Bibliothekartag #bibtag14 – Intergenerationelle Bildungsarbeit an öffentlichen Bibliotheken

Diese Veränderungen der Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland führen zu vielen kulturellen, gesellschaftlichen und individuellen Veränderungen, die sich auch auf die intergenerationelle Bildung und das intergenerationelle Lernen auswirken. Silvia Gregarek (2006, S. 265)

Das Thema der intergenerativen oder intergenerationalen Bibliotheksarbeit beschäftigt mich schon seit 2010. Im Nachgang der damaligen BID-Tagung in Leipzig verfasste ich den Blogpost „Intergenerationale Bibliotheksarbeit als Antwort auf den demographischen Wandel: Überlegungen zu aktuellen Trends.“

Damals wurden die andragogischen (Andragogik ist nach Reischmann „Die Wisssenschaft von der Bildung Erwachsener“), pädagogischen bzw. geragogischen Aspekte, aber auch die bewusste Gestaltung des intergenerationellen Lernens noch nicht berücksichtigt. Inzwischen habe ich mich mithilfe von Fachliteratur aus der Erwachsenenbildung und außerschulischen Jugendbildung tiefgehender mit diesem Thema beschäftigt. Mittlerweile erfährt auch der Begriff der Bibliothekspädagogik eine häufigere Verbreitung und Wertschätzung. Bis dato ist die Vermittlung von bibliothekspädagogischen Inhalten nicht flächendeckend Teil der Curricula aller Fachhochschulen, welche künftige Bibliothekare/Bibliothekarinnen ausbilden.

Wie wirkt sich eigentlich der demographische Wandel, der Deutschland zur zweitältesten Gesellschaft der Welt macht und Verteilungskämpfe zwischen den Generationen mit sich bringt, auf die Bibliothekspädagogik aus? Die Entwicklung einer „echten“ intergenerationellen Bibliothekspädagogik wäre ein probates Mittel diesen gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen.

In Bremen erhielt ich die Möglichkeit über Intergenerationelles Lernen (im Bibliothekskontext) sprechen zu dürfen. Einige der Zuhörer und Zuhörerinnen äußerten sich im Anschluss dazu und meinten, dass die Kommunikation und das gegenseitige Verständnis zwischen den Generationen in ihrer Einrichtung ja auch so schon ganz gut funktioniere. Doch spiegeln subjektive Statements, denn tatsächlich die objektive Realität wider? Meine Frage war doch, ob es öffentliche Bibliotheken gibt, die gezielt Intergenerationelles Lernen fördern. Mit dem Wort „gezielt“ war die explizite Initiierung von Lernveranstaltungen gemeint und nicht die implizite, welche unbeabsichtigt vielleicht Lernprozesse auslösen.

Doch worum ging es mir in dem Vortrag? Während Begegnungsprojekte durch die Zusammenführung von Generationen gekennzeichnet sind, zeichnet Bildungsprojekte die vorhandene didaktische angeleitete Reflexion unterschiedlichster generationenspezifischer Sichtweisen aus (vgl. Franz 2010, S. 32).

Ob es sich nun um das Generationenenverhältnis zwischen den Mitarbeiter/-innen der Bibliothek oder bei Veranstaltungen handelt, an denen Angehörige verschiedener Altersgruppen („Generationen“) teilnehmen, läuft auch das Zusammenleben verschiedener Generationen auch außerhalb der Bibliotheksmauern nicht immer harmonisch ab.

Im Bibliothekskontext bzw. in Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung (Stichwort „Interkulturelle Öffnung“) werden mehr und mehr Termini wie Gender Mainstreaming oder Intercultural Mainstreaming verwendet. Müsste nicht in diesem Zusammenhang auch dem Generation Mainstreaming (gezielte Nutzbarmachtung von alters-gemischten Zielgruppen) mehr Aufmerksamkeit zukommen?

Sind wir als Bibliothekare und Bibliothekarinnen gegenwärtig schon in der Lage pädagogisch initiierte, begleitete und reflektierte Lernprozesse (vgl. Franz 2010, S. 32 ff.) zwischen Angehörigen verschiedener Generationen zu begleiten und diese lernförderlich zu gestalten? Eine bewußte pädagogische Steuerung und Intiierung von Veranstaltungen, die das Generationenenverhältnis thematisieren, gibt es bisher kaum in öffentlichen Bibliotheken. Hier sind nun die Folien meines Vortrages auf dem diesjährigen Bibliothekartag, die schon auf dem OPUS-Server des BIB hochgeladen wurden.


