Bibliojobs – ein offener Brief an den BIB

Liebe Entscheidungsträger vom BIB,

ich bin erst seit diesem Jahr Mitglied im BIB und denke nun schon wieder an Austritt. Der BIB der die Bibliojobs Liste übernommen hat, wird diese ab Juli nur noch zahlenden Mitgliedern zugänglich machen. Grund: Kosten für die Erstellung der Liste.  Ich denke es wäre nett gewesen hätte man vorher auch die Vereinsmitglieder nach ihrer Meinung dazu gefragt, aber wahrscheinlich war die Angst zu groß, dass der Ansturm der Entrüstung gleich losbricht. (So wurden alle vor vollendete Tatsachen gestellt und regen sich jetzt auf…)

Ich bin mir sicher, dass die Auswertung sehr zeitaufwendig ist. Aber hätte man nicht versuchen können die Last auf mehrere Schultern zu verteilen oder hätte nach Leuten gesucht die diese Arbeit freiwillig übernehmen?! Ehrenamt wird sonst immer groß geschrieben. Warum nicht an dieser Stelle?

Der Arbeitsmarkt ist für FAMIs und Bibliothekare nicht berauschend, die Quellenlage durchwachsen. Bibliojobs der bibliothekarischen Öffentlichkeit zu entziehen ist unverantwortlich. Nicht jeder Student/jede Studentin oder arbeitlose Bibliothekar/-in hat das Geld für den Mitgliedsbeitrag übrig, selbst wenn er vermindert ist.

Ein wenig hat man auch das Gefühl, dass man so mehr Mitglieder bekommen will. Es ist vielleicht nicht so, aber ich bin mit diesem Gedanke wohl auch nicht allein. Und momentan führt die Aktion ohnehin in die gegenteilige Richtung.

Was mich außerdem beschäftigt, wer sollte denn die Mitglieder davon abhalten sämtliche Stellenanzeigen frei zugänglich zu machen. Viele haben Twitter, Facebook oder einen Blog. Ich bin kein Urheberrechtsexperte, aber ich denke dass es auf Stellenanzeigen in dem Sinne kein Copyright gibt.

Ich denke es ist nicht im Sinne der Vereins, gegen den eigenen Berufsstand zu arbeiten. Gerade in unserer Branche sollte man doch eher zusammen halten und sich gegenseitig unterstützen, als sich noch Knüppel zwischen die Bein zu werfen.
Sie sollten daher dringend diese Entscheidung überdenken. Oder eine Abstimmung aller Mitglieder veranlassen.

So oder so, ist hier noch Handlungsbedarf nötig!

Nachtrag 12.07.12 Der BIB hat gestern eine Erklärung für sein Handeln veröffentlicht: BIB Statement

Erklären tut es nicht wirklich was, außer dass man die Vorteile für Mitglieder mehr herausstellen will. Außerdem, oh wie großzügig, bleiben die Quellen weiterhin frei zugänglich, aber die Auswertung ist nur noch für BIBler… wo ich mich wieder einmal frage ob ich das jetzt noch sein will.
Der Schlusssatz hat weiter Bestand: Es besteht Handlungsbedarf. Lieber BIB, frag doch mal deine Mitglieder was sie von der Entscheidung halten!

Dieser Artikel erschien zuerst am 11.07.12 bei: bibliotheksratte

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3 Kommentare

  • sally

    “Bibliojobs der bibliothekarischen Öffentlichkeit zu entziehen ist unverantwortlich. Nicht jeder Student/jede Studentin oder arbeitlose Bibliothekar/-in hat das Geld für den Mitgliedsbeitrag übrig, selbst wenn er vermindert ist.” Es kommt schon vor, dass sich einige Leute trotz des verminderten Beitrags eine Mitgliedschaft nicht leisten können. Ich verstehe jedoch nicht, warum jene Arbeitssuchende sich nur auf die bibliojobs-Liste verlassen wollen? Ich bin selbst in einer großen Bibliothek beschäftigt. Oft sind Stellenausschreibungen dieser Bibliothek auch nicht in bibliojobs veröffentlich wurden, aber ein Hinweis auf diese Institution gab es auf den BIB-Seiten. Zustimmen kann ich der Meinung, dass der Arbeitsmarkt für FaMIs und Bibliothekare z.T. wirklich nicht berauschend ist. Darüber regt sich aber komischerweise keiner in der Fachöffentlichkeit auf. Ich würde gerne eine Diskussion in dieser Größenordnung über die Tatsache haben, dass immer mehr befristete und/oder Teilzeitstellen in unserem Berufsfeld ausgeschrieben werden. Das sieht man besonders gut, wenn man bibliojobs verfolgt. Was soll ich als Berufsanfänger (mit noch keinem Kind) mit einer Teilzeitstelle? Und das sind z.T. auch Ausschreibungen in großen Städten wie Hamburg, München u.a.

