35. ASpB-Tagung 2015 1.Tag Teil 1 #aspb2015

Dann schau ich mal, wie weit ich mit meiner Mitschrift hier komme. Da dies nicht meine Stärke ist, … ist es mal wieder zu lang geworden 😉

Heute startete am Mittag die 35. ASpB-Tagung in Bonn, also direkt um die Ecke und wenn man schon mal vor Ort ist und Urlaub hat, nutzt man den einfach mal bibliothekarisch zum Blick über den Tellerrand. ASpB steht für Arbeitsgemeinschaft der Spezialbibliotheken. Der Verein wird jetzt 69 Jahre alt, veranstaltet alle 2 Jahre eine Tagung. Wer rechnen kann, stellt fest, dass er dies mit großer Regelmäßigkeit geschafft hat.

Moderator Henning Frankenberger eröffnete die ASpB-Tagung und moderierte dann die erste „Session“ unter dem Motto Echte Fründe ston zosamme – Spezialbibliothekarische Arbeitesgruppen und Fachverbünde stellen sich vor.


Geplant waren 6 Vorträge, wobei der Vortrag von Jürgen Plieninger leider ausfallen musste, da dieser seine Bibliothek nicht für drei Tage allein lassen konnte („Das Los eines OPLers“). Mit fünf Vorträgen war diese Session trotzdem eng gespickt.

Zuerst stellten Monika Sommerer von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz, Irmela Roschmann-Steltenkamp von der Stiftung Topographie des Terrors und Matthias Mann von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand die Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken (AGGB) vor.
Alle drei Vortragenden sind Teil der Steuerungsgruppe der AGGB, zu der Bibliotheken von Gedenkstätten an Orten von NS-Verbrechen, NS-Dokumentationszentren, Gedenkstätten und weiteren Institutionen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und zeitgeschichtlicher Forschungseinrichtungen gehören.
Sommerer unterteilte die Bibliotheken in Einrichtungen von KZ-Gedenkstätten mit Archiv und Bibliothek, deren Personal teils bibliothekarischen, teils einen wissenschaftlich-pädagogischen Hintergrund haben. Deren Bestände variieren in der Größe zwischen 5.000 und 22.000 Medieneinheiten. Des weiteren zählt sie Gedenktstättenbibliotheken an Orten des NS-Terrors auf, so z.B. die Mediothek der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz mit einem sehr heterogenen Sammlungsbestand, wie Filmen, Büchern, Archivmaterialien. In die Gruppe zählen aber auch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und die Bibliothek der Stiftung Topographie des Terrors, bei denen bis zu 120.000 Medieneinheiten betreut werden. Eine weitere Gruppe sind reine Forschungsbibliotheken wie z.B. die Anne-FRank-Shoah Bibliothek (DNB Leipzig), die Bibliothek der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg oder die Bibliothek des International Tracing Service. Auch Bibliotheken, die sich mit dem Judentum in Deutschland/Europa beschäftigen, wie GERMANIA JUDAICA Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums e.V.sind Mitglieder diesr AG sowie zahlreiche Bibliotheken von Geschichtsvereinen und anderen Organisationen, wie etwa der Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. oder der Studienkreis Deutscher Widerstand, aber auch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Roschmann-Steltenkamp berichtete dann kurz über die Geschichte der AGGB. So gab es 1998 im Gedenkstättenrundbrief 81 (S.11) einen Aufruf zur Gründung der AGGB. Zu dieser Zeit befanden sich viele Einrichtungen im Aufbau und Bibliotheken besaßen damals keine Priorität. Die drei Initiatoren (recht große Bibliotheken) hatten das Ziel, kleinere Bibliotheken zu untertützen und einen fachichen Austausch zu ermöglichen. Man startete damals mit 14 Teilnehmern. Auf den 2x jährlich stattfindenden Treffen kristallisierte sich schnell ein großes Interessa an einem gemeinsamen Katalog erhaus, auch einem gemeinsamen Thesaurus, an einem regen Austausch über bibliothekarische und pädagogische Themen, an einer gegenseitigen Hilfestellung im beruflichen Alltag sowie an einer Reflektion über die eigene Stellung der Bibliothek und des/der BibliothekarIn.
