[Adventskalender] 24.12.2019 – Frances Hodgson Burnett

Frances Hodgson Burnett (* 24. November 1849 in Manchester, England; † 29. Oktober 1924 in Plandome, New York; gebürtig Frances Eliza Hodgson) gemeinfrei seit 1995.

Der Kleine Lord

Verfilmung von 1936

Das gesamte Buch in Übersetzung von Emmy Becher (1854 – 1922) kann auf LibriVox gehört bzw. als Hörbuch auch heruntergeladen werden.

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[Adventskalender] 23.12.2019 – Christian Morgenstern

Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern (* 6. Mai 1871 in München; † 31. März 1914 in Untermais, Tirol, Österreich-Ungarn), großteils gemeinfrei seit

Das Weihnachtsbäumlein

Christian Morgenstern, 1910 via Wikimedia Commons


Es war einmal ein Tännelein,
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:

Das war am Weihnachtsfest so grün,
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stand’s im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
Die grünen Nadeln war’n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm –
hei! tat’s da sprühn und funkeln!
Und flammte heim- und himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

Quelle:

Morgenstern, Christian: Gedichte – Verse – Sprüche, Eurobuch || Eurobooks, 1998, S. 348

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[Adventskalender] 21.12.2019 – Otto Roquette

Otto Roquette (* 19. April 1824 in Krotoschin bei Posen; † 18. März 1896 in Darmstadt) gemeinfrei seit 1967.

Deutsche Weihnacht

Ueber dem Schnee in der heiligen Nacht
Funkelt das Sternengeleite.
Fern in Frankreich auf einsamer Wacht
Schaut der Soldat in die Weite.

Weit, so weit ist der Sternenraum,
Weit, wie die Lieb’ ohne Schranken!
Heimathlichter am Tannenbaum
Geh’n ihm durch die Gedanken.

Mutteraugen und Jugendlust,
Kinderlachen und Singen –
Leuchtend geht’s ihm auf in der Brust,
Will ihm das Auge bezwingen.

Kalt und eisig schneidet der Wind,
Horch! Was schwirrt durch die Bäume?
Weg von der Stirn, vom Auge geschwind
Streicht er die fremden Träume.

»Dank dir, du fränkischer Winterhauch,
Der mir pfeift um die Ohren!
Hier wird in heiliger Weihnacht auch
Neu uns die Liebe geboren.«

»Treue Brüder von Süd und Nord
Steh’n auf dem Posten wir Alle.
Deutschland hoch! sei mein Jubelwort,
Ob ich heut, ob ich morgen falle!«

Lautlos schimmert die heilige Nacht,
Still ist’s droben und nieden.
Schütze dich Gott, du treue Wacht,
Bring’ uns den Sieg und den Frieden!

Quelle:

Roquette, Otto: Deutsche Weihnacht, In: Gedichte.- 3. veränderte und vermehrte Auflage; J.G. Cotta, 1880.- S. 135-136.
Digitalisat Google Books

 

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[Adventskalender] 18.12.2019 – Paula Dehmel

Paula Dehmel (* 31. Dezember 1862 in Berlin als Paula Oppenheimer; † 9. Juli 1918 in Steglitz b. Berlin) gemeinfrei seit 1989.

Weihnachtschnee

Paula Dehmel via Wikimedia Commons


Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
Es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
Und bäckt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
Sonst nehmt den Operngucker:
Die große Himmelsbüchse, seht,
Tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut – die Kuchen sind schon voll –
Er streut – na, das wird munter:
Er schüttelt die Büchse und streut und streut
Den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder sperrt die Mäulchen auf,
Schnell! Zucker schneit es heute;
Fangt auf, holt Schüsseln – ihr glaubt es nicht?
– Ihr seid ungläubige Leute!

Quelle:

Dehmel, Paula: Das liebe Nest: Gesammelte Kindergedichte, Leipzig, E. A. Seemann, 1919. Vollständige Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2016. S. 53
Zugriff über Google Books

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[Adventskalender] 17.12.2019 – Else Ury

Johanna Else Ury (* 1. November 1877 in Berlin; ermordet am 13. Januar 1943 im Konzentrationslager Auschwitz) gemeinfrei seit 2014.