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Es ist nicht immer leicht, in den Schulungen zu erkennen, was das Erklären und Lösen eines Problems ist und wo das Erklären und Lösen von Technologie anfängt. Die folgende Präsentation von Jennifer LaGarde bringt es gut auf den Punkt.


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Meine persönliche Rückschau auf den BID-Kongress 2013 (Teil 6)

Ab 11 Uhr am 13.03. ging es in der KIBA-Lounge um die interdisziplinäre GeNu-Media-Teilstudie (verschiedener Fachbereiche) der HTWK Leipzig: „Analyse der Möglichkeiten und Grenzen intergenerativer Zielgruppenorientierungen in Bibliotheken“.

Sandra Michaelis (GeNuMedia) und Prof. Dr. Gerhard Hacker hielten hierzu einen Vortrag mit dem Titel „Bibliotheken – der neue Ort generationsübergreifender Medienbildung?“ Bereits 2012 wurde dieses Teilprojekt auf dem Bibliothekartag in Hamburg mit dem Titel „Senioren im Fokus. Die Nachwuchsforschergruppe GeNuMedia- Barrierefreie Medien – Generationsübergreifende Nutzungskonzepte“ vorgestellt. Der letztjährige Vortrag zu diesem Thema gibt die Grundstruktur wieder, welche auch dieses Jahr einleitend so präsentiert wurde. Das Projekt ist in unterschiedliche Schwerpunkte eingeteilt. Nachdem eine Datenbasis zur Medienaneignung und Intergenerativen Medientechnologien erstellt ist, sollen Handlungsempfehlungen für die Konzeption und Realisation generationsadäquater Medientechnologien erstellt werden. Dabei hatte ich den Eindruck, dass der Begriff Medienkompetenz häufiger verwendet wurde als Informationskompetenz. Nach einer Definiton des Begriffs Medienkompetenz nach Tulodziecki wurde auf Sekundäranalysen des (Medien-)nutzungsverhaltens in Bibliotheken eingegangen. Mehr dazu findet sich in der oben angegebenen Verlinkung (hier im Blog) zum letztjährigen Vortrag,

„Medienkompetenz beschreibt das Vermögen und die Bereitschaft in Medienzusammenhängen sachgerecht, selbstbestimmt, kreativ und sozial verantwortlich zu handeln“ (Schulz-Zander & Tulodziecki, 2009, S. 44).

Die medialisierten Lebenswelten stellen nicht nur Bibliotheken vor neue Herausforderungen, dass diese z.B. die soziale Inklusion, die Partizipation, die intergenerative Kommunikation oder den Zugang zum Arbeitsmarkt mit-fördern und befördern. Am Ende wurde eine Analyse der Möglichkeiten & Grenzen vorgenommen, bei der die Altersstruktur und das Mediennutzungsverhalten von Alten und Jungen analysiert wurde. In einem nächsten Schritt wurden die Anforderungen und Bedürfnisse an an medienkompetenzvermittelnder generationsspezifischer Anforderungsprofile identifiziert. Schritt Nummer 3 beinhaltet die Analyse bereits vorhandener medienkompetenzvermittelnder angebotsstrukturen für ältere Menschen. Als vorletzten Schritt sollen Schulungen für sächsische Modellbibliotheken konzipiert und durchgeführt werden. Es ist auch angedacht intergenerative E-Learning-Angebote zur Vermittlung zur (Informations- und/oder) Medienkompetenz zu entwickeln.
Am Nachmittag wurde in der Session „Marketing- und Kommunikationsstrategien in öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken“ von Frau Prof. Dr. Georgy der FH Köln der Marketingbaukasten zum Selbstcheck für den Aufbau eines eigenen Bibliotheksmarketingskonzepts vorgestellt. Leider ist der Zugang hierzu noch nicht für Externe freigeschalten.
Im anschließenden Vortrag wurde das neue Marken- und Kommunikationskonzept der Stadtbibliothek (im Bildungscampus) Nürnberg vorgestellt. Das neue Gebührenmodell der Stadtbibliothek Nürnberg wurde hier im Blog schon am 30.12.2012 besprochen. Die sogenannte Testimonial-Kampagne war durchaus anregend und inspirierend. Erstmals wagte es eine Bibliothek in Deutschland offen und transaperent in der ganzen Stadt mit einer Mitarbeiterin mit einem sogenannten Migrationshintergrund zu werben, die bei der Werbekampagne zur Neueröffnung der Bibliothek freiwillig mitmachte und auf dem Foto so gar nicht dem klassischen/klischeehaften Aussehen von sogenannten ottonormaldeutschen BibliothekarInnen entsprach. In der aktuellen Zeitschrift BuB gibt es auf den Seiten 222-223 ein Interview mit der jungen Bibliothekarin aus Nürnberg, das Susanne Schneehorst führte. Terkessidis bezeichnete solche Kampagnen in seinem Buch „Interkultur“ auch als interkulturelles Branding, was im bibliothekarischen Bereich, wie das Beispiel aus Nürnberg zeigt, noch ein Novum ist. Terkessidis appelliert(e) in seinem Buch an den Humorgedanken, als er eine Kampagne aus den 1980er Jahren der Openbaren Bibliotheek in Amsterdam zitierte:

