Zur aktuellen #newLIS-Diskussion

Die Diskussion um #newLIS erscheint mit dem InfoCamp in Chur (Etherpad zur Diskussion dort vor Ort) neue Fahrt aufzunehmen. Die meisten Punkte in diesem Beitrag sind nur kurz angedacht und bedürfen daher noch einer weitergehenden Diskussion.

Es muss zu diesem Zeitpunkt eine Trennung der Diskussion um Plattform und Journal geben. Erst sollten wir wissen, was wir von einem neuen Journal inhaltlich erwarten, bevor wir die machbare, technische Umsetzung prüfen.

Gewünscht wird ein Journal mit einer sehr praxisorientierten Ausrichtung. Diese kann dann gegebenenfalls durch wissenschaftliche Beiträge, Qualifikationsarbeiten und ausgewählte Folien ergänzt werden. Die Themenbreite sollte dabei nicht über Gebühr eingeschränkt werden, um für alle im LIS-Bereich (Bibliothekare, Archivare, Museologen, Informations- und Bibliothekswissenschaftlern, Informationsmanagern etc.) ein Anlaufspunkt für ihre Publikation zu sein.

Der Einstieg soll sehr niedrigschwellig sein, d.h. jeder darf seine Beiträge einreichen. Diese können recht kurz (z.B. eine DIN-A4-Seite) sein oder auch recht lang.

Ideal fände ich beipsielsweise auch Beitragsreihen, in denen jemand oder mehrere vom Einstieg in ein Thema bis hin zu den Problemen, Lösungsansätzen etc. bei der Umsetzung berichten würden, so eine Art Schritt-für-Schritt-Berichterstattung. Um es zu verdeutlichen: Ein Autor könnte den QR-Code zuerst beschrieben, in einem nächsten Beitrag würde er oder jemand anderes dann die Einsatzmöglichkeiten beleuchten und in einem weiteren die Probleme bei der Auswahl des richtigen Generators usw. als ein Thema aufgreifen. Nehmen Sie die Kollegen mit, wenn Sie ein Thema bearbeiten. In einem weiteren Beitrag kann es dann Hinweise auf die Codierung, Apps etc. geben.

Dieses Beispiel soll zeigen, dass die Komplexität der einzelnen Beiträge so aufgeteilt werden sollte, dass Einsteiger in ein Thema genauso zum Zuge kommen wie Fortgeschrittene und Experten. Heeres Ziel der Zeitschrift könnte es also sein, auf diese Weise mehr Innovation in Bibliotheken zu bringen.

Unstrittig bei der Diskussion ist auf jeden Fall, dass es ein deutschsprachiges Journal sein sollte. Dies ergibt sich aus der Zielgruppe, die derzeit als die erstrebenswerte Leserschaft herauskristallisiert – die Praktikerinnen und Praktiker der deutschsprachigen LIS-Welt.

Wer sich als Autor mehr Renomee wünscht, könnte dann in diesem Fall entsprechende andere Publikationen nutzen, z.B. entsprechend englischsprachige oder sollte es sich ergeben die „English Corner“ des Journals oder das „High Level“-Journal, welches Prof. Kuhlen plant. Denkbar wäre hier eine Kooperation oder je nach Vorstellung der Plattform (z.B. bei der Umsetzung der Idee eines LIS ONE) einen entsprechend anderen Kanal.

Bei den Konzepten für ein neues Journal gibt es verschiedene Vorstellungen. Eine Idee, die immer wieder hochschwappte, war die Einrichtung eines Overlay-Journals.

„An overlay journal or overlay ejournal is a term for a specific type of open access academic journal, almost always an online electronic journal (ejournal). Such a journal does not produce its own content, but carefully selects from texts that are already freely available online.“ ( Quelle: Overlay Journal, Wikipedia, 08.09.2012)

Der Vorteil eines Overlay-Journals hier wäre sicherlich, dass man keine eigenen Beiträge einwerben müsste und auf bestehende OA-Artikel aus Blogs, Abschlussarbeiten etc. zurückgreifen könnte. Diese könnten ggf. nochmal durch einen einfachen Peer-Review-Prozess geschleust werden, um so eine gewissen Qualitätsanspruch zu halten. Allerdings kann es hier zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Andererseits hielte sich der Aufwand vermutlich in überschaubaren Grenzen. Auch in der Diskussion mit Prof. Umstätter klang immer wieder der Bedarf eines Review-Journals durch, in dem Empfehlungen für bestimmte Artikel etc. gegeben werden sollten. Ein solches Journal könnte auch Printartikel beinhalten.