Weihnachtsabend fern der Heimat

Buchcover der unter dem Text erwähnten Ausgabe von Nesthäkchen im Kinderheim, o.J.

Nun endlich kam die Bescherung für die Bewohner der Villa. Die Kinder konnten es schon gar nicht mehr erwarten. Als die Weihnachtsklingel erklang und die Türen zum Zimmer der Frau Kapitän, das die Zöglinge sonst nur selten betraten, sich öffneten, wagten sie sich zuerst nicht näher. Viele Tischchen standen in dem geräumigen Zimmer, und auf jedem flammte das selbstgeputzte Weihnachtsbäumchen. Ganz anders als zu Hause sah es aus und doch – als Fräulein Mahldorf am Klavier jetzt »Stille Nacht, heilige Nacht« anschlug, und alles mit heller Stimme einfiel, da hatte kein Kind das Gefühl, in der Fremde zu sein. Dasselbe Lied sangen jetzt die Eltern und Geschwister daheim, die Klänge des Weihnachtsliedes verbanden sie mit ihren Lieben in der Ferne.

Kaum war der letzte Ton verzittert, so war auch kein Halten mehr. Ein jedes stürzte zu seinem Tischchen, das es an dem Weihnachtsbäumchen herauserkannte. Aber noch immer wurden die verheißungsvoll umfangreichen Pakete aus der Heimat nicht geöffnet. Da lag noch so manches, was erst noch mit Jubel in Empfang genommen werden mußte. Jedem der kleinen Mädchen hatte Frau Kapitän einen Bernsteinanhänger an einem Kettchen zur Erinnerung geschenkt. Von Tante Lenchen bekamen sie ein Album mit Ansichten der Insel Amrum. Fräulein Mahldorf hatte ihnen »Friesische Sagen und Märchen« aufgebaut, und selbst Miß John hatte auf jedes Tischchen ein Päckchen Schokolade gelegt. Das war ein Glück, ein Freuen und sich Bedanken. Dann aber ging’s an die Heimatskiste. Die Papiere und Schnüre flogen, glückselige Ausrufe begleiteten ein jedes Stück, das den Tiefen der Kisten entstieg.

»Ein Täschchen – ein Sonntagskleid – ach, die entzückenden Schuhchen – Hurra, ich hab’ den Rodelschlitten, den ich mir gewünscht – und ich die Markensammlung. – Tante Lenchen, sehen Sie bloß mal, eine richtige Uhr« – so ging das hin und her.

Frau Kapitän und Tante Lenchen hatten die Gabe, sich mit jedem der Kleinen mit zu freuen. Vor soviel Kinderglück mußte jede trübe Erinnerung, die gerade an festlichen Tagen des Jahres ihre Stimme besonders laut zu erheben pflegt, verstummen.

Aber die Damen selbst gingen auch nicht leer aus. In der Handarbeitsstunde bei Fräulein Mahldorf hatten die Mädelchen alle für Frau Kapitän und für Tante Lenchen emsig gestichelt. Kissen und Deckchen, Körbchen und Läufer waren da entstanden, mit denen die so treu für sie Sorgenden erfreut wurden.

Inzwischen hatte Frau Kapitän ihren Dienstboten, Line und Dörthe, den Weihnachten beschert. Auch in den Heimatspaketen der Kinder fand sich eine nette Kleinigkeit für die Mädchen des Hauses. Außerdem war es Sitte, daß die Zöglinge jedem Mädchen drei Mark gaben. Von ihrem Taschengelde, das Frau Kapitän für die Kinder verwaltete, wurden ihnen dieselben ausgezahlt.

Für Annemarie bedeutete das eine schwierige Überlegung. Die Kleine hatte nicht vergessen, daß Dörthe damals kurz nach ihrem Eintritt ihre Unordentlichkeit Tante Lenchen gemeldet hatte. Was – dafür, daß die Dörthe sie verklatscht hatte, sollte sie ihr noch obendrein einen ganzen Taler schenken? Nein, das tat sie bestimmt nicht. Zehn Pfennige war mehr als genug für sie. Was konnte man sich für einen Groschen nicht alles kaufen! Ein kleines Badepüppchen, einen Triesel, einen winzigen Ball, Gummizucker und Johannisbrot. Nein, wirklich, die Dörthe konnte noch ganz zufrieden sein, wenn sie ihr einen ganzen Groschen schenkte!