„Auf einem Plakat war damals ein schwarzes Mädchen mit einem Buch in der Hand
zu sehen. Darunter stand: »Ich war mal eine dumme Blondine.«“
Das leider noch in vielen Köpfen vorhandene Ius-Sanguis-Denken, das Ethnisieren und schubladisieren von Menschen anderer Herkunft, ist nicht nur in der Bibliothekswelt unter Nutzern (und vermutlich auch BibliothekarInnen) verbreitet, nein, überall, auch in Schulen, auf der Straße und in sehr vielen Vereinen und Institutionen wären solche Plakate wünschenswert, auch beim Handwerk, das so händeringend in bestimmten Branchen Nachwuchssorgen hat oder bei der Feuerwehr, die ebenso mehr eine Willkommenskultur ausstrahlen könnten, um Hemmnisse und Zugänge zu beseitigen.
Mitte der 2000er Jahre brannte ein Kiosk in Berlin-Kreuzberg (im Wrangelkiez) und die Anwohner waren über das späte Eintreffen der Feuerwehr äußerst verwundert/verärgert/wütend und manche Stimmen warfen den Feuerwehrleuten sogar Rassismus vor. Dennoch traf die Feuerwehr bereits 5 Minuten nach Eingang der Meldung ein, aber der Lottobudenbesitzer Bilal Y. starb leider an einer Rauchvergiftung. Soweit ich mich an diesen Vorfall erinnere, lag die Hauptstelle der Feuerwehr (Wienerstraße) überhaupt nicht weit weg vom Brandtatort (Oppelnerstraße). Es mangelt wohl bei vielen Migranten/Flüchtlingen/Zuwandern gleich welcher Art an Vertrauen gegenüber Institutionen/Behörden und Bildungs- und Lerneinrichtungen, als die sich auch Bibliotheken verstehen.
Im vielleicht meiner Meinung nach beeindruckendsten Vortrag des Bibliothekartages von Armin Heigl, der übrigens kein Bibliothekar, sondern Gymnasiallehrer ist, wurde deutlich, dass Vorurteile über Lehrer nur Vorurteile sind und Armin Heigl vermutlich durch sein Engagement und seinen Einsatz alle beeindruckte, was Idealismus, Tatendrang und Offenheit für Veränderungen betrifft. Die Schulbibliothek war den meisten Schüler_innen bis zum Zeitpunkt der Veränderung eher als Ort bekannt, wo Lehrer_innen ihre Konferenzen abhalten und Essenbons verkauft wurden. Der Change-Prozess zog sich über mehrere Jahre hin. Es wurde ein Projektseminar zum Thema „Umgestaltung der Schulbibliothek zu einem Lern- und Medienzentrum“ angeboten, dass eigentlich nur weibliche Schülerinnen belegten, da der einzige männliche Teilnehmer kurz vor Beginn noch absprang. Um diesen Vortrag abzukürzen, will ich an dieser Stelle auf die positiven und hoffentlich nachhaltigen Effekte eingehen. Seit kurzem arbeitet eine gelernte Buchhändlerin halbtags in der Schulbibliothek und eine breite Mehrheit an Lehrer_innen ist bereit diese Bibliothek künftig in ein Medienlabor zu verwandeln, in dem Schüler_innen den Umgang mit Tablets und anderen zeitgemäßen Medien, wie auch den Erwerb von der jeweiligen Medien-Kompetenz, einüben. Eine seiner ehemaligen Schülerinnen, die an dem Projektseminar teilnahm, baute nach ihrer Schulzeit in einem freiwilligen sozialen Jahr eine Bibliothek in Afrika auf. Der Respekt bzw. die Daseinsberechtigung einer Schulbibliothek wird vom Lehrerkollegium nicht mehr angezweifelt und die Weiterentwicklung bzw. ein möglicher Neubau wären weitere Zukunftsprojekte für diese Einrichtung.
Zum ersten Mal nahm ich an einem Treffen der AG Gender/Diversity teil, das von Frau Dr. Karin Aleksander, der Leiterin der Genderbibliothek geleitet wurde. Vorgestellt wurde der vier Tage zuvor im Blog gepostete vornehmlich von Danilo Vetter gedrehte Film „Die geschätzte Kollegin vom festgezurrten Haupthaar : Geschlecht (k)eine Frage in Bibliotheken?