Was ist die Bibliothek von heute wert?

In Zeiten knapper Kassen setzen die Kommunen schnell bei den Einrichtungen den Rotschrift an, die sie freiwillig betreiben und die in ihren Augen nicht zwingend notwendig sind. Ein beliebtes Opfer des Rotstiftes, wenn man dies einmal so provokativ formulieren darf, sind die öffentlichen Bibliotheken. Dies belegt die Webseite bibliothekssterben.de. Im krassen Gegensatz dazu steht die Tatsache, dass die Bibliotheken mit 200 Millionen Nutzern pro Jahr, immer noch die bestbesuchte Bildungseinrichtung sind. Doch kann man heute mit Klassikern der Literatur keine Punkte mehr sammeln, der Nutzer will mehr und verlangt dies auch selbstbewusst. Diesen Ansprüchen wird die Bibliothek aber nur mit ausreichend finanziellen Mitteln gerecht.

Doch kann man den Wert einer Bibliothek wirklich nur mit Geld ausdrücken?

Dieser interessanten Frage geht die Bibliothekarin Ulrike Knoop in ihrer Masterarbeit an der Fachhochschule Osnabrück am Beispiel der Stadtbücherei Melle nach. Grundlage ihrer Berechnung war eine Umfrage unter den Nutzern der Bibliothek. Dabei lautete die Hauptfrage, wie viel der Nutzer bereit ist für die Medien zu zahlen, wenn die Ausleihe nicht kostenlos sei.

Bevor ich weiter darauf eingehe, möchte ich kurz noch anmerken, dass diese Fragestellung in den falschen Händen durchaus Gefahren birgt. So könnte manch gewiefter Stadtrat diese Befragung nutzen, um neue oder höhere Gebühren zu rechtfertigen. Wir wollen hier aber natürlich niemandem etwas Böses.

Nach dieser Nutzerbefragung wurden die hypothetischen Einnahmen mit den tatsächlichen Kosten verglichen. Heraus kam ein Gewinn von drei Millionen Euro – oder anders gesagt: für jeden investierten Euro wurde theoretisch ein Gewinn von 7,60 Euro erreicht. Dies ist, wie ich finde, eine Zahl, die sich sehr gut sehen lassen kann und beweist, dass sich eine öffentliche Bibliothek durchaus selbst tragen könnte, wenn sie mit einem guten und interessanten Angebot bei den Nutzern punkten kann.

Daran schließt sich folgende Frage: Wie aussagekräftig ist diese Befragung?

Da die Autorin nur eine Umfrage in ihrer eigenen Bibliothek durch geführt hat, lassen sich diese Zahlen nur schwer übertragen. Jedoch fände ich es ganz spannend wenn man diese Befragung in mehreren vergleichbaren Bibliotheken durch führen würde, um heraus zu finden ob die Stadtbücherei Melle eine Ausnahme ist, oder ob sich eine solche Einrichtungen bei einem gewissen Angebot wirklich selber tragen würde. Die Ergebnisse einer solchen Studie würden vielleicht helfen, Konzepte für bedrohte Einrichtungen zu entwickeln, um diese über schwere Zeiten zubringen und vor der Schließung zu bewahren.

Die Masterarbeit kann auf hier heruntergeladen werden:
Koop, Ulrike: Wirkungsmessung für Bibliotheken unter besonderer Berücksichtigung des Return on Investment, Osnabrück, Juli 2009
Die Masterarbeit ist in der Reihe “Osnabrücker Arbeitspapiere zum Hochschul- und Wissenschaftsmanagement” (Nr. 18) erschienen

Aufmerksam geworden über BIB-online

Quelle:
Stephan, Elmar: Bibliotheken sind mehr als „Romanleihstellen“ In: Neue Osnabrücker Zeitung


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