[Adventskalender] 03.12.2019 – Emmy Ball-Hennings

Ball-Hennings, Emmy (* 17. Januar 1885 in Flensburg; † 10. August 1948 in Sorengo bei Lugano) gemeinfrei seit 2019

DIE STILLE FEIER


Die stille Feier wacht in mir.
Ich bin ein Fest.
Fest aller Grazien, hauset hier
Restloser Rest?

Wie trat ich durch den Laubengang
Der Schönheit ein?
Geht Freiheit durch den Zauberzwang
Gelassensein?

Verlassensein, du einzig Loos,
Wo wohnest du?
Fall ich so nackt, fall ich so bloß
Dem Schatten zu?

Laß mich allein, o Einsamkeit.
Will fragen nicht.
O aller Seelen Himmelweit,
Du Lichtgedicht …

Quelle

Ball-Hennings, Emmy: Helle Nacht : Gedichte, Berlin : Reiss, 1922, S. 72; https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:31-107615 [Online-Ausgabe: Karlsruhe : Badische Landesbibliothek, 2019 unter CC BY-SA]

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[Adventskalender] 02.12.2019 – Egon Erwin Kisch

Egon Erwin Kisch (29. April 1885 in Prag; gestorben 31. März 1948) wurde 2019 gemeinfrei.

TAGEBUCHAUFZEICHNUNGEN WEIHNACHTEN 1939

Egon Erwin Kisch, 1931 via Wikimedia Commons

Samstag, den 23. Dezember 1939. – Bin wieder Gefangener auf dem Schiff. Meine Kabine ist abgesperrt. Durchs festgeschraubte Bullauge sehe ich die Neue Welt, der ich vierzehn Tage, Kriegstage lang auf der “Pennland”, Holland-Am.-Line, entgegenfuhr, langsam durch Minenfelder, rasch einem gesunkenen torpedierten Griechenkargo “Germaine” zu Hilfe, und schaukelnd in einer besonders stürmischen See. Das ärgste war die Kontrolle durch die englischen Behörden in Southampton, die freilich nur mich betraf. Sie verpatzten mir den Paß durch ein ostentatives Landungsverbot, obwohl ich weder landen wollte noch konnte, und erhöhten die Wahrscheinlichkeit dessen, was bisher nur leichte Möglichkeit war: Landungsverbot in Amerika. Dennoch ließ ich mir’s gut gehn, “verlobte” mich mit der Bochumerin Hilde Markus und spielte mit Kindern. Daß mein Koffer aus unerfindlichen Gründen nicht an Bord gekommen war, focht mich wenig an. Erst heute, als die Freiheitsstatue und die Felsenlandschaft der Wolkenkratzer an uns vorüberschwamm, meldete sich die Krankheit wieder, die ich vor jeder Grenze zu überstehen habe: die Grenzenkrankheit. Mit dem Pilotenschiff kamen die Reporter und Leonard Mins namens der Guild of American Writers. Der Immigration Officer sagte, mein Paß sei nicht in Ordnung, denn ein chilenisches Visum aus Paris genüge nicht für ein Durchreisevisum nach Amerika, obwohl es dem Amer. Generalkons. in Paris genügt hatte. Ich müsse eines vom chilenischen Konsulat in N. York haben. Während er mit mir sprach, zeigte ihm ein Beamter einen Zettel, ohne Zweifel etwas über mich. “Ich weiß”, sagte er. Ich muß also aufs “Island” -.Euphemismus für EIlis Island, die Insel der Tränen. Aber die EIlis Island ist komplett, die Mannschaft des deutschen Passagierdampfers “Columbus”, der sich vor drei Tagen in die Luft sprengte, ist dort untergebracht, 1000 Mann. Deshalb müssen wir auf der “Pennland” bleiben, aber das ist die “Pennland” nicht mehr. Bis jetzt waren Sie unsere Gäste, jetzt sind Sie unsere Gefangenen – sagte ein Steward, und sie ließen es uns fühlen. Außer mir sind ihrer acht Personen da, und sie haben gebeten, morgen soll kein Fleisch serviert werden. Die Mehrheit deshalb, weil morgen Assarah Betewet ist, ein jüdischer Festtag, die verschwindende Minderheit, weil morgen Weihnachtstag ist. Aus der versperrten Kabine sehen wir die Hoboken Docks der Holland-America und der Gdynia-Am.-Line, 6 street, ferner rechts die Skyscrapers. Zeitungen haben wir bekommen, Weihnachtsnummer optimistischen Inhalts, auch daß ich gestern gelandet bin, steht darin. Brief von Weiskopf, Paket von Joris Ivens, Grete und F. F. c., Telegramme von Klaus und Erika Mann aus Princeton.

