Bücher gegen Rassismus für Kinder und Jugendliche

Die Stiftung Lesen stellte vor wenigen Tagen eine Liste für Bücher gegen Rassismus ins Netz. Dabei handelt es sich in aller erster Linie um Bücher für Kinder und Jugendliche. Frau Prof. Wiesenmüller von der HdM Stuttgart wies am 17. Juli auf Twitter völlig zurecht darauf hin, dass die Kritik des Mitherausgebers der FAZ, Herrn Jörg Kaube, völlig wirr und und abgehoben ist:

“Ausgrenzung, Diskriminierung und Intoleranz – das kennen mitunter (leider) schon die Jüngsten. Bereits ab dem Kita-Alter und später auch in der Schule machen Kinder und Jugendliche Erfahrungen mit Rassismus, weil sie aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Sprache ausgegrenzt und abgelehnt werden. Bücher können helfen, diese Probleme bewusst zu machen. Sie können uns miteinander ins Gespräch bringen, für das Thema sensibilisieren und bei der Suche nach Lösungsansätzen unterstützen. […] Die Möglichkeiten, die Bücher zur Auseinandersetzung mit Rassismus bieten, sind ebenso vielschichtig wie das Thema selbst. Mit unseren Empfehlungen möchten wir Erzieherinnen und Erzieher, Eltern und Lehrkräfte bei der Auswahl von Geschichten unterstützen. Christine Kranz

Der Liste würde ich noch folgende Bücher hinzufügen, die ebenso Rassismus thematisieren. Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind ebenso Teil von Rassismus. Diese drei Bücher kenne ich aus der Kindheit und Jugend eigener Familienmitglieder:

1.) Papa, was ist ein Fremder? (Gespräche mit meiner Tochter) von Tahar Ben Jelloun. Rowohlt Taschenbuch. ISBN: 978-3499211454. 112 Seiten

2.) Mama, was ist Auschwitz? von Annette Wieviorka. List Taschenbuch. ISBN: 978-3548600888. 92 Seiten

3.) Als Hitler das rosa Kaninchen stahl von Judith Kerr. Ravensburger Verlag GmbH. ISBN: 978-3473584291. 576 Seiten

Natürlich gibt es noch weitere Bücher, mir scheint aber, dass in Frankreich, Großbritannien und den USA mehr Literatur zu diesem Thema für diese Zielgruppe existiert. Die drei Beispiele von mir machen es deutlich, da die drei Autor*innen aus den eben genannten Ländern kommen. Warum ist das so? Falls meine Vermutung richtig ist, dann scheint das zumindest in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur noch wenig thematisiert worden zu sein, vor allem im Hinblick auf Rassismus gegen Schwarze, Geflüchtete und aus Asien stammende Menschen. Ein Blick in die Leseliste der Stiftung Lesen genügt und es wird deutlich, dass von den acht Lesetipps, die auch Bücher für Jugendliche ab 14 Jahren enthalten, die Hälfte aus Übersetzungen englischsprachiger Werke besteht. Auch die Autorin des ersten Werkes, Lisbeth Kaiser, ist eine US-Amerikanerin. Die Thematik Rassismus, wie sie etwa Hans-Jürgen Massaquoi oder Theodor Michael Wonja erlebten, taucht in der Leseliste nicht auf. Gibt es zu wenig Kinder- und Jugendbücher von und über Afrodeutsche oder Afroösterreicher*innen und Afroschweizer*innen? Zumindest vermitteln das die Empfehlungen der Stiftung Lesen. Die beiden genannten afrodeutschen Autoren schrieben ja eher Autobiographien für Erwachsene.

Hätte die Literaturliste der Stiftung Lesen anders, diverser und vielfältiger ausgesehen, wenn interkulturelle Bibliothekar*innen, Community-Bibliotheken wie zum Beispiel die von Each one – Teach One e.V. und Audream aus Berlin mit einbezogen worden wären? Ich bin schon dieser Meinung und dass auch Bibliotheken, aber auch die Stiftung Lesung sich Beratung und Recherche leisten sollten, wenn es um bestimmte Thematiken geht. Die Liste der Stiftung Lesen erzählt viel zu wenig Geschichten über Rassismus in Deutschland. Entweder ist das eine Leerstelle im Bezug auf Kinder- und Jugendliteratur oder man hat explizit eher Bestseller/Klassiker ausgesucht, die zur Hälfte aus dem Ausland stammen und sich dort gut verkauften. Es wäre durchaus wünschenswert, wenn die Stiftung Lesen Ihre Liste mit Empfehlungen überarbeitet und zum Beispiel mehr Schwarze Autor*innen aus dem deutschsprachigen Raum fördert und solche, die andere Geschichten über Rassismus erzählen und über Rassismus aus eigener Erfahrung aufgrund deren biographischer Herkünfte schreiben.

