DBIS – Google ist nicht alles

Seit März diesen Jahres ist die Hochschulbibliothek Neubrandenburg die 200 Bibliothek, die das in Regensburg entwickelte Datenbank-Infosystem (DBIS) in Betrieb genommen hat. Inzwischen sind es sogar schon 201 Bibliothek. Der Universitätsbibliothek Regensburg ist es gelungen, einen Internetservice zu schaffen, der mittlerweile in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgreich verwendet wird.

Das System unterstützt jetzt an 200 Standorten Studierende, Forschende und wissenschaftlich Interessierte bei ihrer zielgerichteten Literatur- und Informationsrecherche. Mit DBIS kann schnell und erfogreich relevante Literatur oder fundierte Fakten zu einem Thema ermittelt werden. Jeder informationskompetente Nutzer weiß, dass er solche Daten kaum so unkompliziert und vor allem schnell nur mit der Recherche bei Google hätte finden können, da die hier findbare Information zumeist aus fachspezifischen Literatur- und Fachdatenbanken stammt. Das riesige Angebot an solchen Datenbanken ist sehr unüberschaubar, auch sind nicht alle Artikel kostenfrei nutzbar. Gerade an solche Angebote kommt man mittels Google nur selten.

Der Regensburger Blibliotheksservice setzt genau bei dieser Lücke an. Der elektronische Wegweiser DBIS soll dem Informationssuchenden bei der riesigen Anzahl von Datenbanken helfen, die beste Informationsquelle für seine Fragestellung zu finden. DBIS inforrmiert auch auf einen Blick, ob eine Datenquelle kostenfrei im Internet verfügbar oder ob eine Nutzung nur an einem bestimmten Ort möglich ist.
Die Bibliotheken setzen DBIS nicht nur als Informationssystem für ihre eigenen Nutzer ein, sondern sie nutzen das Datenbank-Inforsystem für die kooperative Sammlung und Beschreibung der Informationsquellen. In wenigen Jahren wurde durch diese Zusammenarbeit eine der weltweit größten Datenbanksammlungen zusammengestellt.

Momentan umfasst das Datenbank-Infosystem 7756 Einträge. Davon sind 2665 Datenbanken frei über das Internet verfügbar.

Kein Wunder, dass DBIS bei den Nutzern beliebt ist. Dies zeigt sich beispielsweise in der Nutzerstatistik.

Allein im Jahr 2008 wurde mehr als sechs Millionen Mal eine Datenbank über diesen Service aufgerufen. Die intensive Nutzung spricht für die erfolgreiche Verwendung der Fördermittel, welche die Universitätsbibliothek Regensburg für den Aufbau und die Weiterentwicklung des Systems vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten hat.

Regensburg achtete beiDBIS auch auf eine größtmögliche Barrierefreiheit, wobei man sich an den Empfehlungen des W3C orientierte. Neben ein einer fast vollständigen Trennung von Layout und Inhalt wurde auf einen guten Kontrast geachtet (wobei hier gerade in Bezug auf den Text-Hintergrund-Kontrast noch einige Verbesserungsmöglichkeiten bestehen). Hervorzuheben ist die einfache Skalierbarkeit der Schriftgröße durch “Strg + Mausradbewegung”. Die DBIS-Website is zudem browserunabhängig gestaltet worden.

Der Sucheinstieg kann über einen einfachen Suchschlitz in der linken Navigationsspalte erfolgen, über eine erweiterte Suche und Browsingmöglichkeiten wie Erweiterte Suche einer Fachübersicht und einer Alphabetischen Liste. Einschränken lässt sich die Suche auf eine bestimmte Bibliothek und einer freien Verfügbarkeit im Web, lizenzpflichtigen Zugängen, kostenpflichtigen Pay-per-Use-Angeboten und den deutschlandweit frei zugänglichen Angeboten der DFG-geförderten Nationallizenzen.

Dieser Dienst wurde mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) von der Universitätsbibliothek Regensburg entwickelt.

