[Videozitate] Kommentiert – 2014

Vor kurzem fand die jährliche Konferenz des US-amerikanischen Bibliotheksverbandes unter dem Motto “Transforming Our Libraries, Ourselves” in Las Vegas statt. Jennifer Kahnweiler, die Autorin, Coach und gefragte Rednerin äußert sich folgenden Video zu Bibliotheken als besondere Orte:

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Ständig auf dem Sprung – ein kleiner Überlebensleitfaden (Teil 2)

BibliothekarinOkay, man hat die Zusage für den Job. Wie sollte es nun weitergehen, schließlich stürzt erstmal vieles auf einen ein und nicht immer hat die Bibliothek die perfekte Dokumentation vorliegen, nach der man sich einarbeiten kann.

Bibliotheken besitzen Bibliotheks- und Gebührenordnungen. Die können sich von “Haus” zu “Haus” unterscheiden, selbst wenn die Biblitoheken zu einem System gehören. Aber es gibt auch ungeschriebene Regeln, die zum Teil nur mündlich, d.h. ungeschrieben existieren, z.B. dass in Lesesaal 1 Reden erlaubt ist, während in Lesesaal 2 für Ruhe gesorgt werden muss oder dass man das Handyverbot ignorieren darf, solange der Klingelton auf stumm geschaltet ist. Auch immer wieder wichtig schnell zu wissen im Kundenkontakt: Wofür muss der Bibliotheksausweis als Pfand hinterlassen werden? Welche Daten benötigt man z.B. für einen Internetzugang und welche Regeln gelten dabei für die einzelnen Nutzergruppen? Dürfen Externe z.B. unbegrenzt ins Internet und die abonnierten Online-Medien nutzen? Nach welchen Kriterien werden (Gruppen-)Arbeitsräume vergeben? Was muss man beim Drucken und Kopieren beachten?

Neben den “formalen” Regeln muss man auch ein “Feeling” für seinen Arbeitsplatz bekommen. Lernen Sie Ihre Kollegen und Kollegen sowie deren Aufgaben und Arbeit kennen, damit Sie eruieren, an wen Sie sich mit welchem Problem am besten wenden können. Aber auch die Erwartungen und ihr Verhalten helfen herauszufinden, wie man sich besser in das Team einordnen kann. Die Frage ist: Wie ticken meine Kollegen und Kolleginnen und wie tickt die Bibliothek?
Wann gibt es Hochphasen am Tag, in der Woche, im Jahr. Wie muss ich also planen, anwesend zu sein und meine Aufmerksamkeit auf bestimmte (Alltags-)aufgaben richten, z.B. um mal rasch mit einzuspringen, wenn sich an der Ausleihe Warteschlangen bilden.

Und zum “Feeling” gehört es auch, zu sehen, wie sich die Nutzerschaft zusammensetzt. Gibt es viele Teenager, Rentner, Heimatorscher, Studierende von Austauschprogrammen oder Wissenschaftler? Sozioökonomische Aspekte können ebenfalls wichtig werden, z.B. wenn es um die Anzahl der freien Internetzugänge geht, da nicht jeder in der Gegend einen besitzt, oder die Ausstattung mit Spielen für Konsolen, weil viele eine in der Gegend besitzen. Wie verteilt sich die Demographie der Nutzer und beeinflusst dies die Ansprüche, die an die Bibliothek gestellt werden? Welchen Einfluss hat sie auf das Gefühl, in dieser Bibliothek zu arbeiten?

Relativ schnell sollte man lernen, welche Routinen es in der Bibliothek gibt. Was muss an Arbeiten vor der Öffnung erledigt werden, z.B. Mahnungen ausdrucken, Fernleihbestellungen prüfen, Bücher aus der Rückgabebox verbuchen? Aber auch die Frage ist wichtig. Gibt es einen eigenen Schlüssel, muss man klingeln oder klopfen oder gibt es einen eigenen Eingang für das Bibliothekspersonal. Wo befindet sich die Stempeluhr und wie kommt man überhaupt auf das Gelände der Bibliothek, Uni, Forschungseinrichtung – wo immer man gelandet ist.
Wo kann man seine eigenen Sachen lassen? Hat man ein eigenes Büro, ein Gemeinschaftsbüro oder einen Aufenthaltsraum, der auch abgeschlossen werden kann? Gibt es eine Teeküche und wie ist die ausgestattet? Kann man sich dort etwas aufwärmen oder gibt es einen Imbiss, eine Kantine oder ähnliches, wo auch andere Kollegen und Kolleginnen mittags Essen gehen? Wir wird das mit dem Kaffee gehandhabt? Kocht jeder für sich selbst? Gibt es eine Kaffeekasse dafür oder bringt jeder abwechselnd etwas mit?

