Eine Lösung für das Müllproblem unserer Informationsgesellschaft?

Nicht alles, was man ins Netz hochlädt, soll auf Dauer dort stehen bleiben. Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier warnte auf der RSA-Konferenz 2008 in London bereits deutlich davor, dass es viele private Informationen gibt, die digital vorliegen und eine Nachvollziehbarkeit unseres Lebens ermöglichen. Anbieter wie Facebook und andere sozialen Netzwerke zeigen, dass persönliche Daten miniaturisiert werden und besser miteinander verknüpft werden können. Besonders problematisch ist, dass die heute noch wahrnehmbare Überwachung somit mehr und mehr in den Hintergrund verschwindet und auch Bilder lassen sich auch immer besser zuordnen. Die zunehmend besseren Speicherkapazitäten und bessere Rechenleistungen ermöglichen es, immer mehr Daten zu erfassen und zu bearbeiten. Dadurch entstehen ungeheure Mengen verknüpfbarer Daten.

Informatiker der Universität des Saarlandes haben eine mögliche Lösung entwickelt, bei der Daten und Bilder (Inhalte) bereits beim Hochladen mit einem Verfallsdatum bedacht werden können. Dazu müssen die Inhalte vorher verschlüsselt werden und die Schlüssel dann auf mehreren Servern abgelegt werden. Zum Lesen der Daten benötigt man diesen Schlüssel, welcher ganz automatisch vom Rechner vom Server angefordert wird. Die Ver- und Entschlüsselung läuft dabei im Hintergrund und wird von einem Browser-Add-on übernommen. Wie es funktioniert, zeigt auch ein downloadbares Video :video: (*.wmv) der Wissenschaftler.

Für den Nutzer, der nicht möchte, dass seine Partyfotos auch noch Jahre später auf Facebook sichtbar sind, kann beim Einstellen der Fotos bei Facebook auch gleich ein Verfallsdatum eintragen. Die Schlüssel, die dann zum Ansehen der Bilder notwendig sind, werden von den Servern automatisch nach Ablauf des Datums gelöscht und es werden keine neue mehr ausgestellt. Die Bilder (Daten) können danach nicht mehr aufgerufen werden. Einen zusätzlichen Schutz bietet ein Captchas-System.

Auf diese Art und Weise soll der Einzelne Kontrolle übe seine Daten erhalten. So können Suchmaschinen nicht automatisch Zugriff auf alle Daten erhalten. Außerdem könne man so einmal veröffentlichte Bilder auch wieder komplett löschen. Dieses Verschlüsselungssystem soll auch eine wirksame Hürde für die Cache-Funktion der Suchmaschinen sein, die Daten auch dann noch zur Verfügung stellen, wenn die ursprüngliche Quelle bereits längst gelöscht sind. Diese vollautomatische Speicherung sorgt mit dafür, dass das Internet ein Elefantengedächtnis hat und das Verfahren könnte vielleicht das wahre Müllproblem unserer Informationsgesellschaft lösen, nur kaum eine Verschlüsselung ist ungeknackt geblieben und die ursprünglichen Originaldaten bleiben trotz verfallenem Schlüssel erhalten, auch wenn sie ohne Schlüssel nicht sichtbar gemacht werden können.

Quelle:
Klingler, Anita: Saarbrücker Forscher erfinden Ablaufdatum für Netzinhalte, ZDNet.de


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