Gibt ein alter E-Book-Hase auf?

 

Verabschiedet sich Sony von seiner E-Book-Sparte? Schlägt hier die Konkurrenz von Amazons Kindle + Shop zu und zwingt einen der ersten Anbieter, sich vom Mark zurück zu ziehen? Ich gebe zu, ich besitze einen Sony-Reader und wir zwei sind nie wirklich miteinander warm geworden, nachdem ich auch das bequeme Handling des Kindle zu schätzen gelernt habe (und weil Amazon einer der größten Anbieter ist, muss ich nicht fürchten, demnächst ohne Bücher dazustehen). Dennoch ganz ohne Sony kam ich nicht aus, denn Amazon hat nicht alle Bücher im Angebot (man staune, aber so ist es), erlaubt keine Nutzung der Onleihe (anderes Format) und eigentlich wollte ich nicht nur bei Amazon kaufen (wurde aber einfach zu umständlich mit dem Sony und den schlechten Martplätzen von Thalia, Jokers, Weltbild und Co.). Während man die Bücher bei Sony irgendwo auf einem echt internetfähigen Gerät kauft und am besten dann von da aus auch gleich über ein Kabel auf den Reader schiebt, kann man bei Kindle das gekaufte Buch einem Gerät zuordnen und sobald dieses das nächste Mal sich in ein WLAN-Netzt einklinkt, wird das gekaufte Buch synchronisiert. Einfacher geht nicht!

Was sehe ich gerade als problematisch an:

  1. Hier werden Informationen über Leser (Bestandskunden) ausgetauscht.
  2. Was passiert allerdings mit dem Shop-Angebot? Mit der Langzeitverfügbarkeit der Bücher?
  3. Kobo kann nur die Rechte für die Bücher verwalten, die in ihrem eigenen Shop angeboten werden. Für alle anderen Bücher wird es komplizierter.


Screenshot Sony's Reader Store mit Schließungsankündigung

Gegen den ersten Punkt kann man nicht viel unternehmen. Die Daten werden weitergegeben, um einen reibungslosen Ablauf zu generieren. Alternativ ein Wechsel zu einem der anderen Shops wird nicht mal als Option angeboten. Dennoch versucht Sony eine Lösung für die Langzeitverfügbarkeit der erworbenen E-Books zu sorgen.
[Update, 17:30 Uhr] Okay, der Punkt greift natürlich:


Ich kann nicht einschätzen, wie Sony und Kobo dies lösen. Denkbar wäre, dass Sony seine Nutzer bittet, sich bei Kobo anzumelden und Kobo dann an alle (“Neuangemeldeten”) besagten Link verschickt oder generell an alle angemeldeten Nutzer. Es wird interessant werden. Eventuell nehmen auch nur viele diesen Datenschutzverstoß hin und treffen dann ihre Entscheidung bei Kobo zu bleiben. Ob es Klagen geben wird? Vermutlich ist den meisten – so wie mir bis dahin nicht klar -, dass wir ein wirksames Instrument besitzen, nur dass man dann eben auch Klagen muss. An der Stelle bin ich froh, dass ich nicht zu den Bestandskunden von Sony gehöre. [/Update]

Digitales Rechtemanagement (DRM)
Recht kurzfristig für alle, die die Entwicklungen in den USA nicht verfolgt haben, schließt Sony seinen E-Book-Shop zum 16. Juni 2014. Man könnte meinen, die mit den Büchern verknüpfte verknüpfte Rechteverwaltung (Digital Rights Management, DRM) wäre ein Problem, da man nun einen anderen Shop nutzen muss. Da der Wechsel durch Sony notwendig ist, gibt es in dem Sinne kein Problem mit dem Kopierschutz. Dieser mit den gekauften Büchern verknüpfte Schutz ist unabhängig vom Anbieter Sony gespeichert und liegt bei der Adobe DRM-Verwaltung. Wichtig ist, dass die Geräte, auf denen die Sony-Bücher gelesen werden sollen, mit dem entsprechenden Adobe-Konto verbunden ist, d.h. Leser, die ihre Bücher im Sony-Reader-Shop gekauft haben, sind in diesem Fall unabhängig von diesem, um ihre Bücher lesen und nutzen zu können. Für eine langfristige Speicherung müssen sie ggf. selbst sorgen.

