Glückwunsch! – 20 Jahre INETBIB

INETBIB

Heute einen riesigen Glückwunsch an INETBIB Die Diskussionsliste “Internet in Bibliotheken” wurde von Michael Schaarwächter im Mai 1994 an der Universitätsbibliothek Dortmund ins Leben gerufen. Angefangen mit 21 Teilnehmern und 4000 zum zehnjährigen Jubiläum ist die Mailingliste heute auf ca. 7.500 Teilnehmer (Frühjahr 2013) angewachsen und zählt somit zu einer der größten Austauschplattformen für BibliothekarInnen in Deutschland.

Am Anfang war die Liste eine Möglichkeit, die Techniken des Internets kennenzulernen – jetzt ist sie ein Medium, um neueste Entwicklungen hautnah mitzuerleben und Tipps und Tricks für die tägliche Arbeit mitzunehmen.

Hier der Wortlaut der ersten E-Mail, die noch immer im ausführlichen Archiv der Mailingliste nachzulesen ist und eine Woche nach Gründung der Mailingliste versandt wurde.

Willkommen!

Date: Sat, 28 May 1994 16:12:31 CET
From: Michael Schaarwaechter
Subject: Willkommen!

Ein herzliches Willkommen an alle “Schnellsubscriber”!
Die Liste ist gerade mal eine Woche alt und hat schon 21 Teilnehmer.
CDLAN, fruehere CDMLIST uebrigens hat z.Zt. 86 Teilnehmer, diese Liste
ist aber auch schon ueber 1 Jahr alt.

Ich rechne mit mehr Subscribern im Laufe der naechsten Woche, da auf der
Bibliotheca ’94 vom 25.5. bis 27.5. ueber 100 Informationsblaetter zu
diesen beiden Listen verteilt wurden.

Um die Diskussion mal anzustossen, eine Information aus der UB Dortmund:
Wir haben seit ein paar Wochen eine Internet AG, die sich mit den gleichen
Fragen beschaeftigen soll wie diese Liste. Diese AG setzt sich sowohl aus
Internet-Laien als auch aus Internet-Begeisterten zusammen und stellt
momentan fest, welchen Aufwand es erfordert, die Laien an das Netzwerk
heranzubringen. Bisher lief die Internet-Nutzung an unserer Bibliothek nur
so, dass interessierte Mitarbeiter selbststaendig elektronische
Erforschungstouren unternahmen. Der Erfolg dabei war allerdings zum
grossen Teil positiv.
Das Internet ist fuer unsere oeffentlichen PCs (anonyme Nutzung durch
Bibliotheksnutzer) noch nicht freigegeben, weil das RZ eine
ueberproportionale Belegung des WIN-Anschlusses (64 kB fuer die ganze Uni)
befuerchtet. Es gab aber schon mehrfache Fragen nach Gopher, FTP, Telnet
etc..
Wie wird das in anderen Bibliotheken gehandhabt?
Gibt es schon Schulungen, sei es nur fuer Mitarbeiter oder auch fuer
andere Benutzer?
Die zentrale Frage, die sich mir stellt: Kann man das Internet nur dann
nutzen, wenn man davon begeistert ist? Oder stellt es auch fuer andere,
fuer die der Rechner nur Werkzeug und nicht auch Spielzeug ist, eine
wertvolle Informationsquelle dar?
Die Mentalitaet, mit der in anderen Laendern an das Internet herangegangen
wird, allen voran USA, ist ja in Deutschland (Europa?) anscheinend eine
andere….(?). Kommen wir auch damit klar?

Ich lasse hier einfach mal ein paar Fragezeichen stehen….

Gruesse,
Michael Schaarwaechter

Sehr schnell gehörten auch Tagungen dazu, die sich mit praxisnahen Themen beschäftigte. Die Inetbib-Tagung findet derzeit alle zwei Jahre statt. Bisher gab es 12 Tagungen.

Auch nach 20 Jahren ist INETBIB ein wichtiger Teil der Fachkommunikation, ganz unbeeindruckt durch die neuen Möglichkeiten, wie Blogs, Twitter, Facebook und Co. Wenn man deutsche BibliothekarInnen fragt, wo sie sich regelmäßig informieren, hört man in der Regel auch die Nennung von INETBIB, die damit unverzichtbar geworden ist. Also auf viele weitere Jahre mit Fachkommunikation, interessantem Off Topic und weniger Trollgeschichten.

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[Zitat] Unkommentiert – 2009

Der Feind des guten Buches ist das Bessere, das in einer Bibliothek
moeglichst direkt daneben stehen sollte.

Walther Umstätter – Re: Friede den plumpen Servern – 01.04.2009

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Qualitätsmanagement für die Wissenschaftskommunikation

Qualitätsmanagement in der wissenschaftlichen Kommunikation wird häufig gleichgesetzt mit Rezensionen, Peer-Review-Verfahren oder einer Bewertung von Thesen bzw. Auffassungen auch im Onlinebereich. Neben diesen offensichtlichen und auffälligen Möglichkeiten gibt es auch unauffällige, aber sehr wirksame Verfahren des Qualitätsmanagements, die man häufig erst auf den zweiten Blick entdeckt. Das “Ein Gruppenblog” will an einigen Beispielen von Dialogverläufen (Threads) in Mailinglisten und Blogs ein paar dieser Verfahren vorstellen.

