Situation der Schulbibliotheken in Sachsen-Anhalt

Bei den Schulbibliotheken in Sachsen-Anhalt sind gleiche Phänomene zu beobachten wie in anderen Bundesländern. Durch zurückgehende Schülerzahlen werden die finanziellen Möglichkeiten geringer und auch die Zahl der Schulen nimmt nachhaltig ab.Das zeigt sich auch bei den Schulbibliotheken, obwohl ihr Stellenwert bei der Realsierung des Bildungsauftrags der Schule steigt, denn je mehr sie aktiv in den täglichen Schulbetrieb integriert wird, desto stärker sind ihre Einflussmöglichkeiten auf die Entwicklung von Lese-, Recherche-, Medien- und Informationskompetenz der Schüler.

Grundvoraussetzung, um als Schulbibliothek leistungsfähig zu sein, ist ein vielseitiger Medienbestand, der in Sachsen-Anhalt nicht vorhanden ist, denn etwa 95% des Bestandes sind Printmedien und nur etwa 5% audiovisuelle. Damit Medienkompetenzen auszubilden ist kaum möglich. Weiterhin sind eine zentrale Lage im Schulgebäude und regelmäßige Öffnungszeiten für eine Akzeptanz und rege Nutzung notwendig. Doch hier ist gerade bei den Öffnungszeiten ein rückläufiger Trend zu beobachten, da seit 2005 die Anrechnungsstunden für LehrerInnen, die Schulbibliotheken immer geringer werden.

2005 gab es 87 Schulen mit 168 Stunden, 2009 waren es nur noch 72 Schulen mit 122 Stunden.

Dabei ist es aber für eine kontinuierliche Arbeit notwendig, dass die Bibliothek mindestens fünf Stunden wöchentlich geöffnet hat und auch nachmittags außerhalb der Unterrichtszeit erreichbar ist. Das können gerade 40% der Schulbibliotheken anbieten.

Schulbibliotheken in Sachsen-Anhalt werden von verschiedenen Stellen unterstützt, z.B. durch das Landesverwaltungsamt, die Fachstelle für öffentliche Bibliotheken, an der es eine bibliothekarische Personalstelle dafür gibt, vom Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung und von den öffentlichen Bibliotheken. Die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Bibliothek des Ortes wirkt sich regelmäßig positiv auf die Leistungsfähigkeit der Schulbibliothek aus, da z.B. der Bestandsaufbau aufeinander abgestimmt und auch gemeinsame Aktionen wie Projekttage, Lesewettbewerbe und Autorenplanung geplant und umgesetzt werden können.Gerade durch die Vereinbarung zwischen dem Kultusministerium und der Landesgruppe Sachsen-Anhalt im Deutschen Bibliotheksverband e.V. über die Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule im Jahr 2004 haben die gemeinsamen Initiativen zugenommen. Dies ist auch den EU-Fördermitteln zu verdanken, die dafür zur Verfügung stehen.

Die Fachstelle unterstützt unter anderem auch die Schulbibliotheken mit ihrem umfangreichen Medienbestand, der den öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken zur Verfügung steht. Diese können alle Medien ausleihen und diese jeweils für einen Zeitraum von einem halben Jahr ihren Lesern anbieten. Nach Absprache is dies auch länger möglich. Sogar ganze Klassensätze können durch die Schulbibliothek entliehen werden. Es wird schon viel gemacht, aber wie immer: Es könnte mehr sein!

Seit dreizehn Jahren werden die Arbeitsergebnisse der Schulbibliotheken ausgewertet. Jeweils am 31.12. wird ein Fragebogen an alle erfassten Schulbibliotheken versandt, so das man über genaue, differenzierte Zahlen zur Entwicklung des Schulbibliothekssystems in Sachsen-Anhalt verfügt.

2003 2005 2007 2009
Anzahl der Schulen 1199 1020 954 948
Anzahl der Schulbibliotheken 402 284 248 244
davon

– an Grundschulen

213 160 151 135
– an Sekundarschulen 79 48 34 44

Quelle:
Dinebier, Katrin: Schulbibliotheken in Sachsen-Anhalt, Mitteilungsblatt der Bibliotheken in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Heft 142/143 (2010), S. 47

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Bibliotheksgesetz

Zwanzig Jahre Landesverband Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband ist eine Menge Zeit.  Schon in der Anfangsphase der 1990er Jahre wurde durch den Verband ein Bibliotheksgesetz gefordert. Am 16. Juli 2008 wurde dieses Gesetz dann auch endlich vom Thüringer Landtag verabschiedet und trat am 30. Juli 2008 als erstes seiner Art in Kraft1

Etwa zwei Jahre danach ist klar, dass das Gesetz nicht alle Erwartungen erfüllt hat, aber zumindest hat es andere Landesverbände angeregt, in ihrem Bundesland ähnliche rechtliche Grundlagen für Bibliotheken anzuregen. So wurde am 17. Juni 2010 ein Bibliotheksgesetz für Sachsen-Anhalt im Landtag in Magdeburg verabschiedet, gefolgt vom Hessischen Bibliotheksgesetz am 09. September 2010.