Es ist immer gut, wenn man schon ein paar Minuten vor Schichtbeginn da ist – am ersten Tag ruhig noch früher, um selbst erste Fragen beantwortet zu bekommen, bevor die Nutzer kommen. Wichtig zu klären ist es auch, welche Zugangsdaten man benötigt, z.B. für den Rechner, das Internet, die E-Mail und/oder das Telefon. Wenn es um spezielle Passwörter geht, z.B. für Datenbankadministrationsaufgaben oder das Freischalten von Zugängen zu Zeitschriften für Nutzer bzw. Gastlogins von Nutzer, sollte man wissen, wo diese zu finden sind, falls man sie sich nicht gleich merken kann.

Das erste Mal am eigenen Arbeitsplatz sollte man herausfinden und austesten, wie das Telefon(system) funktioniert, um ggf. den Anrufer in eine Warteschleife legen oder an einen kompetenten Ansprechpartner weiterleiten zu können. Gibt es eine Liste mit den wichtigsten Telefonnumern zu den anderen Kollegen und Kolleginnen, dem Wachdienst oder dem Techniker für die Kopierer?
Es ist auch gut zu schauen, ob der Rechner alle benötigten Programme enthält und welche Berechtigungen man hat. Darf man eigene Programme hochladen oder zumindest Updates einspielen oder muss man hier sich an die IT-Abteilung wenden. Werden Updates automatisch eingespielt und gibt es da entsprechende Routinen? Hat man alle Zugänge, z.B. zu den E-Mails oder dem Chatsystem. Auf welche hausinternen Mailinglisten muss man gesetzt werden oder muss man sich für eintragen?

Und es gibt noch so einige Dinge, die man rasch erfragen und lernen sollte.

  • Wie sind die Öffnungszeiten der Bibliothek, welche Standortunterschiede gibt es dabei, ggf. auch Sonderregelungen zu nutzungsintensiven Zeiten. Wie lauten die Postanschrift (ggf. der einzelnenen Standorte), die zentrale E-Mail und die Telefonnummer (auch die neue eigene).
  • Wer hat bei Problemen die Verantwortung für die Bibliothek (zu einer bestimmten Zeit)?
  • Wer betreut mich beim Eingewöhnen? Wer ist mein/e direkte/r Vorgesetzte/r?
  • Wer ist verantwortlich für welche Aufgaben? Wo finde ich heraus, ob und wann sie im Haus sind? Wo sind sie zu bestimmten Zeiten anzutreffen, wenn sie nicht in ihrem Büro/an ihrem Arbeitsplatz sitzen?
  • Wer entscheidet über Praktikanten und Praktikantinnen und die Betreuung ehrenamtlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen?
  • Laufen bestimmte Schulungen, Aktionen, Events etc. derzeit in der Bibliothek oder sind in nächster Zeit welche geplant? Wo findet dies statt und ist eine Anmeldung notwendig? Wer organisiert dies?
  • Was muss man tun, wenn man dafür verantwortlich ist, die Bibliothek morgens zu öffnen oder zu schließen? Das betrifft das Licht, die Arlarmanlage, ggf. vorherige Aufräum- und Wegräumaktionen.
  • Wenn es eine Kasse gibt, wie sind dort die Verantwortlichkeiten geregelt?
  • Wie werden intern Informationen weitergegeben? Gibt es regelmäßige Besprechungen? Wenn ja, wann ist die nächste? Gibt es ein internes Blog oder Wiki oder im Intranet ein gemeinsames Verzeichnis?
  • Gibt es einen allgemeinen E-Mail-Account für Nutzeranfragen? Wer ist für die Beantwortung zuständig? Gibt es eine zeitliche oder thematische Aufteilung?

