Übernahme Staats- und Stadtbibliothek Augsburg erst 2013

Seit Oktober 2010 haben wir hier bei Bibliothekarisch.de in unregelmäßigen Abständen über die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg berichtet, welche aus Sparzwängen zur Disposition stand. Es gab damals einen heftigen Aufschrei, der quer durch Zeitungen und Blogs ging. Februar 2011 gab es dann positive Nachrichten und die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg verschwand wieder aus dem Fokus.

Seit Ende Juli 2007 stand die Möglichkeit im Raum, dass der Freistaat nicht nur einen Großteil der Kostenübernehmen könnte, sondern sogar die ganze Bibliothek in die Verantwortung Bayerns übergehen könnte. März 2012 wurde daraus dann eine reale Sache.

Die seit fast 745 Jahren bestehende Bibliothek soll nun unter die Generaldirektion der Staatlichen Bibliotheken des Freistaates Bayern übergehen. Das gesamte Bibliothekspersonal erhält dabei mit dem Freistaat einen neuen Arbeitgeber. Auch der Name der Bibliothek ändert sich. Aus der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg wird die Staatsbibliothek Augsburg.

Helmut Gier, dem letzten Augsburger Stadtbibliothekar der Bibliothek, rennt jedoch für die Umsetzung während seiner Amtszeit die Zeit weg, da er sich zum 01.09.2012 in den Ruhestand verabschieden muss. Sein sehr ehrgeiziges Ziel, von März 2012 bis August diesen Jahres, das Vorhaben unter Dach und Fach zu bringen, ist nun nicht mehr zu erreichen. Zum einen müssen die Verträge zwischen Stadt und Staat unterschriftsreif sein, d.h. der Stadtrat und der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtages müssen diese beschließen. Zum anderen gibt es Unruhe bezüglich der Grundstücksfragen für den nötigen Erweiterungsbau.

Der Freistaat weiß, dass unter anderem auch eine Generalsanierung und der Ausbau des Dachgeschosses vorgenommen werden müssen. Die Bibliothek muss baulich und technisch vom Stand des 19. Jahrhunderts auf den des 21. gebracht werden. Dies kostet nach einer von der Regierung von Schwaben genehmigte Planung vier bis fünf Millionen Euro. Zu Technik gehört unter anderem die Klimatisierung der Bibliothek, baulich ihre statische Sicherung und die Behebung der akuten Raumnot. Der Ausbau des Dachgeschosses wäre dabei nur die kostengünstigste Lösung, da ein erforderlicher Erweiterungsbau zwischen 10 und 15 Millionen Euro kosten würde.

Nach den ursprünglichen Plänen hätte der Augsburger Bücherschatz zum 1. September in die Obhut des Freistaats übergehen sollen. Diesen Zeitplan wird man laut Finanzreferent Hermann Weber aber nicht halten können.

Die eigentliche Übergabe wird in zwei Schritten geschehen. Als erstes wird die “Stabi” an den Freistaat übergeben. Dies wurde ursprünglich für Oktober 2012 angepeilt. Im zweiten Schritt ist dann optional eine Erweiterungslösung durch den Freistaat vorgesehen. Unklar ist, wo letztendlich dieser eigentlich notwendige Erweiterungsbau stehen soll.

Quelle:
Knoller, Alois und Knab, Eva Maria: Die Übernahme verzögert sich, Augsburger Allgemeine

Aufmerksam geworden über:
Staats- und Stadtbibliothek Augsburg kommt erst später zum Freistaat, netbib welblog

Mehr dazu:
Heindl, Frank: Geht die Staatsbibliothek an den Freistaat? : OB Gribl verhandelt über hundertprozentige Übernahme, DAZ, 28.07.2011
Stellungnahme der Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg e.V. zu der von Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl und dem Vorsitzenden des Finanz- und Haushalts-ausschusses des Bayerischen Landtages Georg Winter angekündigten Überlassung der Staats- und Stadtbibliothek an den Freistaat Bayern, Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg e.V., 28.07.2011
Zäh, Helmut: MitgliederrundschreibenMärz 2012 : Verstaatlichung der Staats- und Stadtbibliothek zum 1. September 2012, der Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg e.V., März 2012