Um gute Threads zu entdecken, kann man sich auf die eigene Einschätzung als “Experte” verlassen. Ein anderer Indikator sind die entsprechenden Reaktionen von Beteiligten, die den Beitrag loben. Auch im Negativen gibt es verschiedene Hinweise, so z.B. fehlende Diskussionen, abrupte Abrüche oder entsprechende Äußerungen von Beteiligten.

Für aktiv Beteiligte oder stille Beobachter auschlaggeben sind ein anregender Thread, ein attraktives Thema, neue Gesichtspunkte, eine (hohe) Relevanz, die Erweiterung des Horizonts, die Beantwortung von Fragen (die man sich vielleicht selbst gestellt hat), ein roter Faden, ein guter und anregender Schreibstil und/oder ein gewisser Unterhaltungswert.

Es besteht die Möglichkeit, selbst die hohe Qualität der eigenen Beiträge zu beeinflussen. Um dem Leser die Möglichkeit zu geben, den Inhalt und die Form des Dargestellten richtig einzuschätzen, sollte man klarstellen, mit welchem Ziel das Blog bzw. die Mailingliste, ein bestimmter Thread betrieben wird. Ein Autor – gerade eines Blogs – schreibt zuallererst im eigenen Interesse. Dies könnte sein:

Der Teilnehmer möchte auf eine ihm interessant erscheinende Frage eine Antwort haben oder er möchte zeigen, wie clever und kenntnisreich er ist oder er möchte einem prominenten Kollegen ein Ergebnis seiner neuesten Forschungen mitteilen.

Die Urheber und Beteiligten des Themas wenden dabei sehr differenziert und systematisch Verfahren an, die ihnen helfen, gute Threads zu produzieren, auch wenn sie diese ohne unmittelbare Absicht machen. Diese Methoden sind bereits aus Alltagsgesprächen bekannt.

Die folgende Aufzählung enthält in knapper Formulierung einige der Methoden, die man für die Diskussion in Mailing-, Foren- und Blogpostings beachten sollte.

1. Poste zu Themen, die Dich selbst interessieren, die du für aktuell und wichtig hältst.
2. Reagiere auf Fragen und Behauptungen dann, wenn Du etwas von der Sache verstehst.
3. Reagiere nur auf gute, d.h. interessante, begründete, kenntnisreiche Postings.
4. Reagiere auf die Postings von guten Leuten.
5. Gehe genau auf die vorausgehenden Postings ein.
6. Bleibe beim Thema.
7. Wenn Du glaubst, dass die Dich interessierende Frage nur so sinnvoll bearbeitet werden kann, erweitere oder verändere das Thema.
8. Mache Züge, von denen Du annimmst, dass sie die Diskussion in Deinem Sinne voranbringen, z.B. gut begründete Einwände und Aufforderungen zur Klärung.
9. Schreibe so dass Du gut verstanden wirst – klar, explizit und kurz.
10. Schreibe so, dass die anderen Teilnehmer gerne mit Dir Postings wechseln.

Man wendet diese Prinzipien schon fast automatisch an, weil man sich ja nicht selbst blamieren will.

In Kooperation mit mehreren Teilnehmern, die sich alle an diese Prinzipien halten, kann dies erstaunliche Wirkungen haben.

Das kann man an vielen Aspekten von Threads zeigen, z.B. an der kreativen Themenentwicklung (Themengenerierung) und der erfolgreichen Diskussionsführung.

So kann sich durch die Zusammenarbeit in einem Thread ein interessantes Thema entdecken. Dabei kann es sich um ein neues Thema ansich handeln oder eine latent vorhandene wichtige Frage wird herauskristalilisiert. Wichtig dafür ist, dass man mit Interesse (1) beim Thema bleibt (6) und mit eigenen Fragen oder Meinungen anreichert (7). Wenn mehrere Leute konstruktiv sich mit einem Thema beschäftigen, kann daraus ein aktuelles und interessantes Thema werden. Da dies häufig schrittchenweise passiert, ist nicht immer klar, wer eigentlich den entscheidenen Beitrag geleistet hat. Hier kommen die zwei konkurrierenden Aspekte der Themenbeschränkung (6) und der Themenerweiterung (7) zum Tragen. Hier muss ein gewisses Gleichgewicht gefunden werden.

Brave Sicherung der thematischen Kohärenz ist gut, aber wenn man Seitenzweige abwürgt, tötet man vielleicht gerade das kreative neue Thema. Der erfolgreiche Thread zeichnet sich dadurch aus, dass da einige Leute am Werk sind, die diese Filigranarbeit beherrschen.

Die beschriebenen Methoden sind zwar keine Garantie für eine hohe Qualität, aber mit ihnen kann man daran arbeiten, eine hohe Qualität zu erreichen:

aber letztlich ist hohe Qualität, insbesondere Kreativität, immer auch ein Glücksfall. Wie bei vielen Spielen gilt auch für dieses wissenschaftliche Kommunikationsspiel: Man muss gute Spieler anziehen und sie dazu motivieren, lustvoll mitzuspielen.

Quellen:
Fritz, Gerd: „Boy am I glad I discovered this discussion!“ – Das geheime Qualitätsmanagement in Mailinglists und Blog-Diskussionen – auf Ein Gruppenblog

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