Im Ganzen ist dies wirklich ein rundum gelungenes Informationsangebot. Eine einfache Hilfe für das eigentlich intuitiv zu nutzende System wäre vielleicht doch eine wünschenswerte Ergänzung und um zu wissen, welche Formen von Datenbanken (Volltexte, Referenzen, Fakten, Adressen, etc.) durchsucht werden und in DBIS erfasst sind, wäre eine Positivliste enthaltener Datenbankformen ein weiteres, hilfreiches Zusatzinformationsangebot. Wünschenswert wären allerdings Möglichkeiten zur Personalisierung, um beispielsweise bestimmte Suchanfragen und eigene nutzerspezifische Datenbankzusammenstellungen speichern zu können.

Quellen:

Informationen zum Datenbank-Infosystem (DBIS)
– Informationsseite zu Datenbank-Infosystem (DBIS)
Universität Regensburg: 930..Regensburg: Google allein reicht nicht aus auf Starblatt.net

Teilen

Ähnliche Beiträge

Stiftung finanziert Restaurierung Klausener Handschriften

Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, die in diesem Jahr vor allem die Bestandserhaltung von Handschriften fördert, unterstützt die alte Klosterbibliothek Klausen bei der Restaurierung wertvoller Manuskripte mit 8.500 Euro Fördergeldern.

Ministerpräsident Kurt Beck, Vorsitzender der Kulturstiftung und Kulturministerin Doris Ahnen erkennen damit auch die bisherige, größtenteils ehrenamtliche Arbeit für den Erhalt der wertvollen Bücher in der spätmittelalterlichen Klosterbibliothek aus dem 15. und 16. Jahrhundert an.

In den Schwerpunkt der Restauration fallen von den 1748 Bibliotheksbüchern aus sechs Jahrhunderten diejenigen Bücher, Handschriften und Drucke, die viele persönliche Notizen, Aufzeichnungen und Predigtenentwürfe enthalten. Später sollen diese Schriften dann in wechselnden Ausstellungen Bibliotheksbesuchern im passenden Ambiente – 18 heiligen Figuren an den Wänden und über 500 Jahre alten Malereien – vorgestellt werden.

Die Bücher waren in Vergessenheit geraten, denn nachdem 1802 das Kloster aufgelöst wurde, wurde auch die Bibliothek geschlossen. Die kostbaren Werke staubten ein, litten unter Feuchtigkeit und Kälte und werden jetzt wieder hergerichtet.

Ein Teil der Werke konnte bereits Dank Buchpatenschaften aufwändig restauriert werden. Zu den außergewöhnlichsten Stücken zählen drei Inkunabeln, die zwischen 1456 und 1500 entstanden sein sollen.

Die Augustiner Chorherren, die das Kloster 1456 gegründet hatten, verbrachten früher vier Stunden täglich damit, Bücher abzuschreiben.

Der Freundeskreis der alten Klosterbibliothek in Klausen sucht derzeit noch weitere Buchpaten.

Quelle:
Stiftung unterstützt Restaurierung Klausener Handschriften aus der Eifel – Zeitung

Teilen

Ähnliche Beiträge

Luxemburg läßt sich Chance nicht entgehen

Das Land Luxemburg hat sich diese einmalige Chance nicht entgehen lassen. Für 3,1 Millionen Euro erwarb man bereits im letzten Jahr ein Paket, welches die Bibliothek mit 3000 Büchern und das gesamte Archiv der Grafen von Ansemburg beinhaltet. Bücher und Archiv stammen aus dem 13. bis 18. Jahrhundert. Bei den Kosten für dieses Angebot blieb man sogar unter dem von internationalen Experten veranschlagten Schätzwert. Die Erben legt Wert darauf, dass die Sammlung zusammenhängend dem Großherzogtum erhalten bleibt und in die öffentliche Hand übergeht. Das wichtigste Buch in diesem Paket ist der “Codex Mariendalensis”.

Quelle
“Dies war eine einmalige Gelegenheit, die der Staat sich nicht entgehen lassen durfte”. Octavie Modert sur l’achat du “Codex Mariendalensis” et une politique offensive de sauvegarde culturelle, offizielle Seite der Regierung

Teilen

Ähnliche Beiträge

Ein Trend zum E-Book

Archivalia und das IBI-Weblog berichten bereits darüber. Auch der Deutschlandfunk hat es schon von den Dächern gepfiffen: In Würzburg an der Universitätsbibliothek gibt es demnächst – finanziert aus Studienmitteln – mehr E-Books für die Studenten.

