Für Öffentliche Bibliotheken – keine Alternativen zur Onleihe

Die Zahl der Öffentlichen Bibliotheken, welche die Onleihe nutzen wächst und wächst. Hier ein paar Links zu Zeitungsbeiträgen der letzten Wochen:

Die Stadtbibliotheken Wernigerode und Ilsenburg freuen sich, wie derzeit viele andere Bibliotheken, über die Möglichkeit, ihren Nutzern die Onleihe anzubieten.

Noch immer gehen Öffentliche Bibliotheken sehr unkritisch (regider Kopierschutz, künstliche Verknappung von Information, althergebrachte und somit teure Geschäftsmodelle u.a.) mit den neuen Möglichkeiten der Online-E-Book-Leihangebote um, aber manchmal muss man ihnen wohl zugute halten, dass sie kaum keine Alternativen zur Onleihe haben. (Oder gibt es inzwischen Angebote von Verlagen, die speziell für öffentliche Bibliotheken geeignet sind und die nicht über die Onleihe bzw. in manchen Fällen Ciando abgewickelt werden?)

Da wird mit Dingen geworben, die dem Netzeinheimischen nachdenklich stimmen:

Und das Beste: „Das Zurückgeben kann gar nicht erst vergessen werden“, so Klaus Grünberg, Chef der Stadtbibliothek Wernigerode. „Denn nach 14 Tagen werden Bücher automatisch zurückgegeben, also ihre Daten zum Ende der festgelegten Ausleihfrist gelöscht.“

Aber so langsam möchte man bei Öffentlichen Bibliotheken von „Opfern“ einer verfehlten Verlagspolitik sprechen. Hier bestehen immer noch Berührungsängste und so fehlen passende Geschäftsmodelle besonders für Bibliotheken. Dabei scheinen die Lösungen der Onleihe in Hinsicht auf das verwendete Digital Rights Management alles andere als sicher zu sein, glaubt man der Studie „Gutenberg 3.0 – Ebook-Piraterie in Deutschland„. Die technischen Schwierigkeiten, die immer wieder auftreten, sind das nächste Problem und werden häufig ebenfalls durch das restriktive DRM verursacht. Weitere Zugangsbeschränkungen zur Information gibt es auch durch die Plattformabhänigkeiten, welche durch das verwendete DRM-System entstehen, wenn auch die Onleihe-Formate inzwischen für einige E-Book-Reader (für Kindle-Leser heißt es: Draußen bleiben!) und einige Smartphones (Android, Apple) verwendet werden können.

Bei den Kosten, die für die Erstausstattung mit dem Angebot der Onleihe anfällt, ist es fraglich, ob es manchmal nicht sinnvoller ist, bei „herkömmlichen Medien“ zu bleiben und vielleicht verstärkt auf kostenfreie Angebote im Netz hinzuweisen, um das Ziel, junge Leser zu den Bibliotheksangeboten zu locken, zu erreichen. Nicht immer zahlt sich die Investition aus, wie das Beispiel in Thüringen verdeutlicht.

Bei allem ist glaube unumstritten, wir brauchen eine bibliothekarische Plattform für den Zugang zu E-Books und E-Papern, aber strittig ist, ob wir eine Plattform für die Ausleihe digitaler Medien benötigen. Die Onleihe, die laut Mittrowann eine „weitgehende Alleinstellung“ auf dem Markt besitzt, zeigt im Gegenzug auch, dass „eine klare Abhängigkeit vom Angebot der Verlage und ihrer Bereitschaft, diese an ein Ausleihmodell zu lizensieren“ besteht. (vgl. Mittrowann, Andreas: Die Onleihe – eine Plattform zur Ausleihe digitaler Medien, Preprint der “Bibliothek Forschung und Praxis”, S. 8.) Die geforderte „ausdrückliche Befürwortung seitens der Bibliothekswelt ist so zweischneidig wie das Angebot der Onleihe selbst. Sicherlich benötigt die Onleihe und damit auch die Bibliotheken den Börsenverein als Befürworter auf ihrer Seite, um E-Medien-Angebote für Bibliotheken gängig zu machen, andererseits passiert durch die fehlende Konkurrenz und Monopolstellung der DIVIBIB wenig, was das Angebot für Bibliotheken und vor allem ihre Nutzer attraktiver macht.