Auch die Frage der Stundenabrechnung ist wichtig. Gibt es Gleitzeit mit Präsenzzeiten? Wie werden die Zeiten verbucht? Was ist bei Krankheit zu beachten (Kulanzzeiten)? Gibt es für bestimmte Dinge einen Korrekturbeleg, z.B. wenn man anfangs noch keine eigene Stempelkarte hat, um seine Arbeitszeit zu verbuchen oder wird das handschriftlich protokolliert? Eine wichtige Frage ist, wie werden die Pausenzeiten gehandhabt? Gibt es bezahlte Pausen oder unbezahlte? Wie sieht es auch sonst mit der Arbeitszeit aus? Wie werden Überstunden gehandhabt und gibt es bestimmte Urlaubsregelungen? Wenn man für den Job umziehen muss, stellt sich natürlich auch die Frage, ob man für den Tag des Umzugs freigestellt wird oder ob man einen Urlaubstag nehmen kann.

Bei Teilzeit stellt sich auch immer die Frage, wie diese Zeit verteilt wird. Soll man jeden Tag kommen? Gibt es bestimmte feste Zeiten dafür? Oder kommt man nur an einigen Tagen, arbeitet dabei aber die volle Stundenzahl? Oder varriieren die Einsatzzeiten nach Bedarf?

Es gibt noch viel mehr an Kleinigkeiten, auf die man achten sollte, die stark vom Selbstverständnis der Bibliothek abhängen. Ist es eine Öffentliche Bibliothek, wo alle Arbeiten dem Nutzer und seinen Bedürfnissen untergeordnet wird? Handelt es sich um eine wissenschaftliche Bibliothek, die vielleicht auch noch überregionale Bedürfnisse (Katalogisierung, Hosting von Datenbanken, Einscannen von Inhaltsverzeichnissen etc.) mitbefriedigt, wo man ggf. auch ganz ohne Nutzerkontakt arbeiten muss? Ist die Bibliothek größer, so dass die eigene Aufgabe stärker spezialisiert ist oder muss man in einer kleinen Bibliothek “alles” beherrschen, um den Service auch im Notfall aufrecht erhalten zu können?

Oh je, das ist natürlich eine Menge, was man da alles lernen muss. Muss ich das tatsächlich alles beachten? Aus Erfahrung heraus gesagt, ergibt sich vieles davon von selbst. Man sollte nur, in dem Moment, wo Ansprechpartner genannt werden, wo Informationen weitergegeben werden, die in das eigene Aufgabenfeld gehören, notfalls ruhig mal Stift und Papier zücken. Später lohnt sich, sofern es das gibt, ein Blick ins interne Wiki oder die Dokumentation. Sollte es das nicht geben, ist es ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen. Es erleichtert einem selbst die Arbeit.

Angelehnt an:

Miller, Laura: A Substitute Librarian’s Survival Guide, LIScareer.com – Career Strategies for Librarians

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Ständig auf dem Sprung – ein kleiner Überlebensleitfaden (Teil 1)

BibliothekarinSo geht es vermutlich nicht nur mir, sondern auch vielen Kollegen und Kolleginnen, die von einem befristeten Job zum nächsten wechseln. Neben all den Herausforderungen, sich neu häuslich einzurichten, muss man sich auch im Job neu orientieren. Da gibt es neue Charaktere und Mentalitäten, neue Aufgaben, neue Arbeitsabläufe, offizielle und inoffizielle Hausregeln, organisatorische Zugehörigkeiten und … und … und …

Laura Miller, selbst seit 2007 eine “Substitute Librarian” gibt in ihrem Artikel “A Substitute Librarian’s Survival Guide” wertvolle Hinweise, was man tun kann, um zumindest im Job Nerven zu sparen und sich gut einzuarbeiten. Dies sind vermittelte Erfahrungswerte, die einem zukünftig sicherlich gut weiterhelfen können, besonders wenn man selbst neu in eine Job kommt.