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Die LSL AG stellt eine innovative Intranet-Einkaufsplattformen zur Verfügung, welche vor allem Firmen hilft, automatisierte Beschaffungen vorzunehmen. LSL liefert Medien aller Verlage und bietet dazu maßgeschneiderte Logistikservices. LSL versorgt Kunden wie E.ON, MAN, Siemens und viele Bibliotheken mit Zeitschriften, Fachliteratur bis hin zu elektronischen Medien, welche dann zentral über angepasste Portale verwaltet werden können.

Haufe hofft durch den Erwerb von LSL auch für die bisherigen Kunden die Beschaffungsprozesse zu vereinheitlichen, da diese nun Medien vieler Verlage aus einer Hand beziehen können. So will man neben den eigenen Haufe-Lexware-Lösungen auch ein komplettes Angebot auf den eigenen Portalen bieten. Haufe-Lexware entwickelt sich damit vom Produzenten zum Händler.

Die nach der Wende November 1991 von Jürgen Tschirner gegründete LSL AG beschäftigt heute 55 Mitarbeiter. Tschirner, der auch nach der nach der Übernahme Co-Geschäftsführer bei LSL bleiben wird, steht der Haufe-Mann Mirza Hayit zur Seite. Leicht fiel diese Entscheidung für eine Übernahme auf gewisse Weise schon, da der Standort in Leipzig gesichert ist und personell stark aufgestockt werden soll.

Ursprünglich geplant war nur eine Kooperation mit der Haufe Gruppe. Doch im Laufe der Verhandlungen zeigte sich, dass eine Integration von LSL in die Gruppe sinnvoller war. Neben Schweitzer, Internationaler Medien Service (Axel Springer), dem Buchholz Fachinformationsdienst und der VUB Printmedia wirkt LSL mit einem Jahresumsatz von 16 Millionen Euro der kleinste Anbieter und ist so unter einem erheblichen Druck, will sich aber durch Service von diesen Anbietern abzuheben und mit Haufe im Rücken hofft man auf einen besseren Zugang zu den Großkunden.

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Da kann man nur hoffen, dass neben all den industriellen Großkunden der Service für die Bibliotheken nicht schlechter wird und sie auch davon profitieren.

Quellen:
Haufe-Lexware übernimmt die LSL AG : Haufe Gruppe weiter auf Expansionskurs zum integrierten Lösungsanbieter, Pressemitteilung von Haufe-Lexware, 17.02.2011
Größter Zukauf seit 15 Jahren: Haufe-Lexware übernimmt LSL, Badische Zeitung, 18.03.2011
Daniel Lenz im Interview mit Jürgen Tschirner, Haufe-Gruppe übernimmt LSL : „Wir stärken unsere Vertriebskraft“, Buchreport.de

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Amazon und Abebooks

Amazon :engl: kündigt an, Abebooks :engl: zu erwerben.

“This deal brings together book sellers and book lovers from around the world, and offers both types of customers a great experience,” said Hannes Blum, chief executive officer of AbeBooks. “We are very excited to be joining the Amazon family.”

Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung der Regulierungsbehörden, soll aber bis Jahresende abgeschlossen sein.

Damit würde Amazon Einfluss bei LibraryThing :engl: erhalten, bei dem Abebooks seit Mai 2006 mit 40 Prozent Anteilseigner ist.

Tim Spalding, Hauptanteilseigner von LibraryThing beruhigt aber die Community bezüglich ihrer Daten:

Amazon will not get access to your data. The LibraryThing/Abebooks terms are specific. Abe gets only anonymized and aggregate data, like recommendations, and they can only use it on Abebooks sites (eg., Abebooks.com, Abebooks.de). Nothing has changed here.

Quellen:
Amazon kauft Abebooks via Golem.de
Amazon.com to Acquire AbeBooks :engl: Presseerklärung von Amazon.com
Spalding, Tim: Abebooks news: The scoop for LibraryThing :engl: in LibraryThing Blog

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