Kleine Einteilung und Beispiele für E-Tutorials

Für einen kleinen Vortrag zu E-Tutorials morgen in Erfurt habe ich eine Liste von bereits bestehenden Bibliotheksangeboten gemacht. Die Kategorisierung betrifft nur bestimmte Aspekte, die ich hervorheben wollte und ist wissenschaftlich nicht untermauert 🙂

Im Bereich E-Tutorials kann man text- und filmbasierte Tutorials unterscheiden, welche als Einmalprojekt oder unter Maßgabe einer Nachnutzbarkeit1 erstellt wurden. Diese können wiederum auf Vollständigkeit bedacht sein oder eine konkrete Fragestellung beantworten. Andere Aspekte können eine (gewisse) Vollständigkeit oder eine (absolute) problemorientierte Lösung sein.

1. Textbasiert, umfassend
Ziel: Erwerb von Informationskompetenz im Selbststudium
Voraussetzung bei der Zielgruppe: Interesse, hoher Zeitaufwand

1.1. Nachnutzbar

Das Projekt Lotse hat ein sehr umfassendes, text- und linkbasiertes Tutorial für verschiedene Fächer geschaffen, z.B. für Wirtschaftswissenschaften:
Lotse Wirtschaftwissenschaften, ortsunabhängig
Die Tutorials von Lotse können außerdem an lokale oder bibliothekstypische Spezifika angepasst werden, wobei eine enge, vorgegebene Struktur eingehalten werden muss.

1.2. Nicht nachnutzbar
Ein textbasiertes, umfassend orientiertes, aber nicht nachnutzbares Tutorial bietet z.B. die UB der Helmut-Schmidt-Universität zum Thema Informationskompetenz an.

Häufig werden diese umfassenden Tutorials nicht öffentlich über Lernplattformen wie ILIAS oder Moodle angeboten.
Beispiele für ein zugängliches Lernplattform-Angebote, die jedoch keine Hinweise auf eine Nachnutzbarkeit enthalten.

Exkurs: Visuell, interaktiv aufbereitet, nicht nachnutzbar
Flash ist in der Regel notwendig, um Filme oder interaktiv aubereitete Tutorials zu nutzen.
Tutorial zur Online-Recherche 2010 (UB Bielefeld)

2. Textbasiert, eine problemlorienierte, umfassender beantwortete Fragestellung
Ziel: Erwerb von bestimmten Kompetenzen im Selbststudium. Beantwortet Fragestellungen: Wie nutze ich Datenbank xy? (ablauforientiert), Worauf muss ich bei Angebot xy achten? (problemorientiert)
Voraussetzung bei der Zielgruppe: Interesse, mittlerer Zeitaufwand

Häufig werden Powerpoint-Präsentationen oder mit Screenshots ergänzte Texte genutzt, um eine übergeordnete Fragestellung zu beantworten. Dabei wird i.d.R. auf spezielle Beispiele verzichtet. Selten wird dabei auf eine Nachnutzbarkeit durch andere geachtet, da hier häufig lokale Spezifika in die Beschreibungen einfließen.

Beispiele:

3. Text- und grafikbasiert, umfassendere Fragestellung als Film
Ziel: Erwerb von bestimmten Kompetenzen. Beantwortet Fragestellungen: Wie nutze ich Datenbank xy? (ablauforientiert), Worauf muss ich bei Angebot xy achten? (problemorientiert) – Häufig werden die grundlegendsten Fragen dabei anhand von Beispielen erklärt. Der Schwerpunkt liegt dabei stärker auf einer (audio)visuellen Vermittlung.

3.1 Nachnutzbar
Lotse bietet text- und grafikbasierte audiovisuelle Filme, die mit der didaktischen Methode des Storytelling konzipiert werden. Dabei wird unter Voraussetzung einer bestimmten Lernsituation, die in Form von Rollen dargestellt eine umfassende Fragestellung beantwortet (problemorientiert).

3.2 Eingeschränkt nachnutzbar

Ein Beispiel für ein E-Tutorial sind Hinweise zur Nutzung der Datenbank FIS-Bildung in Form einer Schritt-für-Schritt-Anleitung unter Beachtung bibliotheksspezifischer Besonderheiten und der Corporate Identity der jeweiligen Bibliothek. Ich habe hierfür als Beispiele die eTutorials der UB Augsburg ausgewählt und der UB Würzburg.

