Typisierung der Internetnutzer

Ich liebe Typisierungen. Man kann so ein unheimliches Identifikationsgefühl mit einer oder keiner der dort beschriebenen Typen aufbauen oder andere bequem in Schubladen stecken. Die Netzeitung gibt hier einmal mehr eine Steilvorlage.

Das US-amerikanische Pew-Institut hat zwei Umfragen mit jeweils 1500 bis 2000 erwachsenen Teilnehmern genutzt, um eine Typologie von Computer-, Internet- und Handy-Nutzern zu entwickeln. Die Umfragen wurden Dezember 2007 abgeschlossen und die Ergebnisse nun im März 2009 präsentiert. Nach dieser Studie lassen sich zehn verschiedene Einstellungen zum Umgang mit digitaler Technik und Interternet unterscheiden.

Überraschend für Meinereins, die das Gefühl hat, ohne Internet und Information nicht auszukommen, sind die beiden größten Gruppen in der Bevölkerung der USA. Mit jeweils 14 Prozent schlagen hier “Drifting surfers” (Gelegenheitssurfer) und “Off the Network” (Internetabstinenzler) zu Buche. Allerdings liegen auch die anderen Kategorien dicht beieinander. Ziehen wir also einma die einzelnen Schubladen auf und schauen, was sich darin so verbirgt.

1. “Digital Collaborators” (Digitale Mitarbeiter) – 8 %

Der Digitale Mitarbeiter ist stolzer Besitzer der meisten elektronischen Geräte und hat die umfangreichsten Kontakte im Netz. Er nutzt das Internet für die Zusammenarbeit mit anderen, zum Ausleben seiner Kreativität aber auch als reines Unterhaltungsmedium. Er ist aber nicht nur reiner Konsument, sondern veröffentlicht darin auch eigene Beiträge. Innerhalb dieser Gruppe befinden sich 56 Prozent Männer, alledings liegt das Durchschnittsalter bei 39 Jahren.

2. “Ambivalent Networkers” (Ambivalente Netzwerker) – 7 %

Dieser Ambivalente Netzwerker nutz das Internet ebenfalls intensiv, ohne dabei jedoch so enthusiastisch wie der Digitale Mitarbeiter zu sein. Der Netzwerker engagiert sich aktiv in Online-Netzwerken, aber ist eher wie Großstandjunkies getrieben von der Angst, er könnte sonst etwas verpassen. Er nutzt am intensivsten mobile Geräte für die Datenverbindung und sieht in der Technik eher eine Verpflichtung. Hier ist die Rate der Männer bei 60 Prozent und mit durchschnittlich 29 Jahren ist der Ambivalente Networker der Jüngste.

3. “Media Movers” (Medienschieber) – 7 %

Dieser “Medienschieber” dealt mit neuen Informationen, die er überall im Netz sammelt und an andere weitergibt. Seine Hauptroute im Netz bewegt sich entlang von Nachrichten-Portalen und Seiten für spezielle Interessen. Er outet sich duch die ständige Weitergabe von Links zu Artikeln und Videos. Seine mobilen Geräte nutzt er für Text- und Bildmitteilungen und steht jederzeit für Anrufe bereit, um so interessante Informationen zu erhalten. Auch hier überwiegt mit 56 Prozent der männliche Mediendealer. Mit 34 Jahren ist diese Gruppe durchschnittlich gesehen die zweitjüngste.

4. Roving Nodes (Herumtreiber) – 9 %

Die Herumtreiberin nutzt das Internet sehr selektiv und zweckgebunden. Dabei ist sie eher eine Informationskonsumentin und weniger als die vorhergehenden Typen in Online-Netzwerken zu finden. Mobile Geräte nutzt sie für SMS oder E-Mail, wobei für sie die Mail an sich die wichtigste Pforte zum Internet ist. Ausgestattet mit einem E-Mail-Programm, einem Browser und einem SMS-fähigen Handy ist sie zufrieden. Mit einer Sicherheit von 56 Prozent ist dieser Typus weiblich. Das Durchschnittsalter liegt mit 39 Jahren unter der Angstgrenze von 40. 😉

5. Mobile Newbies (Mobile Anfänger) – 8 %

Sie gibt es auch noch. Ihr reicht das Handy, um den Kontakt zu anderen zu halten. Das Gespräch mit anderen ist ihr dabei am wichigsten, wenn sie auch gelegentlich mal eine SMS versendet. Internet ist für sie nur eine Randerscheinung, denn neue Technik ist etwas verstörendes. Warum braucht man da eine Breitbandverbindung, fragt sich mehr als die Hälfte der Gruppe. 55 Prozent sind Frauen und das Durchschnittsalter ist mit 55 Jahren auch relativ hoch.

6. Desktop Veterans (Desktop-Veteranen) – 13 %

Der alte Hase nutzt das Internet um Informationen zu besorgn und Kontakte zu pflegen. Das Handy hat für sie kaum Bedeutung, höchstens als Telefon für Gespräche. Mit 55 Prozent sind die alten Hasen männlich, natürlich verheiratet (72 %) und er ist durchschnittlich 46 Jahre alt.