Die Organisation und die Kosten werden dabei zwischen den Häusern der Topographie des Terrors und des Hauses der Wannseekonferenz geteilt, wobei für den Gemeinsamen Katalog der AGGB die Gedenkstätte Deutscher Widerstand aufkommt.
Heute gibt es 52 Teilnehmende in einem sehr lockeren Verbund, der kein Verein ist, der keine Satzung und kein Budget besitzt und bei dem man sehr unbürokratisch mitwirken kann. Treffen werden jetzt 1x jährlich mit ca. 25-30 Teilnehmern abgehalten und bei denen die gastgebende Gedenkstätte im Vordergrund steht. Neben den Treffen findet ein reger Austausch über eine entsprechende Mailingliste statt. Das nächste Treffen findet vom 9.-11. März 2016 statt. Das Netztwerk dieser Bibliotheken lebt vor allem durch den inhaltlichen Fokus.
Mann berichtete über den AGGB-Katalog, den er seit 1999 betreut. Im Gemeinsamen Katalog der AGGB sollen/werden die Bestände auch kleinerer Bibliotheken sichtbar gemacht. Grundlage ist Allegro-C, da dieses System eine Schnittstelle für strukturierte Daten hat. Der Katalog erlaubt zudem eine abgestimmte Erwerbung und einen inoffiziellen Leihverkehr zwischen den beteiligten Bibliotheken.
1999 wurde dieser Katalog auf dem Server der TU Braunschweig erstmals umgesetzt. Dabei begann die AGGB formale Standards der Katalogisierung zu entwickeln. 2001 nahmen 5 Bibliotheken an diesem Katalog teil, deren Updates vierteljährlich eingespielt wurden. 2003 zog man den Allegro-C-Internetkatalog au fen Server des zentrums für zeitgeschichtliche Forschung in Potsdam um. Zu diesem Zeitpunkt nahmen 9 Bibliotheken daran teil und Updates wurden monatlich eingespielt. Seit März 2012 setzt die AGGB auf Grundlage ihres Allegro-C-Katalogs auf VuFind und betreibt dazu einen kommerziellen Server. Zu diesem Zeitpunkt nehmen bereits 11 Bibliotheken teil. Juli 2015 wurde eine neue VuFind-Version eingespielt und derzeit nehmen 17 Bibliotheken teil, die ca. 440.000 Titelnachweise in den Index einbringen.
VuFind bringt viele moderne Voraussetzungen mit, wie z.B. Faszettierung, responsible Design etc. Daneben werden über die Standardfunktionen hinausgehend die Inhaltsverzeichnisse als Volltext indiziert und mit der Software Recordmanager wird einen Dublettenmanagement betrieben, so dass es pro Titel eben nur einen zusammengeführten Datensatz gibt. Derzeit wird durch die AGGB eine höhere Internationalisierung angestrebt und auch der damit verbundene Nachweis im Katalog.
Ein gemeinsamer Thesaurus konnte nicht umgesetzt werden, da die Bestände sehr differenziert sind und bereits häufig individuell verschlagwortet wurden. Neben dem sehr lockeren Verbund ist auch die personelle Ausstattung ein Grund gewesen, zumal anfangs das Personal sehr heterogen im Ausbildungsstand war. Schließlich ist die Idee mehr oder weniger im Sande verlaufen.

Als nächstes stellte Jan Simane vom Kunsthistorischen Institut Florenz (Max-Planck-Institut) artlibraries.net (vormals VKK) vor, ein Angebot, welches vom virtuellen Fachkatalog zum globalen Netzwerk wurde.
