Der Vater der “Sammlung der verbrannten Bücher” im Interview

Georg P. Salzmann hat letztes Jahr seine Sammlung der von den Nazis verbrannten Bücher an die UB Augsburg verkauft. Diese ist nun seit Juli anlässlich des 40jährigen Bestehens der Universität Augsburg und seiner Bibliothek den Besuchern zugänglich. Die ungefähr 12.000 Bände umfassende Sammlung ist laut einem Gutachten der Bayerischen Staatsbibliothek die umfangreichste zu diesem Themenschwerpunkt, aber noch immer nicht vollständig.

Der Abschied war nicht so einfach für den 81jährigen Salzmann, aber er ist froh, dass die Bücher nun der Öffentlichkeit zugänglich sind und er seine Sammlung noch zu Lebzeiten übergeben konnte. Ein kleiner Wehrmutstropfen für ihn ist jedoch, dass nicht das stärker frequentierte NS-Dokumentationszentrum der Standort für seine Sammlung geworden ist, sondern die UB Augsburg, wo nicht so der Publikumsverkehr zu finden ist wie in Nürnberg. Die Öffentlichkeitsarbeit in Augsburg in Zusammenhang mit Salzmanns eigenen Öffentlichkeitsarbeit wird jedoch sicher den ein oder anderen Besucher und vor allem Lehrer und Schulklassen auf seine Sammlung aufmerksam werden lassen.

Salzmann selbst kam zum Sammeln dieser Bücher durch ein Schlüsselerlebnis Ende des zweiten Weltkriegs. Sein Vater, ein überzeugter Nazi, erschoss sich 1945 und noch im Juni des selben Jahres wurde der junge Salzmann durch einen US-amerikanischen Offizier zum in der Nähe gelegenen Konzentrationslager Buchenwald mitgenommen. Dort bekam er mit, was für schreckliche Verbrechen Deutsche im Krieg begangen hatten. Nurz wenig später erwarb er dann in Weimar »Der jüdische Krieg« von Lion Feuchtwanger. Lesen wurde sein Hobby und Bücher seine Sammelleidenschaft.

Salzmann ist geprägt durch die Nazi-Zeit, sowohl durch die Schule als auch durch seine Mitgliedschaft in der Hitlerjugend. Damit hat er sich auch auseinandergesetzt.

Ich war noch zu jung, um Blut an den Händen zu haben, aber ich war alt genug, um zu verstehen, was um mich herum vorging.

Ob seine Sammelleidenschaft jedoch seine persönliche Vergangenheitsbewältigung ist, kann Salzmann nicht sagen.

Nach 1945 ist Deutschland die Demokratie von außen übergestülpt worden. Ich habe seitdem häufig das Gefühl, dass sich viele Deutsche aus ihrer eigenen Geschichte und ihren Verbrechen rausgemogelt haben.

Seine vereits verstorbene Frau musste die Hauplast der Sammelleidenschaft Salzmanns tragen. Für die Recherchereisen gingen nicht nur Zeit sondern auch viel des Haushaltsgeldes drauf. Er hat in den vergangenen 65 Jahren fast alle deutschsprachigen Antiquariate in Europa abgeklappert. Nur Frankreich war davon ausgenommen. Lückenlos ist seine Sammlung jedoch nicht bei allen Autoren. So fehlt beispielsweise die »Totenrede auf Sigmund Freud« von Stefan Zweig. Die Lücken versucht er auch heute noch zu schließen und will dann die Bücher der Universitätsbiblitohek Augsburg zukommen lassen.

