleihen Bücher(- d.h. sie tun es in der Regel bei den meisten Medien kostenlos, nur wird für Videos, Videospiele und Bestseller in öffentlichen Bibliotheken manchmal eine Gebühr(!) erhoben.1) und tun dies bei Lehrbüchern kostenlos. Das Verleihangebot von Amazon ist eher eine Vermietung von Lehrbüchern. Es wird ein Mietzins für einen bestimmten Zeitraum entrichtet, bevor das E-Book dann genutzt werden kann.

Durch diesen Service, der über Bibliotheken angeboten wird, wird die Bibliothek als Einrichtung zum verlängerten Serviceportal von Amazon. Eine kritische Betrachtung, wie diese Angebote2 in das eigene Angebot von Bibliotheken einbezogen wird, halte ich für dringend notwendig. Ergänzend sind sie sicherlich zu begrüßen, aber eine Integration in den Katalog ohne Kennzeichnung, dass für eine wirkliche Nutzung (Miete, Kopierfunktion) Daten und Kosten an den Verlag übermittelt werden müssen, würde ich ablehnen. Wir als Bibliotheken sind kein Händler für Verlagsprodukte! Schwierig genug, dass althergebrachte Beschränkungen der analogen Welt auf diese Angebote übertragen werden.

Weitere Informationen:
Save up to 80% with Kindle Textbook Rental – Amazon

Quellen:
Students Can Now Save Up To 80% with Kindle Textbook Rental, Presseerklärung von Amazon
Kindle-Programm wird um Lehrbuch-Verleih erweitert : Amazon als digitale Universitätsbibliothek, Buchreport.de
Amazon to Launch Library Lending for Kindle Books, Presseerklärung von Amazon, 20.04.2011
Amazon USA ermöglicht freien Zugriff auf E-Books der Bibliotheken : Virtueller Verleih 2.0, Buchreport.de

Teilen
  1. Bei Lehrbüchern aus wissenschaftlichen Bibliotheken ist mir eine solche Gebühr bislang nicht bekannt. []
  2. In Deutschland würde ich PaperC und UTB-studi-e-book mit ihren Angeboten in eine vergleichbare Liga wie das Verleihangebot von Amazon stecken. []

Ähnliche Beiträge