Nachdem Doktors Nesthäkchen Line, der Köchin, ihren Taler und den Blusenstoff von den Eltern überreicht hatte, wandte sie sich an Dörthe. Auch diese bekam aus Berlin einen netten Stoff.

»Da«, sagte Annemarie und händigte dem Hausmädchen das Geschenk der Eltern ein, »und hier ist noch ein Groschen für Sie, Dörthe« – das klang ungeheuer großartig – »und wenn Sie mich, als ich herkam, nicht verklatscht hätten, daß ich meine Sachen herumliegen lasse, hätte ich Ihnen sogar einen Taler geschenkt!« So – die Dörthe sollte wenigstens doch auch wissen, warum die Line einen Taler bekam, und sie nur einen Groschen.

Das Mädchen machte ein ganz betroffenes Gesicht. Viele Jahre war sie schon in der Villa Daheim, aber solch ein Weihnachten hatte ihr noch kein Kind angeboten. Sie wußte nicht, sollte sie sich ärgern oder lachen.

Auch Tante Lenchen, die Annemaries Rede gehört, mußte sich zur Seite wenden, um ihre belustigte Miene zu verbergen. Dann aber neigte sie sich zu dem energischen kleinen Blondkopf herab.

»Annemarie,« flüsterte sie ihr zu, »hätte die Dörthe mir damals nicht mitgeteilt, daß du deine Sachen herumliegen läßt, dann würde ich mich jetzt bei der Wochenkontrolle wohl nicht jedesmal über deinen Schrank und deine Kästen freuen können. Du bist der Dörthe nur zu Dank verpflichtet, daß du jetzt ein ordentliches kleines Mädchen geworden bist!« sagte sie mahnend.

Doktors Nesthäkchen wurde rot. Es schwankte. Dann aber siegte Annemaries gutes Herz. Wenn das wirklich so war, daß sie der Dörthe dankbar sein mußte – und Tante Lenchen mußte es doch wohl wissen – dann war es Anrecht, dem Mädchen den Taler nicht zu geben. Schnell lief die Kleine hinter Dörthe her.

»Da, Dörthe, ich hab’s mir doch anders überlegt, da haben Sie Ihren Taler! Aber den Groschen müssen Sie nun wiedergeben: Jetzt lachte die Dörthe wirklich über das drollige kleine Mädchen – Annemarie fand das ganz in der Ordnung. Natürlich, die konnte sich auch freuen, wenn sie den Taler nun doch noch bekam.

Nachdem die Bescherung in der Villa vorüber war und die schönen Geschenke genugsam bewundert worden, schlüpften die Clarsenschen Kinder in ihre warmen Mäntel. Nun ging es zu Vadder Hinrich und Modder Antje in das mit Eiszapfen behangene Friesenhäuschen, denen ihren Weihnachten zu bringen.

Else Ury : Weihnachtsabend fern vom Elternhause, Kap. 19 In: Nesthäkchen im Kinderheim, Nesthäkchen Bd. 3; Illustriert von Professor R. Sedlarek, Meidinger’s Jugendschriften Verlag G.m.b.H., 202. bis 216. Tausend, o.J., S. 160 – 163.

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[Adventskalender] 16.12.2019 – Adolf Kußmaul

Adolf Kußmaul (* 22. Februar 1822 in Graben bei Karlsruhe; † 28. Mai 1902 in Heidelberg) gemeinfrei seit 1973.

Weihnacht-Abend in Wien.