Jeder neue Job ist eine Herausforderung, der man sich stellt und mit der man wächst. Wenn möglich sollte man schon vor dem ersten Arbeitstag ein paar Dinge erledigen, da man da den Kopf noch frei hat und sich viele Dinge einfacher einprägen kann, so dass man am ersten Arbeitstag nicht ganz hilflos ist. Ich habe hier auch meine eigenen Erfahrungen aus meinen Jobs in inzwischen sechs verschiedenen Bibliotheken einfließen lassen.

Bei diesem ersten Besuch achten Sie vielleicht schon mal auf Kleinigkeiten. Wie gelangt man zur Bibliothek? Wo befinden sich Eingänge? Ein ausgedruckter Lageplan hilft bei der ersten, aber auch späteren Orientierung. Gerade wenn man in mehreren Bibliotheken arbeitet, vergisst man manchmal Dinge. Wichtige Informationen sollte man jederzeit auf den Plänen ergänzen, z.B. der Kopierer hat auch eine Scanfunktion oder ist gleichzeitig der Zentraldrucker. So hat man nach und nach später die wichtisten Informationen parat.

In der Bibliothek sollten Sie darauf achten: Wo befindet sich die Ausleihe / Selbstausleihe, sowie die Auskunft. Wo stehen die verschiedenen Sammlungen der Bibliothek, z.B. Fachbereiche, Trennung nach Medienarten. Sie die Medien räumlich getrennt aufgestellt, d.h. gibt es verschiedene Fachbereichsbibliotheken oder eine große Bibliothek mit verschiedenen Etagen? Stehen die ungebundenen Zeitschriften extra oder werden sie den Fachbüchern vorangestellt? Gibt es ein Magazin, aus dem bestellt werden muss?

Wie erfolgt die Aufstellung? Nach Nummerus currens oder systematisch? Wenn die Bücher systematisch aufgestellt werden, sollte man ggf. darauf achten, nach welcher Klassifikation sie geordnet werden und wie die Signaturen aufgebaut sind.

Wo sind Informationsmöglichkeiten, z.B. Nachschlagewerke oder (frei zugängliche) PCs für die Katalogrecherche und/oder Datenbank- und Internetrecherchen? Welche Software befindet sich darauf? Wo stehen Drucker, Scanner und Kopierer? Was kostet eine Kopie oder ein Druck? Benötige ich für das Scannen einen Stick oder kann ich die Scans an eine E-Mail-Adresse senden?

Für schnelle Auskünfte wichtig können auch bereitgestellte Infomaterialien sein. Hier kann man sich bereits beim Besuch einmal eindecken. Auch die Informationsangebote der Website sollte man sich beizeiten genauer ansehen. Das spart einem tatsächlich vieles an Nerven, da am ersten Arbeitstag sowieso viel zu viel auf einen einströmt und man noch sehr viel anderes im Kopf behalten muss.

Übrigens, neben der Frage nach den Kopierern und dem Kopierkartenautomaten ist eine der häufigste Fragen: Wo befindet sich die Toilette? Achten Sie auch darauf, ob das Betreten der Bibliotheken an bestimmte Verbote gebunden ist. Dürfen Jacken und Taschen mit hineingenommen werden? Wenn nicht, wo befinden sich die Schließfächer und was für Münzen werden dafür benötigt? Ist Essen und/oder Trinken erlaubt? Wenn ja, gibt es dafür bestimmte Bereiche? Gibt es vielleicht sogar einen Kaffeeautomaten oder eine Cafeteria in der Bibliothek?

Dies sind Kleinigkeiten, die man im Vorfeld schon erledigen und sich einprägen kann. Daher war ich meinen Arbeitgebern dankbar, wenn sie nach dem Vorstellugnsgespräch eine Bibliotheksführung ermöglichten, da ich zum Teil ettliche hundert Kilometer angereist bin dafür. Selbst wenn es mit dem Job hinterher nicht klappte, war dies eine Möglichkeit, die Bibliothek wenigstens ein wenig kennenzulernen. Ich habe es immer auch als Werbung für meinen (zukünftigen) Arbeitgeber verstanden, der zeigte, dass er sich mit seiner Einrichtung nicht verstecken muss.

