Aus aktuellem Anlass: Zum Internationalen Tag der Sinti und Roma

In communities across Europe and around the world, Romani people have contributed in ways large and small to culture, music, and the arts.  This is also an occasion to commemorate the history of brave resistance against Nazi persecution. Protecting and promoting the rights of Romani people everywhere is a personal commitment of mine.  Far too often and in too many places, Roma continue to experience racial profiling, violence, segregation, and other forms of discrimination.  Individuals, organizations, and governments must establish the political, legal, and social landscape to encourage and value diversity.  I call upon European leaders to redouble their efforts to ensure that Romani people are not discriminated against in access to education, healthcare, housing and employment opportunities.” Hillary Clinton

Am 8. April 1971 versammelten sich mehrere Roma-Vertreter/innen zum Welt-Roma-Kongress in London, auf  den eine Vielzahl von politischen Forderungen zurückzuführen ist. Nach dem ebengenannten Kongress fand 1976 in Indien das Weltroma-Festival statt. Dabei handelt es sich um einen wichtigen symbolischen Akt, da  im Jahr 1000 nach Christus Angehörige der Roma aus Nordwestindien vertrieben bzw. versklavt worden sind. Durch Sprachvergleiche des Romanes (der Sprache der Roma) ist trotz dieser großen Zeitspanne die historische Herkunft aus Nordwestindien gesichert, obwohl Roma eine weitestgehend mündliche Überlieferungstradition pflegen.Dieser Tag ist zugleich Gedanktag der Porrajmos, dem nationalsozialistischen Genozid an Sinti und Roma. Am Internationalen Tag der Sinti und Roma streuen Roma in ganz Europa Blumen in Flüsse, Seen und Meere, um symbolisch die Verbundenheit mit Roma in allen Teilen der Welt zum Ausdruck zu bringen.

Jaisalmer Ayo! Gateway of the Gypsies from Melitta Tchaicovsky on Vimeo.

An dieser Stelle will ich keine historischen Rundumschläge und keine großen Ausführungen über die Geschichte der Romavölker vornehmen, da ohnehin ein Blogeintrag zu kurz wäre. Außerdem kann ich nicht ausführlicher auf Abschiebungen durch die Bundesregierung von Roma nach Ex-Jugoslawien eingehen. Tatsache ist, dass diese von Amnesty International und vielen anderen Menschrechtsorganisationen angeprangert wurden/werden. Ich will nur auf das Buch “Europa erfindet die Zigeuner” von Klaus-Michael Bogdal verweisen, das 2011 im Suhrkamp Verlag erschien. Bogdal weist in dieser spannend und anschaulich erzählten Geschichte nach, wie die Europäer zum verachteten Volk am unteren Ende der Gesellschaftsskala stets die größtmögliche Distanz suchten. Keine der unterschiedlichen Gesellschafts- und Machtordnungen, in denen sie lebten, ließ und läßt eine endgültige Ankunft in Europa zu. Ohne einen schützenden Ort sind sie seit ihrer Einwanderung vor 600 Jahren ständigen Verfolgungen und Ausgrenzungen ausgesetzt: in den Imaginationen der Kunst und in der politischen Realität.

Auch Günter Grass ist ein engagierten Fürsprecher, der mit seiner ‘Stiftung zugunsten des Romavolkes’, mit Auftritten vor dem Europarat und der Europäischen Investitionsbank Partei für diese größte Minderheit Europas ergreift. Ebenso mahnte der im letzten Jahr verstorbene Otto von Habsburg in seinem Buch “Unsere Welt ist klein geworden. Die Globalisierung der Politik” die mangelnde Anerkennung und Integration der Sinti und Roma an und verwies darauf, dass es sich um Bürger Europas handelt.

