Der belebteste Ort von Amsterdam: die “Openbare Bibliotheek” Amsterdam

Genau am heutigen Tag bricht die BiB-Landesgruppe Berlin-Brandengruppe zu einer Bibliotheksreise nach Amsterdam und Den Haag auf. Für alle Daheimgebliebenen deshalb das folgende Video, das von den Schweizer Kollegen Andreas Baumberger und Erich Gmünder im Auftrag des Amtes für Kultur Kanton St. Gallen erstellt und übersetzt wurde. Die “Openbare Bibliotheek Amsterdam” ist eine der größten öffentlichen Bibliotheken Europas und eines der Vorbilder für die geplante neue Kantons-und Stadtbibliothek St. Gallen (Schweiz).

Gernot Gabel berichtete bereits in der Ausgabe 01/2008 der Zeitschrift BIT-Online als einer der ersten im deutschsprachigen Sprachraum von der neuen Zentrale der Stadtbibliothek Amsterdam. Sie gewann im vergangenen Jahr den Innovationspreis für ihr Projekt “Nova Local”. Nova Local (“Fernsehprogramm”) ist ein gemeinsames Projekt für Jugendliche. SchülerInnen, die als “Stadtreporter” unterwegs sind erstellen ihre eigenen Videobeiträge, welche unter anderem auf der Webseite www.novalocal.nl abrufbar sind.  Dadurch erwerben sie nicht nur Medienkompetenz, sondern auch technische und soziale Fähigkeiten. Der Verlag NBD / Biblion hat hierzu ein Konzept, welches jungen Leuten die Möglichkeit und das Vertrauen gibt als Co-Produzent von Informationen erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Von der Jury wurde Nova Local als Projekt gelobt, das Medienkompetenz definiert. Das Preisgeld von 30.000 € wird für weitere sieben Bibliotheksstandorte in Amsterdam für Nova Local verwendet.

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Ein Nachtrag zum diesjährigen Träger des Diversity Awards in Großbritannien

Wie wird dem Gedanken  der (kulturellen) Vielfalt im Bibliothekswesen Großbritanniens Rechnung getragen? Bereits die letzte Regierung unter der Federführung von Tony Blair forcierte eine Politik der Chancengleichheit und Eingliederung aller Kulturen, die auch aufgrund der EU-Richtlinien 2000/43/EG und 2000/78/EG vorgeben wurde. Vielfalt als Bereicherung und als Vorteil zu betrachten steht dort meiner Meinung nach viel mehr im Fokus als hierzulande. Hinzu kommt der im April diesen Jahres verabschiedete Equality Act, der sich zum Ziel gesetzt hat die bisherige Gesetzgebung zu vereinfachen und zu stärken.  Aus diesem Grund hängt die Vergabe öffentlicher Gelder oftmals davon ab, ob Vielfalts- und Gleichberechtigungsquoten erfüllt werden. Öffentlichen Institutionen kann Geld verweigert werden, wenn nicht genügend Angehörige ethnischer Minderheiten an deren Aktivitäten partizipieren. Es gibt demnach kaum öffentliche Einrichtungen, die in ihren Richtlinien und Leitbildern nicht die Grundsätze der Gleichheit und Vielfalt betonen. Dies hat auch Auswirkungen auf die Bibliotheksarbeit. Das Chartered Institute of Library and Information Professionals (CILIP) verfügt über eine eigene Diversity Gruppe, welche die Vielfalt in der Nutzer- und Mitarbeiterstruktur gezielt fördert. Diese Gruppe besitzt auch eine Fanseite auf Facebook. Seit 2002 gibt es den vom CILIP ins Leben gerufenen Diversity Award, der alle zwei Jahre vergeben wird. Das Statement des  ehemaligen Vorsitzenden der Diversity-Gruppe des CILIP, Kale Dale, macht deutlich, welche Bedeutung und Wertschätzung Vielfalt innerhalb der Bibliothekswelt zukommt:

Library and information services also have a responsibility to provide and promote career opportunities and development for all their staff. But while a great deal of important work is done in the promotion of diversity through library services up and down the country much of it is unseen and therefore unacknowledged.”