„. Die anschließend Diskussion hierzu und die Ermunterung diesen Film Kollegen und Kolleginnen zu zeigen und weiterzuempfehlen, stieß auf ein großes Echo. Die wütende und aggressive Reaktion eines Bibliotheksleiters in der zeitgrößten Stadt Österreichs auf den Vorschlag einer Nutzerin im sogenannten „Wunschbuch“ mehr Literatur zum Themenfeld LGBT als Verbesserungsidee anzugeben, war ebenso Thema in der Debatte, da dies erst vor wenigen Jahren geschah und die Reaktionen des Leiters hohe Wellen schlugen. Der Film analysierte auch die Hintergründe der Entstehung des Berufsfelds Bibliothekar/Bibliothekarin und suchte nach Erklärungsmuster, weshalb die(se) Feminisierung nach vor ein entscheidendes Merkmal darstellt. Eines der Fazits, war das Erwerbs-Biografien von Bibliothekaren und Bibliothekarinnen stärker aufgearbeitet werden müßten und der Genderblick auch bei denen geschult werden müßte, welche bislang für diese Thematik nicht genug sensibilisiert, empfänglich und offen sind. Letztlich ist es eine gesamtbibliothekarische Aufgabe vermeintliche Randthemen wie etwa die Genderthematik, den Postkolonialismus und des Implikationen/Auswirkungen (wozu teilweise auch spezielle Bestände und Festivitäten wie der Black History Month zur Geschichte Schwarzer Menschen und zur „Schwarzen Deutschen Bewegung“ in Deutschland zählen), Diversität, Intersektionalität oder die Ursachen und Folgen der Feminisierung stärker in den Mainstream eines solchen Bibliothekentages oder Bibliothekstages 🙂 zu tragen. Ähnlich wie bei dem Thema Interkulturelle Bibliotheksarbeit, wo nun auch mehr Bibliothekar_innen mit Migrationshintergrund anwesend sind als früher, könnte die Thematik durchaus einen höheren Stellenwert verdienen, wenn bereits im Studium und in der Ausbildung hierfür eine andere Art der Sensibilisierung und Bewußtseinsschaffung stattfinden würde. Der  zwischenmenschlichen Kontakt zwischen Bibliothekar und Nutzer scheint eine größere Rolle, als bei anderen Bibliothekartagen gespielt zu haben.
Das folgende Plädoyer ist nun nicht kirchlich oder konfessionell gemeint, sondern bezieht sich meiner Auffassung nach auf das Grundverständnis bibliothekarischer Arbeit, was in ähnlicher Form Papst Franziskus für seine Kirche forderte. Nun wage ich den Versuch dies auf (öffentliche) Bibliotheken umzuformulieren („Bibliothek der offenen Türen“; Stichwort Niedrigschwelligkeit, Barrierefreiheit nicht nur ein Begriffskonstrukt für behinderte Menschen, sondern für alle, bei denen der Zugang zur Bibliothek eine Schwellenangst hervorruft). Gibt es denn keine Statistiken darüber, dass in Gegenden, wo Bibliotheken existieren, der soziale Friede und die Kriminalitätsrate durchschnittlich geringer ist, ähnlich wie es bei Bahnhöfen, in den klassische Musik ertönt, der Fall ist? Deshalb kam mir das Thema der Erreichnung von Nichtnutzer_innen, von Männern und/oder Strategien zur Erreichung von Menschen, welche von Exklusion betroffen sind  (wie etwa Flüchtlingen/Asylbewerber) leider zu  kurz. Die Erfüllung eines echten sozialen Auftrags von öffentliche Bibliotheken als Zusatz zu statistischen Ausleihkennzahlen, wäre sicherlich in (manchen) Stadtteilen und Gemeinden durchaus interessant als Zielvorgabe:
Wenn wir rausgehen auf die Straße, dann können Unfälle passieren. Aber wenn sich die Bibliothekar_Innen nicht öffnen, nicht da präsent sind, wo Bildungsbenachteiligte, Arme und von sozialer Exklusion betroffene Menschen sind, dann können sie beim „Kampf“ gegen Armut, den Einsatz für sozialen Frieden und dem Wohl ihrer (potentiellen) Communities herzlich wenig ausrichten. Es geht darum Brücken zu bauen. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer bibliothekarischen Öffentlichkeit, die sich beim Rausgehen auf die Straße Verletzungen zuzieht und einer bibliothekarischen Öffentlichkeit, die erkrankt, weil sie sich nur mit sich selbst beschäftigt, dann habe ich keine Zweifel: Ich würde die erste Option wählen.“
Die breite Vielfalt an Themen erlaubte es kaum eine Session zu verpassen und letztendlich verpasste man ständig etwas, da es keine Parallelschaltung zu anderen Vorträgen über die Internetseite www.livestream.com etc. gab. Interessant wäre für künftige Bibliothekar*tage, mehr Vorträge auf YouTube und Slideshare hochzuladen, zusätzlich zu den eigentlichen Präsentationen oder auch gehörlose, blinde und behinderte Bibliothekar_innen mehr einzubeziehen. Bislang habe ich diese Gruppen nie auf irgendeinem Bibliothekartag gesehen. Den folgenden und letzten Tag, den 14.03., nutzte ich zu einem Besuch der Buchmesse, um zu sehen, was gerade „in“ ist und welches Lese- und Hörerlebnisse besonders beliebt sind.