Der Shop und seine Alternativen
Der Reader-Shop wird durch ein Firmware-Update gegen den Kobo-Shop ausgetauscht. Bestandskunden von Sony erhalten von Kobo gegen Ende Juni einen Link zugesandt, über den es möglich wird, die bei Sony erworbenen Bücher auf ein Konto bei Kobo zu transferieren. Und hier ist ein Haken. Die Übertragung der Informationen und damit eine Sicherung der langfristigen Verfübarkeit der bei Sony erworbenen Bücher ist nur für jene E-Books möglich, die auch bei Kobo erhältlich sind. Alle anderen Bücher müssen vom Nutzer selbst lokal gespeichert werden (lokales Backup). Eine Verbesserung für Sony-Kunden ergibt sich nicht dadurch eher nicht. Global betrachtet ist Kobo natürlich eine quasi alternativlose Wahl, aber jüngere Testberichte über Kobos E-Book-Store lassen für deutsche Kunden wenig Gutes erwarten, da der Shop dort als wenig intuitiv und mit wenigen deutschen Inhalten bestückt gilt. Für vor allem englisch-sprachige Leser ist es hingegen besitzt er eine herausragende Auswahl und gute Preise.

Daher, Achtung: Jeder, der im Reader-Shop seine Bücher gekauft hat, sollte die Sony-Anleitung zur Sicherung seiner Bücher lesen und möglichst auch zeitnah befolgen. Von anderen gestorbenen Projekten weiß ich, dass je weiter die Zeit fortschreitet, das Backup ein Problem sein kann, da Server überlastet werden, Probleme durch den Support nicht mehr gelöst werden können (zeitliche Überlastung) und andere Eventualitäten auftreten können. Ein entsprechendes Backup ist laut Sony-Anleitung nicht schwierig. Kurz zusammengefasst heißt es da: Alle Bücher makieren und dann Synchronisieren und am besten einmal komplett auf dem PC speichern.

Möchte man sich nicht auf den Kobo-Shop einlassen, hat man durch die Unabhängikeit des DRM vom Shop, die Option, die Bücher wie bei den nicht bei Kobo vorhandenen E-Books, selbst lokal zu speichern und sich dann auf die Suche nach dem Shop seiner Wahl zu begeben. Allerdings werden diese kein Hosting der Backup-Version der E-Books übernehmen.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Lesegeräte von Sony?
Der Shop, der verhältnismäßig jung ist, wird nach nicht ganz 1 1/2 Jahren aufgegeben. Da stellt sich natürlich die Frage, wie dies sich auf die E-Reader von Sony auswirkt. Sony selbst gehörte in Deutschland mit zu den ersten Anbietern von (bezahlbaren) Lesegeräten.
Heise vermutet:

Dass er (der E-Book-Shop, Anm. d. Verf.) nun so kurz nach Einführung wieder geschlossen wird, deutet auf eine Verabschiedung aus dem Reader-Geschäft seitens Sony hin. Mit den Spitzengeräten von Kindle und Kobo konnte der Sony Reader seit einiger Zeit nicht mehr mithalten, und ohne einen eigenen Bezugskanal für E-Books scheint mehr als fraglich, ob Sony überhaupt noch neue Lesegeräte vorstellen wird.

Auch Johannes Haupt von Lesen.net vermutet, dass ein Ende der Sony-E-Reader-Ära eingeläutet wurde.

Die Schließung der europäischen Sony eBook Stores kommt nicht unerwartet – so prognostizierten wir “Das Ende der Sony Reader” schon in unseren E-Reading-Vorhersagen für 2014 im vergangenen Dezember. Die Prioritäten des angeschlagenene japanischen Unternehmen liegen längst woanders, der Sony Reader PRS-T3 wurde schon gar nicht mehr in den USA veröffentlicht.

Die Schließung des Reader-Shops ist natürlich Wasser auf die Mühlen der großen Shops und wohl v.a. für Amazon, die nun als verlässlicher dastehen als andere. Ein Konkurrent weniger auf dem Weg zum Monopol, oder?

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