Es gibt sie: Raubkopierer in Deutschland

Beamte des Landeskriminalamtes in Brandenburg haben in Cottbus Fachbücher sichergestellt, bei denen es sich vermutlich um illegale Nachdrucke handelt. Börsenblatt-Redakteurin Sabine Cronau sieht darin „fast etwas Nostalgisches“.

Das LKA wurde durch ehrliche Kunden aufmerksam.

Es gibt sie wirklich: Menschen, die ein Portemonnaie auf der Straße finden und zum Besitzer zurückbringen. Und Kunden, die sich mit einem Buchschnäppchen aus dem Online-Shop an den Verlag wenden – weil sie das Gefühl haben, kein Original in den Händen zu halten.

So informiert haben die Beamten eine eine mutmaßliche Raubkopierer-Werkstatt in Cottbus entdeckt. Bereits am 30.7. durchsuchten sie mit Durchsuchungsbeschlüssen des Amtsgerichtes Cottbus und durchsuchten fünf Objekte in der Stadt. Ermittelt wurde gegen fünf deutsche Beschuldigte zwischen 39 und 48 Jahren. Die Beschuldigten sollen sein Anfang 2007 „gewerbsmäßig und ohne Einwilligung der Berechtigten“ verschiedene Fachbücher in einer Druckerrei nachgedruckt (vervielfältigt) und im Rahmen einer Firma den Verkauf über Internetauktionsplattformen organisiert haben.

Die Beschuldigten sollen die Bücher zudem als „preisreduzierte Mängelexemplare“ bzw. als aus der „Insolvenzmasse eines Kölner Buchgroßhandels“ stammend deklariert und deshalb wesentlich preiswerter als die Originale angeboten haben, um den Verkauf zusätzlich zu stimulieren.

Die Ermittler entdeckten bei ihren Durchsuchungen neben ca. 90 Transportkisten mit mehreren hundert unberechtigten Buchnachdrucken , auch Druckbögen und zum Vervielfältigen vorbereitete Origianwerke. Außerdem wurden mehrere Terrabyte elektronische Daten sowie zahlreiche Ordner mit Geschäfts- und Vertriebsunterlagen sichergestellt.

Was heißt das für die Branche:
Die braven Kunden beweisen der Buchbranche, dass es noch immer Menschen gibt, die bereit sind für Qualität ihren Preis zu zahlen. Ob allerdings gejubelt werden darf, dass nicht alle beim E-Book-Hype dabei sein wollen? Ist es nicht gerade hier notwendig, den Hype ein wenig zu unterstützen, um dieses Geschäftsfeld in Gang zu bringen und sich dort einen teilnehmenden und gestaltenden Platz zu sichern? Vom „E-Book-Zeitalter“ sind wir doch wohl noch einige Lichtjahre entfernt. Natürlich lohnt es sich immer noch, Kopien anzufertigen, die nicht auf einen Datenträger passen. Aber natürlich, aus Sicht der Fortschritts- und Technikgläubigen hat „der Fall Cottbus […] fast etwas Nostalgisches, gerade wenn es ums Fachbuch geht.“

Die Tapeziertische, auf denen Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre an deutschen Universitäten billige und schlechtgebundene Raubkopien von Lehrbüchern und Bestsellern angeboten wurden, sind damals von oben mal mehr, mal weniger toleriert worden. Die Kosten für den Aufwand bei Verfolgung und die Verluste scheinen sich wohl die Wage gehalten zu haben. Heute geht man da weniger nostalgisch vor:

Dass die geschädigten Verlage jetzt in Cottbus Anzeige erstatten – und die Polizei 90 Kisten und mehrere Tausend Gigabyte elektronische Daten beschlagnahmt, dürfte auch mit dem Thema Internet­piraterie zusammenhängen: Der Druck im Kessel steigt.

Auffällig ist, dass von dieser Aktion nichts in die Presse durchgesickert zu sein scheint, denn hier könnte die Verlagsbranche doch endlich einen schlagkräftigen Beweis für die Piraterientheorien anbringen und lancieren: Raubkopierer gibt es also auch hier in Deutschland und sie arbeiten gewerbsmäßig…

Na, warten wir mal ab, ob man da mehr hört, wenn die Geschäftsunterlagen ausgewertet sind.

Quellen:
Durchsuchungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Urheberrecht u.a. in der Internetwache Brandenburg (31.07.2009)
Cronau, Sabine: Druck im Kessel, Kommentar via Börsenblatt.net (06.08.2009)


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