1954 wurde die AG der Kunstbibliotheken (AKB) gegründet. 1970/71 wurde diese in das Schwerpunktprogramm zur Förderung von Spezialbiblitoheken durch die DFG aufgenommen und die betroffenen Bibliotheken erhielten von 1972 bis 2010 jährliche Zuschüsse. So wurde die Idee von der verteilen „Fachbibliothek“ aufgenommen, aber es gab für diese keinen zentralen Nachweis.Dies änderte sich erst 1999, als man nach dem Modell des Karlsruher Virtuellen Katalogs den „Virtuellen Katalog Kunstgeschichte“ schuf, in dem alle SSG-Bibliotheken und geförderte Spezialbiblitoheken enthalten waren. 2002 kamen weitere interessante Bibliotheken hinzu.
Dies warf aber eine interessante Frage auf. Sollte der Katalog Bestandsnachweise enthalten oder ein bibliographisches Nachweisinstrument sein. Man hat sich dann für die letztere Option entschieden und damit gegen rein nationale Grenzen. Kunst selbst ist grenzüberschreitend und auch deren Sammlungen. Logischerweise ist auch die Literatur international und dies spiegelt sich auch in den Bestandssammlungen wieder. Durch den relativ geringen Aufwand konnten zunehmend auch internationale Partner gewonnen werden, wobei es immer noch ein starke europäische Konzentration gab, aber auch in Nordamerika und Australien interessante Sammlungen hinzugewonnen werden konnten.
2012 gab es unter artlibraries.net eine neue Oberfläche, aber das KVK-Modell blieb dahinter erhalten. Insgesamt wurden 13 Mio Datensätze aus 86 Kunst- und Museumsbibliotheken aus 15 Ländern von 4 verschiedenen Kontinenten nachgewiesen werden, u.a. auch Japan. Hinter dem Netzwerk versteckt sich eine stark demokratische Struktur, d.h. es ist nicht institutionalisiert, hat keine Rechtsform und somit kein Budget. Koordiniert wird die Entwicklung durch 9 Freiwillige aus 6 Ländern. Alle zwei Jahre gibt es eine Fachkonferenz mit 80-100 Teilnehmer.
2009-2012 ließ sich eine „Krise“ wahrnehmen die „International Art Bibliography“ (IBA) wurde eingestellt. 2010 bildete sich eine Task Force „Future of Art Bibliography“ (FAB), welche sich Gedanken machte. Unter anderem ging es da um Bibliographic Tools und hier kam man auf die Möglichkeiten von artlibraries.net. Man sah hier einige Defizite, wie die beschränkte Leistungsfähigkeit des KVK-Modells, die fehlende Einbindung komplimentärer Ressourchen und die geringe Akzeptanz v.a. in Nordamerika. Dem gegenüber standen die Vorteile wie ein bereits bestehendes einzigartiges Netzwerk, eine sehr breite fachliche Abdeckung und sehr attraktive Spezialbestände. Dies wurde erreicht, weil es bei der Erweiterung des Netzwerks um „fachlich“ spezielle Bibliotheken ging, nicht darum, alle nachzuweisen. So kam artlibraries.net als Basis trotz aller Defizite in Frage, aber es war klar, dass man diese nur mit starken Partnern beheben konnte.
Im Ergebnis dieser Krise wurden das Konzept einer disziplinoriertierten Discovery Umgebung („Art Discovery“) entwickelt und mit dem WorldCat von OCLC umgesetzt. Setup dafür war ein Gruppenkatalog auf der Basis von OCLCs WorldCat am 1.5.2014. Notwendig dafür waren moderate Investitionen seitens der teilnehmenden Bibliotheken. Unerwartet war die hohe Beteiligung.
Zuerst mussten alle Daten in den WorldCat gebracht werden. Im Hintergrund konnte/kann man zudem den riesigen Index des WorldCat nutzen. Nordamerika ist seit dem noch stärker vertreten. Einige der Bibliotheken zahlen sogar 2x Lizenzgebühren für den WorldCat (nämlich auch für den Gruppenkatalog) und bestätigen damit die Idee von Art Discovery.
