Meine unsortierten Eindrücke vom Bibcamp in Hannover

Zum Gedanken Sortieren ist es vermutlich noch alles viel zu frisch, daher folgen meine Gedanken zu den vergangenen Tagen erstmal ziemlich unsortiert. Ganz deutlich gesagt, das Erlebte, der intensive Austausch, die vielen neuen und doch auch “alten” Bekannten werden noch eine Weile in meinen Gedanken herumschwirren. Ich habe viele Anregungen mitgenommen, rein praktischer Natur:

  • “Geduldig sein” – der Einzug von Web 2.0 in das Bewusstsein der Kollegen ist ein langsamersehr schwieriger Prozess, aber er kann erfolgreich sein.
  • “Praktisch sein” – Es reicht nicht, nur gute Beispiele anderer Bibliotheken zu zeigen, sondern diese auch direkt gleich auf die eigene Arbeit des Einzelnen, dem man es zeigt, anzupassen.
  • “Direkt sein” – Es klingt ein wenig nach Sisyphosarbeit, aber es hilft am besten, die Leute einzeln anzusprechen und ihnen zu zeigen, welche Arbeitserleichterung das ganze für sie bedeutet.
  • “Positiv sein” – Auch die postive Ausstrahlung, eine “nicht-missionarische” Überzeugtheit vondem, was Web 2.0 heißt, kann helfen. Freude ausstrahlen kann andere ermutigen. Spaß haben mit den Dingen.
  • “Mutig sein” – Manchmal muss man einfach machen und andere mit den Erfolgen überzeugen. Da heißt es, selbst anpacken, wenn das geht, selber Angebote aufbauen und deutlich sichtbar später mittragen.
  • “Organisatorisch sein” – Die Chefs müssen einen untestützen. Bestimmte Angebote sollten mit deutlicher Beführwortung (Einladung zum Workshop, Aufmerksam machen auf ein Web-Lernangebot) des Chefs oder desjenigen, der in der Bibliothek etwas zu sagen hat (Vorbilder, angesehene Kollegen) an die Belegschaft weitergereicht werden.

Andere Anregungen waren eher in Richtung Motivation zu sehen: Anderen geht es nicht anders oder besser gesagt: Oh, ich bin vermutlich genauso social-web-verrückt wie alle mit denen ich gesprochen habe 🙂 Monika hat es in ihrer Zusammenfassung in der Abschlussdiskussion sehr schön ausgedrückt: Auch wenn wir vor Ort Einzelkämpfer sein mögen (mehr oder weniger), das Bibcamp hat gezeigt: ‘Ich bin nicht allein’. Für dieses “nicht allein” steht jeder einzelne der Teilnehmer.

Sehr schön war, dass alle sich aktiv beteiligt haben. Egal, welche Session ich besucht habe, es haben immer viele mitdiskutiert, ehrliche Erfahrungen eingebracht und Wissen ausgetauscht. In den Sessions wurden Anregungen aufgeworfen, die dann in den großzügigen Pausen bei einem reichhaltigen Buffett und Unmengen an heißem Kaffee weiterdiskutiert wurden. Auch die Abende waren gefüllt mit anregenden Gesprächen bei Bier und Apfelschorle und nicht selten drehte sich auch da alles um die eigene bloggende-twitternde-facebookende Tätigkeit.

Highlights waren für mich die Gespräche mit Markus (Text&Blog), Thomas (Hapke Blog) und Monika (Library Mistress) und die nette Zeit und Unterkunft bei Kati 🙂

Es gäbe noch sehr viel meh zu erzählen – leider geht der Akku dem Ende entgegen und was jetzt folgen würde, neben den immer wieder hervozuhebenden Lob für die ORGA des Bibcamps, wäre noch wesentlich unsortierter und wird vermutlich auf andere Art und Weise festgehalten werden 🙂

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Nachdenken über Informationskompetenz

Die erste Session, die ich heute besucht habe, beschäftigte sich mit dem Thema Informationskompetenz (Thomas Hapke) und persönliches Wissensmanagement (Anke Wittich)Auf diesen zweiten Bereich gehe ich nicht ausführlicher ein, da für mich in der Beschäftigung die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Informationskompetenz wichtiger war). Es wurde sich dabei mit Fragen beschäftigt wie: Welche Kompetenzen benötigen wir? Was machen Bibliotheken im Rahmen von Informationskompetenz und reiccht das?
Thomas Hapke stieg mit einem Zitat von Walter Benjamin ein:

“In diesen Tagen darf sich niemand auf das versteifen, was er ‘kann’. In der Improvisation liegt die Stärke. Alle entscheidenden Schläge werden mit der linken Hand geführt werden.”