    • Dörte Böhner

      Hallo Sally,

      Bibliojobs war eine gute Anlaufstelle, um möglichst in übersichtlicher Form zu sehen, was es an potentiellen Stellen gibt. Wer sich bundesweit bewirbt, kann unmöglich regelmäßig weit über 100 Hochschulbib-Seiten abklappern, zumal Stellenanzeigen dann häufig noch irgendwo sehr versteckt auf der Hochschul-Homepage zu finden sind. Da sprechen wir jetzt nur von einem Teil der wissenschaftlichen Bibliotheken. Bei den ÖBs wird das häufiger noch schwierig. Das so aus meiner Erfahrung bezüglich des Auffindens von Stellenausschreibungen. Das hat nichts damit zu tun, dass man sich auf Bibliojobs verlässt. Die diversen Mailinglisten sind eine nette Ergänzung gewesen. Die Seiten des Arbeitsamtes hingegen waren oft ein vergeblicher Weg.

      Als ich für meinen zweiten Job auf Arbeitssuche war, hatte das Arbeitsamt eine halbwegs infrage kommende Stelle deutschlandweit (!) zu bieten. Bibliojobs als Anlaufstelle hatte innerhalb einer Woche 17 Stück.

      Eine andere Problematik sind die befristeten Stellen. Als Begründung dafür hörte ich oft: Vertretung für Elternzeit oder KollegInnen, welche sich in der zweiten Phase der Altersteilzeit befinden, Projektstelle bzw. durch Studiengebühren ermöglichte Stellen. In einigen Fällen wurde offen zugegeben, dass es sich um eine verlängerte Probezeit handelt, weil man nur so ganz sicher sein könne, den richtigen Bewerber für eine Stelle bekommen zu haben (- schließlich könne man das nach einem halben Jahr Probezeit nicht unbedingt feststellen ❗ und unbefristet eingestellt, bekäme man solche Leute schließlich nicht mehr los).

      Teilzeitstellen sind dann das nächste Thema. Aber wenn man Teilzeit anbietet, dann bleibt schließlich auch immer ein Teil einer entsprechend geteilten Stelle über. Da hilft häufig nur eines. Sprechen Sie im Vorfeld das Problem an. Es gibt entsprechende bibliothekarische Ansprechpartner bei den Ausschreibungen. Schildern Sie Ihr Problem. Häufig lässt sich gerade bei größeren Bibliotheken nach kurzer Zeit intern etwas machen.

      Ich bin beim BIB auch deswegen Mitglied geworden, weil ich mit meinem Beitrag eben solche Dinge wie Bibliojobs unterstützen wollte, die wirklich hilfreich sind. Der BIB selbst ist für mich nicht unbedingt die richtige Interessensvertretung, weil ich als wissenschaftliche Bibliothekarin eher durch den VDB vertreten werden sollte… (ein anderes Thema).

  • Astrid

    Hallo Sally,

    danke für deine ehrliche Meinung.

    Eigentlich sind die meisten Angebote aus Forum-ÖB, der Jobbbörse der Bayer. Staatsbibliothek, Inetbib, der HdM Stuttgart und den Seiten der ZLB Berlin. Ein arbeitssuchendes Mitglied, das von ALG II lebt und mit 374 € monatlich auskommen muss, kann in teuren Großstädten wie Hamburg, Stuttgart etc. kaum über die Runden kommen und wird sich eine Mitgliedschaft durchaus überlegen. Stefanie Hotze hat Recht. Wer noch arbeitett, ALG II zu vermeiden, überlegt sich zweimal, ob es sich lohnt Verbandsmitglied zu werden, da sie oder er noch selbst für die Miete und Krankenkasse aufkommen muss.