Simane kommt zum Fazit, dass artlibraries.net als Netzwerk durch das Operative zusammengehalten wird. Die hohe wachsende Teilnahme macht artlibraries.net auch wissenschaftspolitisch wichtig (als Vorzeigeprojekt). Das Zusammenbringen der Kompetenzen schafft neue Standards. Letztlich werden Spezialbibliotheken auch zukünftig eine wichtige Rolle in cloudbasierten Metadatensammlungen spielen, wenn sie ihre Kompetenzen kreativ bündeln. Bestände selbst werden weniger interessant sein, sondern es geht um die von Spezialbibliotheken disziplinenspezifisch geschaffene (Meta-)Daten. Das Modell der Universalbibliotheken beginn in diesen Cloudstrukturen zu schwächeln und die Modelle der Spezialbibliotheken können hier ihre Stärken ausspielen. artliberaries.net ist eher eine Bibliographie als ein Katalog und damit wird es wichtig, ein zunehmend scharfes Profil für diese Art von Gruppenkatalogen zu schaffen, um sich vom restlichen WorldCat abzugrenzen.

Der dritte Vortrag in dieser Runde kam von Birgit Schulte vom Fachinformationszentrum der Bundeswehr, die über die Fachinformationsunterstützung der Bundeswehr und dem damit verbundenen Zusammenschluss von (militärischen) Spezialbibliotheken berichtete. Sie wandelte das sehr bunte Bild der ASp-Tagung, Konfetti auf nasser Straße, ein wenig ab und zeigte es diesesmal camouflage-farbend.


In der Bundeswehr gibt es die Bibliothek des BMVgs, zwei Universitätsbibliotheken der Bundeswehr und dann den VErbund der Spezialbibliotheken in der Fachinfounterstützung der Bundeswehr (FachInfoUstgBw), welches aus der Zusammenlegung des Bibliotheks- und des Dokumentationswesens der Bundeswehr entsatnden ist. Zum FachInfoUstg hählen 58 Fachinformationseinrichtungen (FIEr), die hauptamtlich geführt werden. Diese selbst sind sehr heterogen was Auftrag, Fachprofil, Nutzerschaft angeht und somit auch was bibliotheksinterne Strukturen und Workflows betrifft. Zwei Einrichtungen besitzen dabei Sonderfunktionen, die eine ist das Fachinformationszentrum der Bundeswehr (FIZBw), welche die Verbundzentrale ist und dann die Archivbibliothek in Strausberg. Daneben gibt es Fachinformationsstellen (FISten) an Schulen und anderen Ausbildungseinrichtugenen, an höheren Kommandobehörden, an medizinischen Einrichtungen, an Ämtern der Wehrverwaltung und an Institutionen der Wehrtechnik und Beschaffung, Forschungseinrichtungen und zudem eine Museumsbibliothek. Die Größe der Bestände variiert von 5.000 bis 1.1 Millionen Medieneinheiten und genauso sieht es bei den Diensposten aus. Neben klassischen OPLs gibt es durchschnittlich FISten mit 2-4 Diensposten, die größte ist das FIZBw mit 54 Dienstposten. Bis auf FIZBw und die zentrale Archivbibliothek sind alles gebrauchsorientierte Bibliotheken mit einer lokalen Verortung. Die älteste Bibliothek besteht seit 60 Jahren, die jüngste wurde gerade vor einem Jahr neu gegründet. Das System der FIEr ist sehr dynamisch. Es gibt viele Fusionen, Umzüge, Bestandsverschiebungen innerhalb der verschiedenen FISten und Schließungen.
Die Arbeit der Bibliotheken zeichnet sich durch eine große Nähe zur Fachdokumentation und dem dienststelleninternen Wissensmanagement aus. Zudem haben ca. 30 FIEr auch noch eine integrierte Truppenbücherei, deren Bestände und Aufgaben sich mit der einer Öffentlichen Bibliothek vergleichen lassen. Zudem wurden seit 2011/12 viele Dienst- und Vorschriftenstellen an die Bibliotheken angegliedert.
Die Bibliotheken wurden zu einem Verbund zuammengeschlossen, aber anders als in den vorher genannten Beispielen geschieht die Zugehörigkeit zwangsweise, sobald es sich um eine Fachbibliothek mit einer hauptamtlichen Stelle handelt. Das FIZBw hat dabei die Rolle der Verbundzentrale und der konzeptionellen Weiterentwicklung.