Dies ist eine begrüßenswerte Tendenz, die sich hier abzeichnet, die die Stellung von Bibliotheken und auch ihre Weiterentwicklung deutlich mehr in den Focus von Politik und Entscheidungsträgern rückt. Die drei Bibliotheksgesetze unterstreichen die Notwendigkeit von Bibliotheken und zeigen auch, wie notwendig eine solche Bejahung von Bibliotheken in Zeiten einer finanziellen Krise ist. So wird besonders die Rolle von Öffentlichen Bibliotheken als Pflichtaufgabe von Städten, Gemeinden und Landkreisen verdeutlicht. Rechtssicherheit für diese Einrichtungen konnte jedoch mit dem vom Musterbibliotheksgesetz des DBV abweichenden Gesetzen nur bedingt geschaffen werden. Die Länder müssten in den Gesetzen deutlich machen, dass sie gewillt sind, Kommunen bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

Die Entwicklungen in Deutschland folgt dabei einem Trend, der derzeit in ganz Europa zu sehen ist: Es wächst ein Bewusstsein für die kulturelle Geschichte der eigenen Länder und damit auch ein Bewusstsein für die Bedeutung der Bibliotheken. Bibliotheksgesetze allein sind jedoch keine Allzwecklösung. Katrin Göring-Eckardt macht deutlich, dass diese mit einem konkreten Maßnahmenpaket verbunden sein müssen, um ihre ganze Wirkung zu entfalten und nicht nur heiße Luft zu bleiben!

Für das Thüringische Bibliotheksgesetz wurde bereits ein erster Änderungsantrag gestellt. Steinhauer warnt dabei deutlich, dass eine Einordnung der Bibliotheken als Kultureinrichtung ein falsches Signal sei und dass darin ein Rückschritt für das thüringische vorbildhafte Bibliotheksgesetz zu sehen sei. Gerade Bibliotheken sehen sich nicht als Kultureinrichtung sondern als Bildungseinrichtung. Es gibt eben nicht nur Öffentliche Bibliotheken, die an dieser Stelle wohl beispielhaft in den Köpfen der Politiker verankert sind.

Quelle:
Marwinski, Konrad: 20 Jahre Landesverband Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband – ein Rückblick, S. 3. – In: dbv Mitteilungen des Landesverbandes Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband, Nr. 2, 2010
Nachrichten: Verabschiedung weiterer Bibliotheksgesetze, S. 7. – In: dbv Mitteilungen des Landesverbandes Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband, Nr. 2, 2010

Mehr dazu:
Ausführlich nachvollziehen kann man die Entwicklung der Bibliotheksgesetze in den Bundesländern Deutschlands im Blog Bibliotheksrecht von Dr. Eric Steinhauer.

[Update]Leider habe ich irgendwie den Titel des Beitrages vergessen. Daher habe ich ihn rasch noch ergänzt.[/Update]

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  1. Thüringer Gesetz zum Erlass und zur Änderung bibliotheksrechtlicher Vorschriften – Thüringer Bibliotheksrechtsgesetz (ThürBibRG) vom 16. Juli 2008. In: Gesetz und Verordnungsblatt für den Freistaat Thüringen (2008) Nr. 8 vom 29. Juli, S. 243-245, darin S. 243f. Artikel 1: Thüringer Bibliotheksgesetz (ThürBibG). []

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Möchten Bibliotheken so gesehen werden?

Wir beklagen uns über ausbleibende Nutzer und immer mehr geschlossene Bibliotheken. Wir kommen negativ in der Presse herüber und dann arbeiten einige scheinbar auch noch aktiv weiter an diesem verstaubten Image, wie der Artikel der Volksstimme über den 7. Bibliothekstag des Landes Sachsen-Anhalt verdeutlicht:

Kein DVD-Verleih, sondern Besinnung auf das Kerngeschäft

Wie wollen wir unsere Daseinsberechtigung begründen, wenn wir anfangen, Abstriche dort zu machen, wo sich unsere Nutzer befinden?

Auf dem 7. Bibliothekstag wurde am 28.04. in der Stadt- und Kreisbibliothek Haldensleben schwerpunktmäßig über ein moderns Qualitätsmanagement gesprochen. Der Landesverband der Bibliotheken lud zusammen mit dem Landesverwaltungsamt BibliothekarInnen ein, um ihnen das derzeit laufende Projekt eines Qualitätsmanagement-Verbundes vorzustellen und schmackhaft zu machen. Mit einer Zertifizierung von Bibliotheksangeboten soll die Servicequalität der teilnehmenden Bibliotheken erhört und eine größere Kundenzufriedenheit erreicht werden. Das Projekt endet Juni 2011.

