Aus aktuellem Anlass: Der diesjährige Gewinner des “Libraries Change Lives Award” ist die Bibliothek der Haftanstalt von Saughton (Edinburgh)

Eine Gefängnisbibliothek in Edinburgh, welche erst im November 2008 eröffnet wurde, erhielt vorgestern im Rahmen der Libraries Change Lives Konferenz (in London) den Libraries Change Lives Award. Das Chartered Institute of Library and Information Professionals (CILIP) ist der Ausrichter der Konferenz und Sponsor des Preises. Die Auszeichung belohnt gute und innovative Bibliotheks- und Informationsprojekte, welche Menschen zusammenbringen, Nutzer einbeziehen und  das Leben von Menschen verändern. Die Gefängnisbibliothek setzte sich damit gegen andere innovativen Initiativen und Projekte aus Manchester und London (Bezirk Barking und Dagenham) durch. Hierfür erhielt sie eine Trophäe und 5.000  britische Pfund. Sie ist die einzige Bibliothek in Schottland mit einer Warteliste. Den Gutachtern zufolge übt die Bibliothek einen bemerkenswert positiven  Einfluss auf alle Insassen und Mitarbeiter aus. Das bei der Errichtung der Bibliothek vorgebene Ziel war es, eine soziale Inklusion für alle Insassen zu verwirklichen, indem ihnen Weiterbildungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven aufgezeigt und angeboten werden, um ihnen den Übergang von der Haft in die Freiheit zu erleichtern.  Dies wird durch ein einladendes Design und eine moderne Ausstattung (z.B. Laptops und Schreibtische) gewährleistet, wobei die Häftlinge bei der Gestaltung und dem Bau der Inneneinrichtung aktiven mitwirkten. Außerdem wird den Insassen nicht nur dabei geholfen ihre Lesefähigkeit zu verbessern, sondern ihnen auch bei der Erstellung ihrer Lebensläufe und Bewerbungen  Hilfestellung gegeben. Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass dort Häftlingen Fähigkeiten und Kompetenzen eines Bibliothekars vermittelt werden. Betrieben wird die Bibliothek aber von der erfahrenen „Berufsbibliothekarin“ der Stadtbibliothek von Edinburgh, Kate King. Sie und einige Häftlinge kommen im folgenden Video zu Wort.


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Bibliothekare werden fürs 21. Jahrhundert fit gemacht…

… zumindest namenstechnisch in Edinburgh:engl: . Dort soll der Begriff „Librarian“ verschwinden. Namenlos müssen die Bibliothekare jedoch nicht werden. Sie heißen ab demnächst “audience development officers”. Das beschlossen die Machtinhaber der Stadt. Damit sollen die „Buchstempler“ ins 21. Jahrhundert geholt werden und den muffigen Charme von Jahrhunderten verlieren. Ob das die Bibliotheksnutzer auch so sehen?

Der Namen Bibliothekar wurde in Frage gestellt durch die Entscheidung

to deploy „self-service borrowing systems similar to those found at supermarket checkouts“. Up to 40 librarians could be for the off, and those who do hold onto their jobs will be expected to „run computer courses, hold talks and encourage kids to read“.

Kaum verwunderlich ist bei einer von oben aufgedrückten Namensänderung, dass 95 Prozent des Personals an ihrer alten Berufsbezeichnung festhalten. Und es wird auch zu erwarten sein, dass die „Leserschaft-Entwicklungsbeamten“ bei ihren Nutzern weiterhin einfach nur die Bibliothekarin, der Bibliothekar sein werden.

Der Autor des Artikels kann sich zum Schluss bei der Beurteilung des Ganzen nicht enthalten zu sagen:

In case you’re wondering, Edinburgh is controlled by a Liberal Democrat/Scottish National Party alliance.

Lesenswert sind auch die zahlreichen Kommentare zu diesem Artikel.

Quelle:
Haines, Lester: Librarians redubbed ‚audience development officers‘:engl: via The Register


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