Teil 2 folgt morgen. :cheesy:


Angelehnt an:

Miller, Laura: A Substitute Librarian’s Survival Guide, LIScareer.com – Career Strategies for Librarians

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Ein Interview mit der Bibliothekarin Karin Kiraly von der Hauptbücherei Wien

Karin Kiraly von der Hauptbücherei Wien findet, dass jede Hilfe bei der Berufsentscheidung wertvoll ist und hofft mit diesem Video hierzu einen Beitrag leisten zu können. Wie lange sie schon als Bibliothekarin tätig ist und warum ihr in ihrem Job nie langweilig wird, erfahren Sie im folgenden Video.

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[Zitat] Unkommentiert – 2010

“[…] Oder indem man der Leiterin einer öffentlichen Bibliothek erklärt, dass sie in ihrer Bücherauswahl der Tatsache gerecht werden muss, dass in ihrem Großstadtbezirk mehr als ein Drittel der Bevölkerung und bei der Jugend vielleicht schon fast die Hälfte aus anderen Ländern stammt und dass sie ihr Angebot viel besser auf Literatur auch aus den Herkunftsländern ausweiten kann, wenn sie bikulturelle Mitarbeiterinnen beschäftigt.”

Klaus Bade & Feros Forudastan (APuZ 46-47/2010, S. 43) auf die Frage, wie man Entscheider aus Personalabteilungen der verschiedenen Institutionen davon überzeugen kann, dass sie mehr Mitarbeiter aus Migrantenfamilien einstellen.

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Bibliojobs – ein offener Brief an den BIB

Liebe Entscheidungsträger vom BIB,

ich bin erst seit diesem Jahr Mitglied im BIB und denke nun schon wieder an Austritt. Der BIB der die Bibliojobs Liste übernommen hat, wird diese ab Juli nur noch zahlenden Mitgliedern zugänglich machen. Grund: Kosten für die Erstellung der Liste.  Ich denke es wäre nett gewesen hätte man vorher auch die Vereinsmitglieder nach ihrer Meinung dazu gefragt, aber wahrscheinlich war die Angst zu groß, dass der Ansturm der Entrüstung gleich losbricht. (So wurden alle vor vollendete Tatsachen gestellt und regen sich jetzt auf…)

Ich bin mir sicher, dass die Auswertung sehr zeitaufwendig ist. Aber hätte man nicht versuchen können die Last auf mehrere Schultern zu verteilen oder hätte nach Leuten gesucht die diese Arbeit freiwillig übernehmen?! Ehrenamt wird sonst immer groß geschrieben. Warum nicht an dieser Stelle?

Der Arbeitsmarkt ist für FAMIs und Bibliothekare nicht berauschend, die Quellenlage durchwachsen. Bibliojobs der bibliothekarischen Öffentlichkeit zu entziehen ist unverantwortlich. Nicht jeder Student/jede Studentin oder arbeitlose Bibliothekar/-in hat das Geld für den Mitgliedsbeitrag übrig, selbst wenn er vermindert ist.

Ein wenig hat man auch das Gefühl, dass man so mehr Mitglieder bekommen will. Es ist vielleicht nicht so, aber ich bin mit diesem Gedanke wohl auch nicht allein. Und momentan führt die Aktion ohnehin in die gegenteilige Richtung.

Was mich außerdem beschäftigt, wer sollte denn die Mitglieder davon abhalten sämtliche Stellenanzeigen frei zugänglich zu machen. Viele haben Twitter, Facebook oder einen Blog. Ich bin kein Urheberrechtsexperte, aber ich denke dass es auf Stellenanzeigen in dem Sinne kein Copyright gibt.

Ich denke es ist nicht im Sinne der Vereins, gegen den eigenen Berufsstand zu arbeiten. Gerade in unserer Branche sollte man doch eher zusammen halten und sich gegenseitig unterstützen, als sich noch Knüppel zwischen die Bein zu werfen.
Sie sollten daher dringend diese Entscheidung überdenken. Oder eine Abstimmung aller Mitglieder veranlassen.

So oder so, ist hier noch Handlungsbedarf nötig!