PS: Auf den Beitrag von Mittrowann bin ich über das folgende Blogposting und die vielen dazugehörigen Kommentare aufmerksam geworden.
Plieninger, Jürgen: Kritisches/informatives zur Onleihe, netbib weblog, 07.01.2012
Schade nur, dass man, um es mal im „graf’schen Stil“ zu sagen, meine Beiträge hier im Blog und bei Plan3t.info zur Diskussion Onleihe, DRM, Geschäftsmodell etc. so ziemlich ignoriert hat.

Onleihe-Diskussion in den Blogs (Auszug):
netbib weblog
Archivalia
Infobib
Freischwebende Aufmerksamkeit


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14 Kommentare

  • Liebe Dörte,
    die Kritik nach „Schade nur …“ nehme ich zustimmend entgegen, ich hatte Deine guten Onleihe-Beiträge nicht mehr im Kopf. Insofern nicht bewusst ignoriert. Ich sollte mir wieder angewöhnen, bei grundsätzlicheren Beiträgen bei plan3t.info nachzurecherchieren, früher hat das einmal zur Routine gehört. 🙁
    Viele Grüße
    Jürgen

    • Dörte Böhner

      Hallo Jürgen,

      es passiert ja doch sehr viel in der Blogosphäre. Ich habe dabei an die von Klaus Graf gemachte Bemerkung gedacht, dass Kritik an der Onleihe alles andere als totgeschwiegen wurde. Und es ist doch eine ganze Menge, so dass man nicht immer alles auf dem Schirm haben kann. Es war also eher Bedauern als Kritik :cheesy:

      Viele Grüße
      Dörte

  • Bodo Pohla

    „Und das Beste: “Das Zurückgeben kann gar nicht erst vergessen werden”, so Klaus Grünberg, Chef der Stadtbibliothek Wernigerode. “Denn nach 14 Tagen werden Bücher automatisch zurückgegeben, also ihre Daten zum Ende der festgelegten Ausleihfrist gelöscht.”

    – das stimmt so noch nicht mal, denn die Daten bleiben bestehen, sie werden nur unbrauchbar, löschen muss sie der Nutzer dann immer noch selbst.

    Viele Grüße,
    Bodo

    • Dörte Böhner

      Hallo Bodo,

      danke für Deine Anmerkung. Diese hätte den Rahmen meines Beitrags an dieser Stelle gesprengt. In dem zugrundeliegenden Zeitungsartikel der Volksstimme und im Verständnis vieler BibliothekarInnen sind viele Verständnisfehler. Vielleicht sollte man im einzelnen mal übersetzen, was die Bedingungen der Onleihe im realen Leben wirklich bedeuten. Schlimm wäre es, wenn das Digital Rights Enforcement, auf das die Onleihe setzt, das Recht hätte, irgendwelche Daten tatsächlich vom Rechner zu löschen. Dies hieße, Schadware wäre Haus und Hof geöffnet.

      Beste Grüße
      Dörte

  • Mich führt diese Diskussion um Verständnisfehler bei manchen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren zu der Frage, ob es tatsächlich möglich ist überhaupt noch genug Zeit für all diese Themen aufzubringen. Ich stelle bei mir persönlich eine steigende Abneigung gegen diese Form von „Expertismus“ fest. Das soll heißen, dass es für mich eine zweite Diskussion gibt, die die inhaltliche Diskussion um die Onleihe begleitet, nämlich die Frage ob dieses Thema (und viele andere Themen auch) überhaupt noch von allen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren beherrscht werden kann, oder man sich Gedanken über die Strukturierung des Berufsstandes machen müsste.