Der gemeinsame Katalog beruht auf aDis/BMS der Firma a|stec und wurde von Beginn an von allen angeschlossenen Einrichtungen genutzt, so dass es wenige Redundanzen (Dubletten) gibt. Die Sacherschließung erfolgt kooperativ und nur ggf. können zusätzlich lokale Sacherschließungsdaten hinzugefügt werden. Grundlage ist ein eigener Thesaurus und eine eigene Klassifikation. Das FIZBw pflegt diese und macht auch für andere Bereiche des Geschäftsganges zentrale Vorgaben durch eine zentrale Redaktion. Zudem ist es Anbieter für die zentralen Schulungen. Ganz Bundeswehr liegt auch die Fachaufsicht beim FIZBw. Über den gemeinsamen Katalog wird auch der bundeswehrinterne Leihverkehr geregelt und des gibt auch eine zentrale Personalsteuerung, bei der das FIZBw beteiligt wird.
In diesem Sinne ist das FIZBw mit koexisitierenden Strukuren tätig, wie hierarchischer Aufgabenverteilung, kooperativen Lösungsansätzen und bereist festgefügten systemischen Strukturen. Dies macht die Arbeit in diesem Verbund nicht unbedingt einfacher.
Es gibt verschiedene Punkte die auf der Agenda stehen, so z.B. die Weiterentwicklung des OPACs, Durchführung von Nutzerumfragen, die bspw. in einen Leitfaden für dienststelleneigenes Bibliotheksmarketing führten, die Erstellung von Arbeitsanweisungen z.B. zur Verwaltung von Dienstvorschriften in aDIS/BMS oder Entwicklung von Strategien zur Präsentation/Inwertsetzung alter Bestände.
Im Verbund gibt es ca. 1x jährlich eine Jahrestagung, diverse projektbezogene temporär bestehende Arbeitsgruppen, eine aktive Kommunikation und Kooperation über die Social Media-Plattform des Wiki-Service Bw (Forum, FAQ, Online-Visitenkarten der Einrichtungen, Zugang zu den Arbeitsanweisungen, Projektorganisation etc.)
Nach innen gesehen geht es derzeit um die Entwicklung eines Modells der hybriden Bibliothek, Entwicklung kooperativer Formen von Erwerbung und Lizensierung, besserer Integration in IT-sicherheitsrechtliche und -technische Rahmenstrukturen der BW und deren Aufweitung im Sinne der Bibliotheken, Identifizierung der Fragen des künftigen Aufbaus und Organisation sowie neuer Services, Projekte (bspw. des BW-Wiki, Repositorienund des Wissensmanagements). Außerhalb der Bundeswehr soll eine größere Sichtbarkeit des Verbundes im Internet erreicht werden, u.a. durch eine aktive Teilnahme an der GND, durch ein Fachportal Militärwesen, durch die Öffnung bereits bestehender Services wie dem Recherchedienst und anderer dokumentatorischer Dienst und gemeinsame Vorhaben mit „zivilen“ Partnern. Eine Öffnung derzeit ist jedoch nur möglich, wenn es gelingt, entsprechende Synergieeffekte deutlich zu machen.

Nach dieser doch sehr hierarchisch organisierten Form der Zusammenarbeit folgte Jutta Reusch von der Internationalen Jugendbibliothek mit dem Forum der Spezialbibliotheken in Bayern (Artikel). Beim Forum handelt es sich um keinen Verbund, da dieses nicht institutionell organisiert ist. Es ist eher eine Art Arbeits- und Kommunikationskreis in enger Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbilbiothek. Die hohe Vielfalt und Vielfältigkeit der Bibliotheken zeigt sich bereits im Gründungsteam. Es geht im Forum um kollegialen Austausch und die Förderung der Sichtbarkeit. Dazu gibt es eine jährliche Zusammenkunft seit Gründung 2010.
