[Adventskalender] 06.12.2019 – Wolfgang Borchert

Borchert, Wolfgang (* 20. Mai 1921 in Hamburg; † 20. November 1947 in Basel) gemeinfrei seit 2018.

Die drei dunklen Könige

beeindruckend vorgelesen von Dieter Mann

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[Adventskalender] 05.12.2019 – Hans Watzlik

Watzlik, Hans (* 16. Dezember 1879 in Unterhaid, Österreich-Ungarn; † 24. November 1948 in Tremmelhausen) gemeinfrei seit 2019

Heilige Nacht

Hans Watzlik, via Wikimedia Commons

Sankt Josef nimmt den Stab zur Hand.
“Wir müssen fort ins fremde Land!”
Der Winter saust um Hof und Haus,
sie müssen in die Nacht hinaus.
Der alte Mann sagt:”Kalt is s’; huuu!”
Die Frau Maria weist die Kuh.
Sie stapfen bis zum Knie im Schnee.
Den Vater Josef friert die Zeh.
Die Sternlein still am Himmel stehn,
der Mond ist schon im Untergehn.
Die Welt ist groß, es schneit, es schneit.
Mein Gott, wie ist der Weg so weit!

Tief drin im dunklen Böhmerwald
ist ed vor Eis und Schnee gar kalt,
ein halbverfallner Stall dort steht.
Sankt Josef sagt:”Es ist schon spät.”
Er schürt ein lindes Feuerlein
und wärmt daran die Hände sein.
Und eh Maria sich besinnt,
da liegt vor ihr ein leuchtend Kind.
Vom Himmel her von Gott beschert,
das Kind liegt nackt auf bloßer Erd.
Sie fängt vor Freuden an zu schrein:
“Das ist mein kleines Jesulein!”

Das ganze Himmelreich wird wach,
ein Wunderstern scheint übers Dach.
Auf einem Silberleiterlein
steigen die Engel zur Welt herein
und geigen und singen Halleluja
und spielen die Mundharmonika,
und einer von dem himmlischen Pack,
der bläst sogar den Dudelsack.
Das Weihnachtskind gibt goldenen Schein,
und Vater und Mutter sind nimmer allein.

Der Vater zimmert schnell eine Wiegen,
das Kind soll wie ein Prinzlein liegen
Ach Gott, sie haben kein Linnen fein,
kein einziges Bettfederlein.
Die Mutter deckt das Kind zur Ruh
mit ihren gelben Haaren zu.
Die Kuh, sie haucht das Büblein dann
mit ihren warmen Atem an.
Und horch, der Kuckuck draußen schreit,
und ist doch harte Winterzeit.

Die Tiere treten aus dem Wald,
das Füchslein schlau, der Rabe alt,
die Spechte, schwarz und bunt und grün,
das feine weiße Hermelin,
der Hase hoppelt durch den Schnee,
scheu kommt heran das liebe Reh,
der Uhu und das Käuzchen grau,
die Eule ist die Schleierfrau,
bescheiden tritt die Maus hervor,
das Eichhorn spitzt das kluge Ohr,
der Dachs verlegen putzt den Bart,
ein winzig Vöglein zwitschert zart.
Der hohe Hirsch kniet fromm dabei,
trägt lauter Lichter am Geweih.

Jetzt tönt vom Dorf das Glöckel her,
so hell, als ob es Sonntag wär.
Die Hirten kommen froherschreckt,
ein Engel hat sie aufgeweckt,
“Grüß Gott, Herr Josef, Frau Marie!”
falln vor dem Kinde auf die Knie.
Die Bauernkinder stelln sich ein,
die Buben und die Mägdelein,
sie schauen ganz verwundert drein
auf das hellichte Jesulein.
Sie singen ihm:”Schlaf, Kindlein, Schlaf!”
und schenken ihm ein weißes Schaf
und Äpfel, Nüsse, Kletzenbrot,
sie schenken ihm ein Pelzlein rot,
zu schützen es vor Frostes Not.
Sie schenken einen Zappelmann,
auf dass es damit spielen kann.

Wer kommt daher im Sternenschein?
Die heiligen drei König reiten ein
mit Ross, Kamel und Elefant,
sie kommen aus dem Morgenland,
sind just ein und halbed Paar,
Kaspar, Melchior, Balthasar,
es brüllt das Kamel, das Rösslein schnaubt.
Sie tragen goldne Kronen am Haupt.
Der eine ist gar ein schwarzer Mohr.
Erschrick, o Jesus, nicht davor!
Sie bringen Weihrauch, bringen Gold,
sie bringen Myrrhen dem Kinde hold.

Die Königen reiten wieder fort,
der Stern bleibt an seinem Ort,
er bleibt mit seinem Himmelsschein
über dem armen Waldhäuslein.
Ganz still ist’s jetzt, das Kindlein
tut zu die Augen und schläft ein.
Sankt Josef schläft, Maria wacht.
Der Stern strahlt golden durch die Nacht.

Hoam!,1978, 12, in der Beilage Der Wanderstecken S. 45-46

Quelle: Watzlik, Hans – Kohoutikriz.org

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[Adventskalender] 02.12.2019 – Egon Erwin Kisch

Egon Erwin Kisch (29. April 1885 in Prag; gestorben 31. März 1948) wurde 2019 gemeinfrei.