Sollte man sich für ein Journal mit verschiedenen Qualitäts-Rubriken entscheiden, so ließen sich diese Vorstellungen sicherlich gut miteinander verknüpfen. Vorteil eines Journals, das sich am Konzept von PLoS ONE orientieren würde – Stichwort LIS ONE – wäre, dass alle Rubriken oder einzelnen Journals von einer Infrastruktur und einer „Marke“ profitieren könnten und gerade auch „Randthemen“ oder eher als „abwegig“ zu bezeichenende Themen und Diskussionen ein Platz finden könnten.

Immer wieder klang in den Diskussionen auch das Ziel durch, dass das neu zu schaffende Journal ein Bindeglied zwischen Printlesern und E-Journal-Lesern wird. Hier müssen entsprechende Verknüpfungen geschaffen werden. Dafür wäre das Festhalten der feststehenden Struktur eines Journals (Heft, Band, Seitenzählung, Inhaltsverzeichnis etc.) sinnvoll. Am Anfang wären Printausgaben denkbar, um die Printleserschaft anzufüttern. Auch das Informieren und Anlocken über einen Newsletter könnte eine denkbare Lösung sein. Je nachdem, mit welchem Anspruch man an die Lösung der P-vs-E-Problematik geht, muss natürlich dafür eine entsprechende Organisations- und Finanzierungsstruktur geschaffen werden.

Unabhängig davon ist eine Frage, wo diese Zeitschrift letztendlich organisatorisch angebunden werden soll. Unstrittig erscheint, dass eine Zusammenarbeit mit den verschiedensten Hochschulen im LIS-Bereich angestrebt werden und dass dies länderübergreifend für den gesamten D-A-CH-Raum inkl. Lichtenstein geschehen sollte. Ist es sinnvoll, die Zeitschrift dann an eine Hochschule oder große Universalbibliothek zu binden oder sollte aus allen Einrichtungen + einige Experten ein Verein als Träger geschaffen werden? LIBREAS beispielsweise wird durch den LIBREAS e.V. unterstützt, BRaIn hingegen ist bei der Potsdamer Fachhochschule, Fachbereich Informationswissenschaften angesiedelt.

Dies sind erstmal meine Gedanken zu dem derzeitigen Stand der Dinge in der #newLIS-Diskussion. Ungeklärt sind weiterhin die Punkte: Wer macht es? Wer ist die eigentliche Zielgruppe? Besteht überhaupt ein Bedarf oder sollte nochmal das Gespräch mit bestehenden Print-Journalen der LIS-Branche gesucht werden, um einen Bedarf an einem raschen OA-Zugang noch einmal zu verdeutlichen und mit den Verantwortlichen über Strategien in diesem Bereich zu diskutieren? Woher bekommen wir das passende KnowHow für den Start bzw. den Betrieb eines Journals?
Eine Liste mit weiteren offenen Fragen findet sich im #newLIS-Wiki.

Was muss folgen? Es muss ein Zusammenschluss derer geschehen, die aktiv an der Entstehung eines OA-Journals mitarbeiten wollen. Diese müssen die grundlegenden Entscheidungen treffen und ein Grundlagen-Konzept erstellen. Sicherlich wäre es sinnvoll, dem Ganzen eine empirisch erfasste Grundlage (der Bedarf ist bereits in der Diskussion) zu geben:

Zeitdruck gibt es nicht, allerdings darf es nicht dazu kommen, dass man zu viel Zeit verstreichen und damit die Diskussion und das Engagement verteilt lebender Interessierender einschlafen lässt. Eine gewisse Aufmerksamkeitsökonomie ist notwendig, wenn auch sicherlich das Engagement nicht durch Ruhephasen komplett einschlafen wird, zumal es ettlichen Beteiligten stark unter den Fingernängeln brennt 😉 . Auch sollte diese Ermittlung der Bedarfsgrundlage etc. nicht zu hoch angehängt werden, um nach der Auswertung eine „Niederschwelligkeit“ für alle Beteiligten zu erhalten. Hier kann sich jedoch eine Zusammenarbeit mit den Hochschulen auch bei der Schaffung eines Rahmens als sehr hilfreich erweisen.


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