[IK] [Infografik] Erweiterter Recherchekreislauf und Informationskompetenzschulungen

Immer wieder stellt sich die Frage, wie nähert man sich dem Thema Informationskompetenz in den eigenen Schulungen. Wie erreicht man seine Zuhörerschaft und kann Ihnen deutlich machen, warum sie in dieser Veranstaltung aufpassen sollten. In meinen bisherigen Stellen gab es unterschiedlichste Herangehensweisen, aber recht brauchbar erwies sich ein Heranpirschen an das Problem über die Arbeitsschritte der Informationsrecherche für eine wissenschaftliche Arbeit (ein Problem, vor dem die Zuhörer mehr oder weniger direkt stehen oder stehen werden). Dies ist sicherlich noch nicht der beste Weg, aber er ist aus meiner Sicht der noch der gangbarste, weil dieser für die Zuhörer oder besser Lernenden noch recht gut nachvollziehbar ist.

Erweiterter Recherchekreislauf

Erweiterter Recherchekreislauf

Diesem Rercherchekreislauf lassen sich dann die Standards der Informationskompetenz und die Abläufe für die wissenschaftliche Arbeit häufig sehr einfach zuordnen, etwa so:

Als informationskompetente Studierenden müssen Sie Ihr Problem, d.h. die Frage, die Sie für Ihre Hausarbeit erhalten haben, analysieren. Dazu müssen Sie Ihren Informationsbedarf bestimmen. Was suchen Sie wo in welchem Umfang (zeitlich, thematisch bezogen auf die Fragestellung). Aus diesem Wissen heraus, ist es nun an Ihnen die Suchanfrage mit den passenden Suchbegriffen zu formulieren und diese an das geeignetste Suchinstrument zu richten. (Spätestens hier fällt der Satz: Google ist an dieser Stelle nicht immer die beste und effektivste Wahl.)

Je nach Art der gefundenen Literatur müssen Sie diese beschaffen. Dies kann sein, dass sich eine weitere Recherche nach dem Volltext anschließt, dann beginnen Sie wieder mit der entsprechenden Gestaltung der Suchanfrage und der Auswahl des richtigen Suchinstruments. Es kann aber auch heißen, dass Sie nun erstmal in die Bibliothek gehen müssen, um das entsprechende Medium auszuleihen oder zu kopieren.

Wenn Sie die Literatur beschafft haben, müssen Sie diese bewerten. Ist sie inhaltlich und qualitativ für die Beantwortung Ihrer Fragestellung geeignet. Wenn ja, sollten Sie diese gleich entsprechend notieren, um sie später für Ihre Arbeit verfügbar zu haben. Es folgt dann auch der Hinweis auf ein entsprechendes Literaturverwaltungssystem, das viel Kleinarbeit an dieser Stelle abnimmt.

An dieser Stelle prüfen Sie dann, ob Sie ihr Problem gelöst haben. Wenn ja, schließt sich an dieser Stelle der Recherchekreislauf. Wenn nicht, dann beginnt er von vorn. Durch zunehmende Recherche entwickeln Sie sich von einem Laien zu einem Experten. Das ist in vielen Fällen einfach eine Übungssache. Die Tipps und Tricks, die Sie in diesem Kurs erhalten, sollten Sie einmal ausprobieren, um zu sehen, ob diese Ihnen bei Ihrer Entwicklung nicht weiterhelfen können.

Für Studierende, die bereits eine erste Arbeit absolviert haben und mit den Problemen dort zu kämpfen hatten, ist dies eine gut funktionierende Variante, weil es ein bereits bestehendes Problem aufgreift. Für Erstsemester, häufig diejenigen, die man dann tatsächlich erreicht, ist dies jedoch noch fern und uninteressant. Diesem widmet man sich erst, wenn es im Studium Thema wird, nicht jedoch zu Beginn des Studiums.

Hier hilft eine etwas andere Herangehensweise, z.B. eine Einordnung der Anforderungen der Informationskompetenz in Alltagssituationen und kleine, alltägliche Fragestellungen und erst dann eine Übertragung in den wissenschaftlichen / bibliothekarischen Kontext. Damit erleichtert man das Verständnis, warum sie sich mit Informationskompetenz überhaupt beschäftigen sollten und welche Vorteile es ihnen bietet. Selbst unsere Schüler bzw. Erstsemestler, die unsere Schulungen besuchen, haben bereits Erfahrungen mit der Recherche, wenn sie sich auch die einzelnen Schritte bisher vielleicht nicht so detailliert verdeutlicht haben. Sie haben gelernt, Eltern und Lehrer oder ihre Freunde zu fragen. Sie können für ihre Themen in Google recherchieren und sind da häufig auch recht clever bei der Beurteilung der dort gefundenen Informationen. Die Kombination Bekanntes und die Übetragung in einen anderen Kontext zeigt ihnen, dass sie nicht etwas komplett Neues lernen, sondern sich einfach nur Dinge bewusst machen, die sie bisher intuitiv richtig gemacht haben.

Gut kombinierbar ist dies sicherlich mit dem Einstieg meiner Kollegin, den ich hier bereits beschrieben habe:

[IK] Informationskompetenz – Medienwandel und Selbstverantwortung

Das ist nur ein Ansatz. Über andere Ideen und Herangehensweisen würde ich mich freuen. Tipps und Tricks?