  • Dörte Böhner

    Hallo DonBib,
    danke für Deinen Beitrag.

    Ein wenig sophistisch ist diese Diskussion schon und nun würde ich mal sagen, Bodo und ich sind da mehr Experten als andere ;-). Ich denke, man muss die Dinge nicht bis ins letzte Detail durchdacht haben, aber ein gewisses Grundverständnis sollte man versuchen sich anzueignen. Es wird immer wieder Fragen geben, die in diese Richtung gehen werden, denn es gibt immer Leser, die alles bis ins Detail genau wissen wollen. Da kann man ja schlecht mit einem Achselzucken drauf reagieren.

    Natürlich strukturiert sich der Berufsstand zur Zeit erheblich um (die Anforderungen ändern sich entsprechend: mehr technisch, mehr rechtlich, mehr didaktisch…). Immer mehr KollegInnen interessieren sich auch für gewisse technische Seiten dessen, was gerade passiert. Bibliotheken profitieren zudem in vielen Bereichen immer wieder von „Quereinsteigern“ in das Berufsfeld. Ich glaube aber kaum, dass Bibliothekarinnen sich dem technischem Fortschritt in (öffentlichen) Bibliotheken gänzlich entziehen können und vor allem dürfen. In vielen Dingen heißt es einfach: Ich muss nicht alles wissen, aber wissen, dass es entsprechende Entwicklungen gibt und wenn es ein Angebot für meine LeserInnen gibt, sollte ich zumindest dessen Handhabung in grundlegenden Dingen beherrschen, sofern ich ein möglicher Ansprechpartner bin.

    Was mich an Deiner Aussage wundert DonBib ist die Tatsache, dass Dein Auftreten immer sehr kritisch ist. Dafür braucht man ein breitgefächertes Wissen meiner Meinung nach, sonst schafft man eine Blase, die jederzeit bösartig platzen kann. Und gerade wenn es um Zugang zu Informationen für jedermann geht, müssen Angebote wie die Onleihe äußerst kritisch betrachtet werden (Stichwort: künstliche Verknappung, Aushebelung der Schranken des Urheberrechts, etc.). Dafür muss man m.M.n. zumindest grundlegende Zusammenhänge technischer, rechtlicher Art usw. verstehen. An BibliothekarInnen stelle ich da eine höhere Anforderung an die eigene Informations- und Medienkompetenz bwz. „Informationstechnikkompetenz“ als an Otto-Normal-Verbraucher.

    • Danke für die Anregung Dörte,

      zum kritisch sein habe ich gleich noch drei Punkte:

      1. Man kann auch insofern kritisch sein, dass man zu „schmale“ Argumentationen anprangert. Dafür muss man gar kein Experte oder Expertin sein. Man kann auch sich gegenüber stehende Erwartungen in Diskussionen versuchen von außen zu analysieren, auch dafür muss man auch nicht Expertin oder Experte sein und doch hilft es manchmal der Diskussion wenn jemand diese Rolle einnimmt.

      2. Meine Kritik geht von einer eigenen Entwicklung aus. Ich befinde mich gerade auf dem Weg mich pädagogisch deutlich weiterzuentwickeln. Dabei fällt mir auf, dass das nur funktioniert wenn ich gewisse andere Felder schlicht nicht betrachte bzw. maximal in solchen Diskussionen mitnehme. Nun erwarten wir, insbesondere an Öffentlichen Bibliotheken, dass die jeweiligen Leiterinnen und Leiter zukünftig Expertinnen und Experten für fast alles werden. Ich sehe diese Entwicklung aber nicht. Die Felder sind jeweils so komplex, dass man sie kaum als einzelne Person bewältigen kann. Das stellt aber die aktuellen Strukturen bibliothekarischer Ausbildung und der Personalstruktur in Bibliotheken auf den Kopf, da es (wenn man meiner Interpretation folgt) im Umkehrschluss bedeutet mehr Expertinnen und Experten in einer Institution zu haben. Diese Entwicklung ist in größeren Bibliotheken sicherlich noch möglich, scheitert aber immer deutlicher je kleiner sie werden.