Ziel ist es besonders erfolgreiche Best Practice Beispiele aus dem Bereich Diversity hervorzuheben und diese durch die Vergabe eines Preises zu honorieren. In den vorhergehenden Jahren gab es sowohl für die Bereiche organisationale Veränderung, als auch für personelle Leistungen einzelner MitarbeiterInnen eigene Preise. Seit diesem Jahre gibt es nur noch den “Diversity Award”, der die anderen Auszeichnungen in sich vereint. Im Rahmen der diesjährigen Konferenz  der Diversity-Gruppe des CILIP (Titel: “An Inconvenient Truth: Race, Class and Libraries“), wurde der Gewinner des Diversity Awards 2010 am 14. Juni ausgezeichnet. Dies waren die  Öffentlichen Bibliotheken in Southwark. Gewürdigt wurde die Community-Arbeit mit Zuwanderern aus Lateinamerika und Somalia. Sie basiert auf  das landesweite  ‘Welcome to Your Library Project (WTYL), das den Zugang, die Partizipation und die Qualität des Service von Öffentlichen Bibliotheken zu verbessern versucht(e). Im Blickfeld stehen Flüchtlinge und AsylbewerberInnen. Es gelang ihnen die lokalen Behörden und die öffentliche Verwaltung davon zu überzeugen, dass Neuankömmlinge, die zum Beispiel aus Lateinamerika stammen, einen bedarfsorientierteren  Zugang als bisher zu den von ihnen benötigten Dienstleitungen erhalten sollen. Außerdem handelt es sich um ein Projekt, das für Nachhaltigkeit, Empowerment und der Vernetzung mit den unterschiedlichen Communities steht. Mike Prendergast und Mike Allport freuten sich außerordentlich über diesen Preis. Prendergast betonte unter anderem, dass sich durch die Arbeit mit den unterschiedlichen Zuwanderergruppen auf persönlicher Ebene für ihn neue Freundschaften entwickelt haben, wodurch er ein größeres Verständnis für deren Bedürfnisse und deren Kultur entwickelte.

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Anmerkungen zur neuen Zentralbibliothek von Helsinki (geplante Eröffnung: 2017)

Letzte Woche berichtete ActuaLitté über die Entwicklungspläne einer neuen Zentralbibliothek  in Helsinki (in der Nähe des Hauptbahnhofs), denen bis spätestens Ende des Jahres noch endgültig von politischer Seite zugestimmt werden muss. Pünktlich zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit Finnlands, im Jahre 2017, soll ein neues Gebäude der Zentralbibliothek in Helsinki in der Bucht von Töölö eröffnet werden. Die Kosten werden auf 100 Millionen Euro geschätzt. Ähnlich wie die Stadtbibliotheken in Birmingham und Manchester (geplante Eröffnung: 2013), wird auch hier im Vorfeld auf der Webseite seit 9. Juni für den Neubau geworben, obwohl es bis zur Fertigstellung noch sieben Jahre dauern wird. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Regierung, der Stadt Helsinki und anderen sich in der Metropolregion befindenden Städte um Helsinki. Ferner will man täglich 5.000 Besucher täglich und 1,5 Millionen jährlich erreichen. Dafür sollen 25.000 m² zur Verfügung stehen. Davon sollen 12.000 m² für die Bibliothek reserviert werden, 8.000 m² für eine Vielzahl von Veranstaltungen und anderen (kulturellen) Programmen und 5.000 m² für kommerzielle Aktivitäten.

Bereits 2008 schrieb die Leiterin der Zentralbibliothek, Frau Maija Berndtson, in der Zeitschrift Scandinavian Public Library Quaterly einen Artikel über die Hintergründe, welche zur Idee eines Neubaus beitrugen. Hintergrund ihres Artikels, war ein Bericht, der durch den Bürgermeister Helsinkis in Auftrag gegeben wurde und von Mikko Leisti umgesetzt wurde und folgende Fragen thematisierte:

Was bedeutet die Bibliothek für uns und in welche Richtung soll sie sich entwickeln? Wie können wir so gut wie möglich von der Zukunft profitieren und einen Nutzen daraus für die Bibliothek ziehen?