Nachtrag 12.07.12 Der BIB hat gestern eine Erklärung für sein Handeln veröffentlicht: BIB Statement

Erklären tut es nicht wirklich was, außer dass man die Vorteile für Mitglieder mehr herausstellen will. Außerdem, oh wie großzügig, bleiben die Quellen weiterhin frei zugänglich, aber die Auswertung ist nur noch für BIBler… wo ich mich wieder einmal frage ob ich das jetzt noch sein will.
Der Schlusssatz hat weiter Bestand: Es besteht Handlungsbedarf. Lieber BIB, frag doch mal deine Mitglieder was sie von der Entscheidung halten!

Dieser Artikel erschien zuerst am 11.07.12 bei: bibliotheksratte

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Hintergründe zum aktuellen “Call for Postings Berufsbild Bibliothekar/ Your Job Image”

“Vielmehr ist ein Erfolg unseres gesellschaftlichen Engagements davon abhängig, wie viele Leute es vorantreiben würden. Wenn wir unsere Inhalte (offizielle Stellungnahme, Diskussionen, Beiträge mit anderen Meinungen u.v.m.) twittern, in Facebook für alle unsere Freunde posten, in unseren Blogs erwähnen und verlinken etc., gewinnen wir an Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit. Wenn wir das zeitnah, inhaltlich relevant und mit genügend Teilnahme machen, sind wir nicht mehr von der öffentlichen Diskussion auszuschließen. So erreicht man einen großen und bedeutsamen Effekt bei minimaler Teilnahme – jede/r soll einfach „Share“ oder „Like“ klicken. Nicht nur virtuell. Letztendlich sind wir „Fleisch und Blut“ und leben in einer physischen Welt. […] Die Zeiten eines isolierten Bücherwurms, der sich von der Außenwelt in seiner Bibliothek abschottet, sind vorbei. Heute sind wir vernetzt, wir können miteinander kommunizieren, diskutieren, und vor allem – handeln. Wir sind mit der Welt besser verbunden und können Einfluss auf Entwicklungen nehmen, bevor sie uns in der Bibliothek erreichen, und somit der Gesamtgesellschaft Gutes tun und nicht nur unseren Benutzer/-innen oder unserem Gewissen. Unterm Strich: Wenn wir uns für die Gesellschaft einsetzten, setzten wir uns für Bibliotheken ein. Wenn wir im öffentlichen Bewusstsein als wahre Kämpfer für die Rechte aller Menschen wahrgenommen würden, gäbe es kein besseres Marketing.” Shaked Spier

Zum aktuellen “CfP: Projekt Berufsbild/ Your Job Image” sollte auf das Plädoyer von Shaked Spier verwiesen werden, welche es in die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Bibliotheksdienst [46. Jg. (2012), H. 3/4, S. 171-181] schaffte und eine gewisse Reflexionskompetenz und Präsenz (z.B. Internet und Web 2.0) von BibliothekarInnen oder/und Information Professionals” (über die normale berufliche Arbeit hinaus) auch im Hinblick auf die Erhöhung des (sozialen) Engagements im virtuellen, als auch  im reellen Raum forderte.

Als ich am 31. Januar im britischen Guardian den Artikel Beyond books. what it takes to be a 21st librarian las, kam ich nach einer Diskussion mit Dörte auf die Idee einen Aufruf zu starten, in dem ich nach Bibliothekar_Innen fahndete, die bereit wären an einem imagefördernden Zeitungsartikel mitzuschreiben.

Allein der Aufruf war schon die Mühe wert, da es für mich, aber auch für andere, durchaus eine Erfahrung und auch ein Lerneffekt waren, zu sehen, dass das Agenda Setting  in überregionalen Tageszeitungen von brandaktuellen News, Medienhypes (Guttenberg, Wulff und Piraten) und den Lieblingsthemen (Stichwort Boulevardisierung statt Inhalte und Aufklärung) der Meinungsmacher bestimmt ist und Artikel blitzschnell an Relevanz verlieren oder hinzugewinnen. Wäre der Piratenparteitag in einer großen Bibliothek abgehalten worden, wäre Bundespräsident Joachim Gauck mit einer Bibliothekarin (statt Journalistin) liiert oder wären Magdalena Neuner oder Lindsay Vonn neben ihrer Karriere als Sportlerinnen noch Bibliothekarinnen, würden sich durchaus mehr Chancen ergeben diesem Berufsfeld in überregionalen Tageszeitungen und vielen anderen Medien mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Würden einige der Darsteller bei GZSZ, der Lindenstraße oder “Türkisch für Anfänger” BibliothekarInnen verkörpern, wäre Bibliothekar/Bibliothekarin ein Beruf wie jeder andere (wie z.B. D.J. oder Taxifahrer) und jeder Artikel darüber hätte leichter lanciert werden können.