Als Grundlage für die kooperative Erstellung werden sehr genaue Vorgaben verwendet und es gibt eine Arbeitsgemeinschaft, die diese Kriterien überwacht und weiterentwickelt. Die Kooperation beschränkt sich derzeit auf bayerische Hochschul- und Universitätsbibliotheken, die sie über ein gemeinsames Wiki koordinieren und ihre Materialien austauschen. Bewährt haben sich diese gemeinsam erstellten eTutorials bisher bei strikter Einhaltung für ablauforientierte Fragestellungen.

Die Kooperation ist erkennbar durch ein gemeinsames, aber farblich an die Corporate Identity der jeweiligen Bibliothek angepasstes Logo:
eTutorials - Logo

3.3 Nicht nachnutzbar
Basis für diese Präsentationen ist die Umwandlung einer Powerpoint-Präsentation (Text, Screenshots) in einen (mit einer Tonspur hinterlegten) Flashfilm. Dies lässt sich auch für problemorientierte Präsentationen, wie im folgenden Beispiel, häufig mit geringem Aufwand ermöglichen. Hierbei sind nur die Vorgaben der eigenen UB zu beachten.

4. Problembasiert und kurz

Kurze Lerneinheiten, problemorientiert
Auch eine einfache und kurze Darstellung, die sich auf ein spezifisches Problem orientiert, kann sehr hilfreich sein. Beim sogenannten Microlearning werden ganz kleine Probleme aufgegriffen und erklärt. Erstmals habe ich davon auf dem Bibcamp 4 in Hamburg gehört unter dem passenden Motto „Microlearning – Lernhäppchen to go“ und bin noch heute so begeistert wie damals.

4.2. (Audio)Visuell, Film
Sogenannte Screencast eignen sich besonders für spezielle Fragestellungen, die kurz und logisch beantwortet werden sollen. Diese Form „quick & dirty“, kurz, aber nachvollziebar, bietet sich immer an, wenn eine Beschreibung mündlich oder schriftlich nicht ausreichend bzw. zu aufwendig ist.

Beispiel:

4.3. Text-, grafikbasiert

Ein Beispiel, gestaltet von Liane Haensch:

Der Lehrstuhl erhält Kopien oder Links zu Inhaltsverzeichnissen per E-Mail von der Bibliothek. Hier kann man Microcontent unterbringen. Dabei ist es günstig einen Screenshot anzuhängen, der eine konkrete Suchanfrage zeigt, die auf das Forschungsgebiet passt + Trefferliste, die den Nutzen für den Wissenschaftler sofort deutlich macht.

Recherchetipp: Falls Sie nach älteren Artikeln dieser Zeitschrift recherchieren möchten, können Sie im Campusnetz die Datenbank Online Contents – SSG Wirtschaftswissenschaften nutzen. Dort ist es möglich, nach speziellen Zeitschriftenartikeln zu einem Thema zu suchen. Eine Eingrenzung bei der Recherche auf eine spezielle Zeitschrift ist ebenfalls möglich (siehe Beispiel im Anhang). Das Controller-Magazin wird seit 1994 ausgewertet.

Die einzelnen Tutorialformen lassen sich noch vielfältig ergänzen, auch die Kategorien lassen sich sicherlich konsequenter trennen und Beispiele gibt es sicherlich auch (schon) an Ihren Bibliotheken. Eine Unterscheidung nach der verwendeten didaktischen Methode kann außerdem helfen, die richtige Form eines Tutorials zu finden. Häufig können parallele Angebot von textbasiert und audiovisuell unterschiedliche Zielgruppen erreichen und ggf. auch Lernbarrieren überwinden. Man kann verschiedene Plattformen nutzen, um die Angebote verfügbar zu machen. Nicht immer ist es notwendig, den eigenen Server zu belasten.

Eine Nachnutzbarkeit kann durch entsprechende Lizenzen und Bereitstellung der Originaldateien (z.B. über die Materialdatenbank von Informationskompetenz.de2) relativ einfach erreicht werden. Leider ist meist keine entsprechende Kennzeichnung vorhanden und somit wird viel Potential verschenkt.
Fußnoten

  1. Als nachnutzbar werden Tutorials erachtet, die ohne großen Aufwand an eigene lokale Gegebenheiten angepasst und durch entsprechende Vereinbarungen / Lizenzen nachgenutzt werden können. []
  2. Leider führen die hier hinterlegten Links nicht immer zu den Originaldateien, sondern zum fertigen, nicht nachnutzbarem Ergebnis oder man erhält eine 404-Anzeige, d.h. der Link ist nicht mehr aktuell. Hier ist dringend eine Nachbesserung Pflicht. []

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