7. “Drifting Surfers” (Gelegenheitssurfer) – 14 %

Die Gelegenheitssurferin besitzt die nötige Technik, um im Internet zu surfen, nutzt diese aber nur durchschnittlich. Sie braucht es gar nicht, jeden Tag ins Netz zu gehen. Für sie interessant sind nur die Schlagzeilen und ihr E-Mail-Verkehr. Die schöne Web 2.0-Welt interessiert sie nicht. Der Gelegenheitssurfer ist zu 56 Prozent weiblich und durchschnittlich 42 Jahre alt.

8. Information Encumbered (Informationsrückständige) – 10 %

Es gibt ihn, den Informationsrückständigen, der zwar Internetzugang und Handy besitzt, sich aber kaum für Informationen interessiert. Er schreibt E-Mails, liest auch ab und zu mal eine Nachricht, aber am ehesten geht er eine eher weiblichen Beschäftigung nach – dem Online-Shopping. Der Anteil von 67 Prozent Männern ist sehr hoch und das mittlere Alter liegt bei 53 Jahren.

9. Tech Indifferent (Gleichgültige) – 10 %

Die Gleichgültige interessiert sich nicht fr digitale Geräte und geht kaum und nur unregelmäßig ins Netz. Statt Handy nutzt sie für ihre Telefongespräche ds Festnetz. Eine SMS hat sie vielleicht schon mal verschickt, aber sicher ist das nicht. Etwa 55 Prozent ist weiblich und das mittlere Alter beträgt 59 Jahre.

10. Off the Network (Internet-Abstinenzler) – 14 %

Die Abstinenzlerin besitzt weder einen Internetzugang noch ein Handy. Wenn sie als Minderheit unter den Abstinenzlern einen Computer besitzt, ersetzt er eher die Schreibmaschine. Es heißt nicht, dass sie das Netz nicht kennt, aber es besaß keine Priorität, um entweder einen defekten PC zuersetzen oder sich genauer damit zu beschäftigen. Mit 57 Prozent sind die Abstinenzler zumeist Frauen und das Durchschnittsalter ist mit 67 Jahren das höchste.

Wiedergefunden? Zumdindest zählen Sie dann nicht zur Gruppe 10, die so ein Beitrag wohl kaum interessieren würde.

Quelle:
Jesdanun, Annick: Von Desktop-Veteranen und Netz-Abstinenzlern in der Netzeitung

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[Studie] Deutschland Digital Divide

Die Zahl von 58 Prozent, die laut BAT-Studie “hartnäckig online-abstinent” bleiben, ist erschreckend. In dieser Studie hat der Internetkritiker Opaschowski die “Offliner” genau untersucht. Danach sind Alte und Hauptschüler weiterhin von der Informationsgesellschaft ausgeschlossen.
Der Anteil privater Internetnutzer hat sich seit 1999 von 16 % auf 42 % im Jahr 2008 mehr als nur verdoppelt. Das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass 58 % nie im Internet sind.

71 % der 14- bis 29-Jährigen surfen mindestens einmal in der Woche im Internet, wobei das bei 27 % allerdings Zeit zum Bücherlesen kostet.

Bei dieser repräsentativen Umfrage der BAT Stiftung für Zukunftsfragen (British American Tobacco) wurden 2.000 Menschen ab 14 Jahren nach ihren Mediengewohnheiten gefragt. Das Ergebnis der Studie wurde heute in Hamburg vorgelegt.

Die meisten Bundesbürger (58 Prozent) sind demnach weiterhin “nie” im Internet, bei der Generation der über 55-Jährigen sind es laut Studie sogar 83 Prozent. Horst W. Opaschowski, der wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung: “Die elektronischen Datennetze liegen voll im Trend, aber privat liegen die meisten Bundesbürger lieber vor dem Fernseher auf der faulen Haut.”

Ein wenig zu erwarten war wohl, dass die Bildung bei der digitalen Spaltung – das Interesse an Informationen – eine entscheidende Rolle spielt, wobei die Bessergebildeten auch im Internet besser klarkommen, da der Umgang mit den neuen Informationstechnologien Bildung, Wissen und Können voraussetzt. Damit sind Einstiegshürden für viele Bürger einfach zu hoch. Hier müssen Bibliotheken sich engagieren, doch funktioniert das wohl nur mit guten Konzepten, die nicht nur im Rahmen des lebenslangen Lernens anzusiedeln sind. Ein Einstieg können hier die Unterhaltunsangebote des Netzes sein. Ich denke, wer sich in seinem Freizeitvergnügen hier mit Spass und Freude sicher zu bewegen lernt, kann vieles davon auch dann anwenden, wenn es um ernstere Dinge geht. Die Bahn beispielsweise ist ja nicht das einzige Unternehmen, dass verstärkt auf deen Interneteinsatz drängt.

Quelle
Die meisten Bundesbürger sind nie im Internet:x: via golem.de

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Afrika und der Digital Divide

Erschreckend sind die Zahlen schon, wenn man liest, dass in Afrika nicht mal 4 % über einen Breitband-Internetanschluss verfügen. Wie soll in diesem Moment Forschung, Lehre, Lernen möglich sein? Ziel ist daher, bis 2012 1/3 der Bevölkerung mit einem solchen Internetanschluss zu versorgen.

Quelle: Waters, Darren: Africa waiting for net revolution:engl: , BBC News

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