Im Blogeintrag “Bücher und Leselisten gegen Rassismus?” vom 13.06.2020, den ich mit einem Fragezeichen versah, war ich zu Beginn des Artikels noch der Auffassung, dass die Wirkung von Leselisten, die durch Bibliotheken oder andere Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden, eher wenig Wirkung erzielen wird. Am Ende sah ich dies etwas nüchterner und kam zu dem Entschluss, dass es zumindest einen Versuch wert ist. Dabei bezog ich mich nur auf Erwachsene. Deshalb werde ich demnächst versuchen eine eigene Leseliste für Erwachsene zu erstellen, welche mehr Sachbücher enthält.

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Bibliotheksheld Rami Al-Maskari

Das folgende Video findet sich seit kurzem auf dem YouTube-Bibliothekskanal des Deutschen Bibliotheksverbands.

Weitere Informationen zum Thema #bibheld: http://netzwerk-bibliothek.de/de_DE/e…

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Der Bücherbus

Im Alter von 8 Jahren arbeitete Storm Reyse schon in Vollzeit mit anderern Migranten auf Bauernhöfen auf den Feldern außerhalb von Tacoma (Washington).Eines Tages kam ein Bücherbus an und brachte ihr neue Welten und Hoffnung.

Directed by: Julie Zammarchi
Executive Producers: Donna Galeno, Dave Isay, Lizzie Jacobs & Maya Millett
Producers: Rachel Hartman & Daniel Sitts
Audio Produced by: Michael Garofalo
Design: Connie Leung
Animation: Rebecca Raeder & Thomas Crew
Production Intern: Felix Lopez
Original Music: Joshua Abrams
Music Performed by: Joshua Abrams, Hamid Drake, Marquis Hill, Emmett Kelly & Adam Thornburg
Music Mixed by: Joshua Abrams & Neil Strauch
Special Thanks: Storm Reyes & Jeremy Hagquist

In Partnership with
POV
NPR
American Folklife Center at the Library of Congress

Funding Provided by
Corporation for Public Broadcasting
Ford Foundation

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Weapons of Mass Instruction

2010 wurde im Blog unter dem Titel “Ein Bücherpanzer als Instrument zur Leseförderung in Buenos Aires: “El Arma de Instrucción”” bereits ausführlich über Raúl Lemesoff’ Panzer  berichtet. Nun, 5 Jahre später scheint Lemesoff nach wie vor an seiner Idee der “Instruktion/Bildung der Massen” durch das Verteilen von Büchern festzuhalten und weiterhin seinen Panzer mit Büchern zu bestücken, um diese an den Mann/an die Frau zu bringen. Hierzulande hätte es ein derartiges Fahrzeug wohl schwer durch den TÜV zu kommen bzw. als ein solches für den Straßenverkehr überhaupt zugelassen zu werden. Im folgenden Video kommen Menschen zu Wort, die Lemesoff beschreiben und ihn bei seiner Arbeit zeigen, aber auch er selbst äußert sich zu seiner “Arbeit”.

Weapons of Mass Instruction: A 1979 Ford Falcon Converted in a Tank Armored with 900 Free Books from Colossal on Vimeo.

Gefunden bei: Bibliotheksvideos von J. Plieninger

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In der Reihe der SWR Tele-Akademie unternimmt Geert Lovink eine kritische Google-Recherche und Catarina Katzer beschreibt die Mechanismen des Cyber-Mobbing.

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[Zitat] Unkommentiert – 2013

The real challenge of using machines for transactive memory lies in the inscrutability of their mechanics. Transactive memory works best when you have a sense of how your partners’ minds work — where they’re strong, where they’re weak, where their biases lie. I can judge that for people close to me. But it’s harder with digital tools, particularly search engines. You can certainly learn how they work and develop a mental model of Google’s biases. … But search companies are for-profit firms. They guard their algorithms like crown jewels. This makes them different from previous forms of outboard memory. A public library keeps no intentional secrets about its mechanisms; a search engine keeps many. On top of this inscrutability, it’s hard to know what to trust in a world of self-publishing. To rely on networked digital knowledge, you need to look with skeptical eyes. It’s a skill that should be taught with the same urgency we devote to teaching math and writing.” Clive Thompson

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[Zitat] Unkommentiert – 1915-2005

People can lose their lives in libraries. They ought to be warned.” Saul Bellow

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