TAGEBUCHAUFZEICHNUNGEN WEIHNACHTEN 1939

Egon Erwin Kisch, 1931 via Wikimedia Commons

Samstag, den 23. Dezember 1939. – Bin wieder Gefangener auf dem Schiff. Meine Kabine ist abgesperrt. Durchs festgeschraubte Bullauge sehe ich die Neue Welt, der ich vierzehn Tage, Kriegstage lang auf der “Pennland”, Holland-Am.-Line, entgegenfuhr, langsam durch Minenfelder, rasch einem gesunkenen torpedierten Griechenkargo “Germaine” zu Hilfe, und schaukelnd in einer besonders stürmischen See. Das ärgste war die Kontrolle durch die englischen Behörden in Southampton, die freilich nur mich betraf. Sie verpatzten mir den Paß durch ein ostentatives Landungsverbot, obwohl ich weder landen wollte noch konnte, und erhöhten die Wahrscheinlichkeit dessen, was bisher nur leichte Möglichkeit war: Landungsverbot in Amerika. Dennoch ließ ich mir’s gut gehn, “verlobte” mich mit der Bochumerin Hilde Markus und spielte mit Kindern. Daß mein Koffer aus unerfindlichen Gründen nicht an Bord gekommen war, focht mich wenig an. Erst heute, als die Freiheitsstatue und die Felsenlandschaft der Wolkenkratzer an uns vorüberschwamm, meldete sich die Krankheit wieder, die ich vor jeder Grenze zu überstehen habe: die Grenzenkrankheit. Mit dem Pilotenschiff kamen die Reporter und Leonard Mins namens der Guild of American Writers. Der Immigration Officer sagte, mein Paß sei nicht in Ordnung, denn ein chilenisches Visum aus Paris genüge nicht für ein Durchreisevisum nach Amerika, obwohl es dem Amer. Generalkons. in Paris genügt hatte. Ich müsse eines vom chilenischen Konsulat in N. York haben. Während er mit mir sprach, zeigte ihm ein Beamter einen Zettel, ohne Zweifel etwas über mich. “Ich weiß”, sagte er. Ich muß also aufs “Island” -.Euphemismus für EIlis Island, die Insel der Tränen. Aber die EIlis Island ist komplett, die Mannschaft des deutschen Passagierdampfers “Columbus”, der sich vor drei Tagen in die Luft sprengte, ist dort untergebracht, 1000 Mann. Deshalb müssen wir auf der “Pennland” bleiben, aber das ist die “Pennland” nicht mehr. Bis jetzt waren Sie unsere Gäste, jetzt sind Sie unsere Gefangenen – sagte ein Steward, und sie ließen es uns fühlen. Außer mir sind ihrer acht Personen da, und sie haben gebeten, morgen soll kein Fleisch serviert werden. Die Mehrheit deshalb, weil morgen Assarah Betewet ist, ein jüdischer Festtag, die verschwindende Minderheit, weil morgen Weihnachtstag ist. Aus der versperrten Kabine sehen wir die Hoboken Docks der Holland-America und der Gdynia-Am.-Line, 6 street, ferner rechts die Skyscrapers. Zeitungen haben wir bekommen, Weihnachtsnummer optimistischen Inhalts, auch daß ich gestern gelandet bin, steht darin. Brief von Weiskopf, Paket von Joris Ivens, Grete und F. F. c., Telegramme von Klaus und Erika Mann aus Princeton.

Weihnachten und Sonntag, 24. 12. 1939. Nachts in der versperrten Koje, tags in der Lounge, Langeweile und Sorge. Draußen denken Freunde an mich, aber dürfen mich nicht besuchen. Hanns Eisler und Reni telegrafieren, sie erwarteten mich mit Ungeduld. Was ist das aber gegen die meine, [die hoffnungslos ist.] – Abends gibt der Purser eine Runde Bier aus für uns, my turn ist Trude Klare.
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[Infografik] 18 Weihnachtsbuchklassiker

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Bild eingebunden über: Pinterest

Quelle:
Schrayter, Greeta: 18 Classic Christmas Stories to Revisit This Season, BookBub Blog

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Frohe Festtage

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Ihnen ein paar besinnliche Feiertage, einen kräftigen Magen für die feinen Sachen, die an diesen Tagen den Weg auf den Tisch finden, und ein paar schöne Stunden im Kreise der Lieben.

Ihr Autorenteam von Bibliothekarisch.de

Der nachfolgende Film soll ein wenig erinnern, was das Wichtigste in dieser Zeit ist:

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Militär folgt Rudolfs roter Nase seit 60 Jahren

Halbzeit bis Weihnachten. Morgen wird das erst von verbleibenden 12 Türchen geöffnet. Eltern wissen, dass spätestens jezt die Schreiben an Weihnachtsmann & Co verschickt sein müssen. Die bekannten speziellen Postfilialen von Weihnachtsmann, Nikolaus und Christkind arbeiten mit Hochdruck, damit auch jedes Kind rechtzeitig seine Anwort auf den Brief erhält.

Doch wo befindet sich der Weihnachtsmann? Wird er rechtzeitig die Geschenke liefern können?

Seit 60 Jahren untersützt hier das North American Aerospace Defense Command (NORAD), ein gemeinsames Kommando der USA und Kanadas, Eltern dabei, die Kinder zu beruhigen. Alljährlich am 24. Dezember können Kinder (und Erwachsene) über eine eigene Webseite, App oder per E-Mail erfragen, wo genau sich Santa Claus gerade aufhält. Die Antworten gibt es in acht Sprachen.

Eigentlich ist das Projekt durch einen Tippfehler entstanden. Im Jahr 1955 veröffentlichte das Kaufhaus Sears Roebuck & Co. aus Colorado in einem Werbeprospekt eine Telefonnummer für seine Weihnachtshotline, unter der Kinder den Weihnachtsmann erreichen sollten. Durch einen Zahlendreher landeten die Anrufer nicht bei dem Geschäft, sondern bei CONAD, dem NORAD-Vorläufer.
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