“These are days when no one should rely unduly on his competence. Strength lies in improvisation. All the decisive blows are struck left-handed.”

Dieses Zitat enthält auf Englisch sogar den Begriff Kompetenz und zeigt, dass man sich nicht mehr auf das vorgebetete Wissen und bereits erworbene Kompetenzen verlassen kann, sondern dass man darüber hinaus gehen muss. Im nächsten Schritt verdeutlichte Hapke auch, dass der englische Begriff “Information Literacy” über den engen deutschen Begriff von “Informationskompetenz” hinausgeht und weiter gefasst wird. Die amerikanische Forschung versteht unter “Literacy” etwas, das über Kompetenz hinausgeht.

Informationskompetenz wird wie folgt definiert:

Fähigkeit, die es ermöglicht, bezogen auf ein bestimmtes Problem Informationsbedarf zu erkennen, Informationen zu ermitteln und zu beschaffen sowie Informationen zu bewerten und effektiv zu nutzen.

Doch wie kann man an dieser Stelle Informationskompetenz bewerten? Wann ist Informationskompetenz erreicht? Welche Kriterien spielen dabei noch eine Rolle? Lässt sich Informationskompetenz mit Standards erfassen? Informationskomptenz kann inhalts-, lern-, gesellschafts-, personen-, kontext- oder beziehungsbezogen definiert, verstanden und angewendet/vermittelt werden. Um in der Auseinandersetzung mit Informationskompetenz fehlende Bruchstücke zu verdeutlichen zog Hapke den Französischen Begriff für “Information Literacy” heran: La culture de l’information. Dieser Begriff macht deutlich, dass es sich dabei nicht nur um eine Kompetenz handelt, sondern um einen Teil der Kultur.

Warum Kultur? Begriffe sind oft nicht wirklich definierbar, denken Sie an Twitter oder Facebook. Um zu verstehen, was damit gemeint ist, müssen Sie die Möglichkeiten, Rolle, Anwendung erst in der Praxis erfahren. Auch der Informationsbegriff oder Lernbegriff beeinflussen das Verständnis von Informationskompetenz.

In “Information Literacy” kann vielleicht eine soziokulturelle Praxis gesehen werden, die von ganz verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Daher ist es besser, statt Informationskompetenz die Informationskultur zu fördern, welche auf die Vielfalt der Informationsquellen, Fachkulturen usw. beachtet. Natürlich stellt sich auch die Frage, wie man als Bibliothek die/eine Informationskultur fördern kann. Hapke führte hier den Begriff/ die Rolle des “Community Technology Stewards” ein. Dies bedeutet auch, dass die Lern- und Lehrkulturen diesem angepasst werden, d.h. das verstärkt auf aktivierende Lehrmethoden gesetzt wird.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es notwendig ist, den Nutzer dort abzuholen, wo er sich befindet (bei Google, Wikipedia & Co). Bibliotheken sollten außerdem ein problembezogenes Thema wählen, d.h. nicht sagen “Einführung in Datenbank XY”, sondern “Wie finde ich Aufsätze zu meinem germanistischen Thema?”, “Fragen Sie die Bibliothek” als Einladung, sich mit einem konkreten Problem an die Fachkräfte zu wenden. Bei letzterem Angebot sollte man nicht davon ausgehen, dass diese Aufgabe die Auskunft übernehmen könnte. Der Extra-Termin kann die Aufmerksamkeit erhöhen und dem Nutzer suggerieren, dass er mit seinem konkreten Problem ernst genommen wird. Für die beteiligten Bibliothekare ist dies natürlich ein Sprung ins kalte Wasser, wozu ein wenig Mut gehört, das aber einem auch jeden Tag an der Information passieren kann.
Ganz deutlich zeigte sich auch, dass es notwendig ist, dass Angebote dann wahrgenommen werden, wenn die Titel Neugier wecken oder ein situativer Druck (Abschlussarbeit) besteht. Als positiv wurde auch das Einbinden von Kompetenzen seitens der Nutzergruppe angesehen. So kann es hilfreich sein, Studierende für technische Auskünfte einzustellen, die dann mit ihrer Sprache anderen Studierenden z.B. im Umgang mit der Lernumgebung erklären oder Problemlösungen für bestimmte Technikprobleme bieten können, z.B. für Probleme mit Linux, Mac, Windows…

Sollte ich jetzt weitere Erkenntnisse aus dieser Session vergessen haben, bitte ich die gerne zu ergänzen oder ganz im Sinne des Bibcamp die Diskussion hier im Blog oder der Biblioblogosphäre fortzusetzen.

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