Mehrere Journalisten derselben Wochenzeitung vertrösteten mich letztes Jahr, da zu der Zeit Fukushima oder anderes mehr LeserInnen interessiere und dieses Thema gerade sehr brisant war. Welche Rubrik eignet sich über ein Berufsfeld zu schreiben/ zu polemisieren, das die wenigsten Menschen wirklich kennen und die wenigsten Menschen zu (angeblich) zu interessieren scheint? Nach dem Idealismus folgte die Ernüchterung. Die Journalisten schienen auch nach mehrmaligen Überzeugungsversuchen bis zum Schluss immer noch nicht so wirklich interessiert gewesen zu sein. Für die meisten schien es in ihre Zeitung nicht hineinzupassen.

Durch die Verbreitung dieses Aufrufs meldeten sich durchaus einige Interessenten und potentielle Co-AutorInnen. Bis auf einen Kontakt zu einer überregionalen Zeitung, den ich hatte, waren andere Zeitungen nicht bereit Berufsangehörige über ihren eigenen Berufsstand einen Artikel verfassen zu lassen. Nicht jeder Journalist oder Wissenschaftler (z.B. Gunther Dueck) ist mit einer Bibliothekarin verheiratet und macht sich die Mühe sorgfältig über einen vielfältiges Berufsfeld zu recherechieren.

Lee Rainie vom Pew Internet Research Center betonte ja letztes Jahr die Chancen und die Synergieeffekte für beide Berufe, die sich daraus ergeben, wenn beide mehr miteinander arbeiten und die Gemeinsamkeiten der beiden Berufswelten zusammen zu verbinden. Inwieweit wurde das, was er vorschlug in den einschlägigen Bibliotheksverbänden und in der Berufsbildung bislang rezipiert? Letztlich können einen solchen Artikel maximal 1-3 Personen verfassen. Die Schwierigkeit und das hehre Ziel war eine überregionale Zeitung zu finden. Auf lokaler Ebene pflegen Bibliothekar_Innen bereits gut Kontakte zu Journalist_Innen, welche ihnen wohlgesonnen sind und durchaus gute PR für öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken machen. Nach einem gebrochenen Versprechen, das ein Journalist auf einen Bibliotheksleiter zugeht, der sich auf meinen Aufruf meldete und eine Polemik verfassen hätte sollen, brach ich dann den Kontakt mit der Zeitung ab, da es sich der Journalist dann doch plötzlich nach einer anfänglichen Zusage anders überlegte.

Den Höhepunkt bildete schließlich ein Beitrag von DRadio Wissen Anfang Dezember 2011, der in differenzierter Weise in der Kategorie “Mein Studium” das Fach Bibliotheks- und Informationswissenschaft  dezidiert vorstellte, wobei auch Doreen, unsere Bloggerkollegin, interviewt wurde. Neben Claudia Lux kamen auch Patrick Danowski und Oliver Pohl zu Wort.

Ein weiteres Highlight kam von unserer Bloggerkollegin Stefanie Hotze: Als einzige Bibliothekarin aus dem deutschsprachigen Raum, nahm sie am Library Day in the Life-Projekt teil. In dem eingangs erwähnten Artikel “Beyond books: what it takes to be a 21st century librarian” wird das ebengenannte Projekt vorgestellt und einzelne BibliothekarInnen berichten von ihrer Arbeit.