      3. Zum Thema gehört dann für mich noch eine Schlagwortwerferei, die z.T. den Blick auf die in Punkt 2 genannten Probleme verstellt. Lesekompetenz, Informationskompetenz, Medienkompetenz usw. sind Worte die wir im Berufsstand gerne vor uns her tragen. Ich würde dort gerne kleinere Brötchen backen, damit wir nicht Ansprüche definieren, die nicht erfüllt werden können. „Die Bibliothek als Bildungseinrichtung“ muss mir erstmal jemand erklären können. Aber es wird wie selbstverstänlich vom gefühlt gesamten Berufsstand getragen (zumindest in der öffentlichen Diskussion). Dabei ist das Wort Bildung selbst ein unendlich großes Wort, dessen Definition die gesamte Art der schulischen Bildung und der persönlichen Bildung definiert.

      Ich wollte jetzt aber von Deinem eigentlichen Thema – die Onleihe – hier nicht mit dieser „Randdiskussion“ ablenken, dafür ist es zu wichtig. Mir liegt nur viel daran zu diskutieren, ob man wirklich erwarten kann all diese Themen in einem Maße verstehen zu können, um mehr als Otto-Normal-Verbraucherin und Verbraucher zu wissen.

      • Dörte Böhner

        Leider fehlt mir die Zeit, diese Randdiskussion in einen sinnvollen und sehr notwendigen Blogbeitrag umzuwandeln. Über einen Gastbeitrag hier im Blog würde ich mich aber sehr freuen 😉

        Und natürlich muss nicht jeder alles wissen, aber eine gewisse Breite des eigenen Wissens gerade bei zukünftigen ist notwendig. Wenn ich „Zusammenhänge“ verstehe – und das halte ich für den wichtigsten Punkt in dieser Diskussion – dann weiß ich, wie ich meine Fragen gestalten kann/muss, die ich an Menschen mit Expertise richten kann. Ich verstehe aber auch für meine eigene Arbeit, wo Grenzen liegen und wo Potential steckt. Schlagwortwerferei passiert übrigens auch immer dann, wenn man kritische Punkte anreißen willen, die sonst jedoch den Rahmen eines Beitrags sprengen könnten.

        Um es zurück zum Thema zu bringen: Als Anbieter der Onleihe sollte mir klar sein, dass durch das DRM (Rechtemanagement) sich die E-Medien wie „dingliche“ Medien verhalten, d.h. bei der Ausleihe eine 1:1-Nutzung besteht. Der Vorteil ist, ich kann die Medien über den Schreibtisch beziehen und muss nicht erst in die Bibliothek gehen. Nach Ablauf der „Leihfrist“ ist das Dokument nicht mehr nutzbar und muss erneut ausgeliehen werden. Der LeserIn bleibt es erspart, auf die Leihfrist achten zu müssen und sie muss auch nicht für die Rückgabe ihr Sofa verlassen. Dies wird durch die technischen Schutzmaßnahmen umgesetzt. Für die Nutzung benötigt der Leser ein drm-fähiges Lesegerät, mit dem er die entsprechend durch die Onleihe angebotenen E-Book-Formate nutzen kann. I.d.R. ist dafür eine Anmeldung bei der Bibliothek und ein Internetzugang notwendig.

        • Schlagwortwerferei als Einstieg in Kritik ist zugegeben immer ein einfacher Weg, da gestehe ich auch gerne ein es selbst manchmal so zu halten. Leider schreibe ich nicht immer so gut, wie ich es gerne hätte.