Adolf Kußmaul via Wikimedia Commons


Wir verabredeten uns mit einigen Bekannten, Dr. Julins Geinitz aus Altenburg, Dr. Friedrich Wieger aus Straßburg, u. A., den Weihnachtabend zusammen zuzubringen. — Geinitz, ein geschickter Chirurg, ließ sich bald nachher in seiner Vaterstadt nieder und hat dort mehr Blasensteinschnitte gemacht, als die meisten deutschen Chirurgen, denn nirgends in Deutschland kommen Blasensteine häufiger vor, als bei den Bauern des Herzogtums Sachsen-Altenburg1). Wieger ist 1876 mein Kollege an der neu errichteten Kaiser-Wilhelms-Universität in Straßburg geworden. — Als Ort unsrer Zusammenkunft bestimmten wir das Weinhaus des kaiserl. Hoflieferanten Leidenfrost in der Altstadt.

Ehe wir uns zu unsern Bekannten begaben, beschlossen Bronner und ich,unsre Hauswirtin aufzusuchen, eine artige Wienerin, die uns viele Gefälligkeiten erwiesen hatte, um sie zu fragen, womit wir ihrem Töchterchen, einem lieben Kinde von 6—7 Jahren, Freude machen könnten, wir wollten ihm ein Andenken unter den Christbaum legen. Sie empfing uns mit betrübter Miene, ihr Mann wolle nichts vom Christbaum und von Bescherung überhaupt wissen, er stamme aus dem Reich, aus der Gegend von Walldürn, war somit ein Landsmann von uns, und behaupte, bei ihm zu Hause würfen die Leute nicht so unnötig das Geld zum Fenster hinaus. Sie hätte ihrem Kinde eine Puppe, eine „Gretel”, bescheren wollen, er aber gebe es nicht zu.

Wir schämten uns des filzigen Landsmannes, gingen eilends fort und trieben, um die Ehre unsrer badischen Heimat zu retten, einen schönen Christbaum auf, kauften das nötige Zubehör und eine niedliche Puppe. Nachdem wir unsre Schätze heimgebracht, riefen wir die Mutter und baten sie, uns den Baum schmücken zu helfen. Mit zitternden Händen, Thränen in den Augen, stand sie uns bei, die Lichter wurden angezündet und geklingelt. Das Kind kam schüchtern herein, zuerst sprachlos vor Staunen über den leuchtenden Baum, als wir ihr aber die Puppe zeigten, die ihr beschert war, stürzte sie darauf zu und drückte sie fest an ihre Brust mit dem Schrei: „a Gretel! a Gretel!” Der Alte war hinter ihr hereingekommen und lachte mit dem ganzen breiten Gesichte. Wir ermahnten ihn, sich zu bessern und in Zukunft weniger filzig zu sein.

Vergnügt, als hätten wir die schönste Bescherung in der Heimat mit den Unsrigen gefeiert, gingen wir zu unsern Bekannten und tranken „türkischen” Wein, Negodiner aus Serbien, das damals noch zur Türkei gehörte; erst viele Jahre nachher habe ich diesen guten Wein wieder gekostet in Belgrad, das inzwischen Hauptstadt des Königreichs Serbien geworden war.

Quelle:

Kussmaul, Adolf: Jugenderinnerungen eines alten Arztes. — Stuttgart, 1899. S. 384385. Digitalisat: Heidelberger historische Bestände – digital, DOI: https://doi.org/10.11588/diglit.15258

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  1. Vgl. I. Geinitz, Ueber die Steinkrankheit im Altenburgischen. Deutsche Klinik, 1858. []

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[Adventskalender] 15.12.2019 – Paul Zech

Paul Zech (* 19. Februar 1881 in Briesen, Westpreußen; † 7. September 1946 in Buenos Aires) gemeinfrei seit 2017.

Die Wunderwirkung der Weihnacht

Bundesarchiv Bild 183-70823-0003, Niepars, Kindergartenkinder beim Spielen im Schnee

Niepars, Kindergartenkinder beim Spielen im Schnee Zentralbild Martin 13.2.1960 Gut untergebracht sind die Kinder der Genossenschaftsbäuerinnen der LPG Niepars im Kreis Stralsund. Unter Aufsicht geschulter Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen verleben sie ihren Tag bei fröhlichem Spiel., vom Bundesarchiv, Bild 183-70823-0003 / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons


Daß nach den verklungenen Ernteglocken
eines Herbstes, der uns hell frohlocken
und erstarken ließ mit Allgewalt,
nun das Trübe der Dezemberstunden
schmerzlich rühren will an alte Wunden,
macht uns stumm und wunderlich und alt.

