Ein König – viele Wege zum Bücherwissen von Wilfried Enderle

Wilfried Enderle hielt am 14. Januar 2014 den Vortrag „Ein König – viele Wege zum Bücherwissen. Die Göttinger Universitätsbibliothek im Kontext der europäisch-britischen Bibliothekslandschaften“. Dieser fand im Rahmen der Öffentlichen Ringvorlesung der Universität Göttingen im Wintersemester 2013/14 mit dem Titel „Kommunikation & Kulturtransfer in der Personalunion“ statt.


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Buchvorstellung "Lesewelten – Historische Bibliotheken"

„Mit den Büchern kamen die Probleme.“

Platzprobleme, die Bibliotheken kennen, sind allerdings dabei nicht gemeint, sondern sittliche Probleme. Im 18. Jahrhundert war die Bibel nicht mehr der „one and only“ Lesestoff. Die Menschen lasen diesen Text nicht immer und immer wieder, sondern griffen zu vielen Büchern, die sie oft nur einmal lasen. Und diese Menschen brauchten Rat, was sie lesen sollten.

Helfen konnten Literaturkritiker, die genau wußten, welche Lektüre seelische oder soziale Abgründe bei den Mitmenschen verursachen konnten. Nicht lesbar waren die gängigen Romane.

„Hochverrath an der Menschheit“ seien die, urteilte der Philosoph Johann Adam Bergk. Eine „Pest der deutschen Literatur“, schob der Publizist Johann Georg Heinzmann nach.

Auch der Erfurter Pfarrer wußte vor diesen Romanen zu warnen, weil die Leser sich mit diesen belletristischen Romanchen eine Idealwelt erträumten und nicht im hier und jetzt lebten. Dadurch würden sie mit dem, was Gott geschaffen hat, nicht mehr zufrieden sein. Die von diesen Volksaufklärern gefürchteten Bücher wurden um 1800 hauptsächlich durch die recht kurzlebigen Leihbibliotheken verliehen. Sie wurden aber auch in private Gelehrten- und Adelsbibliotheken, halböffentliche Hofbibliotheken und in Büchersammlungen von Kirchen, Schulen und Universitäten aufgenommen. Diese Bibliotheken sind teilweise erhalten geblieben.

Als Nachschlagewerk konzipiert weist der Band „Lesewelten – Historische Bibliotheken“, herausgegeben von Katrin Dziekan und Ute Pott, „Büchersammlungen des 18. Jahrhunderts in Museen und Bibliotheken Sachsen-Anhalts“ auf einem Blick und im Einzelnen nach. Dieses Buch entstand als Nachbereitung des „Lesewelten“-Themenjahres 2007 der Landesinitiative „Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert“.

Dieses Buch behandelt populärwissenschaftlich und reich bebildert sowohl bekannte Bibliotheken, wie die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen oder der Landesschule Pforta, als auch unbekannte kleinere Sammlungen aus Schlossmuseen, Archiven und großen Bibliotheken.

In 30 Aufsätzen, eingeteilt in sechs Abteilungen, werden 30 Sammlungen vorgestellt. Da ist zum einen ein Beitrag über die evangelische Marienbibliothek in Halle. Diese Bibliothek war bis ins späte 17. Jahrhundert die einzige öffentliche Bibliothek in Halle und wurde in den vergangenen 20 Jahren wieder in einen vorbildlichen Zustand gebracht. Beschrieben wird auch die Francisceumsbibliothek in Zerbst, die Bücherei Gleims in Halberstadt und der Grimms in Haldensleben, die Bibliotheken in Dessau, Ballenstedt, Quedlinburg und Köthen, sowie im Klopstock-, Händel- und Winckelmann-Museum.

Besonders interessant sind die Erkenntnisse, die zu den verlorene Sammlungen der Familie Alvensleben, der Stolbergs in Wernigerode, der Sammlung im Schloss Wörlitz und der Klaus-Synagoge in Halberstadt gesammelt wurden. Deren Verluste entstanden oft schon lange vor den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges. So wurden in Folge der Wirtschaftkrise um 1930 herum wertvolle Bestände von ihren Besitzern in Wernigerode, Wörlitz und Wiederstedt verkauft.

Das Buch wird Dienstag, den 31.05.2011 um 18.00 in der Universitätsbibliothek, August-Bebel-Straße 13 in Halle vorgestellt. Die Herausgeberinnen Katrin Dziekan und Ute Pott sprechen mit Dr. Marita von Cieminski von der halleschen Universitäts- und Landesbibliothek und Uwe Quilitzsch von der Kulturstiftung DessauWörlitz über die Buchsammlungen, deren Geschichte(n), Verluste und Neuerwerbungen. Richard Bartl aus Halberstadt liest historische Texte zu den in den Sammlung enthaltenen Büchern, ihren Sammlern und Lesern.