Weihnachten und Sonntag, 24. 12. 1939. Nachts in der versperrten Koje, tags in der Lounge, Langeweile und Sorge. Draußen denken Freunde an mich, aber dürfen mich nicht besuchen. Hanns Eisler und Reni telegrafieren, sie erwarteten mich mit Ungeduld. Was ist das aber gegen die meine, [die hoffnungslos ist.] – Abends gibt der Purser eine Runde Bier aus für uns, my turn ist Trude Klare.
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Mehr (oder minder) bibliothekarische Adventskalender 2019 …

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Hallo liebe Leserinnen und Leser, die 11. Ausgabe dieser zur Adventszeit unverzichtbaren Liste musste natürlich auch 2019 zusammengepuzzelt werden. In der Zusammenstellung gibt es wieder mehr (oder minder) bibliothekarische Adventskalendern und wie in jedem Jahr gibt es alte Bekannte und völlig neue Kalender.

Die Liste wird auch diesesmal bis zum 07.12.2018 immer wieder aktualisiert. Gerne natürlich können Sie auch wieder fehlende Kalender per E-Mail: boehner [at] bibliothekarisch.de, über Twitter (@bibliothekarin) oder hier in den Kommentaren melden. Sie werden dann abends noch ergänzt.

 Übrigens, das sind meine Favoriten. | Besonders bemerkenswert. | neu Dieses Jahr neu dabei.


Gesamt: 304


Der diesjährige 11. Adventskalender bei Bibliothekarisch.de schaut sich bei inzwischen gemeinfreien Autorinnnen, Autoren, Illustratoren und Illustratorinnen um, was es da Weihnachtliches zu entdecken gibt. Von nachdenklich bis heiter sind die Türchen des Adventskalenders 2019 gefüllt.

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[Adventskalender] 01.12.2019 – Gertrud Caspari, Theodor Storm

Hans Theodor Woldsen Storm (* 14. September 1817 in Husum, Herzogtum Schleswig; † 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen) gemeinfrei seit 1959.
Illustrationen von Gertrud Caspari (22. März 1873 in Chemnitz; † 7. Juni 1948) gemeinfrei seit 2019.

Knecht Ruprecht

Knecht Ruprecht, Ill. Gertrud Caspari, In: Kinderhumor für Auge und Ohr. Herausgegeben vom Jugendschriftenausschuß des Leipziger Lehrervereins. Alfred Hahns Verlag, Leipzig [1919] – Digitalisat: UB Oldenburg: DFG-Projekt “Digitalisierte historische Kinderbücher”

Von drauß` vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldne Lichtlein blitzen
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
da rief´s mich mit heller Stimme an:

“Knecht Ruprecht”, rief es, “alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
alt und jung sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruh,.
und morgen flieg´ ich hinab zu Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!”

Ich sprach: “ O, lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo´s eitel gute Kinder hat.”
– “Hast denn das Säcklein auch bei dir?”
Ich sprach: “Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.”
– “Hast denn die Rute auch bei dir?”
Ich sprach: “Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten!”
Christkindlein sprach: “So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!”

Von drauß`, vom Walde komm` ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich`s hierinnen find`!
Sind´s gute Kind`, sind´s böse Kind`?

Storm, Theodor: Knecht Ruprecht, In: Kinderhumor für Auge und Ohr. Herausgegeben vom Jugendschriftenausschuß des Leipziger Lehrervereins. Alfred Hahns Verlag, Leipzig [1919] – Digitalisat: UB Oldenburg: DFG-Projekt “Digitalisierte historische Kinderbücher”

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Weihnachtlicher Start in den 1. Bibliotheksstammtisch Jena #BibStaJ


Liebe Kolleginnen,
liebe Kollegen,
liebe Bibliotheksinteressierte,

spontan, ohne große Terminumfrage, heben wir den 1. BibStaJ (BibStammtischJena) aus der Taufe.

Wann:
04.12.2019, ab 18.00 Uhr und bleiben, bis wir alle weg sind

Wo:
Hanfried auf dem Weihnachtsmarkt von Jena (Markt).

Ziel:

  • Kennenlernen,
  • wer mag, einen oder zwei Glühwein schlürfen und
  • was uns sonst noch einfällt.

Es braucht eine kurze Absprache, wie es weitergehen soll, wenn wir zu Wiederholungstätern werden wollen wie die Kolleginnen und Kollegen in Bonn (#BibStaBN) und Hamburg (#BibStaHH).

Disclaimer
Bibliotheken können Thema sein, müssen es aber nicht! Und es ist keine Pflicht, aus Jena zu stammen oder hier zu arbeiten. Es geht um Austausch über Themen, die interessieren.

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Berufsspezifische Schimpfwörter

ClaudiusL hat mit seinem Tweet vom 05.11. eine lustige Diskussion losgebrochen:

Bibliothekarische Schimpfwörter Archivarische Schimpfwörter

Aus den Antworten: Aus den Antworten:
Hinweis über Netbib Hinweis über Archivalia

Also lieber Berufsstand, ich glaube, da geht noch mehr 😀

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Studiengang Informationswissenschaften an der HdM

Was verbirgt sich dahinter? Studenten und Studentinnen des Studienganges kommen zu Wort.

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Datenvisualisierung: Die meistbesuchtesten Websites von 1996-2019

Beeindruckende Zahlen, beeindruckende Visualisierung, und nich nur ich war von diesem Video “beeindruckt”.

von: Data Is Beautiful

via:
Kraftfuttermischwerk
digithek blog (zkbw)
Archivalia
Dressed Like Machines
Gründerszene.de

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