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Ein Imagevideo des Kinder- und Jugendbereichs der Stadtbibliothek Zavidovici

Bevor in diesem Dokumentations- und Imagevideo die Bibliothek näher vorgestellt wird, gibt es Erläuterungen zur ökonomischen, geographischen und demographischen Situation dieser Stadt, welche von einer traditonellen Balkanmusik untermalt wird. Zavidovići  ist eine Stadt in Bosnien-Herzegowina. In diesem 11-minütigen Imagefilm über den Kinder- und Jugendbereich der Öffentlichen Bibliothek in Zavidovići werden unter anderem SchülerInnen interviewt und die Bedeutung dieser 1959 gegründeten Bibliothek wird dadurch umso deutlicher für die ZuschauerInnen. Am Ende des Films werden junge Menschen gezeigt, wie sie im Dialog mit der Bibliotheksdirektorin neue Ideen miteinbringen. Die Offenheit Neues auszuprobieren und zuzulassen, wie etwa neuen Medien, zeichnet diese Bibliothek aus.

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Vorstellung von YOUmedia an der "Chicago Public Library"

„Utilizing YOUmedia has redefined who I am as a person. I knew I wanted to do something with audio. But I didn’t have the skills or the tools that I needed to do what I wanted to do. So yeah, it’s really changed my life.“

Jabari Mbwelera

Die Faszination und die Begeisterung sorgten dafür, dass Mbwelera Fägihkeiten und Kompetenzen erwarb, die es ihm nun ermöglichten ans College zu gehen und „audio engineering“ zu studieren. Bei YOUmedia handelt es sich um eine innovative Lernumgebung für Teenager, die sich im Harold Washington Library Center im Zentrum von Chicago befindet. Dieser erste Raum seiner Art bietet auf 5.500 m² Platz für tausende von Büchern, Laptops und einer Vielzahl von Medienwerkzeugen und Software, inklusive einem Aufnahmestudio. Aufgrund der Fähigkeit junge Menschen erfolgreich zum Engagement zu animieren, erhielt YOUmedia auch höchste Anerkennung von US-Präsident Obama. YOUMedia diente auch als ein Erfolgsmodell für 30 weitere ähnliche Lernzentren, die in der Folgezeit in den USA entstanden.Gesponsert wurden diese von der John D. and Catherine T. MacArthur Foundation. Was YOUMedia auszeichnet ist, dass Teenager aus der Konsumentenrolle heraustreten und lernen, wie sie ihre eigenen Medien herstellen. YOUmedia berücksichtigt hierbei aktuelle Ergebnisse der Lernforschung und verknüpft diese mit digitalen Medien.