In welcher Form bieten Bibliotheken, Archive und Mediatheken einen Service für Roma und Sinti – aber auch für Bürger an, die fernab aller bekannten Klischees und Medienberichte ausgewogenere Informationen erhalten wollen? Die Hauptbücherei Wien am Urban Loritz Platz zählt vermutlich zu den wenigen öffentlichen Bibliotheken, welche einige Bücher in der Romanisprache im deutschsprachigen Raum anbietet. Viele Städte im Ruhrgebiet wie etwa Duisburg, aber auch anderswo in Berlin oder Ingolstadt verzeichnen einen Bevölkerungszuwachs durch Roma. Manche Städte ignorieren das, mit dem Verweis darauf, dass das illegale Campieren bald aufhört, da gewisse Baumassnahmen auf einem Gelände ohnehin bald beginnen und die Roma ohnehin ja nur betteln wollen. Die meisten sind EU-Bürger und wollen ein besseres Leben leben als in ihren Herkunftsländern. Rückführungen durch die französische Regierung wurden von der EU-Kommissarin Viviane Redding angeprangert. Die meisten der abgeschobenen Roma gingen danach wieder nach Frankreich zurück oder in ein anderes EU-Land. Wie kann in öffentlichen Bibliotheken ein ausgewogneres Bild über die Kultur, die Lebensweise und die Traditionen von Roma, aber von Sinti entstehen, die in Deutschland schon seit dem Mittelalter leben und die größte Roma-Gruppe stellen? Wie können Bibliotheken ihre Medien auf den Prüfstand stellen und ermitteln, ob sie nicht doch zu sehr die alten Stereotype und Klischees bedienen? In der Stadt, in der ich lebe, gibt es demnächst einen Kulturverein der Sinti. Die Menschen sind durchaus interessiert über ihr Leben, ihre Traditionen und ihre Kultur zu erzählen, die nicht so ganz den gängigen Klischees aus den Medien entsprechen. Bislang gibt es Aktionen der “Menschenbibliothek” in den Niederlanden und anderswo, bei der sich Neugierige auch Sinti und Roma “ausleihen” können. Dennoch gäbe es auch ein Riesenpotential an Storytellingprogramme und an Ideen auf andere Art und Weise die Kultur, Lebensweisen und Sprache an interessierte Menschen zu vermitteln.

Im folgenden Video kommt Romani Rose zu Wort, der über die Bedeutung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg spricht.

Germany: Documentation and Culture Centre for Roma and Sinti from Jake Bowers on Vimeo.

In Europa gibt es das “Roma Routes project“, das der EU-Bevölkerung  und auch den Volksgruppen selbst die Kultur, die Geschichte und Lebensweise von Romagruppen näher bringt. Das Projekt verfolgt folgende Ziele:

“1. Build a network of heritage organisations across Europe with interests in Roma cultural heritageDevelop a transnational network of Roma to create opportunities for understanding and exchange of ideas and knowledge of diversity and commonality of Roma cultural heritage at grass roots level

2. Provide a platform for promotion of Roma cultural heritage through a website related to activities, celebrations, festivals, and collections of heritage

3. Act as a seedbed of activities which will develop across Europe

4. Act as a catalyst for further transnational cooperation between Roma and heritage organisations and between Roma communities

5. Promote a non-confrontational means of communication between Roma and non-Roma communities

6. Lay groundwork for an application to the Council of Europe for  Roma Route of Culture and Heritage”

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Über die Gegenwart und Zukunft von Bibliotheken: Ein Vortrag von Chrystie Hill (TEDxRainier)

via Infobib

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Leseförderseminare durch Bernds Band/N’gowa: “Le livre est mon ami – Das Buch ist mein Freund”

Unter dem Motto „Le livre est mon ami“ initiierten Stefanie Kastner (Goethe-Institut São Paulo) und Dieu-Donné N’zi vom Goethe-Institut Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) Seminare für Bibliothekarinnen und Bibliothekare sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die im Bereich der Leseförderung aktiv sind. In der Zeit vom 27.02. bis zum 02.04.2011 wurden einwöchige Workshops in vier Ländern Westafrikas durchgeführt: in Mali, Burkina Faso, Togo und dem Senegal. Ziel und Inhalt der Seminare waren die Vermittlung von theoretischen und praktischen Kenntnissen zur Konzipierung, Organisation und Durchführung von Leseförder-Aktivitäten und –Veranstaltungen. Die Seminare waren praxisorientiert angelegt, alle Inhalte wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausprobiert und dadurch direkt erlernt. In den Workshops ging es vor allem darum, wie Bücher und Geschichten kreativ zum Leben erweckt werden können durch Musik, Fadenfiguren, Spiele und Basteln. Während der Workshops erarbeiteten die Bibliothekarinnen und Bibliothekare exemplarisch eine Leseförder-Veranstaltung, die zum Abschluss mit Kindern durchgeführt wurde. Alle vier Seminare wurden im Internet und bei Facebook dokumentiert und medial aufgearbeitet.

