„Meine Stelle als Metadaten-Managerin hätte es vor 10-15 Jahren in der Form gar nicht gegeben…“

Von Kirsten Jeude
Arbeitsstelle:
ZBW – Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften
Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
Neuer Jungfernstieg 21
D-20345 Hamburg

1. Wie lange begleiten Sie den bibliothekarischen Zirkus?

Wie viele andere habe ich meine ersten Erfahrungen mit Bibliotheken als Nutzerin gehabt. Nachdem ich die Kinder- und Jugendbuch-Abteilung der Stadtbücherei meiner heimatlichen Kleinstadt durchgelesen und nichts mehr zu tun hatte, durfte ich die Kurzvorstellungen für neue Jugendbücher schreiben und hab mir als nächstes dann die Bibliothek der nächsten Großstadt vorgenommen.

Ich habe nach meinem Schulabschluss zwar zunächst über ein Studium im Bibliothekswesen nachgedacht, mich aber dann doch für das Studium der Geographie entschieden. Während meines Studiums habe ich dann aber wieder die Nähe der Bibliothek gesucht und viele Semester als studentische Hilfskraft in unserer Fachbereichs-Bibliothek gearbeitet, Praktika in Pressestelle und Zeitungs-Archiven gemacht und mich nach dem Studium entschieden, eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Wissenschaftlichen Dokumentarin zu machen. Jetzt arbeite ich im Metadaten-Management einer großen wissenschaftlichen Spezialbibliothek.

2. Was hat Sie angetrieben, sich gerade eine Arbeit im Bibliotheksbereich zu suchen/anzunehmen?

Würde die Frage meinen Freundinnen und Freunden gestellt werden, würden die sagen: „Klar, das die in der Bibliothek gelandet ist. Sie ist eine „Klarsichthüllen-Fetischistin““. Was sie damit sagen wollen ist, dass ich schon immer Spaß am Ordnen und Systematisieren gehabt habe und mit viel Vergnügen Informationen zusammengetragen habe. Bei meiner Abschlussarbeit habe ich die Literaturrecherche mit großer Leidenschaft betrieben und hatte dabei definitiv mehr Spaß als beim Schreiben selbst. Heute daran mitzuarbeiten, das Wissen, welches Einzelne in mühevollem Tun erarbeitet haben, für die Allgemeinheit einfach und bequem nutzbar zu machen, erfüllt mich einfach mit Zufriedenheit.

3. Wie sahen und sehen Ihre Aufgaben aus und was hat sich Ihrer Meinung nach am deutlichsten geändert?

Meinen Berufseinstieg hatte ich als Volontärin und später als Projektkoordinatorin in einem Retro-Digitalisierungsprojekt in der Mitte der Nuller Jahre. Damals haben wir den Speicherbedarf für unsere Digitalisate berechnet und sind auf einige Terabyte gekommen. Eine damals für mich unvorstellbare Größe, die man heute auf und im heimischen Schreibtisch bunkert. Auch meine jetzige Aufgabe im Metadaten-Management ist sehr mit der technologischen Entwicklung verknüpft, so dass die schnellen Veränderungen durch neue oder populär werdende Technologien großen Einfluss auf meine tägliche Arbeit haben.

Der Arbeitsplatz von Kirsten Jeude in der ZBW

Meine Stelle als Metadaten-Managerin hätte es vor 10-15 Jahren in der Form gar nicht gegeben. Ich arbeite daran heterogene Metadaten zu integrieren; das bedeutet, dass ich als Vorgabe für die IT-Abteilung und in Zusammenarbeit mit ihr Konversionsregeln entwickle, um bibliographische Metadaten, die in verschiedenen Formaten (z.B. PICA3/PICA+, MODS, MARC21 etc.) vorliegen, zu homogenisieren, um sie gemeinsam in unserem Portal komfortabel durchsuchbar zu machen. Dazu gehört auch die Beteiligung an der Weiterentwicklung der Informationssysteme – vor allem natürlich von Funktionen, die auf den bibliographischen Daten beruhen, wie „Ähnliche Titel“, Exporte in Literaturverwaltungsformate, Merklisten u.Ä. Zudem bin ich für die Koordination von Datenlieferungen von und an die Institution, an der ich beschäftigt bin, zuständig.

Dies sind alles Aufgaben, die erst dann wichtig wurden, als die Kataloge ins Netz wanderten, Daten zunehmend ausgetauscht und aggregiert wurden und die Vielfalt an Ressourcen (neben klassischem Bibliotheksgut auch Forschungsdaten, Internetquellen etc.) und an Informationssystemen (neben dem Katalog auch Virtuelle Fachbibliotheken, Repositories etc.) immer größer wurde.

4. In welcher Form spielen Social Media-Angebote eine Rolle in oder für Ihre Arbeit?

Mittlerweile spielen Social Media-Angebote in meiner täglichen Arbeit eine nicht unerhebliche Rolle. Ich gehöre nicht gerade zu den „Early Adopters“ in Sachen Social Media, aber als ich feststellte, dass sich große Teile des fachlichen Austauschs von Mailinglisten weg hin zu Twitter, Facebook und Google+ bewegten, habe ich mich mitbewegt und nutze diese Dienste heute selbstverständlich für fachliche Diskussionen und Informationen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mich von einer passiven Leserin von Mailinglisten zu einer immer aktiveren Mitspielerin entwickle. Ich fand aber sowieso schon, dass im Bibliothekswesen eine große Hilfsbereitschaft untereinander herrscht und Informationen großzügig ausgetauscht und zur Nachnutzung zur Verfügung gestellt werden. Das wird mit Hilfe der Sozialen Netzwerke nur noch leichter.

5. In welche Richtung entwickelt sich Ihre Arbeit /die Bibliothek zukünftig?

Wenn ich mir die (technologischen) Entwicklungen so anschaue, brauche ich mir keine Sorge um meine berufliche Zukunft zu machen. Der Trend geht nach wie vor dahin, Informationsressourcen verschiedenster Provenienz miteinander zu verknüpfen und für eine komfortable Recherche bereitzustellen. Da die verschiedenen Ressourcentypen jeweils spezielle Eigenschaften haben, wird auch die Vielfalt an Standards (Formaten) für unterschiedlichste Einsatzbereiche weiter zunehmen. Und will man sie zusammenbringen, braucht es Know-How in Sachen Metadaten und Standards. Ich werde in meinem Berufsleben also vermutlich noch viele Standards kennenlernen und mich mit ihren teils eleganten Lösungen und teils hirnverknotenden Tücken auseinandersetzen.

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