Quelle:
Erleichtert?
Nachgefragt bei: GEORG P. SALZMANN, Sammler der »Bibliothek der verbrannten Bücher«
Interviewpartner Georg P. Salzmann und Aert van Riel, Neues Deutschland

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Bibliothek der Verbotenen Bücher (Postdam) und der Verbrannten Bücher (Augsburg)

Die nach ihrem finanziellen Unterstützer benannte Norbert-Fiebelkorn-Stiftung trägt einen Verein, der sich mit dem Aufbau einer Bibliothek beschäftigt. In dieser Bibliothek sollen Bücher stehen, die während der Zeit des Faschismus verboten waren. Ergänzt werden sollen diese durch Biographien von Antifaschisten. Seit Ende April kann man die “Brandenburger Bibliothek der im Faschismus verbotenen Bücher” in der Hessestr. 19 in einem ehemaligen Maler-Lager und Konsum-Laden finden.

Der “Fritz Teppich Verein”, der den Namen des heute 92-jährigen Spanienkämpfers und Kommunisten trägt, hat von diesem ca. 600 Bücher in spanischer und portugiesischer Sprache als Schenkung erhalten. Dies ist noch zu wenig, um die Regale zu füllen, so dass der Vereinsvorsitzende Herbert Driebe für Spenden von Büchern zu diesem Thema offen und dankbar ist. Geld für Ankäuf in Antiquariaten fehlt und zur Zeit kommen leider nur wenige Spenden, so der Vereinsvorsitzende.

Er vermutet, dass nach der Wende und auch danach viel weggeschmissen wurde, »weil die Kinder damit nichts anfangen konnten«. Das sei sehr schade. Wer etwas besitzt, das in die Sammlung passen könnte, und es abgeben möchte, soll sich bei Driebe melden. Der 55-Jährige übernimmt auch komplette Bibliotheken und sucht sich das Passende heraus.

Die Bibliothek soll ab Herbst zu regulären Öffnungszeiten zugänglich sein. Ziel des Vereins ist es, möglichst viele der einst verbotenen Bücher zugänglich zu machen. Auch mit aktuelleren Werken zu dieser Zeit will man einen Beitrag im Kampf gegen Rechts leisten.

Durch Stiftung und Verein werden auch weitere Aktivitäten geplant, z.B. Projekte für Schulklassen, die Vorstellung unbekannter Autoren und Liedermacher sowie eine Lese-Filmreihe zu cineastischen Buchadaptionen. Zur Zeit finden bereits regelmäßig Lesungen statt.

Kontaktdaten für Ihre Spenden finden Sie im Beitrag von Maja Starke.

Eine ähnliche Sammlung befindet sich mit der Salzmann-Sammlung an der Unibibliothek in Augsburg. Die “Bibliothek der Verbrannten Bücher” besteht aus ca. 12.000 Bänden. Diese Erstausgaben von Werken, die während des Nationalsozialismus verbrannt worden waren, werden zur Zeit katalogisiert. 4.000 der 12.000 Bände werden wohl Dubletten sein.

Die neuen Räume für diese Sondersammlung in der Universitätsbibliothek Augsburg warten bereits auf die Bücher. Die Sammlung soll der Öffentlichkeit erstmals am 15. Juli im Rahmen des Tages der Offenen Tür präsentiert werden.

Zur Eröffnung (13.00-13.15 Uhr) der Sondersammlung werden ab 13.15-14.00 Uhr ausgewählte Texte deutscher “verbrannter” Schriftsteller durch ProfessorInnen der Universität gelesen und Herr Salzmann (14.00-14.30 Uhr) wird über seine Sammlung sprechen. Nach einer halbstündigen Pause werden SchauspielerInnen des Augsburger Theaters die Lesung aus weiteren Werken fortsetzen. Von 15.45-16.15 Uhr stellt sich Herr Salzman den Fragen der Besucher. (Siehe Programm “Schatzinsel des Wissens – 40 Jahre Universität Augsburg”, S. 74)

Quellen:
Fritsche, Andreas: Sammlung einst verbotener Bücher, Neues Deutschland, 26.05.2010
Starke, Maja: Bibliothek verbotener Bücher : Stiftung sucht Buchspender, plant Lesungen und Aktivitäten für Schüler, Märkische Allgemeine

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