Bereits vor der Gründung mussten einige Fragen geklärt werden. Welche Spezialbibliotheken sind gemeint. Alle Bibliotheken außer Hochschulbibliotheken und ÖBs? 120 Bibliotheken allein in Bayern waren dann doch zu viele. So wurden die Kriterien noch strenger. Es musste eine hauptamtliche Stelle geben und etwa 50.000 Medieneinheiten Bestand. Außerdem wurden Bibliotheken, die sich als reine Forschungsbibliotheken verstanden ausgeschlossen, sowie Firmen- und Behördenbibliotheken. Danach wollte man auch nur Bibliotheken zulassen, die Teilnehmer des Bibliotheksforums Bayern sind, aber dann entschied man sich doch zu öffnen und das Regionalitätsprinzip gelten zu lassen, da Nähe ein wichtiges Kriterium wurde.
Mai 2011 gab es die erste konstituierende Sitzung, Mai 2015 traf man sich bereits zum 6. Mal. Neben den Treffen gibt es zudem eine Mailingliste. Derzeit nehmen 20 Bibliotheken am Forum teil, deren Treffen sehr interaktiv beschrieben worden. Bereits im Vorfeld bereiten die teilnehmenden Bibliotheken Themen aus ihrem Themenfeld vor.
Beim Forum handelt es sich um regionale Komminkationsstrukturen. Es gibt keine Satzung. Ausschlaggebend sind auch hier gemeinsame Themen und Interessen. Die Themenvielfalt ist immens, von der Digitalisierung, Langzeitarchivierung, über Sacherschließung bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit, Bibliotheksmanagement bis hin zur Verknüpfung von Museums- und Bibliotheksdaten und den damit verbundenen sehr speziellen Anforderungen.
In der Zukunft will man in der Art weiterarbeiten, da sich die Konzeption des Forums als Arbeitskreis, als Netzwerk und Kommunikationsknotenpunkt bewährt hat. Der Teilnehmerkreis ist erweiterbar, einfach unverbindlich anfragen. Angestrebt wird zudem eine rotierende Besetzung des Organisationsteams und der Ansprechpartner.

Mit ziemlichen Zeitverzug wurden nun die Bibliotheken der politischen Stiftungen auf Bundesebene forgestellt.
Es gibt 6 parteinahe Stiftungen auf Bundesebene, für diese jedoch keinen Verbund oder eine Arbeitsgemeinschaft, was auch durch die sehr unterschiedlichen Strukturen und Ausstattungen der Bibliotheken verursacht sein kann. Die Bibliotheken selbst sind oft aus dem Archivwesen der Stiftungen hervorgegangen.
Jacques Paparo der Friedrich Ebert Stiftung (FES) stellte seine Bibliothek vor. FES unterstützt weltweit die Soziale Demokratie. Die zentrale Bibliothek befindet sich in Deutschland.
Bis 2013 war die Bibliothek der FES eine SSG-Bibliothek. Mit der Umwandlung von SSGs in Fachinformationsdienste fiel die jährliche Förderung weg. Daher kann die Bibliothek seit 2014 die graue Literatur der Parteien nicht mehr vollständig sammeln und setzt hier auf die Mitarbeit der anderen parteinahen Stiftungen für ihre jeweilige Partei. Die graue Literatur der Gewerkschaften wird weiterhin gesammelt. Alle Medien der FES-Bibliothek werden im WorldCat nachgewiesen.