Ein Vorgeschmack bietet das untenstehende Animationsvideo, das einen Baum als Metapher für die Bibliothek verwendet. Alle an der Entwicklung  der Zentralbibliothek Helsinki  interessierten Menschen, können ihre Ideen und Anregungen zur neuen Bibliothek auf der folgenden Webseite mitteilen: www.lib.hel.fi/en-GB/keskustakirjasto

Mikko Leisti beschrieb die zukünftigen Entwicklungen folgendermaßen: » Weiterlesen

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Interkulturelle Bibliotheksarbeit mal anders: Bibliomigra – eine fahrende und mehrsprachige Bibliothek in Turin

„Toleranz sollte nur ein vorübergehender Zustand sein, er muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ Johann Wolfgang von Goethe

Der am 21.05. jährlich begangene UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung bot Anlass mich eingehender mit dem Projekt  der Künstlergruppe Arteria mit dem Namen Bibliomigra zu beschäftigen. Der kreative Ideengeber von Bibliomigra heißt Davide Serra.

Doch zuerst sollen die politischen Voraussetzungen näher erläutert werden, welche diese Initiative erleichterten. Vor kurzem widmete sich der Courrier International in einer Übersetzung eines Artikels aus La Stampa der Stadt Turin. Seit Ende April 2010 hat sich mit Erringen der Mehrheit der Lega Nord bei den Regionalwahlen in Piemont, dessen Hauptstadt Turin ist, das politische Klima auch dort verändert. Francesco Jori zufolge, reicht es nicht aus den Wahlerfolg dieser Partei allein durch den von ihnen propagierten Rassismus und ihrer Intoleranz gegenüber EinwanderInnen und dem starken Populismus, sowie den antieuropäischen Ressentiments alleine zu begründen.

Turin ist aufgrund der politischen Machtverhältnisse im Stadtrat im Vergleich mit anderen italienischen Städten, gegenüber ZuwanderInnen viel freundlicher und integrativer und nähert sich dem Thema Migration anders als viele italienische Kommunen, die eigentlich eher durch Negativschlagzeilen in jüngster Zeit auf sich aufmerksam machten. Den Vereinten Nationen zufolge ist Turin ein Best Practice Modell für die Integration von Migranten. Die illegale und “unsichtbare” Einwanderung ist insbesondere in Turin in den letzten Jahren zu einem wachsenden Phänomen geworden. Im historischen Stadtteil, in Borgo Dora/Porta Palazzo, beträgt der Anteil der Migranten 50 %.  Kleine unabhängige Vereine und Gruppen, wie die Initiative von Arteria, nutzen die “Straße” als einen Ort der interkulturellen Kommunikation und Prozessen der aktiven Staatsbürgerschaft.  Bibliomigra, eine mehrsprachige fahrende Bibliothek, bietet – alleine durch seine Präsenz in verschiedenen Teilen der Stadt – Literatur unterschiedlichster Art an. Bei den beiden Fahrzeugen handelt es sich um zwei alte Apecars der Marke Piaggio, die so umfunktioniert wurden, wie auf dem Bild oben oder im Film unten zu sehen ist. Das Projekt läuft seit drei bis vier Jahren und MitarbeiterInnen von Arteria steuern vor allem Porta Palazzo an, der Platz für den größten Freiluftmarkt Europas bietet. Zweimal pro Woche in der Zeit von 18:30 Uhr und 21:30 Uhr kümmern sich die MitarbeiterInnen von Arteria vor allem um junge Migranten, die dort “abhängen”, wie es Antonella Aduso, die Vize-Präsidentin von Arteria, ausdrückte.

Aufgrund der Budgetkürzungen sind die beiden Fahrzeuge von Bibliomigra nur noch jeweils ein bis zweimal in der Woche unterwegs, statt wie früher drei bis viermal pro Woche.  Arteria ist die Nichtregierungsorganisation, welche diese kreativen Projekte durchführt. Ein weiteres vorbildliches Projekt nennt sich Una Finestra Sulla Piazza (‘A Window onto the Square’). Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von soziokulturellen Akteuren, welche sich um unbegleitete Migrantenkinder  kümmern. Darüber hinaus macht diese strategische Wieder-Aneignung des öffentlichen Raumes die Flüchtlinge und marginalisierten Gruppen, deren sozialer und kultureller Status ansonsten versteckt und vernachlässigt würde, sichtbarer gegenüber der sogenannten Mehrheitskultur.  Hierbei wird mit jungen Menschen gearbeitet, indem mit ihnen Fußball, Basketball, Badminton, Volleyball, Jenga, Schach und vieles mehr gespielt wird. Außerdem werden Flyer in den Rathäusern der Bezirke  und bei örtlichen Nichtregierungsorganisationen verteilt, um die Menschen über die Projekte zu informieren und die Kontakte und Begegnungen herzustellen.