          Wenn alles gut geht, die nächsten Tage werden es zeigen, gibt es ja vielleicht einen kleinen Beitrag von mir zu diesem Thema auf dem nächsten Bibliothekstag 😉
          Ich behalte die Idee mit einem Gastbeitrag aber im Hinterkopf, das Wochenende naht ja.

  • Hallo Dörte,
    in dem Blogbeitrag von Jürgen ging es aber eigentlich nicht um die Onleihe, sondern um die Frage, ob in einer Fachzeitschrift, die sich mit dem Nimbus des wissenschaftlichen Anspruchs schmücken möchte, ein unkommentierter Werbeartikel stehen sollte. Die Onleihe kommt nur insofern ins Spiel als für sie in dem Artikel geworben wird.
    Aber dazu würde ich gerne Deine Stimme hören (wenn die Auspackerei Dir dafür Zeit lässt 🙂 ), in dem Zusammenhang fehlt sie.
    Viele Grüße

    • Dörte Böhner

      Hallo Susanne,

      dies ist sicherlich einer der Schwerpunkte des Beitrags auf . Ich habe diesen wahrgenommen, aber den Beitrag von Jürgen und die Kommentare dazu unter einem anderen Aspekt gelesen.

      Um auf die Frage zu antworten, ob sich eine Fachzeitschrift so einen Beitrag leisten kann? NEIN! Ich glaube hier wird eine wichtige Linie deutlich überschritten.

      Natürlich ist jedem klar, unter welcher Zielrichtung der Autor schreibt, wenn er weiß, dass DiviBib ein Tochterunternehmen der EKZ ist. Herr Mittrowann gibt sich ja als Angestellter der EKZ zu erkennen und er kann es sich sicherlich nicht leisten, ein so eng mit der EKZ verbundenes Produkt negativ darstellen. Die Politik, über die Kritik am bestehenden Kopierschutz hinwegzugehen, besteht seit Anfang an. Fast muss man sich wundern, dass die Anbieter der Onleihe so taub auf beiden Ohren sind. Eine Entkräftung bestehender Kritik, die manchmal vielleicht gar nicht möglich ist, würdedie Onleihe der Gefahr aussetzen, von noch mehr BibliothekarInnen kritisch betrachtet und als Produkt abgelehnt zu werden.

      Dem gegenüber stehen aber auch BibliothekarInnen, die die Onleihe als Imagegewinn für ihre Bibliothek sehen, diese so verkaufen und ungern negative Wahrheiten darüber zur Kenntnis nehmen wollen. Dies führt sicherlich zu einer Vielzahl „positiver Stimmen“, die zu finden Herr Mittrowann sicherlich kein Problem hatte (im Gegensatz zum Entkräften der (nicht-)thematisierten Probleme). Und warum sollte der Autor sich die Mühe machen, wenn die Empfehlung auch der Verbände ein unkritisches Ja ist. Vielleicht ist der Beitrag gar keine Werbemaßnahme, sondern nur ein Spiegelbild der Realität bei den meisten beteiligten Bibliotheken?

      Für die Zeitschrift ist so ein Beitrag wenig förderlich, wenn es um der Erhalt eines wissenschaftlichen Anspruchs und einer interessierten Leserschaft geht. Wer ist also verantwortlich, dass dieser Beitrag akzeptiert wurde? Welche Kriterien werden an entsprechende Veröffentlichungen gelegt? Der Zeitschrift hat man, was ihre Glaubwürdigkeit angeht, damit keinen Gefallen getan! Ist dies eine Gefälligkeit für die EKZ?