Heutzutage zu studieren, geht ins Geld. […] Rechtzeitig zum Weihnachtsfest macht die Universität Würzburg ihren Studenten daher ein “Geschenk”: 500 Lehrbücher, die statistisch am häufigsten ausgeliehen werden, gibt es bis zu den Feiertagen in elektronischer Form.

Die Universitätsbibliothek scannt die statistisch am häufigsten entliehenen Bücher ein und stellt sie den Studierenden elektronisch zur Verfügung. 💡
Dazu nutzt man den § 52b UrhG.

Dieser Paragraph erlaubt es zum ersten Mal innerhalb einer wissenschaftlichen Einrichtung elektronisch Gedrucktes bereitzustellen. Die Universitätsbibliothek sieht darin einen Freibrief fürs Digitalisieren. Wer allerdings hofft, jetzt aus dem Internet darauf zugreifen zu dürfen, muss sich enttäuschen lassen. Diese nachträglich zu E-Books umgewandelten Werke dürfen laut der Regelung des Paragraphen nur in den engen Räumlichkeiten an PCs vor Ort genutzt werden. Und mit rund 70.000 € aus Studienmitteln ist das auch kein billiges Weihnachtsgeschenk, dass hier den Studenten gemacht wird.

Ach ja, apropos Urheberrecht. Sich das Werk einfach herunterladen oder komplett ausdrucken – zweite Variante beim Palandt eine zeitaufwendige, teure und unnütze Lösung – funktioniert nicht.

Der Leiter des Projekts, Hans-Günther Schmidt dazu:

“Sie können ausdrucken, sie können Teile davon herunterladen. Der ganze Text – das wird wohl nicht gelingen. Wir haben verschiedene technische Sicherungen drin, so dass das ganze Buch, wie es das Urheberrecht auch vorsieht, nicht heruntergeladen werden kann…”

Ach ja, da war ja was. Das hört sich doch glatt nach DRM an. Wo bleiben die entrüsteten Schreie derjenigen, die Digital Rights Managment verteufeln? Es ist okay, denn das Projekt an sich bietet noch einige Risiken und auch den Wünschen der Verlage muss man Rechnung tragen.

Ich finde es auf den ersten Blick jedoch eine gute Sache, ein guter Anfang, wenn auch einige Einschränkungen, die durch §52 b UrhG gegeben sind und diesen Fortschritt erheblich eindämmen. Hoffen wir mal, dass die so angefertigten Scans die Bibliothek in den Köpfen oder auf Papier verlassen und nicht hinein in die bunte digitale Welt des Internets gelangen, damit sich Aufwand, Mut und dieser kleine Fortschritt auch lohnen.

Teilen

Ähnliche Beiträge

Die mittelbare Zukunft von Bibliotheken

Der Bayerische Rundfunk hat gestern in seiner Sendung IQ – Wissenschaft und Forschung über die mittelbare Zukunft der Bibliotheken berichtet.
Holger Behrens, Geschäftsführer der Firma DiViBib und Experte für virtuelle Bibliotheken beschreibt die heutige Situation und Aufgaben von Bibliotheken wie folgt:

“Jahrhunderte lang hatten die Bibliotheken ein Monopol: Sie waren die Institution, an die man sich wandte, um Antworten auf eine Frage zu recherchieren. Heute schauen Schüler erst mal bei Google nach. Das ist Alltag. Die Bibliotheken müssen in so einem Szenario Antworten geben, um ihrer Aufgabe weiter gerecht zu werden.”

Ergebnis:

  • Bibliotheken müssen uptodate bleiben mit der Form ihres Angebotes, da ihnen dort sonst Entleiher wegbleiben, z.B. Online-Angebote bei Musik und Film
  • Bibliotheken müssen damit rechnen, dass 40 % der Bücher 2020 nur noch elektronisch vorhanden sein werden. (Heisst das, die Naturwissenschaften produzieren nur noch elektronisch, da die Geisteswissenschaften vermutlich so schnell ja nicht ihre Publikationsstrukturen ändern werden?)
  • Bibliotheken benötigen Visionen:

    [Der Nutzer, A.d.V.] muß seinen Arbeitsplatz nicht mehr verlassen, um zu recherchieren, kann online das Inhaltsverzeichnis von Büchern und Zeitschriften einsehen und das Buch gleich online via Internet lesen, ohne die Bibliothek auch nur betreten zu müssen.