Anläßlich des diesjährigen Bibliothekar*tages wird Stefanie Kastner nach Deutschland kommen. Die Gruppe “N’gowa” (Märchen, Geschichte in der afrikanischen Sprache Baoulé) besteht aus drei ivorischen Germanisten und Stefanie Kastner. Mit unterschiedlichen Programmen richtet sich das Programm an Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, Jugendliche, die Französisch lernen und Erwachsene. Das Ziel von N’gowa ist die Leseförderung und die Vermittlung eines authentischen und aktuellen Afrika-Bildes in Deutschland. In der Zeit vom 22. bis 25. Mai 2012 wird die Gruppe auf dem Bibliothekar*tag sein und könnte zwischen dem 26.5. und 8.6.2012 in Bibliotheken und Schulen auftreten.

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Play Time in Action Pop Up Book

“If you can, sit down and watch the video of the pop-up with a child who’s used to modern toys. You will see that even with the radical technological differences between 1949 and today, kids are still kids. They enjoy running, jumping, going to the zoo, camping and, well being kids. We love this little pop-up book from 1949. It is a spiral bound edition that beautifully captures children at play before the advent of TV, video games and the like. The illustrations in this pop-up are reminiscent of the popular “Dick and Jane” storybooks of the time. The five pop-up scenes are: Playground, Zoo, Farm, Circus, and Camping.”
Childrensbookstore.com

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Ein Imagevideo der Swindon Library aus dem Jahr 1946

Das folgende Video aus dem Jahre 1946 bietet einen interessanten Einblick in die Arbeit der “Swindon Library”. Es wurde damals von der britischen Regierung in Auftrag gegeben und war Teil des  “Britain can make it” Programms. Dieses zeithistorische Dokument macht die damalige Aufbruchsstimmung nach dem 2. Weltkrieg ein wenig deutlich.

Borrow with interest from the Library from Swindon Viewpoint on Vimeo.

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“The Shackleton Code”: Ein Einführungsvideo in die Brasenose Collegebibliothek in Oxford

Ein Einführungsvideo der “Brasenose College Library“:

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Ein TEDx Vortrag von Carol Tilley: "Kids Need Comic Books"

Der folgende Vortrag wurde im letzten Jahr an der “University of Illinois” in Urbana-Champaign gehalten. Besonders lobens- und erwähnenswert ist, dass TEDx UIUC 2010 von einer Gruppe von Studenten organisiert wurde, insbesondere von Cristian Mitreanu. Carol Tilley war lange Zeit als Medienspezialistin für Highschoolbibliotheken und als Dozentin an der Indiana University tätig. Derzeit arbeitet Tilley als Assistenzprofessorin an der Graduate School of Library and Information Science (GSLIS) der “University of Illinois”. Ihr Forschungs- und Lehrinteresse gilt der gedruckten Kinderbuchkultur, der Medienkompetenz und dem Schulbibliothekswesen.

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Zwei Imagevideos zum Literacy Service der California Public Library

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"The Librarian Militant, The Librarian Triumphant": Ein Vortrag von R. David Lankes

Basierend auf dem heutigen Zitat von Melvil Dewey, hielt David Lankes im letzten Jahr auf dem  “NEXT: A Library Futures Symposium” in Alberta (Kanada) einen Vortrag.

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Vorstellung der “Library of Tibetan Works and Archives”

Quelle: Archivalia vom Samstag, dem 18.12. 2010

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