Aber noch sind Kinder in den Zimmern,
denen ein erträumtes Freudeschimmern
Wangen rötet wie mit Lenz betaut.
Und sie brechen wie ein Maigewitter
in das Schwere unsres Bluts, das bitter
auf Verschlossenes der Landschaft schaut.

Tausend Dinge, die ihr Hirn durchtoben,
müssen wir entkernen und beloben
zu der aufgestaunten Münder Lust.
Und was uns umschiente wie mit Eisen,
fällt zersplittert, und wir reisen, reisen,
in verlorne Reiche unsrer Brust.

Wunder kommen, die uns weiß umflocken,
und ein Hall von Eislauf, Weihnachtsglocken
jubelt totgeglaubte Zeiten wach.
Und was wir, umblaut vom Pfeifenschwälen,
wie ein Märchen träumerisch erzählen,
danken kleine Hörer mit Gelach.

Und dann sind uns Abende beschieden,
wo der rotverklärte Lampenfrieden
einem Opfersinn entgegenreift.
Wo selbst Frauen mit schneeweißen Scheiteln
ernsthaft sich bemühn, nichts zu vereiteln,
was um Enkelstirnen wünschend schweift.

Ist der Tag dann plötzlich groß erschienen,
spiegelt sich ein Glück in allen Mienen
und durchbraust wie Orgelton den Raum.
Und die Jungen tanzen mit den Greisen,
nach dem Rhythmus frommer Weihnachtsweisen,
um den festlich aufgeputzten Baum.

Quelle:

Zech, Paul: Die Wunderwirkung der Weihnacht, In: Die Rheinlande: Vierteljahrsschrift des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein, Jg. 23, 1913, Heft 12, S. 474; Digitalisat: Heidelberger historische Bestände – digital, Zitierlink: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rheinlande1913/0496

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[Adventskalender] 14.12.2019 – Ludwig Bechstein

Ludwig Bechstein (* 24. November 1801 in Weimar; † 14. Mai 1860 in Meiningen) gemeinfrei seit 1931.

Des Königs Weihnacht.

Ludwig Bechstein 1843, gemalt von Ferdinand Diez, via Wikimedia Commons

Wo jetzt der Dom zu Frankfurt steht, stand schon zu König Ludwig des Deutschen Zeiten eine Kapelle, die hieß der Rudtlint, wie auch später zu St. Salvator, und war der heiligen Jungfrau Maria und Karl dem Großen geweiht. Ludwig der Deutsche feierte das Weihnachtfest in seiner Pfalz zu Frankfurt am Main, und berief dorthin eine Reichsversammlung. Da geschah es, daß der Teufel in Gestalt eines Priesters und guten Geistes zu Ludwigs Sohne, Karl, trat, und zu ihm sagte: siehe, du bist der jüngste unter deinen Brüdern, und dein Vater will das Reich deinem Bruder Karlmann geben, das doch dir von Gott bestimmt ist, und will dich verderben, solches will Gott nicht leiden. Karl aber entsetzte sich vor der Versuchung und eilte in die Kapelle– indem er rief: hebe dich weg Versucher! Du bist kein Bote von oben!– Der Teufel aber folgte ihm in die Kirche nach und sprach: wäre ich nicht ein Bote von oben, wie dürft’ ich mit dir eintreten in dieses Gotteshaus? Wie dürft’ ich das Sakrament des Altars, das heilige Meßopfer vollziehen?– Und so bethörte er Karls Sinn mit dem Trug der Hölle und las die Messe, und reichte ihm die gebenedeite Hostie, und mit der Hostie fuhr er in ihn, und besaß ihn.