      • Hallo Dörte,
        ich habe mich jetzt mit mir selbst besprochen, dass ich Jürgens Artikel als den Artikel nehme, der sich mit dem Thema „Unvereinbarkeit von Werbung und Wissenschaft“ beschäftigt und Deinen Artikel als den, der sich mit dem Angebot „Onleihe“ kritisch auseinander setzt – ich versuche, die Themen getrennt zu halten.
        Insoweit würde es mir gut gefallen, wenn Du Deinen Beitrag aus Deiner heutigen Mittagspause dorthin kopieren würdest 🙂

        Ich glaube nicht, dass die Onleihe der Rettungsanker der Bibliotheken ist. Denn ich brauche keine Onleihe in jeder Stadt, es genügt eine Plattform – die vermeintliche Vielfalt ist doch reine Augenwischerei. Alles, was nicht dazu führt, dass die Menschen persönlich kommen müssen, ist eine Gefahr für den Bestand der Bibliotheken. Ich verstehe also nicht, warum nicht mehr Bibliotheken dem Beispiel Biberach an der Riß folgen und stattdessen eBook-Reader mit eBooks darauf ausleihen. Aber das wird auch nur eine gewisse Zeit helfen.

        Ich gehe davon aus, dass die Bibliotheken kostbare Zeit versäumen, wenn sie sich auf dem Onleihe-Ruhekissen, statt neue Angebote zu entwickeln. Besonders ärgerlich finde ich, dass hier insbesondere die Ausbildungsschulen schnarchen.

  • Dörte Böhner

    Hallo Susanne,

    Kommentar ist nochmal bei Jürgens Beitrag gelandet und wartet da vermutlich noch auf Freischaltung.

    Onleihe ist garantiert kein Rettungsanker für Bibliotheken und sicherlich kein geeignetes Ruhekissen, besonders wenn die Wasserstandsmeldungen zeigen, dass die nächste Flut naht. Und mit der kommenden Kosteinsparungswelle werden auch Bibliotheken weggespült werden, die sich an der Onleihe beteiligen.

    Meiner Meinung ist die Onleihe das falsche Modell und zudem wiegt es Bibliotheken aber auch die Verlage in falscher Sicherheit.

    Bei allem ist glaube unumstritten, wir brauchen eine bibliothekarische Plattform für den Zugang zu E-Books und E-Papern, aber strittig ist, ob wir eine Plattform für die Ausleihe digitaler Medien benötigen.

    Bibliotheken sollten sich bemühen, einerseits selbst passende digitale Angebote zusammen zu stellen – wobei hier auch die Verlage gefordert sind, entsprechende E-Medien in passenden Formaten anzubieten. Hier scheitert es ja bereits. Konkurrenz könnte dem Markt wichtige Impulse geben und somit auch die Situation der Verlage und der Bibliotheken verbessern.

    Es ist glaube keine Lösung, E-Books auf E-Readern zu verleihen. Natürlich setzt man als Bibliothek damit ein „innovatives“ Zeichen, nutzt jedoch wenig die Vorteile, die elektronische Bücher als Angebot bieten könnten, z.B. die 24/7-Verfügbarkeit, die Lesevernetzbarkeit. Wo bleiben innovative Angebote rund um E-Books seitens der Bibliotheken, z.B. Lesezirkel (oder neudeutsch: Lesecommunities), die online und offline miteinander verknüpfen?

    Was die Ausbildungsschulen angeht, ist es eine Frage, was alles in den Ausbildungsstoff hineingeht. Hier finde ich wichtiger, dass grundlegende Kompetenzen geschult werden, damit die zukünftigen BibliothekarInnen sich dann ihrerseits kritisch oder vielleicht zumindest nachdenklich und innovativ mit neuen Möglichkeiten beschäftigen können.

  • biblioreader

    Zur These „Ich verstehe also nicht, warum nicht mehr Bibliotheken dem Beispiel Biberach an der Riß folgen und stattdessen eBook-Reader mit eBooks darauf ausleihen. Aber das wird auch nur eine gewisse Zeit helfen.“ möchte ich gerne beitragen.
    Die Adobe Digital Edition funktioniert bis sechs Lizenzen. Mehr Lizenzen bei Adobe beantragen geht nicht, aber man kann den Counter zurücksetzen. Je nach Gerät kann ich aber nicht überall unterschiedliche Medien draufladen – die Sony Reader Software z.B. ist damit überfordert. Mitt februar gehen nun sieben Geräte in die Ausleihe, drei weitere sind bei den MitarbeiterInnen des Hauses.