Im Moment gibt es zwei Bibliomigra-Fahrzeuge, wobei eines im 7. Bezirk unterwegs ist und von der Stiftung Compagnia di San Paolo finanziert wird, wie mir Antonella Aduso verriet Das zweite Fahrzeug, wird hauptsächlich im 3. Bezirk von Turin eingesetzt. Bibliomigra ist sowohl für ZuwanderInnen als auch für Italiener wichtig. Die angebotenen Bücher gibt es nicht nur in Fremdsprachen, sondern auch in italienischen Dialekten.  » Weiterlesen

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Aktuelles zur interkulturellen Bibliotheksarbeit aus Italien (Südtirol) und Österreich

Der Bibliotheksverband Südtirol lädt am 24.04.2010  zu seiner 29. Jahreshauptversammlung ins Pastoralzentrum Bozen ein, deren diesjähriges Motto ganz im Zeichen der Interkulturellen Bibliotheksarbeit steht. Am 24. April wird es dazu am Vormittag einen Workshop mit vielen praktischen Tipps sowie am Nachmittag ein Referat zum Thema geben. Beide Veranstaltungen werden von Reinhard Ehgartner, dem Leiter des Österreichischen Bibliothekswerks geleitet, der schon einige viel beachtete Projekte auf diesem Gebiet initiiert hat. Er ist Leiter des Projekts „LebensSpuren, Begegnung der Kulturen“ und ehrenamtlicher Bibliothekar. Ausserdem hat das Bibliothekswerk vor kurzem eine 192-seitige Projektmappe veröffentlicht, welche in Kooperation mit vielen anderen Bibliotheken und Institutionen entstand (eine „Arbeits- und Impulsmappe für die bibliothekarische Praxis“). Sie ist zum Preis von € 20,-  plus Versandkosten (in Österreich € 3,50) beim Österreichischen Bibliothekswerk (Telnr: 0043-662-881866 oder per E-mail: biblio@biblio.at)  erhältlich. Darin enthalten sind  Grundlagen zum Thema Migration und Integration, zentrale Dokumente zum Thema “Interkulturellen Bibliotheksarbeit”, Impulse zu den Themenbereichen “Mehrsprachigkeit” und “Sprachwechsel”, zahlreiche Projektbeschreibungen und Konzepte aus der bibliothekarischen Praxis, Projektmaterialien der STUBE zum Thema “Fremdheit/Vielfalt” und Buchrezensionen zum Thema “Interkulturelle Vielfalt” der bn.bibliotheksnachrichten und des Vereins EFEU. Obwohl ich die Projektmappe noch nicht kenne, bin ich mir sicher, dass diese auch für Bibliotheken in anderen deutschprachigen Sprachräumen zusätzlich zum Webauftritt www.interkulturellebibliothek.de und der Checkliste “Wie interkulturell ist Ihre Bibliothek?” eine gute Ergänzung darstellen könnte, da es meinem Kenntnisstand zufolge noch keine mehrseitigen Materialien zu diesem Thema in Deutschland gibt. Ehgartner betont am Schluss seines Aufsatzes die Bedeutung einer höheren medialen Aufmerksamkeit zu diesem Thema, eine stärkere Verankerung des Aufgabenfeldes in der Breite und die damit verbundene Lobbyarbeit in politischen Entscheidungsprozeßen. Aus diesem Grunde wäre eine einheitliche Projektmappe hierzulande ebenfalls wünschenswert, um mit einer Handreichung bei Multiplikatoren und bei politischen  Entscheidungsträgern unterschiedlichster Couleur stärker um die interkulturelle Zukunft zu werben. Nach wie vor wird der abgrenzende Begriff der sogenannten “Mehrheitsgesellschaft” verwendet. Die “Mehrheit” – ob nun als Kunden einer Bibliothek oder als Bürger eines Stadtteils – wurde meines Erachtens noch nicht ausreichend auf diese interkulturellen  Veränderungen von Seiten der Politik und der Zivilgesellschaft vorbereitet. In seinem Aufsatz  “Die Bibliothek als Begegnungsort der Kulturen: Einige Überlegungen zur interkulturellen Bibliotheksarbeit” benennt Reinhard Ehgartner unterschiedliche Aspekte der Interkulturellen Bibliotheksarbeit, wobei ich die drei Schritte, welche über die kulturelle Brückenfunktion von Literatur und von Bibliotheken hinausgehen an dieser Stelle zitiere:

Schritt 1: Vom Objekt zum Subjekt: » Weiterlesen

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Aus aktuellem Anlass: Die Innsbrucker Stadtbücherei wird ab morgen einmal im Monat zur Lebenden Menschenbibliothek

Die Innsbrucker Stadtbücherei wird ab morgen,  dem 29.03.  ab 15 Uhr einmal im Monat zur “Lebenden Menschenbibliothek“. Die Projekt-Betreiber fordern Integration auf Straßen-Niveau.  Die Aktion nennt sich “Wer bist du?” und ist eine Veranstaltungsreihe zum Thema Integration. Das Konzept wurde bei den Stadtpotenzialen 08 ausgezeichnet und für die Stadtbücherei adaptiert.  Ziel ist es,  Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zu ermöglichen, zum einem im Rahmen eines Schulprojekts zum anderen während der Öffnungszeiten der Stadtbücherei bei Speis und Trank. Emir Handžo, der bereits 2008 die “Lebende Menschenbibliothek” mitorganisiert und durchgeführt hatte beklagte hierbei folgendes (was mit Sicherheit auch für Länder wie Deutschland, Frankreich, Schweiz und die Niederlande gilt):

“Die aktuelle Debatte über Immigranten, Asyl, Abschiebung und Sicherheit in Österreich ist meiner Meinung nach Unrecht. Wir sprechen nicht miteinander, sondern übereinander. Einer der Gründe dafür ist ein sehr niedriges Wissen vieler Österreicher über Leute aus anderen Ländern.”

Ab morgen startet die Aktion, bei der die InnsbruckerInnen nun die Gelegenheit haben einmal pro Monat “Lebende Bücher” kostenlos für ein Gespräch auszuleihen.  Zu den lebenden Büchern zählen VertreterInnen gesellschaftlich benachteiligter Gruppen , MigrantInnen, LiteratInnen, PolitikerInnen, Menschen aus “Randgruppen” oder mit Vorurteilen konfrontierte Bevölkerungsgruppen, aber auch Künstler oder Menschen mit außergewöhnlichen Berufen. Die Gründer des Projekts forderten im Vorfeld:

“Integration in Österreich muss auf ein Straßen-Niveau gesetzt werden, dahin wohin die Leute gehen”, fordern die Entwickler des Projektes. Im Fall der “Lebenden Menschenbibliothek” heißt das, dass Menschen mit vielfältigen Lebenserfahrungen, mit Migrations- oder Flüchtlingsbiografien, ihre Geschichten mit interessierten Mitmenschen teilen.

Die Stadtbücherei wird so zum Ort der Begegnung von Menschen zwischen verschiedenen Kulturen und an drei Montagen, 29. März, 10. Mai und 7. Juni, jeweils in der Zeit von 15 bis 18 Uhr.  Emir Handžo wird an den Menschenbibliotheks-Tagen als “Bibliothekar” arbeiten. Eine politische Langzeitstudie, die von 1990 bis 2008 durch Christian Friesl als Co-Autor durchgeführt wurde, beschäftigte sich mit dem Wertewandel in Österreich von 1990 bis 2008. » Weiterlesen

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Rückschau auf den “Study Visit: Multicultural Libraries: practice makes perfect!” vom 2-3 November in Rotterdam (2. Teil)

Bibliotheek_RotterdamBevor ich vom zweiten Tag des Study Visit berichte, will ich kurz auf das von Herrn Benito vorgestellte Programm ESME – (European Strategy for multicultural Education) eingehen. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation der Stadtbibliothek Frankfurt am Main, dem Multicultural Center in Prag, der Projektstelle für Zuwanderung und Integration in Dornbirn (Österreich) und dem Immigrant Institut in Borås (Schweden).  Das Hauptziel der genannten Einrichtungen ist es, den Aufbau eines multikulturellen Lerncenters voranzutreiben, das als Treffpunkt für formelles und informelles Lernen dienen soll.  Informationen über den Fortgang der Projektarbeit und klassische Best Practice Beispiele finden sich auf der folgender Webseite: http://www.librariesforall.eu. Hinzu kommen Literaturhinweise, Texte und Anregungen für die eigene Einrichtung, die es gilt mutikultureller bzw. interkultureller zu gestalten.