Da nun die Reichsversammlung war, redete Karl unsinnig in ihr, riß sich das Wehrgehenk von der Seite, schleuderte es sammt dem Schwerte mitten in den Saal, riß den Gürtel sich ab und die Gewande vom Leibe, und ward heftig hin und her gerüttelt, so daß alle Anwesenden sich entsetzten. Die Bischöfe aber ergriffen den vom bösen Feind Besessenen und führten ihn in die Kapelle, und der Erzbischof begann die Messe über ihn zu singen. Da begann Karl laut zu klagen und Weh über Weh zu schreien in einem fort bis die Messe zu Ende war, aber die Priester ließen nicht ab mit Gebet, bis der Feind wieder von dem Königssohne wich, und Karl durch Gottes Barmherzigkeit geheilt ward. Hielt also König Ludwig gar eine trübe Weihnacht zu Frankfurt. Aber was des Teufels Bosheit des Königs Sohn eingeflüstert, erfüllte sich später dennoch, denn Karlmann und Ludwig starben beide vor ihm, und Karl erhielt des deutschen Reiches Krone, wenn auch nur auf kurze Zeit, denn er fiel in Schwermuth, und gab sich ganz in die Hände der Pfaffen. Da entsetzten ihm die Fürsten des Reiches und gaben das an Arnulf, einen natürlichen Sohn seines Bruders Karlmann.

Quelle:

Bechstein, Ludwig: Deutsches Sagenbuch. – Leipzig: Wigand, 1853, S. 60-61 als Digitalisat der Österreichischen Nationalbibliothek

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[Adventskalender] 13.12.2019 – Emanuel Geibel

Franz Emanuel August Geibel (* 17. Oktober 1815 in Lübeck; † 6. April 1884 ebenda) gemeinfrei seit 1955.

Weihnacht


Wie bewegt mich wundersam
Euer Hall, ihr Weihnachtsglocken,
Die ihr kündet mit Frohlocken,
Daß zur Welt die Gnade kam.

Überm Hause schien der Stern,
Und in Lilien stand die Krippe,
Wo der Engel reine Lippe
Hosianna sang dem Herrn.

Herz, und was geschah vordem,
Dir zum Heil erneut sich’s heute:
Dies gedämpfte Festgeläute
Ruft auch dich nach Bethlehem.

Mit den Hirten darfst du ziehn,
Mit den Königen aus Osten
Und in ihrer Schaar getrosten
Muts vor deinem Heiland knien.

Hast du Gold nicht und Rubin,
Weihrauch nicht und Myrrhenblüte:
Schütt’ aus innerstem Gemüte
Deine Sehnsucht vor ihm hin!

Sieh, die Händchen zart und lind
Streckt er aus, zum Born der Gnaden,
Die da Kinder sind, zu laden,
Komm! Und sei auch du ein Kind!

Quelle:

Geibel, Emanuel: Gesammelte Werke, Band 3, Stuttgart J.G. Cotta, 1883, S. 169170. (Internet Archive)

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[Adventskalender] 12.12.2019 – Johann Grässe

Johann Georg Theodor Grässe (* 31. Januar 1814 in Grimma; † 27. August 1885 in Niederlößnitz) gemeinfrei sei 1956.

Die Weihnachtsfeier im Kloster Preetz

Während im Holsteinschen überall seit der Reformation die sonst von früher her üblichen Messe in der Christnacht abgeschafft war, blieb es im Kloster Preetz allein noch Sitte, in der Christnacht Gottesdienst zu halten und dabei ward das Christkind von den Klosterfräulein gewiegt. Als man zum ersten Mal diesen Gebrauch abschaffen wollte, ertönte dennoch die Orgel zur gewöhnlichen Zeit; ein Fräulein verwunderte sich darob und ging mit ihrer Jungfer in die Kirche, aber dort war ihr Alles so wunderbar. Kaum hatte sie sich in ihren Stuhl niedergesetzt, so kam ein weißgekleidetes Fräulein und sprach: »Sie solle hingehen und den Andern sagen, sie möchten Weihnachtabend halten, sonst würden sie (die Todten) es thun.« Das Klosterfräulein that, wie ihr befohlen, und alle gehorchten; sie selbst aber konnte nicht mehr mitgehen und drei Tage darauf war sie todt. Jetzt hat aber diese Weihnachtsfeier im Kloster längst aufgehört.

Quelle:

Grässe, Johann Georg Theodor: Sagenbuch des Preußischen Staats, Band 2, Carl Flemming, 1871,S. 1056; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, MDZ-Reader, Permalink: http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11014118-2

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