Katrin Dziekan, Katrin; Pott, Ute (Hrsg.) : Lesewelten – Historische Bibliotheken : Büchersammlungen des 18. Jahrhunderts in Museen und Bibliotheken Sachsen-Anhalts. – 428 S., geb., mit zahlr. Farbabb. – ISBN 978-3-89812-538-3.

Quelle:
Lesewelten – Historische Bibliotheken : Buchpräsentation des Mitteldeutschen Verlags in Kooperation mit der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Pressemittelung der MLU
Eger, Christian: Im Bücherbergwerk, Naumburger Tageblatt


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Die Tinte der Franckeschen Stiftungen

August Hermann Francke hat während seiner Zeit als Waisenhausvater tausende Seiten mit einer selbstgebrauten Tinte beschrieben. Das Rezept dafür galt verloren und wurde jetzt im Archiv wiedergefunden. Die Archivarin und Kuratorin der Franckeschen Stiftungen Carmen Keller hat das Rezept aus dem 18. Jahrhundert entdeckt und nachgekocht.

Franckesche Stiftungen – Ausstellung rund um die Tinte – Link zum Video

Das Rezept wurde in Vorbereitung zur Ausstellung ,Schnörkel Rüssel Gänsekiel‘ wiederentdeckt. In der Ausstellung geht um die Schrift und den Schreibunterricht am Waisenhaus, auf die sehr viel Gewicht gelegt worden ist. Das Rezept stammt vom 10. Janur 1760. Dass es ein altes Rezept gab, war bekannt, aber dass dieses Rezept für die Tinte sei, wurde bezweifelt.

Eigentlich sei das historische Dokument eher eine Art Einkaufsliste, auf der Rohstoffe in bestimmten Mengen sowie deren Kosten stehen. Doch Versuch macht klug. So wurden die Zutaten aus der Apotheke des Waisenhauses bezogen: gestoßener englischer Vitriol (Eisenzweisulfat), geraspeltes Brasilienholz (ein Rotholz), Gummiarabicum, Galläpfel und mehrere Kannen Essig. Doch wie wird daraus Franckes Tinte?

Eine Anleitung, in welcher Form und Menge die Zutaten verarbeitet werden sollten, gab es nicht, aber Hinweise auf Töpfe und aufs Kochen. So hat man einfach ein wenig experimentiert. Zerkleinert und vermengt ergibt sich aus den Zutaten schon eine braune Flüssigkeit, die durch Einkochen zu einer sehr dunklen, bräunlichen Tinte wird, mit der sogar Urkunden geschrieben werden kann. Das historisches Rezept und die daraus hergestellte Tinte sind Teil dieser neuen Ausstellung.

Schreibunterricht war eine der wichtigsten Unterrichtsstunden an den Schulen der Franckeschen Stiftungen, denn Francke hatte die Bedeutung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache und deren Beherrschung erkannt. Neben der Verwendbarkeit für Wirtschaft und Handel war die Schrift wichtig für die Verbreitung der pietistischen Reformideen.

Die Schrift, die deutsche Kurrentschrift, wurde bald auch Waisenhäuser Hand genannt. Der Schreibunterricht wurde durch Studenten erteilt, die wiederum von Schreibmeistern angeleitet wurden. Im Archiv der Stiftungen befinden sich mehrere Schreibmeisterbücher, in denen steht, wie die Buchstaben auszusehen hatten.

Papier liefert die Kröllwitzer Papiermühle, die damals zu den Stiftungen gehörte. Geschrieben wurde mit einem Gänsekiel, aber trotz Anleitung und Experimenten, gelang es nicht, die Feder so zuzuschneiden, dass die typische, ganz feine Schrift damit geschrieben werden konnte.

Diese Ausstellung findet in der Historischen Bibliothek, Haus 22 statt. Noch bis 15.11. kann man Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr die Tinte und die Schriften betrachten.

Quelle
Crodel, Claudia: Franckes Tintenrezept enthüllt, Mitteldeutsche Zeitung, 06.08.2009


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Alte deutsche Bibliotheksbestände in Georgien entdeckt

Einem Fernsehteam des mitteldeutschen Rundfunks (MDR) gelang bei Recherchen in der georgischen Hauptstadt Tiflis eine sensationelle Entdeckung: ein Geheimarchiv mit Beutekunst aus Deutschland:

In einem bunkerähnlichen Gebäude in Tiflis (Georgien) befänden sich mehrere tausend, teils uralte Bücher aus Deutschland von unschätzbarem Wert, teilte der MDR gestern mit. Darunter seien auch Bände aus der Leopoldina in Halle (Sachsen-Anhalt).

Die Bücher aus dem Zeitraum 1477 bis 1940 seien nach Angaben des MDR in einem sehr schlechten Zustand (Feuchtigkeit, Schimmel).
Zu dem Fernsehteam gehörte auch ein Mitarbeiter des Berliner Kurier, der gestern ebenfalls über den Fund berichtete.

via mdr und ORF


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