Die FES hat über 100 Büros weltweit, die von der Bibliothek an den Standorten Bonn und Berlin mitversorgt werden müssen. Deren Literatur hat die Biblitohek nachzuweisen und zu sammeln. Die Bibliothek hat derzeit ca 1 Mio gedruckte und elektronische Medieneinheiten. Sie ist eine KOBV-Bibliothek und weist ihre Bestände in EREON, DBIS, der Europeana, dem KVK, WorldCat, dem W3-Kat des BVB nach. Bis 2013 hat die FES-Bibliothek möglichst vollständig die graue Literatur der Parteien und der Gewerkschaften gesammelt. Seit 2014 gilt bei den Parteien eine Einschränkung auf Literatur der Parteien der politischen Linken. Dazu kommen Sonderbestände u.a. vom DGB und der AWO u.a. Man ist sehr stark in der Zeitschriftendigitalisierung und kann derzeit auf ein Archiv von 12 Terrabyte schauen. Zudem werden Pressedienste v.a. der SPD und weitere Volltexteditionen gespeichert. Es wird ein Portal zur Arbeiterbewegung betrieben und diverse Bibliographien u.a. zu Veröffentlichungen der FES. Daneben beteiligt man sich an Dienstleistungen für die Wissenschaften, wie z.B. der Fernleihe.
Helmut Lenz sprach zur Bibliothek der Konrad-Adenauer Stiftung (KAS). Er meinte lächenlnd auf die Bemerkung von Paparo, dass nur 5% der Mitarbeiter der FES in der Bibliothek beschäftigt wären, dass mit ihm bereits 50% der Bibliothek anwesend seien und man somit die arme Schwester wäre. Die Bibliothek ist Teil der Abteilung wissenschaftliche Dienste und man sei Teil des Publikationsbereichs der KAS.
Schwerpunkt der Arbeit sind 2 Kataloge, zum einen der Gesamtkatalog zum anderen der Teilkatalog Digitale Bibliothek, bei dem man bis auf den Volltext zugreifen könnte, die in Repositorien der KAS liegen und für die man die URN-Verwaltung betreibt. Die Bestände sind ebenfalls über den WorldCat auffindbar. Neben grauer Literatur werden auch Aufsätze zur Christlichen Demokratie verzeichnet, diverse Auswahlbibliographien betrieben zu Politikern, zur Christlichen Demokratie, zur Sozialen Marktwirtschaft und seit 2013 auch ein Nachweis aller KAS-Veröffentlichungen). Zudem wird mit allen Abteilungen der KAS eng zusammengearbeitet, u.a. mit dem Geschichtsportal, für das man die CDU-Exil-Tageszeitung „Der Tag“ digitalisiert hat, welche just heute feigeschaltet wurde. Die Hälfte ist damit zugänglich. Der Rest wird personalabhängig nachgereicht.
Und als dritte Referentin in diesem Rahmen sprach Eva Sander vom Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung. Ein wenig ernst meinte sie, sie wäre die arme Schwester der KAS-Bibliothek, da mit ihr 100% der Bibliothek anwesend wäre. Die Bibliothek selbst in Teil der Abteilung Archiv, welche insgesamt aus Archiv, Bibliothek und Sammlungsbereich besteht. Vor 1990, vor dem Ausscheiden der Grünen aus dem Bundestag, war die Bibliothek bzw. ein Archiv gar nicht geplant gewesen. Erst durch Nutzeranfragen wurde es notwendig.
2001 ist die Bibliothek von Bonn nach Berlin gezogen und samelt seitdem graue Literatur, Verlagspublikationen zu den Grünen und Literatur über soziale Bewegungen, wie z.B. zur Anti-Atom-Bewegung. Bei der Bibliothek handelt es sich um eine Präsenzbibliothek mit 14.000 Medieneinheiten sowie die Sammlung der elektronischen Publikationen der Grünen und Nachlassbibliotheken. Die Bibliothek selbst ist ebenfalls eine KOBV-Bibliothek, nutzt aber kein Bibliothekssystem sondern FAUST eine Archivsoftware, die für die Bibliothek „hingebogen“ wurde.
Es lässt sich eine starke Änderung der Nutzung seit 1990 beobachten, so ist eine zunehmende Nutzung des Aktenbestandes zu verzeichnen, da die Grünen wohl nun Teil der zeitgeschichtlichen Forschung sind. Die Nutzung der Bibliothek beträgt nunmehr nur noch 1/3 der Nutzung des Gesamtarchivs.

Nach dieser Druckbetankung durch sehr interessante Beiträge, ging es mit etlicher Verspätung in eine verkürzte Kaffeepause.


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