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Medienpädagogik und Bibliothek – das Bib4 als Brücke

Dieser Beitrag versucht ausgehend von meinen Erfahrungen auf den letzten beiden Bibcamps eine Brücke zwischen Medienpädagogik und Bibliothekspraxis zu schlagen.

Präambel

Meine Barcamp-Erfahrungen beginnen auf dem Educamp 2010 in Hamburg. Dort machen Lambert Heller, Anne Christensen und Edlef Stabenau Werbung für ein bald stattfindendes Bibcamp in Hannover. Da ich mich in der Zeit gerade mit Paul Otlet beschäftige und anhand der Kommentare der in den Sessions ebenfalls anwesenden Bibliothekare bemerke, dass Pädagogen und Bibliothekare vor ähnlichen Herausforderungen und Problemlagen stehen, entscheide ich mich das in Hannover ausgerichtete Bib3 zu besuchen. Auch wenn ich übertreiben würde, wenn ich jedes Thema als „interessant“ und „für mir wichtig“ etikettiere, so finde ich doch in jedem Slot mindestens ein, meistens eher zwei Sessionsvorschläge, die mich interessieren. Auch wenn meine eigene Session zur Medienkompetenz, wegen meines Versuches, sie zeitlich stark zu komprimieren nicht allzu gut funktioniert, so sind die Erfahrungen positiv genug, dass ich mich traue, mehreren Bibliothekaren auf Twitter zu folgen. Das Gezwitscher ist überwiegend interessant,  sodass auch das Bib4 in Hamburg schnell den Weg in meinen Terminkalender findet.

Das Bib4

Ich will an dieser Stelle weniger auf die einzelnen Sessions eingehen, da diese im zur Veranstaltung gehörenden Wiki mittlerweile gut dokumentiert sind – bzw. sich auf dem Weg zu einer guten Dokumentation befinden (das sollte man von Vertretern einer Zunft, die sich auch mal als Dokumentationswissenschaft bezeichnete allerdings auch erwarten ;-)).

Generell fällt mir aber auf, dass es mehrere virulente Themenbereiche gibt, die alle so stark interessieren, dass daraus „Megasessions“ werden, die über 50 Interessenten anziehen oder mehrere Sessions vereinigen. Soweit ich das als „Außenstehender“ einschätzen kann, sind die folgenden Thematiken brandaktuell:

  1. Informationskompetenz, wobei die Fragen lauten: Was ist Informationskompetenz, wie kann ich sie vermitteln, welche Tools helfen mir dabei?
  2. Die Organisation und Sichtbarmachung des eigenen Datenbestandes. Dazu zähle ich Diskussion um Bibliothekssoftware, ihre Anbindung an das Semantic Web aber auch die Gestaltung von „Userinterfaces“.
  3. Der Themenkomplex „E-Bibliothek“, in welchem neue digitale Formate und Lizenzen sowie der Umgang mit diesen diskutiert werden.

Gemeinsame Handlungsfelder

Insbesondere der erste Themenbereich war für mich sehr interessant, was daran liegt, dass die Vermittlung von Kompetenz (oder pädagogisch korrekter formuliert: die Unterstützung beim Kompetenzerwerb) eine genuin pädagogische Tätigkeit ist. Dabei fiel mir auf, dass auch die Bibliothekare mittlerweile eine sinkende Wirksamkeit der klassischen pädagogischen Formate (Schulung) erleben und nach alternativen Vermittlungsmethoden suchen.

In der Session zum Microlearning tritt das Problem, dass die Zielgruppen immer schwerer zu erreichen sind ans Ziel. Die vorgeschlagene – und für mich sehr einsichtige – Lösung besteht in der Erstellung kleiner (multimedial aufbereiteter) Lerneinheiten wie z.B. Screencasts. Auch wenn die Idee des Microlearning an sich uralt ist und z.B. von Sprachenlernkalendern wahrscheinlich von  vielen schon praktiziert wurde, ändert das nichts an ihrer Aktualität. Im medienpädagogischen Bereich wird diese Lernform aktuell vor allem im Zusammenhang mit mobilen Lernen und Augmented Reality – Anwendungen diskutiert (Stichwort: Geocaching).