Wer über die Qualität der Angebote spricht, muss sich auch mit denjenigen auseinandersetzen, welche zukünftig durch die Bibliotheken erbracht werden und die den Nutzer in die Bibliothek locken sollen. Ein Qualitätsmanagement kann dabei helfen, die Bibliotheken im Land besser aufzustellen. Es wird gerade auch vor dem realen Hintergrund der Sparzwänge des Landes, der Landkreise und Kommunen notwendig. Einsparungen haben fast abenteuerliche Züge, da häufig nicht mehr fachliche Überlegungen bei Entscheidungen im Vordergrund stehen.

In Sachsen-Anhalt gibt es 206 kommunale Bibliotheken. Eine statitische Zahl, die sicher den Eindruck vermitteln kann, dass das Land damit gut aufgestell ist. Doch sind zunehmende Anpassungen an den demografischen Wandel des Landes notwendig, denn der Alterdurchschnitt steigt stetig. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen werden schlechter, während die Ansprüche der Nutzer wachsen und auch die eigenen Qualitätsansprüche sich ändern.

Ein Thema ist sicherlich die Leseförderung, die nicht nur in Sachsen-Anhalt ein großes Thema in den Bibliotheken ist. Lesungen von Autoren, Lesenächte, Buchbesprechungen sind nur einige Angebote, die man hier aufzählen könnte. Thomas Leimbach, Präsident des Landesverwaltungsamtes, riet den Besuchern des Bibliothekstages dann jedoch dringend davon ab, sich noch mehr auf den DVD-Verleih oder Computerspiele zu verlagern.

Als ich diese Aussage gelesen habe, musste ich sehr tief durchatmen.

” Ich sage Ihnen, die mediale Vielfalt wird Sie erschlagen. Nötig ist eine Rückbesinnung auf das Buch, auf das Kerngeschäft “, so Leimbach.

Verzeihung, so bitte nicht. Bibliothken müssen sich der medialen Vielfalt stellen. Wie sollen sie auf Dauer Lotse in einer immer weiter diversifizierten Medienlandschaft sein, wenn Sie sich auf “Bücher” beschränken sollen. BibliothekarInnen müssen sich auskennen in dieser Landschaft, um den steigenden Anforderungen an sie gewachsen zu sein. Das bedeutet aber auch, den Leser mit den “gefilterten” Angeboten zu füttern, ihn aber nicht einzuschränken. In freier Mediennatur wird er sich mehr oder weniger auch damit auseinandersetzen müssen. Bibliotheken beschäftigen sich nicht umsonst mit Themen wie Informations- und Medienkompetenz. Das sind Aufgabenfelder, in denen Sie meiner Meinung nach Services anbieten können und die deutlich machen, dass sie eine Daseinsberechtigung haben. Leseförderung ist nur ein kleiner, unbestritten notwendiger Teil innerhalb der bibliothekarischen Arbeit als “Bildungseinrichtung”.

Jürgen Plienninger überträgt die Forderung von Herrn Leimbach eindrücklich auf den Daimler-Konzern und zeigt, wie absurd diese ist.

Wenn zum Daimler-Konzern keine Flugzeuge (DASA), keine Haushaltsgeräte (AEG) mehr gehören, dann hat sich der Konzern strategisch auf sein Kerngeschäft, nämlich den Autobau, zurückgezogen.

Hoffentlich haben viele der Kollegen vor Ort damals heftig protestiert. So gesehen zu werden, als Bücherangebotsanstalt… Nein Danke!!! Das wäre die einfachste Möglichkeit, Bibliotheken bald ganz wegzurationalisieren, denn Buchvorstellungen, Autorenlesungen und Lesenächte können genausogut vom Buchhandel, Volkshochschulen und Theatern organsiert werden.

Aufmerksam geworden über:
Plieninger, Jürgen: Rückbesinnung auf das “Kerngeschäft”?, netbib weblog

Quelle:
Lüthe, Ivar: Kein DVD-Verleih, sondern Besinnung auf das Kerngeschäft, Volksstimme.de

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Neustart nach 10 Jahren

Eigentlich passt das Thema ja nicht ganz in dieses Blog, aber weil es eine positive Geschichte ist und nur “um die Ecke” in meiner alten Heimat passiert ist, Sachsen-Anhalt auch mal positive Nachrichten braucht, dachte ich, so einen Hoffnungsschimmer sollte ich dann doch aufnehmen.

In Tarthun (Karte), nicht weit von Magdeburg, wurde nach über 10 Jahren die Bibliothek wiedereröffnet. Geöffnet ist die Bibliothek parallel zu den Sprechzeiten im Gemeindebüro immer dienstags von 15 bis 18 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 Uhr.

Es ist ein Anfang, der meiner Meinung nach, ein wenig Unterstützung gebrauchen kann, und wenn es nur die ist, dass man auf die Bibliothek aufmerksam macht.

Quelle:
Hengstmann, Kristina: Neue Bücherregale sind “herzlich willkommen”: Tarthuner Bibliothek nach zehn Jahren wieder eröffnet; auf Volkstimme.de, Ausgabe Staßfurt

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