Der zweite Tag des Study Visit begann mit einem Vortrag zur Publikation “Diversity Management – Eine neue Managementkultur der Vielfalt – für eine neues Image der Bibliotheken” von W. Kaiser. Sie setzt sich mit dem Konzept Diversity Management näher auseinander. Kaiser plädiert für mehr Heterogenität innerhalb der Mitarbeiterschaft und innerhalb der Zielgruppen. Im Vordergrund steht der Umbau der Organisationskultur hin zu einer multikulturellen Organisation und dem Eingeständnis, dass der Beruf für Menschen mit Migrationshintergrund (aber auch für den “Ottonormalazubi” bzw. den Großteil der StudentInnen) sowohl in den USA, als auch in Deutschland nicht attraktiv genug ist. Es wurden Vorschläge gemacht wie eine mögliche Umgestaltung aussehen kann, mit dem Verweis darauf, dass die Bibliothek sich mehr als lernende Organisation verstehen sollte. Best Practice Beispiele, welche die Attraktivität der Bibliothek für die LGBT-Community, für MigrantInnen, Ältere und behinderte Menschen zum Ausdruck bringen, wurden kurz vorgestellt. Darüber hinaus wurden die Hochschulen und Ausbildunseinrichtungen (für FAMIs) als erste Diversity Recruiting -Adressen genannt, die den Gedanken der Wertschätzug von Vielfalt stärker fördern sollten, indem sie sich auf Ausbildungsmessen mit anderen Plakaten präsentieren, welche die Vielfalt der eigenen Gesellschaft stärker widerspiegelt.  Er hatte auch auf die Interkulturelle Kompetenzvermittlung und die sogenannten Diversity Trainings für die angehenden BibliothekarInnen und Fachangestellten für Medien und Information hingewiesen, die bisher an Hochschulen und Berufsschulen noch nicht im Curriculum verankert sind (fakultativ an der HAW Hamburg). Durch all diese genannten Maßnahmen, Forderungen und Ziele wäre  eine stärkere Identifikation und ein anderes Image  möglich, wenn sie (auch die Berufsverbände) Andersheit als Ressource wertschätzen anstatt die monokulturelle Norm aufrecht zu erhalten. » Weiterlesen

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Rückschau auf den "Study Visit: Multicultural Libraries: practice makes perfect!" vom 2-3 November in Rotterdam (1. Teil)

Study Visit: Multicultural Libraries practice makes perfect

Vom 2.11.-3.11. fand eine Tagung zur multikulturellen Bibliotheksarbeit in der Stadtbibliothek Rotterdam statt.

Dieses unvergeßliche und interessante Treffen, an dem Gäste aus Schweden, Norwegen, Israel, Spanien, Belgien und Deutschland teilnahmen, bot zahlreiche Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch. Hierbei wurden Best Practice Beispiele vorgestellt, die eine große Bandbreite an Möglichkeiten aufzeigte, wie multi-, inter-  und/ oder transkulturelle Bibliotheksarbeit gelingen kann.

In zwei Blogeinträgen will ich meinen Fachaufenthalt inhaltlich untergliedern und auf die wichtigsten und interessantesten Vorträge und Eindrücke eingehen. Die politische Ausrichtung und die Definition, wie multikulturelle Bibliotheksarbeit in anderen Ländern ausgeübt und auf die jeweilige Bibliothek angewendet wird, sind sehr unterschiedlich. Meist hängt dies auch von der Politik der jeweiligen Kommune zusammen. Rotterdam, mit einem Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund von etwa 50 % zählt mit Sicherheit zu den multikulturellsten Städten in Europa. Die zweitgrößte Stadt der Niederlande liegt hierbei weit vor Amsterdam, was den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund angeht. Dennoch sollte ergänzend erwähnt werden, dass die Bibliotheksarbeit sich in den Niederlanden mehr multi- statt interkulturell entwickelt hat v.a. durch die politischen Ereignisse der letzten Jahre. Katrin Sauermann, die ebenfalls in Rotterdam dabei war, versicherte mir, dass die Ermordung des umstrittenen Filmemachers Theo Van Gogh im Jahre 2004,  zu einer (radikalen) Kehrtwende in der Integrationspolitik führte. Im Laufe meines Aufenthaltes bestätigte sich das in Gesprächen mit niederländischen Bibliothekaren der Stadtbibliothek Rotterdam und der Chefredakteurin der Zeitschrift NL Unlimited immer wieder.