Dabei wandeln die Bibliothekare ihr Rollenverständnis als „Lehrende“ insofern, als sie nicht mehr als „klassischer“ Pauker in Erscheinung treten, sondern durch selbst gestaltete Produkte mittelbar einen (evtl. informellen) Lernprozess unterstützen. Diese Zentrierung auf ein lernförderndes Medienprodukt hat sich in der Mediendidaktik schon als Konzept manifestiert und wird vor allem von Michael Kerres und seinen Mitarbeitern an der Uni Duisburg und dem angeschlossenen Learning Lab unter dem Label „gestaltungsorientierte Mediendidaktik“ vorangetrieben (einführendes PDF).

Doch nicht nur die Vermittlung von Informationskompetenz weißt durch ihren didaktischen Charakter eine Verbindung zu (medien-)pädagogischen Forschung- und Handlungsfeldern auf. Auch das Konstrukt der Informationskompetenz selbst ist m.E. durchaus in der Lage den Diskurs der Medienpädagogik zu erweitern – wobei diese Ansicht eher eine persönliche ist, als dass sie im Fachdiskurs der Disziplin verhandelt wird. So definiert die klassische Medienpädagogik ihren Aufgabenbereich vor allem in der Vermittlung von Medienkompetenz, einem sehr vielschichtigen und stark diskutierten Begriff, welcher über alle Definitionen hinweg jedoch einen gemeinsamen Kern besitzt: Das lernende Individuum soll dazu befähigt werden, in einer von Medien geprägten (sozialen) Umwelt selbstbestimmt zu agieren. Medien sind in dieser Perspektive vor allem Instrumente zur Kommunikation– Medienpädagogik ist hier „Pädagogik ÜBER Medien“ (was durchaus auch durch Pädagogik MIT Medien erreicht werden kann):

„‚Medienkompetenz’ wird heute in der Regel verstanden als Anforderung an alle Menschen der modernen Gesellschaft, aktiv an den neuen Medienentwicklungen teilzuhaben, und zugleich als Programm einer spezifischen Förderung, die dazu dienen soll, von der Handhabung der Gerätschaften über auch medien- und nutzerkritische Perspektiven bis zu produktiven, ja kreativen Aspekten den Umgang der Menschen mit den Medien-Sets zu unterstützen“ (Baacke 1996, S. 114).

In Zeiten, in denen Medien als Informationsmittel dienen und somit auch Mittel der Kommunikation sind, beschreibt Medienkompetenz die Fähigkeit, alle Arten von Medien für das Kommunikations- und Handlungsrepertoire einzusetzen und sich dadurch die Welt aktiv anzueignen (vgl. Baacke 1996, S. 119). Damit geht einher, „Fähigkeiten zu entwickeln, [Medien] selbstbewusst und interessenorientiert nutzen zu können, um dabei die eigene Identität zu entwickeln und sich in der Gesellschaft zu verorten“ (von Rein 1996, S.12).

Die meisten Diskussionen um den Begriff lassen sich letztendlich auf Dieter Baacke zurückführen, welcher vier Dimensionen der Medienkompetenz benennt und Medienkritik, Medienkunde, Medienhandlung und Medienproduktion unterscheidet (genauer z.B. bei Mediaculture online). Insbesondere in der Medienkritik geht es um ein Einschätzen des Wahrheitsgehalt und der Relevanz von Informationen, was – so mein Eindruck – auch der Kern der Informationskompetenz ist. Dadurch, dass die Bibliothekare in die Vermittlung von Informationskompetenz auch die Handhabung neue medialer Dienste (z.B. Web 2.0-Applikationen) mit einbeziehen, tritt auch eine instrumentell-qualifikatorische Dimension zu Tage, welche auch in der Medienkompetenz enthalten ist. Zwischen beiden Begriffen besteht also eine Schnittmenge und insbesondere die aktuellen Diskussionen der Enquette-Komission zeigen, dass Informationskompetenz als wesentlicher Bestandteil von Medienkompetenz gedacht werden muss.