    Neben Fragen des Datenschutzes, z.B. Gerät jedes Mal platt machen nach der Ausleihe, gibt es weitere Fragen im Handling. Natürlich packen wir einige E-Books drauf, zusätzlich kann man auch leihfähige E-Books aufspielen. Zum ersten Mal verleihen wir beschreibbare Hardware! Doch im Endeffekt bleibt das Thema DRM zentral. Mit einem gekauften E-Book kann ich sechs Geräte bestücken, übrigens auch mit einem geliehenen, wenn es über eine ADE läuft.

    Zu Haus sollte der Kunde einen geliehenen Reader möglichst nicht an den heimischen Rechner anschließen. bei Sony muss daher noch mal ein Extra Ladekabel besorgt werden, denn sonst kommt man nicht an neue Energie ohne Synchronosation. Auch wirft der Endkunde dann eine Lizenz weg, nicht jeder ist so schlau, bei Adobe einen Counter zurücksetzen zu können. Wir können es aber auch nicht verbieten. Wenn der Kunde per WLan da etwas aufspielt, was da eigentlich nicht sein dürfte haftet wer? Geben wir das Gerät einfach so mit oder muss man noch Vorsorge betreiben wie bei den Internetplätzen in der Bibliothek – beinah ein nicht nur episches sondern auch ethisches Thema.

    Aktuell fühle ich mich beinah wie der Ex-Pirat Tauss, nur bei E-Books. Natürlich kann ich das DRM geschützte und nicht mehr benötigte E-Book einfach löschen. Wenn ich aber noch nicht fertig bin und nicht auch noch warten muss, lasse ich einfach ein DeDRM Programm drüberlaufen, bevor ich mich womöglich noch in eine Warteschleife auf Nutzung eines digitalen Stückes auf die Warteliste setzen muss. Wem gehört eigentlich der DRM geschützte Müll auf meiner Platte – zurückgeben braucht man ja nicht mehr? Bei der Recherche stösst man unweigerlich auf Raubkopierseiten und es ist ein leichtes gerade in der Belletristik alle Neuheiten für Lau zu bekommen. Bei einigen Werken weiß ich nicht mal, ob ich mich strafbar machen, Jane Austen ist gemeinfrei – aber auch auf Deutsch? Wenn ich mir da etwas von einer Seite downloade, mache ich mich dann strafbar. Und wer kennt wirklich den Unterschied. Immerhin verweilen sieben Titel von Coehlo auf meiner Platte – die er aber selbst kostenfrei zur Verfügung stellt. War das umwandeln von pdf in epup in calibre noch legal. Immerhin kann ich diese Titel auch noch als epup E-Book kaufen. Umberto Eco gab es wenige Tage umsonst bei kobo. Nun habe ich das Stück – darf ich es auf alle sieben E-Reader bringen und die Geräte verleihen?

    Ganz ehrlich, das lernt man auf keiner Schulung. Nach jeder weiteren Erfahrung und jedem neu gefundenem technischen Kniff folgen noch noch mehr Fragen. Da ziehen sich viele KollegInnen doch gerne auf die Onleihe zurück – das ist koscher! Für eine intensivere Einarbeitung fehlt die Zeit oder das private Interesse. Und andere Kundengruppen wollen auch noch betreut werden.

    Ob da in einer wissenschaftlichen Zeitschrift ein Gefälligkeitskeitsdokument auftaucht (Bond warb auch mal mit der Stadtbibliothek Köln in BIT als Bericht)ist da beinah schon zweitrangig und nur die hohe Wissenschaft wird sich empören. Die Praktiker stehen vor ganz anderen Problemen.