Es wird nun mehr auf “Integrationsmaßnahmen” gesetzt, die auf Assimilation zu zielen scheinen statt auf interkulturelle Angebote, die auf die Mehrsprachigkeit der Migranten setzen. Statt bewußter das UNESCO-verbriefte kulturelle Recht auf Muttersprache zu unterstützen und fremdsprachige Medien anzubieten, werden oftmals einsprachige Medien angeboten, wie mir auch eine Bibliothekarin einer kleineren Stadt während der Tagung versicherte. Das konnte ich am 04.11. erstaunlicherweise in der Stadtbibliothek Den Haag feststellen, als ich mich bei einem Bibliothekar erkundigte , nur auf fremdsprachige Medien in englischer Sprache verwiesen wurde. Selbst als ich die Bibliothek bis in den letzten Winkel und alle Stockwerke erkundete, fand ich keine Medien in anderen Sprachen. Das war in Rotterdam jedoch anders.  Vermutlich kommt es nach wie vor auf die Prioritätensetzung der Kommunalpolitiker und der der Bibliotheksleiter an. Zudem gibt es zurzeit – angeleiert durch den Rechtspopulisten Geert Wilders – in den Niederlanden eine ernsthafte und besorgniserregende  Debatte darüber die Kosten der Migration zu berechnen[1][2], was durchaus einen weiteren Rückschlag für die dortige Entwicklung bedeutet.

Im Folgenden will ich die Vorträge des ersten Tages nennen und möchte auf besonders interessante Best Practice Beispiele eingehen:

  • Die Begrüßung durch den Leiter der Stadtbibliothek Rotterdam, Herrn Gerard Reussink
  • Rotterdam Public Library: The broad approach towards low literacy von Joke Mos, unitmanager Division Innovation and Development. Hierbei beschrieb sie die sogenannte Participation Ladder, einen Plan, wie städtische Regionen Lösungen für die Alphabetisierung ihrer Bürger angehen. Zwischen der Stadtverwaltung, dem Sozialamt, Erwachsenbildungsinstitutionen und natürlich der Stadtbibliothek finden Kooperationen statt, die nach den Richtlinien der Participation Ladder umgesetzt werden. Die “Partizipationsleiter” reicht von der Isolation zur bezahlten Arbeit und gliedert sich in sechs Phasen, wobei ich die drei wichtigsten hier nenne: 1.) Hierbei versucht die Bibliothek die Leute beim Erlernen der Niederländischen Sprache und beim Aufbau sozialer Kontakte zu unterstützen. 2.) Das Wesen der zweiten Phase ist die Integration, den Auf- und Ausbau sozialer Netzwerke und die Teilnahme bei organisierten Aktivitäten. 3.) In der letzten Phase geht es um die Teilhabe in der Gesellschaft durch eine bezahlte oder ehrenamtliche Arbeit. Die Bibliothek ermutigt zum Engagement und zur Partizipation, indem sie Sprachkurse anbietet und bei der Jobsuche behilflich ist. Jede Stadtteilbibliothek lädt einen Coach ein, der den Arbeitssuchenden Workshops und Unterstützung beim Verfassen ihrer Bewerbungen anbietet. Nahezu jede öffentliche Bibliothek verfügt über sogenannte  E-center, die einen kostenlosen Internetzugang  und verschiedene E-Learniningprogramme anbieten z.B. Integrationskurse um die niederländische Staatsbürgerschaft zu erlangen.

Danach folgte eine Bibliotheksführung, bei der wir nur einen kleinen Teil der etwa 24.000 m² großen und sich auf sechs Stockwerken verteilenden Bibliothek besichtigten.  Dadurch, dass Rotterdam – als aller erste europäische Stadt überhaupt – dieses Jahr Europas Hauptstadt der Jugend (EuropeanYouth Capital) ist, finden Aktionen und Veranstaltungen rund um das Thema Jugend und Teenagerdasein statt.  Hierzu gibt es in der Bibliothek eine neu eingerichtet Jugendabteilung, die von einem Innenarchitekten gestaltet wurde und die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen stärker abbildet, was wiederum mehr Identifikation mit der Bibliothek als Ort schafft.

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