  • Bibliotheken und insbesondere die Forschungsbibliotheken müssen sich dem Mammutprojekt stellen, ihre Bestände komplett zu digitalisieren. 😕
  • Und Stadtbibliotheken, aufgepasst, Onleihe wird eure virtuelle Konkurrenz. – Gut, darauf muss man noch ein Weilchen warten, weil die Verlage nur so langsam anfangen, sich in die digitale Welt hineinzutrauen. So lange ist die Onleihe wohl nur eine “noch bezahlbare” Ergänzung des Bestandes.

Digital alleine wird aber auch in diesen Fällen nicht reichen. Bibliotheken haben kein “Monopol auf Informationsversorgung” mehr. Sie müssen sich ihre Nischen suchen und gerade die Stadtbibliotheken müssen auch aktiv Konkurrenz sein für ein Überangebot an Freizeitgestaltungsmöglichkeiten.

Es ist schön, dass so langsam auch in den Medien der Trend der Bibliotheken ankommt, dass sie (sich) mausern, dass aus der reinen “Buchausgabestelle” ein “Kompetenzzentrum für lebenslanges Lernen” wird, welches mit Schulen und Volkshochschullen kooperiert, welches literarische Krabbelgruppen für Mütter mit Kleinkindern anbietet und aus lesenden Senioren mit “Kursen für kreatives Schreiben” neue Autoren macht. 🙂

Egal wie virtuell die Bibliothek von morgen also auch sein wird – der Ort selbst, die “gemauerte Bibliothek” verliert dadurch nicht an Bedeutung. Sie hat eine zweite Chance: als Ort der Begegnung und als “kulturelles Kraftwerk”.

Quellen:
Spließ, Christian: Zukunftsvisionen für Bibliotheken via Netbib Weblog
Schramm, Martin: Digital oder geschlossen? Die Bibliotheken der Zukunft

Teilen

Ähnliche Beiträge

Alte deutsche Bibliotheksbestände in Georgien entdeckt

Einem Fernsehteam des mitteldeutschen Rundfunks (MDR) gelang bei Recherchen in der georgischen Hauptstadt Tiflis eine sensationelle Entdeckung: ein Geheimarchiv mit Beutekunst aus Deutschland:

In einem bunkerähnlichen Gebäude in Tiflis (Georgien) befänden sich mehrere tausend, teils uralte Bücher aus Deutschland von unschätzbarem Wert, teilte der MDR gestern mit. Darunter seien auch Bände aus der Leopoldina in Halle (Sachsen-Anhalt).

Die Bücher aus dem Zeitraum 1477 bis 1940 seien nach Angaben des MDR in einem sehr schlechten Zustand (Feuchtigkeit, Schimmel).
Zu dem Fernsehteam gehörte auch ein Mitarbeiter des Berliner Kurier, der gestern ebenfalls über den Fund berichtete.

via mdr und ORF

Teilen

Ähnliche Beiträge

EU-Bibliotheksrat erkennt eine Notwendigkeit

Der Europäische Bibliotheksrat hat verstanden, das vergriffenen und verwaiste Werke zugänglich bleiben müssen. Im Rahmen der Initiative Digitale Bibliotheken” wurde der Bibliotheksrat neu eingesetzt. Er legte in Brüssel eine Reihe von Vorschlägen für die digitale Konservierung urheberrechtlich geschützter Werke vor und entwarf Modell-Lizenz für den Zugang zu vergriffenen Werken.
Die Verwendung verwaister Werke, bei denen auch nach gewissenhafter Recherche ein Urheber und Rechteinhaber nicht ermittelt werden konnte, sollen nach dem Bericht einer Arbeitsgruppe Urheberrecht des Bibliotheksrates, sowohl kommerziell als auch nicht-kommerziell genutzt werden dürfen.
Für die Nutzung dieser Werke empfielt der Bibliotheksrat auf die Kompatibilität und übereinstimmende Grundprinzipien zu achten.

Nach Ansicht des Bibliotheksrats sollte […] unter anderem klar definiert werden, was unter “gewissenhafter Suche” zu verstehen ist und wann ein potenzieller Nutzer diesem Anspruch genüge getan hat.

Ermert, Monika: EU-Bibliotheksrat will vergriffene und verwaiste Werke zugänglich machen via heise online

Teilen

Ähnliche Beiträge
1 27 28 29