    Wer gerne recherchiert, es klug anstellt und Freunde hat, die Mitglieder im Verband sind, ist mitnichten auf eine Verbandsmitgliedschaft angewiesen, wie Stefanie Hotze richtig anmerkte. Oftmals stehen Ausschreibungen früher auf der Webseite Jobbörse der Arbeitsagentur als bei bibliojobs. Dort werden diese manchmal früher eingestellt, als von BiB-Mitgliedern. Die Erfahrung zeigt, dass vieles nicht immer zeitnah auf “bibliojobs” platziert wurde und auch nicht zeitnah nach Ablauf der Frist von der Liste bibliojobs genommen wurde. So kann der Eindruck bei der Draufsicht auf die Seite auf den ersten Blick täuschen. Beim genaueren Hinsehen sind viele Fristen abgelaufen.

    Eine Öffentlichkeit, die von Verbänden, Sponsoren und Lobbyvereinen dominiert wird, repräsentiert nur die eine Seite der Medaille. Der Bundeswehrverband vertritt wahrscheinlich besserin die Anliegen der Soldaten in der Öffentlichkeit als BIB die Anliegen der Bibliothekare, ebenso der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) für die Wirtschaft. Es müßte mehr Leute außerhalb des Berufsfelds geben, die extra für Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit und Mitgliederarbeit eingestellt werden. Natürlich sollten diese sich diese mit der Bibliotheksarbeit ein wenig identifizieren, aber durchaus einen anderen Background mitbringen und keine ehrenamtliche Tätigkeit neben einer Leitungsposition (innerhalb einer Ausbildungseinrichtung oder Bibliothek) vertreten, wie es bei vielen leider der Fall ist. Wo außer der Blogosphäre kann es noch eine Gegenöffentlichkeit geben? Natürlich gibt es ab und an Artikel, welche sich mit dem Berufsbild und der Präkarisierung kritisch auseinandersetzen. Die im Juni letztens Jahres veröffentliche Ver.di-Umfrage hat deutlich gemacht, dass die Arbeitssituation vieler Bibliothekare nahe an “Schlechter Arbeit“ liegt. Eigentlich hätte eine Gegenstrategie aller Verbände eine Antwort sein können, wie zukünftig Verbands- und Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte deren Arbeitsbedingungen verbessern können.

    Ist es überhaupt möglich in einer Großstadt wie Köln, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg oder Frankfurt möglich von einer Halbtagsstelle leben zu können ohne “HartzIV-Aufstocker” zu werden? Du hast vollkommen recht. Teilzeitstellen sind günstiger und in den meisten Fällen arbeitet sie oder er noch bei weitem mehr als 20 Stunden pro Woche.

    Wie bereits im Kulturmanagement-Jobsegment, wo es auch einen kostenpflichtigen Newsletter mit Stellenangeboten gibt, scheint BIB so zu tun als ob dies eine Strategie zur Mitgliedergewinnung wäre. Ob die Rechnung am Ende aufgeht, wird noch zu beweisen sein. Wie Stefanie Hotze richtig bemerkte, lassen sich mühelos Stellenagebote von Bibliothekaren auf Englisch, Deutsch und andere Sprachen über Twitter nachrecherchieren und weiterposten. Wenn durch diese kleinen Maßnahmen sofort ein Mehrwert wie es in der Erklärung heißt, deutlich wird, dann ist das deren Meinung. Exclusiv nur für Mitglieder klingt nach einem außerordentlichen Privileg, was es nicht ist. Wer gerne recherchiert und im Internet unterwegs ist, findet dieselben Angebote auf den obengenannten Seiten. Wer dagegen eher nicht zu den digitalen Eingeboren zählt und Bibliothekar ist und nicht Mitglied im Verband, wird manche Stellenanzeige nicht immer so einfach im Netz finden.

    Du sprachst ein Thema an, wie es die sogenannte Fachöffentlichkeit wenig thematisiert, Arbeitsbedingungen, Lohngefälle zwischen Mann und Frau und dem Arbeitsmarkt für FaMIs und Bibliothekare, der längst nicht so berauschend ist wie vielfach dargestellt.