“Books are only one aspect of what libraries and librarians are about. Librarianship is a people profession; a librarian’s job is to connect people with the information they are seeking, whatever format that may take. At their heart, all library jobs have a central purpose: to help people access and use information, for education, for work, or for pleasure. In all library roles customer service and communication skills are important. If anyone ever thought they’d become a librarian because they liked books or reading, they would be sorely disappointed if they did not also like people too. Libraries of all kinds are keen to demonstrate their value to as wide an audience as possible, and to open up access to culturally significant resources that they hold.” Emma Cragg und Katie Birkwood

Bislang gibt es weder in Fachzeitschriften noch in der Biblioblogosphäre nähere Hinweise, ob noch andere BibliothekarInnen aus Deutschland daran teilnahmen.

Letzterer Satz passt als Überleitung zum nächsten Thema. Vor wenigen Tagen bloggte Herr H.-C. Hobohm die Frage “Warum sind Information Professionals so internetavers?”

“Oder technophob, arachnophob, digiphob… jedenfalls nicht internetaffin? […] Letztlich wurde mir sogar als Begründung für die Netzverweigerung gesagt: “weil ich information professional bin.” Es handelt sich auch nicht nur um die Ablehnung eines bestimmten Konzerns wie Facebook, Google oder Microsoft, sondern meist um eine generelle Abstinenz. Interessanterweise erlebe ich auch gerade bei diesen Personen eine Art Microsoft Hörigkeit. Und das Argument, dass gerade Microsoft Daten auf dem heimischen PC sammelt kommt hier nicht an. […] Gut, es müssen ja nicht alle Digital Natives sein, aber als Informationsspezialist müsste man doch zumindest “heavy user” und “visitor” sein, wie Peter Kruse es anschaulich untersucht hat.”

Hat er recht? Oder hätte er den Zusatz “im deutschsprachigen Raum” noch anführen können? Ist es eine Generationenfrage und wird mit der allmählichen Verrentung der Baby-Boomer-BibliothekarInnen der Anteil der netzaffinen und digitalen “Information Professionals” zunehmen?

Ich weiß es nicht. Fest steht, dass im anglo-amerikanischen Raum, aber auch in Frankreich sehr viel mehr gebloggt, gefacebookt, getwittert wird und das Internet durch BibliothekarInnen genutzt wird. Was Frankreich betrifft, gibt es dort durchaus auch mir bekannte junge Abstinenzler, aber meiner Ansicht nach, gibt es ein wenig mehr DokumentarInnen und BibliothekarInnen, welche virtuell präsent sind und das auch in ihrer privaten Freizeit mitverfolgen. Vermutlich ist es vielmehr die “German Angst” und weniger die German Openness, welche diese These unterstützt. Es gibt ja immer noch die Möglichkeit Aliasnamen zu nutzen, wie es die Blogger von “Ultra Biblioteka” und auch andere tun. Niemand wird gezwungen sich mit seinem wahren Namen zu “outen”.

In diesem Sinne gibt es nun die Möglichkeit sich über Bibliothekarisch.de über das eigene Berufsbild in fünf Fragen zu äußern, so dass am Ende eine Vielfalt an beruflichen Tätigkeiten zusammenkommt. BibliothekarInnen, ob ehrenamtlich, verrentet, ehemalig oder professionell, welche Interesse haben beim CfP mitzumachen und fünf Fragen zu beantworten, sind herzlich dazu eingeladen sich bei uns zu melden.

Schicken Sie uns Ihren Beitrag und Ihr Bild oder Fragen, die Sie haben, an cfp[at]bibliothekarisch.eu oder doerte.boehner[at]bibliothekarisch.de.

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[Nachtrag] IFLA – Session “New Professionals beyond New Professionals”

Sebastian Wilke wies in der Facebook-Gruppe “LIS New Professional Deutschland” darauf hin, dass die Session “New Professionals beyond New Professionals – skills, needs and strategies of a new generation of LIS professionals” der New Professionals Special Interest Group vom IFLA-Kongress 2011 in Puerto Rico komplett aufgezeichnet worden ist und und nun über Youtube angesehen werden kann.

Sechzehn Filme zeigen die einzelnen Beiträge der Session, u.a. geht es darum um das Managen einer Community, die Schaffung einer e-only-Bibliothek und benötigte Schlüsselqualifikationen.

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