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6 comments

  • vform

    Sehr schöner Artikel. Nach einer Teilpleite heute in einer 11 Klasse mit einem ähnlichen Thema, habe ich den Eindruck, dass es wirklich ganz wesentlich ist, den eigenen Vorteil (oder Betroffenheit) für die Teilnehmer deutlich zu machen. Etwas unpraktisch allerdings, wenn sie die Haben-Seite (Referat mit Google+Google-Bildsuche per Copy & Paste zusammengeschustert) mit der Soll-Seite (Lehrer einverstanden) deckt und damit beinah in einer Infokompetenz-Fobi nur noch persönliche Motivation greift, es besser zu machen. Vielleicht auch nur eine etwas pessimistische Sichtweise aus dem Tag heraus. 🙂

    Neugierde Halber: Was für Schulungen für Schüler bietet ihr zu welchen Themen und in welchem zeitlichen Umfang an?

  • Dörte Böhner

    Naja, man erreicht seine Leute nicht immer und man muss sie irgendwo bei ihrer Motivation gepackt bekommen. Das ist der schwierigste Part einer solchen Veranstaltung. So lange du etwas nicht als Problem siehst, wirst du dich mit dem begnügen, was du kannst. Vielleicht gehst du mal zu den entsprechenden Lehrern und machst da ein Weiterbildungsangebot: So können Sie Zeit sparen… Ich erzähle Ihnen nichts Neues, aber ich kann Ihnen helfen, die Tricks Ihrer Schüler bei ihren Hausaufgaben zu durchschauen… Irgendwas in der Art. Besser aufgeklärte Lehrer heißt andere Anforderungen und somit wiederum mehr Motivation bei deinen Schülern, die schließlich potentiell irgendwann mal studieren wollen/sollen oder einen gutbezahlten Job möchten. Unmittelbar geht es schließlich nur um das Vermitteln von Informationskompetenz für ein Referat, aber mittelbar um das Verbessern einer Schlüsselqualifikation / Kulturtechnik, die Auswirkungen auf das ganze Leben hat.

  • vform

    Eine Fortbildung erhalten sie bald im Rahmen der Entwicklung eines Methodencurriculums von mir – zmdst. jene, die meinen, es könnte ihnen weiterhelfen… Im direkten Gespräch findet sich aber selten ein Lehrer, der das reine Googlen (oder „Internet mal so“) besonders kritisch sieht – wobei man hinzufügen muss, die Recherchen sind (für mich ersichtlich) nie eingeführt, angeleitet oder begleitet. Das fängt beim Baumtagebuch in der 5/6 an und endet bei der Facharbeit mit – m.E. – unsinnigen Vorgaben wie „ihr müsst ein Buch benutzen“. Andererseits ist der Wandel vom Frontalunterricht zum Methodenlernen auch eine gewaltige Aufgabe, zumal der Stoff kaum weniger und die Zeit schon mal gar nicht mehr für die Lehrenden geworden ist. Aber vielleicht kann ich ja tatsächlich in drei Wochen ein wenig inspirieren 🙂

    • Dörte Böhner

      Da musst du das Wort Fortbildung sehr ernst nehmen. Sie habe alle auf die ein oder andere Weise gelernt, wie sie Informationen beschaffen können. Das ist vielleicht, zehn bis zwanzig Jahre her, aber die grundlegenden Kompetenzen kennen sie. Versuche ihr Können einzubeziehen. Damit hast du natürlich ein wenig mehr ihre Aufmerksamkeit auf deiner Seite. Es geht ums Dazulernen, nicht „neu“ lernen. Das ist auch so eine Sache, an die ich mich bei jeder IK-Schulung zu erinnern suche. Vergisst man recht leicht leider.
      So unsinnige Angaben wie „Ihr müsst mindestens ein Buch benutzen.“ sind Versuche der Lehrer etwas zu verankern, damit die Schüler gezwungen sind, die Bibliothek zu nutzen. Wenn du über Konzepte und Möglichkeiten Gedanken machst, wie man das auf anderem Wege erreichen kann, solltest du einen Pluspunkt bei ihnen sammeln können. Welche Mehrwerte gibt es, die für Schüler und ihr Lernen hilfreich sind und die Arbeit der Lehrer unterstützen? Nach welchen Methoden unterrichten die Lehrer? Gibt es da Angriffspunkte, wo du eventuell unterstützend einspringen kannst? Ich weiß ja, dass du da bestimmt gute Gründe findest, die den Lehrern zeigen, was sie gewinnen können. 😉

  • vform

    Ich denke, du hast recht mit dem Punkt dazu statt neu lernen – in gewisser Weise habe ich da wohl auch einen Tunnelblick. Ein Plan reift auch, nur der muss in 90 Minuten gefasst werden und irgendwie einen guten Bezug zu dem eigentlichen Wunschthema „Suchmaschinen“ bieten. Na, sind ja noch zwei Wochenenden 🙂

  • Dörte Böhner

    Warum Informationskompetenz? Weshalb sollen sich Schüler und Studierende damit noch zusätzlich zu ihrem „Lernpensum“ belasten.

    Ein paar tolle Argumente listete Nicole Krüger, derzeit eine von zwei Librarians in Residenz in ihrem Blogbeitrag „Berkeley College: Das Best Case Scenario“ an.

    Argumente für Studierende, die das Lehrpersonal vor den Schulungen anführt, um sie aufhorchen zu lassen, sind:

    • Wissenschaftliches Arbeiten ist die einzige Fertigkeit, die man nach dem Studium vorzuweisen hat. Um einen guten Job zu bekommen, sollte man darin besonders gut sein.
    • Plagiarismus im Job kann dazu führen, dass das Unternehmen verklagt wird und man selbst den Job verliert.
    • Die Kenntnis von Datenbanken kann in Bewerbungen angegeben werden.