Noch deutlicher wird diese Verbindung, wenn man den deutschen Tellerrand überschreitet und den internationalen Diskurs um Media Literacy beachtet. Der Literacybegriff verortet sich näher an klassischen Kulturtechniken wie z.B. dem Lesen. Dabei werden weniger konkrete (dimensionierte) Lernziele ausgegeben, sondern vielmehr ein Stufenmodel propagiert. Die erste Ebene beschreibt den Acces, die zum Zugang zu Medien nötigen Fertigkeiten (für das Internet z.B. das Wissen Browser, Internetverbindungen, etc.). Darauf aufbauend beginnt die Stufe der Navigation. Hier geht es das Internet selbstbestimmt aber überwiegend passiv konsumiert zu nutzen – z.B. durch richtige Suchangaben bei Google. Die oberste Stufe stellt schließlich die Creation da – wo selbst Beiträge erstellt werden sollen (vgl. ausführlicher z.B. Sonia Livingstone, zum Vergleich von Literacy, Kompetenz und ähnlichem: Bachmair 2010). Die jüngste Diskussion geht dahin, dass immer stärker betont wird, dass die Vermittlung von Media-Literacy auch einer angemessenen Lernkultur bedarf. So betonen Henry Jenkins et. al. im sogenannten White Paper die immense Bedeutung einer Partizipatory Culture für Erwerb von New Media Literacys.

Berührungspunkte

Neben der direkten Überschneidung im Handlungsfeld „Medienkomptenz/Media-Literacy/Informationskompetenz“ gibt es auch mittelbare Berührungspunkte zwischen Medienpädagogik und Informationswissenschaft. So führt der oben beschriebene Wandel des Rollenverständnisses des Mediendidaktikers hin zum mediengestaltenden Akteur dazu, dass Medienpädagogen immer öfter in die Situationen kommen Wissen organisieren zu müssen, wodurch Wissensmanagement zur Schlüsselqualifikation medienpädagogischer Kompetenz wird.

Die E-Bibliotheksdiskussionen sind insofern interessant, dass neue Lizenzierungsbedingungen eine Auswirkung auf medienpädagogische Praxis haben (sollten), da sie die Rahmen abstecken, was im Bereich des Medienhandelns als Legal gilt – deutlich wird das vor allem in der Diskussion um die sogenannten Remix-Culture (Einen guten Überblick bietet m.E. der Vortrag Michael Weschs, welcher nolens volens das Problem digitaler Lizenzierung illustriert, weil er für deutsche Nutzer auf Youtube gesperrt ist).

Gemeinsames „Leid“

Zwischen den Sessions und den Sätzen der dort stattfindenden Gespräche ist mir eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Medienpädagogik und Bibliothek aufgefallen: Das Web macht uns beiden in ureigenen Handlungsfeldern Konkurrenz. Wie die Pädagogik s durch neue Entwicklungen des WWWs zu einem Überdenken ihres Selbstverständnisses gezwungen wird, ist sehr gut von David Wiley in seiner Keynote zu Open Education erklärt – es ist bezeichnend, dass er eher aus einer informatischen als aus einer genuin pädagogischen Ecke kommt. Er beginnt damit, die neue Form des Web als „Bibliothekisierung“ zu beschreiben: Informationen sind überall und jederzeit – oftmals kostenlos – verfügbar. Auch Curtis Bonk beschreibt in „The World ist Open“ das WWW als riesige Bibliothek. Die Bibliothekare sind von diesem Wandel auch betroffenen und sich dessen viel klarer bewusst als die (deutschen) Medienpädagogen. Immer wieder höre ich den Satz „Der Bestand spielt kaum noch Rolle“ – das Web hat der Bibliothek einen Kernbereich streitig gemacht – Wissen verfügbar zu machen. Das Universal-Book von dem Paul Otlet träumt ist Realität. Das WWW wird weder den Bibliotheken noch den Pädagogen ihre Existenzgrundlage nehmen – aber es wird unser beide Handeln signifikant verändern, allein schon deshalb weil unser Klientel (ob man sie nun Kunden, Nutzer, Lerner, Schüler, oder wie auch immer nennt) nicht mehr leiblich zu uns kommen, um unsere Kompetenzen in Anspruch zu nehmen, vor allem aber, weil ein sicherer Umgang mit dem Internet sowohl für Medienpädagogen als auch für Bibliothekare zur Schüsselqualifikation werden muss, wenn die Webnutzer weiterhin erreicht werden sollen.

 

Der Autor

Wolfgang Ruge ist Student des Masterstudiengangs „Medienbildung: visuelle Kultur und Kommunikation“ an der Otto von Guericke – Universität, Magdeburg. Seine Studienschwerpunkte liegen in der Filmanalyse, Internet Research und der strukturalen Medienbildung. Der Drang immer mal wieder über den eigenen disziplinieren Tellerrand zu schauen bringt ihn schließlich in die Höhle der Bücherwürmer (Bibcamp) – woraus als Konsequenz dieser Text entsteht. Weitere Informationen zum Autor und Kontaktmöglichkeiten finden sich auf seiner Homepage.


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